Titelkupfer

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© Staatliche Bibliothek, Passau

Objekttyp Druckgraphik
TechnikKupferstich
MaterialSchwarze Tinte, Papier
Standort Staatliche Bibliothek, Passau
InventarnummerSnv/Mc (b) 84
Künstler/WerkstattJohann Adam Delsenbach (Stecher), 1687-1765
VerlegerPeter Conrad Monath, gest. 1747
HerstellungsortNürnberg
Datierung1723
BeschreibungDer Kupferstich von Johann Adam Delsenbach diente als Titelbild für den von Driesch veröffentlichten Reisebericht über Virmonts Gesandtschaftsreise nach Konstantinopel. Der Künstler stellt hier eine Allegorie des Friedens dar (Minerva pacifera), die sich auf die politische Bedeutung der Gesandtschaftsreise Virmonts bezieht. [...]
Maßeca. 175 x 140 mm (Platte ohne Rahmen)
DokumentationJohann Adam DELSENBACH, Titelkupfer mit Aufschrift: „Noch Feinde mögen ietz, noch Waffen mehr erschrecken, da Virmondts Helmen mich und ereutze thut bedecken“, in: Cornelius von den Driesch, Historische Nachricht von der Röm. Kayserl. Groß-Botschafft nach Constantinopel, welche auf allergnädigsten Befehl sr. Röm. Kayserlichen und Catholischen Majestät Carl des Sechsten / nach glücklich vollendeten zweyjährigen krieg, Der Hoch- und Wohlgebohrne des H. R. Reichs Graf Damian Hugo von Virmondt rühmlichst verrichtet [...], Nürnberg 1723, unpag.
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitierhinweisTitelkupfer,bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Damian Hugo von Virmonts und Ibrahim Paschas (1719/20), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 1), Wien 2022
Online unter: https://qhod.net/o:vipa.img.hbg.7
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Über das Werk

Von Laila Dandachi

Der Nürnberger Johann Adam Delsenbach (1687–1765) ging beim Porträtstecher Augustin Fleischmann in die Lehre und besuchte einige Jahre später auch die Malerakademie. Nach 1710 arbeitete er für den Architekten Bernhard Johann Fischer von Erlach als Kupferstecher in Wien. Zwischen den Jahren 1715 und 1725 gab er in Zusammenarbeit mit dem Architekten und Kupferstecher Paul Decker d. Älteren (1677–1713) seine „Nürnbergischen Prospekte“ [1] heraus, die Straßen, Plätze und Gebäude von Nürnberg zeigen und besonders aufgrund ihrer graphischen Qualität hervorstechen. Darüber hinaus engagierte ihn der Antiquar Carl Gustav Heräus als Graphiker in Wien für das von Kaiser Karl VI. initiierte Medaillenwerk. [2] Neben seinen Arbeiten als Kupferstecher existieren von ihm noch gemalte Kabinettstücke, Kupferbibeln, Porträts und Historien in Miniatur. [3] Außerdem erstellte er für das von Jacob Trew geschriebene anatomische Werk [4] weitere naturgeschichtliche Kupfertafeln, die wie der Reisebericht von Driesch von dem Verleger Peter Conrad Monath in Nürnberg herausgegeben wurde. [5]

Das Titelkupfer [6] wurde offensichtlich für den um 1723 publizierten Reisebericht „Historische Nachricht […]“ von Johann Adam Delsenbach, „J. A. Delsenbach sculp[sit“], nach einer Vorzeichnung von Paul Decker – wahrscheinlich d. Jüngerem (1685–1742), „P. Decker del[inavit]“ – angefertigt. Er war der Bruder Paul Deckers d. Älteren und unterstützte ihn nach seiner Ausbildung in der Nürnberger Malerakademie bei seinen Arbeiten in Sulzbach und Bayreuth. Insbesondere erstellte Paul Decker d. Jüngere die Vorzeichnungen für architektonische Hintergründe, mythologische und biblische Szenen von illustrierten Publikationen sowie Porträtstiche von Nürnberger Bürgern. [7]

Der Titelkupferstich stellt offensichtlich eine Allegorie des Friedens dar, in der eine weibliche Figur die Hauptrolle übernimmt.

Die weibliche Figur im Titelkupfer versinnbildlicht hier nicht den schon bestehenden Frieden, sondern einen Frieden, der erst durch „die Weisheit“ hergestellt werden muss: Die antike Göttin Minerva bzw. Pallas Athene verkörpert hier die Weisheit, die den Frieden gleichzeitig ermöglicht und bewahrt. Minerva, wird – wie im Titelkupfer – zwar oft in Kriegsrüstung (Schuppenpanzer, Helm, Speer und Schild) dargestellt, hat aber dennoch – neben ihrem klugen und vorausschauenden Vorgehen im Krieg – einen friedlichen Bedeutungsradius, indem sie die Künste und die Wissenschaften vor der Zerstörung durch den Krieg bewahrt (Minerva pacifera). [8] Daher weisen der Globus und die Bücher zu Füßen der Göttin auf ihre Gelehrsamkeit hin. Das Bildprogramm der Minerva pacifera, die den Frieden (Pax oder Irene) vor dem Krieg (Mars) schützt, wurde erstmals von dem Freskenmaler Jacobo Tintoretto (1518–1594) Ende des 16. Jahrhunderts im Dogenpalast in Venedig veranschaulicht. Tintorettos Bildprogramm wurde auch von Annibale Carracci (1557–1602) in einem seiner Kupferstiche wiedergegeben. Seit dem 17. Jahrhundert wurde diese Friedensallegorie immer wieder rezipiert, wie z.B. durch Peter Paul Rubens (1577–1640), nachdem er 1629 von seiner diplomatischen Friedensmission nach London zurückgekehrt war. [9] Diese friedliche und kultivierende Seite der Minerva wurde daher auch zum Vorbild für einen Herrscher, der zwischen Krieg und Frieden klug agiert. [10] Nur der geflügelte Putto zu ihrer Linken erinnert den Betrachter daran, dass der Friede nicht durch Verhandlungen erreicht wurde: Die vom Putto auf einer Tafel präsentierte Palme entstammt dem Attribut der Victoria. [11] Der Friede von Passarowitz (1718) und somit auch die darauffolgende Gesandtschaftsreise Virmonts wurden erst durch einen militärischen Sieg über die Osmanen ermöglicht.