Türkische Frauen im Bad

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© Staatliche Bibliothek, Passau

Objekttyp Druckgraphik
TechnikKupferstich
MaterialSchwarze Tinte, Papier
Standort Staatliche Bibliothek, Passau
InventarnummerSnv/Mc (b) 84
Künstler/WerkstattJean-Baptiste Vanmour (Maler), 1671-1737
VerlegerPeter Conrad Monath, gest. 1747
HerstellungsortNürnberg
Datierung1723
BeschreibungVermutlich entstand dieser Kupferstich nach einer Vorlage des französischen Malers Jean-Baptiste Vanmour (1671-1737).[...]
Maßeca. 190 x 135 mm (Platte)
DokumentationN.N., Türkisches Bad, in: Cornelius von den Driesch, Historische Nachricht von der Röm. Kayserl. Groß-Botschafft nach Constantinopel, welche auf allergnädigsten Befehl sr. Röm. Kayserlichen und Catholischen Majestät Carl des Sechsten / nach glücklich vollendeten zweyjährigen krieg, Der Hoch- und Wohlgebohrne des H. R. Reichs Graf Damian Hugo von Virmondt rühmlichst verrichtet [...], Nürnberg 1723, 79.
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitierhinweisTürkische Frauen im Bad,bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Damian Hugo von Virmonts und Ibrahim Paschas (1719/20), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 1), Wien 2022
Online unter: https://qhod.net/o:vipa.img.hbg.16
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Über das Werk

Von Laila Dandachi

Cornelius von den Driesch vermerkte in seinem Reisebericht, dass ein französischer Maler einen Entwurf für türkische Frauen im Bad [1] für den kaiserlichen Großbotschafter Virmont anfertigte, nachdem er ihm zwei seiner farbigen Gemälde – „Tänzerinnen im Harem“ [2] und „Türkisches Mädchen im Bad (Hamam), dem die Haare geflochten werden“ [3] – vorgestellt hatte. Hier muss es sich um Jean-Baptiste Vanmour (1671–1737) handeln, der bereits in dieser Zeit ein Atelier in Konstantinopel eröffnet hatte und dort als Auftragsmaler arbeitete. [4]

Da Jean-Baptiste Vanmour häufig Figuren in bestimmten Posen oder Figurengruppen in unterschiedlichen Positionen schuf, die er für neue Zusammenstellungen in seinen Entwürfen immer wieder verwenden konnte, [5] setzt sich auch das „Türkische Bad“ im Bericht Drieschs aus verschiedenen künstlerischen Elementen zusammen. Das „Türkische Bad“ besteht aus zwei Bildern, die sich in wenigen Details voneinander unterscheiden: Während das obere Bild eine Darstellung von badenden Frauen mit ihren Kindern zeigt, gewährt das zweite Bild Einblick in eine Versammlung von leicht bekleideten Frauen, die nach ihrem Bad Erfrischungen oder ein Mahl aus der gemeinsamen Schüssel mit Früchten (?) zu sich nehmen. Der Typus der sich waschenden Frau, wie sie bei Ferriol dargestellt ist, wird auch im oberen Bild zum Teil übernommen: Das türkische Waschbecken (kurna) befindet sich jedoch nicht gegenüber der Badenden wie bei Ferriol, sondern direkt dahinter, während die Dienerin mit dem Handtuch im Hintergrund fast verschwindet. Bemerkenswert ist auch die Haltung der badenden Frau in Driesch, die ihren rechten Arm über ihren Kopf hebt: Diese bekannte Pose hat der Künstler von einer Frau entlehnt, die sich unter einer Gruppe von Männern und Frauen bei einem Festgelage in der Umgebung von Istanbul befindet. [6] Beide Einzelbilder vom „Türkischen Bad“ in Driesch sind daher nicht so sehr reale Abbilder von badenden Frauen, sondern folgen älteren Bildschema. Diese türkischen fêtes champêtres boten Vanmour die Möglichkeit, sich durch eine erotischere Darstellungsweise deutlich von seinem Vorbild Jean-Antoine Watteau (1684-1721) abzuheben. [7]