Porträtbüste des Damian Hugo von Virmont

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© Österreichische Nationalbibliothek / Stadtarchiv Willich

Objekttyp Druckgraphik
TechnikKupferstich
MaterialSchwarze Tinte, Papier
Standort Österreichische Nationalbibliothek
InventarnummerPORT0010540001 POR MAG
Künstler/WerkstattAntonio Luciano (Stecher), 1700-1738
VerlegerUnbekannt
HerstellungsortWien
Datierung1719
BeschreibungDas Vorbild für diesen Kupferstich lieferte wahrscheinlich ein Gemälde des venezianischen Malers Sebastiano Bombelli (1635-1719), das sich heute in Schloss Herrenstein befindet (Foto: Stadtarchiv Willich). Die Haltung des Großbotschafters entspricht dem Typus eines Monarchen.[...]
Maßeca. 240 x 170 mm (Platte)
DokumentationAntonio LUCIANO, Virmond. Damian Hugo Graf, Venedig / Wien 1719.
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitierhinweisPorträtbüste des Damian Hugo von Virmont,bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Damian Hugo von Virmonts und Ibrahim Paschas (1719/20), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 1), Wien 2022
Online unter: https://qhod.net/o:vipa.img.hbg.13
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Über das Werk

Von Laila Dandachi

Der venezianische Künstler Antonio Luciano (um 1700–1738) arbeitete als Kupferstecher, Grafiker und Maler, [1] der für seinen Kupferstich [2] wahrscheinlich ein Gemälde von Sebastiano Bombelli (vor 1635–1719) zum Vorbild nahm. Dieses Gemälde befindet sich heute in Schloss Herrenstein [3] und bezeugt anhand des dargestellten kaiserlichen Großbotschafters Bombellis Sinn für Dignität und Vorliebe für höfische Kostümierung. Ebenso sticht es durch seine Farbigkeit, Hell-Dunkel-Kontrastierung sowie durch die realistische und einfühlsame Darstellung des Großbotschafters hervor, was als Kennzeichen seines künstlerischen Stils gewertet wurde. [4]

Der in Udine geborene Maler Sebastiano Bombelli erlernte sein Handwerk in der Malerakademie Guercino in Bologna. Um 1663 machte er sich in Venedig selbstständig und zeichnete sich als fähiger Porträtmaler aus, der zahlreiche Kopien von alten Meistern, wie Veronese und Tintoretto anfertigte. Seine Karriere gipfelte in der Ernennung zum offiziellen Maler der Republik Venedig. Seine Berühmtheit führte ihn an zahlreiche europäische Höfe wie Wien, München, Braunschweig, Florenz, Mantua und Parma. [5] Die für den bayerischen Hof hergestellten Porträts konnten durch Kupferstiche von J. Sauvé identifiziert werden. [6] Antonio Luciano etwa nahm teilweise künstlerische Elemente von Bombelli (realistische Physiognomie, detailgetreue höfische Kostümierung) in seinem Kupferstich auf, wodurch man auch das Gemälde in Herrenstein dem venezianischen Maler zuschreiben könnte.

Der kaiserliche Großbotschafter wird hier als Feldherr mit Perücke, Halstuch, Kürass und Mantel dargestellt (vgl. Bildnis des Damian Hugo von Virmont). Der ovale Rahmen des Porträts enthält folgende Inschrift: „EXCELL[CI]S R[OMANI].I[MPERII]CO[MES] DAMIANUS HUGO VIRMONDTIUS […] MDCCXVIIII.“ Unterhalb des Bilderrahmens befindet sich ein Podest, das nicht nur den Namen des Kupferstechers nennt: „Ant[onio] Luciani Venet[iae]. Vien[niae]. Sculp[sit] 1719“, sondern auch ein lateinisches Zitat des römischen Schriftstellers Horaz: „CERTANT (!) TERGEMINIS TOLLERE, HONORIBUS“, das dem 8. Vers der Ode 1.1. entspricht: „[…] wetteifert, ihn mit dreigestaltigen Ehren emporzuheben.“ Im antiken Rom wurden mit den dreigestaltigen Ehren gewöhnlich die politischen Ämter (Ädilität, Prälat und Konsulat) bezeichnet. [7] Die Verwendung des Zitats unter dem Bildnis verweist daher auf den politischen Erfolg Virmonts, verkörpert durch drei mächtige Attribute, die auf einem Polster platziert sind: Während sich das aufgeschlagene Buch auf seine Gelehrtheit bezieht, wird sein diplomatisches Geschick durch einen Merkurstab mit Flügelpaar und seine militärische Karriere durch einen Degen versinnbildlicht.

Im Gegensatz zur Darstellung des Großbotschafters Virmont von Georg Daniel Heumann (vgl. Porträt des habsburgischen Großbotschafters Damian Hugo von Virmont) hebt Lucianos Stich seine herausragenden Eigenschaften als monarchischen Staatsmann hervor, die sich in allegorischer Form auch in Delsenbachs Titelkupfer (Minvera pacifera) wiederfinden. Der Großbotschafter fungierte hier als Repräsentant des Monarchen, was insbesondere durch die Position seines Kommandostabes im Gemälde in Herrenstein angezeigt (s. Foto aus dem Stadtarchiv Willich) wird, die eine Entsprechung in einem Reiterporträt des Königs von England, Charles I. (1600–1649) von Bernard Baron (ca. 1696–1762) findet. Der Letztgenannte fertigte sein Bildnis nach einem Original von Anthonis von Dyck (1599–1641) an, das sich im Besitz des englischen Königshauses befindet. [8]