Porträt des Prinzen Eugen

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© Österreichische Nationalbibliothek

Objekttyp Druckgraphik
TechnikKupferstich
MaterialSchwarze Tinte, Papier
Standort Österreichische Nationalbibliothek
InventarnummerPORT0005685401 POR MAG
Künstler/WerkstattGeorg Daniel Heumann (Stecher), 1691-1751
VerlegerPeter Conrad Monath, gest. 1747
HerstellungsortNürnberg
Datierung1722 ~ 1723
BeschreibungDieser Kupferstich von Georg Daniel Heumann beruht auf ein Gemälde des berühmten Barockmalers Johann Kupetzky. Der Prinz wird hier im Feldherrentypus dargestellt.[...]
Maßeca. 195 x 135 mm (Platte)
DokumentationGeorg Daniel HEUMANN, Franciscus Eugenius Herzog von Savoyen und Piemont, in: Cornelius von den Driesch, Historische Nachricht von der Röm. Kayserl. Groß-Botschafft nach Constantinopel, welche auf allergnädigsten Befehl sr. Röm. Kayserlichen und Catholischen Majestät Carl des Sechsten / nach glücklich vollendeten zweyjährigen krieg, Der Hoch- und Wohlgebohrne des H. R. Reichs Graf Damian Hugo von Virmondt rühmlichst verrichtet [...], Nürnberg 1723, unpag.
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitierhinweisPorträt des Prinzen Eugen,bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Damian Hugo von Virmonts und Ibrahim Paschas (1719/20), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 1), Wien 2022
Online unter: https://qhod.net/o:vipa.img.hbg.10
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Über das Werk

Von Laila Dandachi

Der Porträtstich des Prinzen Eugen von Savoyen-Carignan (1663–1736) wurde von dem Zeichner und Kupferstecher Georg Daniel Heumann (1691–1751) angefertigt und von Peter Conrad Monath herausgegeben (1683–1747). [1] Die Darstellung ist ein Nachstich des Gemäldes des berühmten und von Prinz Eugen engagierten Barockmalers Johann Kupetzky (1667–1740), das als farbliche Reproduktion in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufliegt. [2]

Johann Kupetzky entstammte einer Weberfamilie aus Böhmen, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Protestantismus nach Preßburg auszuwanderte. Auf Schloss Holčík lernte Johann den Schweizer Maler Benedikt Klaus kennen, der ihn als Lehrling nach Wien mitnahm. Im Laufe der nächsten 20 Jahre hielt er sich mehrmals in Italien auf, wo er dank seiner Förderer adelige Auftraggeber porträtierte und ein eigenes Atelier in Rom gründete. Nach 1706 verließ er Rom und kehrte nach Wien zurück. Dort verlegte er sein Interesse auf die Malerei nördlich der Alpen und widmete sich der flämischen Porträtkunst und bestimmten französischen Künstlern, wie Hyacinthe Rigaud oder Nicolas de Largillière. Während seiner Zeit in Wien (1707–1723) porträtierte er nicht nur die Kaiserfamilie, sondern auch diverse Mitglieder des Hochadels. Seine große Popularität zeigte sich anhand seiner Bildnisse, die in zahlreichen Kupferstichen herausgegeben wurden, zuerst in Wien und dann systematischer in Nürnberg, wo Bernhard Vogel 1735 ein Sammelwerk mit dem Titel „Ioannis Kupezky, incomparabilis artificis. Imagines et picturae […]“ publizierte. [3]

Johann Kupetzky stellt hier Prinz Eugen in seiner Prunkrüstung dar: Während der Feldherr seine rechte Hand mit einem Kommandostab leicht nach oben wendet, ruht seine linke Hand auf dem Griff seines Degens. Der Farbdruck von dem Gemälde zeigt außerdem am linken unteren Bildrand seinen schwarzen Prunkhelm, der auf dem Kupferstich von Heumann fehlt. Die beiden Bilder unterscheiden sich nicht nur in den Details der Prunkrüstung (Ornamentik, Mantel, Schmuck), sondern auch in der Gestaltung der Perücke und des Gesichtsausdrucks. Da Johann Kupetzky als herausragender Maler des barocken Charakterporträts bekannt war, [4] der dem Porträtierten individuelle Züge verlieh, lassen sich deutliche Unterschiede zur Interpretation des kaiserlichen Feldherrn durch Heumann ausmachen: Johann Kupetzky verleiht ihm zwar eine würdige Haltung, aber sein Blick wirkt auf den Betrachter doch etwas überheblich oder überspannt, während ihm Heumann ein zwar ebenso würdevolles Auftreten, aber einen eher milderen Gesichtsausdruck zubilligt.

Das Bildnis des Prinzen Eugen steht sowohl bei Heumann als auch bei Johann Kupetzky in der Tradition der Heerführer seit dem 16. Jahrhundert. Solche Feldherrnporträts spiegelten das frühneuzeitliche Ideal des souveränen Generals im Dienst des Kaisers wider, der sich durch seine außergewöhnliche Tapferkeit und seinen Einsatz für die Verteidigung des christlichen Glaubens (defensor fidei) auszeichnete. Diese heroische Stellung des Feldherrn verblasste zwar während des Dreißigjährigen Krieges aufgrund der zunehmend staatlich organisierten Streitkräfte, gelangte jedoch insbesondere nach der Zweiten Türkenbelagerung Wiens in den 1680er und 1690er Jahren zu einer letzten Blüte. [5]