Porträt des osmanischen Großbotschafters Ibrahim Pascha

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© Österreichische Nationalbibliothek / Google Books (NoC-NC/1.0)

Objekttyp Druckgraphik
TechnikKupferstich
MaterialSchwarze Tinte, Papier
Standort Österreichische Nationalbibliothek
Inventarnummer498505-B.2 ALT RARA
Künstler/WerkstattJohannes Kenckel (Stecher), 1688–1722
VerlegerChristoph Weigel, 1654–1725
HerstellungsortNürnberg
Datierung1720 ~ 1721
BeschreibungDas Kupferstichporträt des Großbotschafters fertigte wahrscheinlich Johannes Kenckel nach einer Vorlage des niederländischen Malers Jean-Baptiste Vanmour an. Der Verleger Christoph Weigel wurde in Augsburg zum Kupferstecher ausgebildet und spezialisierte sich später in Nürnberg und Wien auf den Kunstverlag. [...]
Maßeca. 130mm x 95mm (Platte)
DokumentationChristoph WEIGEL, Wahreste und neueste Abbildung Des Türckischen Hofes/: welche nach denen Gemählden/ so der Königliche Französische Ambassadeur, Monsr. de Ferriol, Zeit seiner Gesandtschafft in Constantinopel im Jahr 1707 und 1708. Durch einen geschickten Mahler nach den Leben hat verfertigen lassen/ Jn fünff und sechzig Kupffer=Blatten gebracht worden. Nebst einer aus dem Französischen ins Teutsche übersetzten Beschreibung, Nürnberg 1719, 1.
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitierhinweisPorträt des osmanischen Großbotschafters Ibrahim Pascha,bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Damian Hugo von Virmonts und Ibrahim Paschas (1719/20), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 1), Wien 2022
Online unter: https://qhod.net/o:vipa.img.hbg.1
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Über das Werk

Von Laila Dandachi

Das Porträt des Großbotschafters des Osmanischen Reichs, Ibrahim Pascha, gehört zu jener Folge von Kupferstichen, die Christoph Weigel nach der Vorlage der Gemälde von Jean-Baptiste Vanmour (1671–1737)[1] in seinem zweiten Band [2] publizierte. Der Diplomat bestätigte im Namen Sultans Ahmeds III. (r. 1703–1730) den Friedensvertrag von Passarowitz bei der kaiserlichen Audienz in Wien im Jahr 1719. [3]

Der Herausgeber des Werks, Christoph Weigel (1654–1725), erlernte die Kunst des Kupferstechens in Augsburg und arbeitete danach in Wien und Nürnberg. Später spezialisierte er sich auf den Kunstverlag und Kunsthandel. [4] Ebenso wirkte Johannes Kenckel, der von Weigel zum Kupferstecher und Radierer ausgebildet worden war, an der Anfertigung der Kupferstiche mit. Dieser bekam an verschiedenen Fürstenhöfen u.a. in Wien und Dresden sowie in Hamburg Aufträge für die Anfertigung von Porträts, die meistens auf zeitgenössischen Vorlagen beruhten. [5] Daher ist von einer Beteiligung Kenckels an der Anfertigung dieses Stichs auszugehen, obwohl nur der Name des Verlegers („C. Weigel exc[udit]”) am linken unteren Bildrand vermerkt ist. [6]

Die Darstellungsweise des Großbotschafters folgt den üblichen Regeln der visuellen Kodierung, die man bei höfischen Botschafterporträts der Frühen Neuzeit vorfindet: Beim Großbotschafter fehlen zwar weitgehend die Attribute seines Amts oder die Insignien seiner Amtsgewalt, aber sowohl der hohe Turban mit der Aigrette als auch der mit Zobelpelz gefütterte und mit Mustern bestickte Kaftan zeugen von seiner Magnifizenz und seiner hohen Stellung. Im Hintergrund wird durch die Darstellung einer gepolsterten Sitzbank auf das am türkischen Hof übliche Privileg eingegangen, das den Gesandten während der Audienz mit dem Sultan zuteilwurde. [7] Die sonst bei Botschafterporträts übliche Hintergrundgestaltung ist hier deutlich reduziert: Außer der schlichten Sitzbank, fügte der Künstler nur ein Fenster mit Ausblick in die Natur sowie einen schweren Vorhang, der von oberhalb des Kopfes des Großbotschafters bis fast zum Boden reicht, in die Darstellung ein. Darüber hinaus verzichtet er hier auf die sonst dargestellten Motive, wie Briefe und Geschenke, die auf die Funktionen des Gesandten im Rahmen des Zeremoniells hinweisen. [8]

Wie bereits oben im Titel erwähnt, beruhen Weigels Kupferstiche auf einer getreuen Adaption des französischen Albums, das von Charles Ferriol 1714 in Auftrag gegeben worden war. [9] Als Vorbild diente dem Künstler das Porträt des Großwesirs Nevşehirli Damat İbrahim Pascha (ca. 1662–1730) von Vanmour, der in ähnlicher Haltung und Kleidung dargestellt wurde. Insbesondere übernahm er für die Darstellung Ibrahim Paschas den zeremoniellen Turban (kallāvī) sowie die gepolsterte Sitzbank im Hintergrund. [10] Weitere zeremonielle Gegenstände wie der in seinem Gürtel steckende Dolch sowie das an seiner linken Hüfte befestigte Schwert symbolisieren seinen hohen Rang am Hof des Sultans. Dennoch sind sie in diesem Stich nur teilweise erkennbar, da sowohl vom Dolch als auch vom Schwert nur der Griff sichtbar sind. Im Gegensatz zur Darstellung Weigels wurden jedoch die hohen osmanischen Würdenträger in französischen Botschafterporträts zwar mit dem in einem Gürtel steckenden Dolch, aber ohne Säbel dargestellt.[11] Im Vergleich dazu heben sich die Kupferstiche Weigels durch ihren schlichten Rahmen ab, wodurch eine der Tradition der Renaissance entsprechende Fokussierung auf das Kostüm mit Schmuck und Waffen ermöglicht wird.[12]