LEOPOLDUS I.ROM. IMPER.
GERMANIAE HUNGARIAE. atq. BOHEMIAE
REX ARCHIDUX AUSTRIAE etc etc.
- 2 -
Gründ=
und
Umständlicher Bericht
Von Denen
Römisch=Kayserlichen
Wie auch
Ottomannischen
Groß=Bothschafften/
Wodurch
Der Friede oder Stillstand
Zwischen
Dem Aller=Durchleuchtigst=Großmächtigst=
und Unüberwindlichstem
Römischen Kayser
LEOPOLD PRIMO
und
Dem Sultan
MUSTAFA HAN II.
Den 26. Januarii, 1699.
Zu Carlowitz in Sirmien auf 25. Jahr geschlossen/
Und darauff auch an denen respective Höffen
Zu Wienn und Constantinopel
bestätiget worden.
Cum Privilegio Sacrae Caesareae Majestatis.
Wienn in Oesterreich
Zu finden bey Johann Baptist Schönwetter / Universitätischen Buchhändler.
MDCCII. - 4 -
Preface starts here
- 4 -
An den Leser.
Gleichwie der letzte Friede oder Fünft und zwang⸗
tzig=Jährige Stillstand zwischen der Römisch=Kay⸗
serlichen Majestät und der Ottomanischen Pforte
eine so glorieuse Materie für das Durchleuchtigste Ertz=Hauß
Oesterreich ist / daß davon nimmer gnug geredet und der Po⸗
sterität schrifftliche Nachricht kan hinterlassen werden ; So em⸗
pfänget der Leser hiemit einen besondern Tractat, welcher
Journals=weise nicht allein was bey obgemeldter Friedens=
Handlung von Anfang biß zum Ende fürkommen / sondern
auch von Beyden / nemlich der Römisch=Kayserlichen und Tür⸗
ckischen Groß=Bothschafft / viele gar curieuse Particularia
vorstellet. Man beziehet sich deßfallß nur auff das beygefügte
Register / worauß zu ersehen / daß ein weit=mehrers in diesem
Tractat enthalten / als was die ordinaire Nouvellen und Dia⸗
ria uns dazumahl nach und nach davon gemeldet haben. Es
wäre zu wünschen gewesen / daß der Autor, so alles / theils
selbst / zu Wienn angemercket / theils durch genaue Informa⸗
tion und confidente Correspondentz erhalten / die Hand noch⸗
mals an das Werck hätte legen mögen / umb ihm seine letzte Perfe⸗
ction zu geben. Indem aber derselbe jetzo anderwärtig in Dien⸗
sten und sehr occupirt ist / so hat ein anderer das Scriptum völlig
in Ordnung gebracht / und dessen Communication nicht län⸗
ger zurück halten wollen. Man hoffet gäntzlich / es werde der
geneigte Leser sich solchen Fleiß nicht mißfallen lassen / sondern
das Werck so güthig annehmen / als die jenige so daran gear⸗
beitet haben / gute Intention geführet / dem Publico zu dienen.
Dire=
Direction an den Buch=Binder / wo die
Kupffer hingehören.
No. 1. Der Römische Käyser / und
No. 2. Der Türckische Groß=Sultan, vor pag. . . . 1
No. 3. Das Lager und Conferentz=Haus / ad pag. . . . 6
No. 4. Des Herrn Graffen von Oettingen Portrait, ad pag. . 35
No. 5. Seiner Excellentz Abschieds=Audientz bey Ihro Kayserli⸗
chen Majestät ad pag. . . . . 37
No. 6. Beyder Groß=Bothschaffter Außwechselung bey Salan⸗
kement, ad pag. . . . . . . 48
No. 7. Deß Türckischen Bothschaffters Einzug zu Wienn /
ad pag . . . . . . . 51
No. 8. Sein Portrait, ad pag. . . . . . 57
No. 9. Kupffer von dem Divan, ad pag. . . . . 58
No. 10. Des Bothschaffters Audientz bey Ihro Kayserlichen
Majestät / ad pag. . . . . . 60
No. 11. Plan vom Serrail zu Constantinopel, ad pag. . . 73
No. 12. Kupffer von der Türcken Bairam, ad pag. . . 77
Summarischer Inhalt
Aller in diesem Tractat befindlichen Materien.
INtroitus von der Türcken bey
Zenta an der Theiß erlittenen grossen Nieder⸗
lage. p. 1.
Die Englische und Holländische Bothschaffter bey der Pforte veranlassen
einen Friedens=Congress in
Sirmien. ibid.
Ihre Kayserliche Majestät und übrige Allijrte Potentzen benennen Mini⸗
stros zu der bevorstehenden Friedens=Handlung; deßgleichen auch der
Sultan thut: welche im Monath October 1698. jene zu Futack und Pe⸗
terwardein / und diese nebst denen Mediations-Ministris zu Belgrad an⸗
kommen. p. 1. & 2.
Das Armistitium wird beyderseits publiciret. p. 2.
Die Türcken passiren zu erst
die Sau / und darauf die Kayserliche die
Donau. p. 3.
Das Lager der Allijrten wird bey Carlowitz ausgezeichnet. ibid.
Der Kayserlichen Bothschaffter Einzug zu Peterwardein und Ankunfft im
Lager. ibid.
Dasselbe wird verändert und dadurch ein Competentz=Streit zwischen dem
Pohlnischen und Moscowitischen gehoben. p. 4.
Neue Strittigkeit zwischen dem Pohlnischen und Venetianischen. ibid.
Wird gütlich beygeleget. p. 5.
Die Kayserliche bekommen die erste Visite von den Allijrten / geben dieselbe
aber denen HHrn. Mediatoren / als letzt angekommenen / und visitiren sich
allerseits Ministri reciprocè. p. 4. & 5.
Die Plenipotentzen oder Vollmachten werden durch die HHrn. Mediatores
recognosciret und gegen einander ausgewechselt. p. 5.
Was für Distinction in Ceremonialibus die Kayserliche im Lager für denen
Allijrten gehabt. p. 6.
Praeliminar-Puncte werden ajoustiret / und geschiehet darauf die erste Con⸗
ferentz mit besonderm Pomp: die folgenden aber werden mit geringerer
Suite und ohne Ceremonien gehalten. ibid.
Beschreibung des Conferentz=Hauses und der darin gehaltenen ersten Ses⸗
sion. p. 7.
Die Türcken lassen denen Kayserlichen zu erst durch zween Effendi oder Secre⸗
tarios ein Compliment machen. ibid.
Das Moscowitische Armistitium auf 2. Jahr wird unterschrieben / und nach
2. Tagen die Kayserliche und Pohlnische Friedens=Instrumenten; wie
auch die Venetianische Interims-Articuli. ibid.
Was für Ceremonien bey solcher Unterschrifft / Signatur und Auswechselung
allerseits observiret worden. p. 7. & 8.
Die gesambte Bothschaffter fertigen Expresse ab / wobey Sie die Friedens=
Instrumenta Ihren Hohen Herrn Principalen überschicken. p. 8.
Die HHrn. Mediatores und Kayserliche stellen kostbahre Panquete an / und
was sonst für öffentliche Freuden=Bezeigungen wegen des geschlossenen Frie⸗
dens geschehen. ibid.
Die Kayserliche Bothschaffter besuchen die Türckische auf das von Ihnen ob=
)(
gedach=
- 8 -
gedachter massen zu erst empfangene Compliment; und werden darauf
von denenselben ieder visitiret. p. 9.
Die sämbtliche Bothschaffter nehmen reciprocè von einander Abschied; und
reisen nach erfolgter Ratification wieder nach Hauß. p. 10.
Die 4. Friedens-Instrumenta in formȃ:
Das Kayserliche. p. 10.
Das Pohlnische. p. 25.
Das Moscowitische. p. 29.
Das Venetianische. p. 32
Der Kayserliche Groß-Bothschaffter raepariret sich zu der Reise nach Con⸗
stantinopel. p. 35.
Liste Seiner Suite. ibid.
Ausführliche Relation von dessen Solennen Abschiede bey Ihro Kayserlichen
Majestät. p. 37.
Verzeichniß der Kayserlichen Praesente / so nach der Pforte übersandt
worden. p. 41.
Reflexiones über der Kayserlichen Ambassade angenommene frembde Klei⸗
dung. p. 44.
Die Kayserliche Groß=Bothschafft reiset von Wien auf der Donau ab. p. 45
Ordnung der Schifffahrt. ibid.
Taffel=Ordnung. p. 46.
Abgeredete Puncte wegen Auswechßlung der Kayserlichen gegen die Tür⸗
ckische Ambassade. p. 47.
Die Auswechßlung erfolget bey Salankement. p. 48.
Der Kayserliche Groß=Bothschafft ält einen solennen Einzug zu Belgrad /
und besuchet den Seraskier allda. p. 49. & 50.
Desgleichen der Türckische zu Esseck thut. p. 50.
Umbständliche Beschreibung von des Türckischen Groß-Bothschaffters Em⸗
pfang / und prächtigem Einzug in die Kayserliche Residentz=Stadt
Wien. p. 51.
Portrait von ermeldten Groß=Bothschaffters Persohn / nebst Anführung
dessen Qualitäten und Thaten. p. 57. & 58.
Lächerliche Antwort / so er gleich nach der Ankunfft einigen curieusen Weibs=
Persohnen geben lassen. p. 58.
Hält öffters in seinem Quartier Divan oder öffentliches Gerichte. ibid.
Des Bothschaffters erste Audientz bey Ihro Kayserlichen Majestät / und wie
Er dazu aufgeholet worden. p. 59.
Seine allda gethane Rede / nebst des Reichs=Vice-Cantzlers Antwort. p. 62.
Specification der Praesenten / so der Sultan dem Römischen Kayser über⸗
sandt. p. 64.
Der Bothschaffter beschencket auch für sich die übrige Gnädigste Herr⸗
schafft. p. 65.
Siehet des Römischen Königs Maj. Schlittenfahrt / wie auch einer Comoe⸗
die bey Hoff zu. p. 65. & 66.
Leget seine rste Visite bey dem Kayserl. Kriegs=Praesidenten ab. p. 66
Verzeichniß der Praesente / welche Er Ihm von
dem Sultan mitgebracht. p. 68.
Der Türcken Fasten=Monath / Ramazan genant / fält ein; allwo von den
5. Haupt=Puncten des Türckischen Glaubens kurtze Erwehnung geschie⸗
het. p. 68. & 69.
Der Türckische Bothschaffter beschencket auch die Kayserl. Hoff=Aembter
und erste Ministros. p. 70.
Wohnet einem Ball bey dem Kriegs=Praesidenten bey. ibid.
Notificiret durch einen Expressen seine gehabte Audientz nach Constantinopel;
und langet hingegen von da ein Kayserl. Courier zu Wien an. ibid.
Gründliche Relation von des Kayserl. Groß=Bothschaffters zu Constantino⸗
pel ehaltenen solennen Entrée p. 71.
Seine erste Visite bey dem Groß=Vezier; Dessen Persohn kürtzlich beschrie⸗
ben wird. p. 72. & 73.
Darauf folgt die Audientz bey dem Sultan solennissime. ibid.
Die Türcken feyren zu Wien ihr grosses Bairams=Fest. p. 77.
Nachricht von demselben / wie auch ihren Spielen und Täntzen. p. 77. & 78.
Frembde Gesandten besuchen den Türckischen Bothschaffter / und nehmen
Plaisir sich mit Ihm zu unterhalten p. 79.
Einige desselben kluge Raisonnements so wol von Geist= als weltlichen Din⸗
gen. p. 79. & 80.
Des Bothschaffters erste Conferentz bey dem Kriegs=Praesidenten
p. 80.
Ihm wird ein anderer Kayserl. Ober=Dollmetscher zugegeben. ibid.
Der Bothschaffter machet bey der Frühlings=Zeit Promenaden zu Pferde /
und besuchet fleissig die in der Nähe gelegene Gärten und Lust=Häuser. p. 81.
Continuatio Diarij von Constantinopel. ibid.
Die Türcken celebriren zu Wien ihr zweytes Bairams=Fest / das Sie Aschi
Bairam nennen. p. 84.
Sehen der Catholischen am Fron=Leichnambs=Feste haltenden grossen Pre⸗
cession zu. ibid.
Ihre Kayserl. Maj. gehen mit der sämbtlichen Herrschafft in den Au=Garten /
umb das Ihro von dem Sultan überschickte und allda aufgeschlagene kost⸗
bahre Zelt zu besehen. ibid.
Dessen kurtze Beschreibung p. 85.
Der Bothschaffter wird von dem Wienerischen Stadt=Magistrat tractiret. ib.
Fernere curieuse Continuatio Diarij von Constantinopel. p. 85
Des Kayserl. Bothschaffters praesent an den Sultan; Worauf Er nebst dem
Englisch= und Holländischen von dem Groß=Vezier aufs herrlichste tracti⸗
ret wird. p. 86.
Ein praetendirter Edelman von des Herrn Grafen von Oettingen Suite läufft
zu den Türcken über. p. 88.
Des Pohlnischen Bothschaffters Audientz und Rede an den Groß=Vezier und
Sultan
p. 88 & 89.
Nachricht von den so genanten 7. Thürnen. p. 90.
Der Frantzösische Bothschaffter / Marquis de Feriol, brauchet gegen den Kayserli⸗
chen Repressalien. p. 91.
Des Römischen Königs Majestät halten ein Tournier in der Favorite, dem der
Türckische Bothschaffter zuschauet. ibid.
Dieser lässet einen Kerl öffentlich für seinem Hause an einem Baum aufhencken. ibid.
Wird von einigen Kayserlichen und Königlichen Ministris splendide tractiret. p. 92.
Einige Türcken certiren mit den Kayserlichen Edel=Knaben / allerhand Exercitia zu
machen und ihre addresse zu zeigen ibid.
Der Stillstand zwischen Moscau und der Pforte wird auf 30. Jahr prorogiret. ibid.
Einige Cavalliers on der Kayserlichen Ambassade reisen von Constantinopel nach
Jerusalem. p. 86 & 92.
Die Gräntzscheidung in Croaten wird regliret. p. 92
)( 2 Der - 10 -
0
Der Tractat in formȃ. p. 93.
Die Publication desselben. p. 97.
Der Kayserliche Groß=Bothschaffter wird von Constantinopel zurück gefodert. p. 98.
Der Türckische Bothschaffter lässet seine Exercitia und Spiele sehen dem Römischen
Könige / des Hrn. Ertz=Hertzog Carlo Dhl. item Sr. Churfürstl. Dhl. zu Pfaltz. ib.
Es kommen nach und nach viele aus der Türckey erlösete Sclaven zu Wien an / und
passirè Processions=weise durch die Stadt hinauß in das Spanis. Closter p. 98. & 99.
Das Gedächtniß des Entsatzes von Wien wird celebriret. p. 99.
Fernere Particulare Nachrichten von Constantinopel: wie auch von der Türcken
Wallfahrt nach Mecca und Medina. ibid.
Einige getauffte Türcken begeben sich in den Schutz des Bothschaffters / umb wieder
mit nach der Türckey zu gehen / welches der Kayserl. Hoff ressentiret und dagegen
nöthige Praecautiones gebrauchet. p. 100.
Der Bothschaffter besuchet die Frau Gräffin von Oettingen und divertiret sich den gan⸗
tzen Nachmittag auf ihrem Garten. ibid.
Curieuse Beschreibung der allda gehaltenen Türckischen Mahlzeit. p. 100. & sequ.
Er hat die letzte Conferentz bey dem Kriegs-Praesidenten wobey Er zugleich bittet /
daß Derselbe Ihm die Abschieds=Audientz bey Ihro Kayserlichen Majestät zu we⸗
ge bringen wollte. p. 103.
Der Bothschaffter hat die Abschieds=Audientz bey Ihro Kayserlichen Majestät. ibid.
Seine Rede und des Reichs-Vice-Cantzlers Antwort. p. 105.
Dessen letzte Visite bey dem Kriegs=Praesidenten / wovon verschiedene angenehme
Particularia angeführet werden. p. 106. sequ.
Inhalt seiner Abschieds=Rede an denselben. p. 107.
Specification der Praesente, so der Türckischen Groß=Bothschafft nahmens Ihro
Kayserlichen Majestät gegeben worden. p. 108.
Der Türckische Bothschaffter notificiret durch einen Expressen seinen Abschied nach
Constantinopel. p. 112.
Der Seraskier zu Belgrad wird jämmerlich massacriret / und was dazu Anlaß
gegeben. p. 113.
Curieuses Journal, wie der Kayserliche Bothschaffter sich von dem Sultan und
Groß=Vezier beuhrlaubet und darauf von Constantinopel abgereiset ist. p. 114.
Des Türckischen Bothschaffters Abreise von Wien. p. 119.
Nachricht / was diese grosse Gesandtschafft zu unterhalten der Kayserlichen Hoff=Cam⸗
mer gekostet. ibid.
Was mit dem Türckischen Bothschaffter auf der Ungarischen Gräntze wegen einiger
Persohnen / so man aus seiner Suite mit Gewalt wegnehmen lassen / vorgegan⸗
gen. p. 120. sequ.
Beyde Bothschaffter werden bey Salankement ieder gegen einander ausgewech⸗
selt. p. 126.
Der Graff von Oettingen hält ein solenn Danck=Fest zu Carlowitz. p. 127.
Der Türckische Bothschaffter wird Commendant zu Temesvvar. p. 128.
Des Kayserlichen Ambassadeurs Rückkunfft und solenner Einzug zu Wien. ibid.
Die übrige Gräntzscheidung komt zur Richtigkeit und wird darauf die völlige Exe⸗
cution des Friedens publiciret. p. 129.
Edictum pro plenariâ Pacis executione. p. 130.
Beschluß mit dem Wunsche / daß GOtt denen Kayserlichen Waffen ferneren glück⸗
lichen Success verleyhen wolle. p. 131.
ES ist unnöthig / eine weitläufftige Erzehlung von dem
letztern siebenzehen-jährigen Türcken-Kriege zu widerho⸗
len/ massen nicht allein dessen trauriges Gedächtnüß bey vie⸗
len annoch gar neu ist / sondern auch derselbe bereits in ver⸗
schiedenen Büchern / insonderheit über die Historie des Kö⸗
nigreichs Ungarn / mit allen seinen merckwürdigen Begeben⸗
heiten der Länge nach beschrieben stehet.
Wir begnügen uns dannenhero den Anfang gegenwärtigen Berichts damit
zu machen / daß wir uns nur der am 11. Septembris 1697. von denen Türcken bey
Zenta erlittenen grossen Niederlage erinneren / da die Kayserliche Armee unter
General-Commando und nimmer gnug zurühmenden Conduite des Printzen Eu⸗
genij von Savoyen Durchl. bey 20000. Mann von dem Feinde / theils auf dem Pla⸗
tze erschlagen / theils in die Theis gejaget und das gantze Türckische Lager erobert / wie
solches unter andern die dazumahl nach Wien geschickte und zum Triumph aufge⸗
steckte menge blutiger Fahnen / Standarten und Roß=Schweiffe zu jedermans
Erstaunen genugsam dargethan.
Gleich wie nun kein Zweiffel ist / daß durch diese letzte Schlacht die Türcken
ihre beste Mannschafft verlohren und gantz ausser Standes gesetzet worden / sich wi⸗
der zu erhohlen: so beginnete sich ihrer seits allgemählig eine Inclination zum Frieden
herfür zuthun / und ob zwar beyde Armeen das nechste 1698 Jahr noch zu Felde
kamen / so gieng jedoch die Campagne ohne weiters Blutvergiessen ab. Indessen
continuirten die bey der Pforte schon geraume Jahre lang befindliche Englisch= und
Holländische Mediations-Ministri, nemblich der Milord Wilhelm Paget &c. und
der Jacob von Collijers, beyde des Heiligen Römischen Reichs Graffen / ihre bißher
fruchtloß angewandte Officia mit grossem Eyffer und unermüdeter Sorgfalt /
brachten es auch durch Göttliche Hülffe so weit / daß man noch im Herbst selbigen
Jahrs einen Ohrt in Sirmien, zwischen Belgrad und Peterwardein ohnweit Carlo⸗
witz / beliebte / um allda zu denen Friedens=Tractaten zu schreiten.
Ihre Kayserliche Majestät enenneten demnach zu ihren dahin abzuschicken⸗
den Bothschafftern allergnädigst den Hochgebohrnen Graffen und Herrn / Herrn
Wolffgang / Graffen zu Oettingen / dero Geheimen Rath / Cämmerer und des Hoch⸗
löblichen Reichs=Hoffraths Praesidenten rk. wie auch den Hochgebohrnen Graffen
und Herrn / Herrn Leopold / Graffen von Schlick / dero Cämmerer / General=
Wachtmeister und Obristen über ein Regiment Dragoner / auch Commendirenden
General an der Theiß etc. denen sie den Obristen Marsigli, als Commissarium zu
künfftiger Gräntz=Scheidung / und den Hoff=Kriegs=Rath Till, als Dero Legations-
Secretarium, zu führung des Protocols adjungirten.
Von Seiten der Pforte wurden zu denen bevorstehenden Friedens Tractaten
bevollmächtiget Mehemet Effendi, des Ottomannischen Reichs Obrister Cantzler /
und Mauro Cordato, ermelter Pforte geheimer Rath und Staats Secretarius.
A
Die
Introitus
des
Wercks.
Von der
Türcken
bey Zenta
an der
Theiß er⸗
littenen
grossen
Niederla⸗
ge.
Die En⸗
glis. und
Holländi⸗
sche Mi⸗
nistri bey
der Pforte
veranlas⸗
sen einen
Friedens=
Cogress.
Ih. Kays.
Maj. be⸗
nennen
Mini⸗
stros zu d
bevorste⸗
henden
Friedens=
Hädlung;
Deßglei⸗
chen auch
der Sultan
thut; - 14 -
Wie auch
Pohlen /
Moscau
und Ve⸗
nedig.
Die
Kayserl.
und übri⸗
rige Allijr
te Gesand
te komen
theils zu
Futack /
theils
zu
Peterwar⸗
dein an:
Die Tür⸗
ckische a⸗
ber nebst
den Me⸗
diations-
Minist. zu
Belgrad;
worauf so
fort bee⸗
derseits
das Armi⸗
stitium
publiciret
wird.
2
Die Ubrige mit der Pforte im Kriege begriffene Theile / als die Cron Pohlen /
Moscau und die Republic Venedig / denominirten auch gewisse Ministros zu der
Friedens=Handlung.
Nachdem nun allerseitige Gesandschafften ihre Instructiones erhalten / haben
sie im Monath Septembris obgemelten 1698ten Jahrs die Reyse nacher Ungarn
angetretten. Die Kayserl. hatten zuvor mit denen Allijrten Bothschafftern die Ab⸗
rede genommen / daß sie zu Futack, zwey Stunde oberhalb Peterwardein / zusammen
kommen und zu Maintenirung ihrer hohen Herrn Principalen desto mehrern Re⸗
spects nicht eher die Donau passiren wolten / biß die Türckische Ambassade zu⸗
vor über die Sau gangen were / deme zu folge beyde Kayserliche nebst dem Vene⸗
tianischen Bothschaffter sich den 14. Octobr. zu erwehntem Futack eingefunden / und
von dem allda in parade gestellten zu verwachtung des Congresses / beorderten /
Corbellischen Curassier Regiment gebührend bewillkommet worden / sie sich auch
untereinander so fort complimentiren lassen / und darauff reciprocè die Visite gege⸗
ben haben. Der Pohlnisch=und Moscowitische Gesandte hingegen waren weiter fort
biß nach Peterwardein gerücket / liessen sich aber hernach entschuldigen / daß ihrer
Seits ein Miß=Verstand fürgangen were / mithin ihre Ankunfft denen zu Futack
befindlichen Bothschafftern formlich notificiren, und empfingen von diesen die Ge⸗
gen Complimente, mit dem Beklagen / daß sie aus obgemelter Ursache die Ehre noch
nicht haben könten einander zu sehen.
Den 16. überbrachte der Englische Legations-Secretarius Schreyer denen
Kayserlichen und Allijrten die Nachricht / daß / nachdem die HHrn. Mediatores
nebst der Türckischen Groß=Bottschafft zu Belgrad angelanget weren / man allda
den Stillstandt der Waffen / zur Sicherheit des Friedens Congresses / zu Wasser
und Lande mit Lösung eines groben Geschützes außgeruffen / und daß ausser der Ge⸗
sandten Wacht keine Türckische Trouppen die Sau passiren solten.
Worauf auch Kayserlicher seits den 17. Octobris unter Trummeln / Pau⸗
cken und Trompeten Klang / sambt ebenmässiger Lösung eines Stucks / das Armisti⸗
tium erstlich zu Peterwardein / dann den 18. auf dem Schiff=Armamente, und
letzlich auch in dem Kayserlichen Feld-Lager bey Kobila publiciret und offentlich
in folgenden terminis abgelesen worden:
Demnach auf Befehl des Commandirenden Herrn Generals
Printzen Eugenij von Savoyen Durchl. publiciret werden solle / wel⸗
chermassen bey denen jetzt angehenden Friedens-Tractaten die Neu⸗
tralitet oder das Armistitium zwischen der Sau und Donau auf sol⸗
che Weise seye bewilliget worden / daß nemblich so wohl auf denen
Flüssen der Donau und Sau selbsten / als dem dazwischen gelegenen
Lande von Illock biß Semblin / von dorten die Sau hinauf biß an die
Bossur, und diesen Fluß hinauf biß auf Nemze / Marowitz und Ratscha /
und so fort in die Breite biß wieder auf Illock / keinerley Hostilitäten
so wenig Unser / als Türckischer Seiten bey Leib= und Lebens=Straf⸗
fe verübet werden; Als wird hiemit solches männiglichen kund und
zuwissen gemachet / damit alle und jede diesem ernstlichen Befehl nach⸗
zukommen und sich für bedeuteter Straffe zu hüten wissen mögen.
Geben im Kayserl. Feld=Lager bey Kobila / den 19. Octob. 1698.
Den - 15 -
3
Den 21. ließ die Kayserl. Gesandtschafft denen Allijrten durch einen Officier
wissen / welcher gestalt sie nunmehro gewisse Nachricht hätte / daß die HH. Me⸗
diatores bereits den 19. die Sau passirt und würcklich zu Cruschenthal weren:
Daß die Türcken den 22. auch über die Sau gehen / und den 23. an ihrem
Orte oberhalb Salanckament sich einfinden würden / weswegen man ihnen / Al⸗
lijrten / den Aufbruch nach Carlowitz auf besagten 23. andeutete / und einem jeden ei⸗
ne Escadron Reuter zur Begleitung offerirte.
Ermelte Allijrte Ministri chicketen darauf jemand ihrer Cavaliers an die
Kayserl. umb sich wegen des Campements zu erkundigen / und verlangete ein jeder
nach dem seinem Hohen Principali zustehenden rang und Praerogativ logiret zu
werden; bekamen aber zur Antwort / daß die Kayserl. Gesandtschafft allein den
Frieden mit denen Türcken zu tractiren anhero kommen were / nicht aber an denen
zwischen denen Hohen Allijrten obschwebenden Competenz Streitigkeiten Theil
zu nehmen / das zu dem Congress destinirte Territorium selbst were neutral de⸗
clariret worden / damit man mit desto grösserer Freyheit agiren, und niemanden
etwas zuvergeben zugemuthet werden möchte. Die abgeschickte Ingenieurs
hätten keine andere Ordre / als für die Kayserliche Gesandschafft das Quar⸗
rier auszustechen / und in dem für alle Allijrte zwischen der Feld und Quartier-
Wacht ausgezeichneten Umbkreiß stünde einem jeden frey / nach Belieben und
wie es ihm am gelegensten fiele / sich zu placiren / massen kein erster / anderer
oder dritter numerus gemachet / sondern alle Plätze in ordine gleich gehalten wer⸗
den solten.
Mit welcher Declaration zwar die Allijrten anfangs vergnüget zu seyn geschie⸗
nen / und also den 23. Nachmittags der Moscowitische von Peterwardein / und der Ve⸗
netianische von Futack / jeder unter Convoy einer Esquadron, nach dem Lager bey
Carlowitz aufgebrochen / imgleichen der Pohlnische spat zu Wasser dahin abgefah⸗
ren und ein jedweder mit 45. Canon Schüssen / von der Festung so wohl als dem Schiff
Armamente / beehret worden.
Es hat sich aber begeben / daß der Moscowitische / als zu erst im Lager angekom⸗
mene / gleich zur rechten Hand der Kayserlichen Gesandschafft Quartier posto gefasset /
und einen Pohlnischen Bedienten / so vor denen Moscowitern den Ort für seinen Prin⸗
cipal ausgewehlet gehabt / mit Gewalt davon vertrieben / welches der Pohlnische
hoch ressentiret und gedreuet / nicht eher aus dem Schiffe aus Land zusteigen / biß er
deßwegen genugsame Satisfaction erhalten hätte.
Indessen ist die Kayserl. Gesandtschafft auch den 24. und also dem concerte
nach einen Tag später / als die Allijrte (sonder zweyfel / umb von dieser die erste Visite
zuempfangen) von Futack auffgebrochen / und hat zu Peterwardein ihren öffentli⸗
chen Einzug in folgender Ordnung gehalten. Die Leib Escadron von dem Corbel⸗
lischen Curassier=Regiment assirte mit Paucken und Trompeten voran / dann wur⸗
den etliche wohl equipirte Hand=Pferde geführet / worauf 6. Wagen mit 6. Pfer⸗
den bespannet folgten; Die 5. ersten waren mit denen Cavaliers und Edelleuten an⸗
gefüllet / jeder nach seinem rang sitzend / und in dem letztern / für welchem 4. Trompeter
herritten und sonst viele Liverey Bediente theils voraus / theils neben her giengen / sas⸗
sen beyde Herrn Bothschafftere neben einander alleine. Dieses Gefolg beschloß a⸗
bermahl eine Escadron Curassirer. Bey dem Einzuge wurden zweymahl / von der
Festung so wohl / als dem Schiff=Armamente, 60. Stücke gelöset / und nachdem die
HH. Bothschaffter bey dem Commendanten Baron de Nehm zu Mittag gespeiset /
nahmen dieselbe unter abermahliger Lösung der Canonen ihren March nach dem aus=
A 2
gezeich=
Die Tür⸗
cken pas⸗
siren die
Sau.
Anfäng⸗
lich wird
der Allijr⸗
ten Lager
bey Car⸗
lowitz.
ausge⸗
zeichnet.
Der
Kayserl.
Bott⸗
schaffter
Einzug
zu Peter⸗
wardein
und An⸗
künfte im
Lager.
- 16 -
Dasselbe
wird ver⸗
ändert
und da⸗
durch der
Compe⸗
tentz
Streit
zwischen
dem
Pohlni⸗
schen und
Mosco⸗
witischen
gehoben.
Neue
Strittig
keit zwi⸗
schen dem
Pohlni⸗
schen und
Venetia⸗
nischen.
Die Kay⸗
serl. be⸗
kommen
die erste
Visite
von den
Allijrten /
und ge⸗
ben diesel⸗
be denen
H.H. Med⸗
diatoren.
4
gezeichneten Lager / und liessen so fort bey der Ankunfft durch einige zugleich abge⸗
schickte Officiers denen drey Allijrten Gesandten die Notification davon thun / mit⸗
hin auch dem Pohlnischen und Moscowitischen dero Mediation in obvermelter Miß⸗
verständnüß antragen / wogegen sie von allen gebührend recomplimentiret wur⸗
den.
Wie die HH. Mediatores die Kayserl. durch ihren Secret. bewillkommeten / liessen.
dieselbe anbey erinnern / was gestalten sie wegen abgang Wassers und anderer Not⸗
turfften zu Cruschenthal unmöglich verbleiben könten / sondern bey Carlowitz sich zu la⸗
gern gesinnet weren / auch die Türckische Plenipotentiarios gleichfals in die Nähe
dahin anzurücken bereden wolten / mit dem ersuchen / daß sie / Kayserliche / von be⸗
sagtem Carlowitz etwas weiter gegen Peterwardein zuruck campiren gehen möch⸗
ten; Welchen Vorschlag dann die Kayserliche / gewisser considerationen halber / in⸗
sonderheit deswegen desto lieber angenommen / als sie vermeinet / es würde dadurch das
zwischen dem Pohlnischen und Moscowitischen obschwebende different füglich kön⸗
nen gehoben werden. Man ließ dannenhero den 25. dito in aller frühe ein anderes
Lager / etwas weiter disseits Carlowitz / außstechen / und fiel man auf das Expediens,
daß man das Haupt=Quartier vierecket mit Strassen formiren / und eine jede Sei⸗
te von diesem Quadrat einem Bottschaffter eingeben solte / welche ins gesambt ihre
fronten gegen den in der Mitte gelassenen grossen viereckigten Platz zu wenden / und
ein jeder von der darauf mit einer Fahne stehenden Haupt=Wacht seine Schildwach⸗
ten zu empfangen hätte; Welches die sämbtliche Allijrte also agreiret und das La⸗
ger darnach eingerichtet worden / wobey jedoch die Kayserliche Gesandtschafft die
Erste Wahl und den Platz bedungen / wo sie mit dem Rucken gegen Peter⸗
wardein / alß das Kayserliche Territorium, gekehret stünde.
Nachdem nun die Kayserl. Gesandtschafft denen HH. Mediatoribus ihre An⸗
kunfft / und daß sie im Begriff were / das Lager abgeredter massen zu verändern /
wissen lassen / ist solches gegen Abend würcklich erfolget / da dann der Moscowiti⸗
sche und Venetianische / jeder seinen erwehlten Ort / bezogen / der Pohlnische aber /
welcher noch nicht an Land gestiegen / eine neue Streitigkeit erreget / indem seine
Leute vor des Venetianischen Fronte / und auf dessen Platz / welchen derselbe schon lan⸗
ge zuvor occupiret hatte / ein Zelt aufgeschlagen / unter dem Vorgeben / es were
ihm die erste Wahl unter der Allijrten Plätzen verwilliget worden. Gleichwie man
aber davon vorhin nichts vernommen / vielmehr ermelter Pohlnischer Gesandte
sich nfangs erklähret gehabt / daß er den Ort / wo er den Rücken gegen die Donau
hätte / für sich behalten wolte / so haben die Kayserliche Bothschaffter ihm
Graffen Marsigli und Legations-Secretarium nachdrückliche Vorstellungen da⸗
hin thun lassen / wie nemlich / was ab initio voluntatis gewesen / postea necessitatis
bleiben müste / und daß sie dem Venetianischen sein Jus quaesitum nicht absprechen
könten / folglich an aller Ungelegenheit und Nachtheil / so dem Hauptwercke so wohl /
als particuiar interesse daraus erwachsen möchte / entschuldiget sein wolten.
Den 27. gab der Moscowitische Bothschaffter denen Kayserlichen in Corpore,
und der Venetianische jedem Separatim die erste Visite; Sie wurden von ihnen beym
Wagen empfangen / hatten die Oberhand im gehen und sitzen / und wurden wieder biß
zum abfahren begleitet.
Eodem liessen die HHrn. Mediatores denen Kayserl. ihre Ankunfft zu Carlo⸗
witz notificiren, von denen dieselbe ein höffliches Dancksagungs Compliment em⸗
pfingen / und zugleich vernahmen / daß sie / Kayserl. ihnen / als letzt im Lager angekom⸗
menen / die erste Visite zugeben gewillet weren / worauf selbige auch Nachmittags
umb
- 17 -
5
umb drey Uhr / mit 4. Wägen jeder mit 6. Pferden bespannet / nebst einigen
Hand=Pferden und einer ziemlichen Suite von Officiern und= Liverey Bedienten /
unter abermahliger Cortege zweyer Escadrons Curassirer mit Paucken und
Trompeten / erstlich den Englischen= und dann den Holländischen Bothschaffter
besucheten. In dem Lager der HHrn. Mediatorum sahe man die völlige Janit⸗
scharen Wacht mit ihren Officieren in Gewehr gestellet / und eine starcke An⸗
zahl Chiausen / Agen und anderer Türckischen und der Bothschaffter Bedien⸗
ten / vor dem Umbzirck der Zelte stehen; allwo man die erste drey Wagen vor⸗
bey / den vierten aber hinein fahren ließ. Der Milord Paget empfing die Both⸗
schaffter beym aussteigen / und folgete ihnen biß in das Principal Gezelt / allwo
sie sich auf eine mit Teppichen und Küssen bedeckte Bühne niedersetzten / so
daß die Kayserl. die Place d’Honneur hatten. Die Begleitung war mit dem
Empfange gleich / und wurde es hernach bey der Besuchung des Holländischen
in allen Stücken eben also gehalten; dieser ber ließ bey wehrender Unter⸗
redung Caffè, Scherbet, wolriechendes Wasser zum waschen / letzlich auch
Rauchwerck geben.
Den 28. revisitirten beyde Kayserl. Bothschaffter jeder ins besondere /
erstlich den Venetianischen / und nachgehends auch in corpore den Moscowiti⸗
schen Gesandten / mit Observirung allerseits gleichen und vorhin bemerckten
Tractaments, so wol bey dem Empfang= als der Beurlaubung. Am
heutigen Tage wurde endlich die Difficultet mit dem Pohlnischen Ge⸗
sandten / wegen des Campements, dergestalt verglichen / daß er sich mit einen
schrifftlichen / von denen Kayserl. und dem Venetianischen Bothschafftern ge⸗
fertigten Revers vergnügete / des Inhalts; daß ihm und seinem hohen Principal
kein Praejuditz darob entstehen solte; und sich darauf in den noch ledigen Platz
einstellte. Er gab auch
Den 29. denen Kayserlichen in corpore, in des Herrn Graffen von Oet⸗
tingen Zelte / die Visite, und empfing das Tractament seinem Caracteri ge⸗
mäß.
Eodem überbrachte der Englische secretarius der HHrn. Mediatoren ple⸗
nipotenzen der Kayserl. Gesandtschafft / damit sie sambt denen Allijrten selbi⸗
ge recognosciren und copiam davon nehmen könte. Worauff
Den 30. Diese so wol / als Türckische Bothschaffter ihre Vollmachten
denen HHrn. Mediatoribus wieder zuschickten / welche sie gegen einander aus⸗
wechselten / und respective Türckisch= und Lateinische Copien davon zugleich
überreichen liessen.
Den 31. Kamen die HHrn. Mediatores, und zwar jeder separatim /
beyde aber zu Pferde / mit grossem Gefolge und Orientalischen Pracht / denen
Kayserl. Bothschafftern die Visite zu restituiren. Gleich wie sie
Den 1. Novembris dieselbe auch bey dem Venetianischen / und
Den 3. bey dem Moscowitischen Bothschafftern in simili ablegten. Des⸗
gleichen die Kayserl. dem Pohlnischen thaten.
Nach diesem gaben die übrige Allijrte hinwiderum in forma solenni de⸗
nen HHr. Mediatoribus die Visite / welchen / wie bey dem Einzuge in das La⸗
ger; also auch zu Abstattung solcher Visiten mehr nicht als eine Escadron Curas⸗
sirer ohne Trompeten und Paucken / mitgegeben worden. Sonst tratt bey
B
An=
Der
Streit
zwischen
dem Pohl⸗
nisch= und
Venetia⸗
nischen
wird güt⸗
lich beyge⸗
leget.
Aller⸗
seits Vol⸗
machten
werden
gegen ein⸗
ander
ausge⸗
wechselt.
- 18 -
Die Kay⸗
serl. habe
in Cere⸗
moniali⸗
bus für
den Me⸗
diatoren
und Al⸗
lijrten ei⸗
nige prae⸗
rogativ.
Erste
Confe⸗
renz ge⸗
schiehet
mit be⸗
sonderm
Pomp:
Die fol⸗
genden a⸗
ber ohne
Façon.
6
Ankunfft und Abfahrt eines Bothschaffters die Haupt=Wacht allezeit in Ge⸗
wehr / jedoch mit dem Unterscheid / daß man denen Kayserl. allein den Fahnen
fliegen und sincken / denen Mediatoribus fliegen / aber nicht sincken / und denen
übrigen allein gewickelter praesentiren ließ; gleich wie dann auch zu Verhütung
aller Competentz in dem viereckigten Campement nicht mehr als eine Haupt=
Wacht in der Mitte / so gleichwol gegen die Kayserl. twas näher und mit der
Fronte gestellet war / von welcher die nöthige Schild=Wachten an allerseits
Allijrte Bothschaffter in gleicher Anzahl abgelöset wurden. Die Parole gab
der Kayserl. Principal Plenipotentiarius / Hr. Graff von Oettingen / dem
General Wachtmeister und Comendanten zu Peterwardein / Baron de Nehm,
imgleichen dem Obrist=Lieutenant Baron Sporck, Commendanten des Corbel⸗
lischen Curassier Regiments / oder wen sie arumb geschicket / alle Abend al⸗
lein aus / welche dieselbe darauff gleich dem Graffen von Schlick wieder zu⸗
gestellet. Als aber zu letzt wegen übeln Wetters gar beschwerlich fiel / die Parole
täglich aus dem Lager nach Peterwardein zu holen / auch das Curassier Regiment
wegen Mangel der Fourage biß auf 300. commendirte in die Quartiere gan⸗
gen / ist solche Parole ermeltem General Wachtmeister von 8. Tagen zu 8. Ta⸗
gen vorhin schrifftlich mitgegeben oder zugeschicket worden.
Nach nunmehro erzehlter massen allerseits gegen einander abgestatteten
Visiten sind die HHrn. Mediatores zu Ajoustirung der Praeliminar-Puncte ge⸗
schritten / und haben dieselbe / nebst verglichener Ordnung des Congresses /
schrifftlich gefertiget denen Türcken so wol / als Kayserlichen eingehändiget /
welche letztere hernach denen Allijrten Copien davon ertheilen lassen. Solchem
Concerte zu folge haben
Den 13. Novemb. die Kayserlich= und Türckische Gesandschafften früh
morgens neben dem Conferenz Hause auf beyden Seiten / zu der Mediatoren
vorhin daselbst stehenden / etliche schöne Zelte aufschlagen lassen / und sind jene
darauf umb 9. Uhr / mit vier Wagen mit 6. Pferden und einem starcken Co⸗
mitat, zum ersten Congress gefahren / woselbst umb gleiche Zeit auch die Tür⸗
ckische Gesandschafft gar prächtig mit vielen Leuten zu Pferde erschien: und
nachdem zum ersten die Kayserliche hernach aber die Türcken in denen Retira⸗
de=Zelten von denen Mediatoren ewillkommet worden / ist man beyderseits
zu denen Mediatoren mit gleichen Schritten in das Conferentz=Hauß zusam⸗
men getreten / allda sie einander gar höfflich gegrüsset / und zwar die Mediaro⸗
res und Kayserliche / wie auch der Mauro Cordato, als ein Christ / mit Entde⸗
ckung des Haupts; Der Reis Effendi ber auf Türckische Art mit seiner auf
die lincke Brust angedruckten rechten Hand sich neigend. Worauf man auf die
über einen Teppich zimlich nahe beyeinander gestellte Stühle niedergesessen;
Die vor die Kayserliche waren mit Tuch überzogene Lehn=Sessel / und der
Türcken ihre mit Gold und Silberstück bedeckte denen Vesper-Stühlen nicht
ungleiche Schämel.
Mit solchen Ceremonien wurde der ersten Conferentz der Anfang gema⸗
chet / dabey aber abgeredet / die nachfolgende Conferentzen mit wenig Gefolge /
ohne Ceremonien beym Ein=oder Ausgang / mithin ohne Consequentz / wer
früher oder später ankäme / fortzusetzen. Das Conferentz-Hauß hatte vier
Creutzweiß gegeneinander geöffnete Thüren / durch deren zwo / gegen einander
über
- 19 -
Abbildung:
a Kayl. Seithe.
b Polnische.
c moscowitische.
d venetianische.
e haubt macht.
f Regiment zu Fuss.
g Reg: zu Pferde.
h Engl. quartier.
i Holländ. quartier
k Kayl. wacht.
l Türck. wacht
m Conferentz Haus.
n Türck. wacht.
o Prospect des Conferentz Haus.
p retirade der Mediatoren.
q Kayl. Retirade.
r türck. Retirade
s Conferentz Zimmer.
- 20 -
- 21 -
Beschrei⸗
bung des
Confe⸗
renz
Hauses /
und der
darin ge⸗
haltenen
ersten
Session.
Die Tür⸗
cken lasse
die Kay⸗
serl. zu⸗
erst com⸗
plimen⸗
tiren.
Die Tra⸗
ctaten
kommen
allerseits
zum
Stande.
Ceremo⸗
nien / so
zu Voll⸗
ziehung
derselben
bey dem
Aufzuge /
7
über / die beyde Kayserliche und Türckische Bothschaffter / durch die übrige
zwo aber die HHrn. Mediatores eingetreten / auch solcher Gestalt / jeder
Theil mit dem Rücken gegen seine Thür gesessen. Unter denen Kayserlichen
hatte der Herr Graff von Oettingen / Türckischer seits der Reis Effendi,
und von denen Mediatoren der Milord Paget, die rechte Hand. Hinter denen
Kayserlichen saß an einem kleinen Tische der Kayserliche Legations-Secreta⸗
rius; desgleichen an einem andern kleinen Tische / hinter dem Englischen Me⸗
diatore, der Englische Secretarius; und hinter der Türckischen Gesandschafft
stunde erstlich / und setzte sich nachmahls auf den Boden / der Türckische Secre⸗
tarius; welche sämbtlich das Protocoll führeten. In der Mitte zwischen denen
Gesandten stunde kein Tisch. Der Eingang des Conferentz=Hauses war bey⸗
derseits mit Kayserlicher und Türckischer Wacht mgeben / und stunden so wol
in der Kayserlichen / als Türckischen Thür einige Officiers / welche alles se⸗
hen / aber nichts hören konten. Diese erste Conferentz wehrete von halb Eilff
biß Nachmittags halber drey Uhr; Wornach ein jeder Theil wieder in voriger
Ordnung nacher Hauß kehrete.
Den 15. fuhren die Kayserliche verglichener massen ohne Ceremonien /
nur mit zween Wagen zur Conferentz / allwohin die Türckische Plenipotentia⸗
rij ich gleichfals mit wenigem Gefolge begaben / und kam allein veränderlich
für / daß die Letztere sich einen Soffa, oder mit schönen Teppichen und Polstern
gezierte Gelegenheit=Banck hinein tragen liessen / auf welcher sie ihrer Art
nach sassen.
Den 22. Kamen zwey Effendi oder Secretarij mit andern unterschiedli⸗
chen vornehmen Officiern zu Pferde / die Kayserliche beyde Gesandten im Nah⸗
men ihrer Principalen zu besuchen und sich nach ihrer Gesundheit und Wol⸗
stand zu erkundigen. Dieselbe wurden gar freundlich empfangen / auch mit al⸗
len gebührenden Ehren=Bezeigungen wiederumb entlassen. Ein gleiches Com⸗
pliment liessen die Kayserliche durch ihre Cavalliers
Türcken erstatten; Wobey zu mercken / daß obwol von Türckischer Seiten kei⸗
ne formale Ankunffts=Notification, wie gebräuchlich / geschehen / man jedoch
nachgehends erfahren / daß diese Schickung zu solchem End gemeinet gewesen /
und wegen Ungewißheit der Tractaten ehender nicht / alß nach gehaltenen eini⸗
gen Conferentzen / und darob verspürter Friedens=Anscheinung vorgenommen
werden wollen.
Die Monathe Novemb.
Decemb. und den Januarium hindurch conti⸗
nuirte man die Tractaten, auf jedesmahl von denen Mediatoren vorhero ge⸗
schehene Beruffung / von früh Morgen biß in die späte Nacht / und mit so gros⸗
sem Eyfer / daß endlich durch Göttlichen Beystand dieselbe allerseits zu einem
erwünschten Ende gebracht wurden. Worauff
Den 24. Januarij der Moscowitische Bothschaffter ein gemachtes Ar⸗
mistitium auf zwey Jahr unterschrieben / und
Den 26. die Unterschrifft der Kayserlichen / und Pohlnischen Friedens=
wie auch Venetianis. Interims-Instrumenten gleichfalls vollzogen worden. Zu
diesem solennen Actu verfügete sich morgens nach 10. Uhren die Kays. Gesandt⸗
schafft in schönstem Auffzuge / mit Voraus=Marchirung 100. Curassirer von
dem Corbellischen Regiment / in ihren Harnischen und Casquetten, dann vie⸗
len Carossen und einer grossen Suite zu Pferde / auch abermahliger Nachfol=
B 2
gung
- 22 -
Signatur
und aus⸗
wechslug
vorbey
gangen.
Die ge⸗
sambte
Bott⸗
schaffter
überschi⸗
cken / die
Friedens⸗
Instru⸗
menta.
Mediato⸗
res
und Kay⸗
serl. hal⸗
ten Ma⸗
gnifiques
Festins.
8
gung 100. Curassirer von besagtem Regiment / nach dem Conferentz=Hause /
allwo zu gleicher Zeit die Türckische Gesandtschafft mit allen bey sich haben; en
Janitscharen / Spahi und andern Bedienten zu Pferd und Fuß / sehr prächtig
angezogen kam. Beyder Gesandtschafften Militz wurde vor jeder seiner Thür
in Ordnung gestellet / und zwar Kayserl. seits / zur rechten Hand des Ein⸗
gangs / obberührte 200. Curassirer nebst 4. Compagnien zu Fuß. Um den ü⸗
brigen Theil des Conferentz. Hauses stunden der Mediatoren und Türcken
Wachten. Uber eine Weile langete auch der Pohlnische Bothschaffter von Pe⸗
terwardein
an / und wurden darauf allerseits Friedens=Instrumenta folgen⸗
der Gestalt signirt und ausgewechselt. Erstlich wurde das Kayserliche Instru⸗
mentum; dann das Pohlnische / und drittens die von denen Kayserl. und Pohl⸗
nischen Plenipotentiarijs für die Republic Venedig stipulirte Interims Articul
verlesen; nach diesem eröffnete man die vier Thüren / damit jederman die Un⸗
terschrifft und Signirung sehen kunte / und wurde zum ersten der Kayserl. Tra⸗
ctat von des Hrn. Graffen von Oettingen Excellenz / und dem General / Hrn.
Graffen von Schlick allein (beyder Nahmen neben einander) unterschrieben
und ihre Pitschafften dabey gedrucket; hernach das Pohlnische Friedens=Instru⸗
ment von dem Pohlnischen Bothschaffter / und zuletzt die für Venedig stipulir⸗
te Articul von beyden Kayserl. und dem Pohlnischen Gesandten / mit fürge⸗
druckten ihren Insiegeln unterschrieben; wie jedesmahl zu gleicher Zeit auch
Türckischer seits geschehen; wobey jedoch noch dieses merckwürdig / daß besag⸗
ter Pohlnischer Gesandte dasselbe nicht in einer Linie mit denen Kayserl. / son⸗
dern etwas tieffer unterzeichnet und gesiegelt. Die HHrn. Mediatores haben
sich damit begnüget / daß sie ihre deßfals angewandte Mediations-Attestation
mit dero Unterschrifft und Pitschaffts fertigung auf das andere Blat gestellet.
Nach geschehener sothaner Signatur sind die sämbtliche Bothschaffter auffgestan⸗
den / und haben erstlich der Hr. Graff von Oettingen und der Hr. Graff von
Schlick / das Kayserl. Instrumentum zugleich haltend / so dann der Pohlnische
das seinige / und letzlich erst ermeldte beyde HHrn. Graffen / sambt dem Pohl⸗
nischen / die Venetianische Interims-Articul mit freundlicher Anrede und
Glück=Wünschung übergeben und gegen einander außgewechselt; worauff sie
sich umbarmet / und einer em andern den gewöhnlichen Friedens=Kuß gegeben.
Der Beschluß dieser Solennitet wurde mit einer dreyfachen Salve nicht allein
von aller anwesenden Militz / sondern auch aus dreyen der gröbesten Stücke zu
Peterwardein gemachet / gleich wie von denen Türcken zu Belgrad ein solches
Losungs=Zeichen geschahe.
Es retirirten sich hierauf die sämbtliche Bothschaffter in ihre Cabinette,
und fertigten die Couriers an ihre Höffe ab / kamen aber zu Mittage / auf be⸗
schehene Einladung / bey dem Englischen Hrn. Mediatore, Mylord Paget, wie⸗
der zusammen / allda sich auch die Türckische Gesandtschafft einfand / und einem
überauß prächtigen Tractamente beywohnete. Zu vermehrung der allgemei⸗
nen Freude wurde ein gebratener Ochs / und viele Eimer Wein unter das Volck
ausgetheilet. Des folgenden Tages hielt der Hr. Graff von Oettingen gleich⸗
fals ein gar kostbahres Panquet / wobey aber nur die HHrn. Mediatores sich
eingestellet; zumahl der Pohlnische bereits selbigen Morgens gar frühe abgerei⸗
set war / der Moscowitisch= und Venetianische aber sich gewisser Verhinderung
halber
- 23 -
Die Kay⸗
serl. geben
dene Tür⸗
cken auff
vorher
empfan⸗
genes Co⸗
pliment
die erste
solenne
Visite;
Und em⸗
pfangen
Tags
darauff
dieselbe
von ihnen
wieder.
Die Bot⸗
schaffter
nehmen
9
halber entschuldigten. Bey wehrender Mahlzeit wurde derer hohen Herrn
Principalen Gesundheit getruncken / und jedesmahl drey Stücke gelöset / auch
neben continuirlichem Trummeln / Trompeten und Paucken / viel rinnender
roth und weisser Wein preiß gegeben; welches biß in die späte Nacht daurete /
und so dann mit einem schönen Feuerwercke sich endigte.
Ubrigens / weilen die Mediations-Ministri versicherten / wie daß der
Türcken am 22. Nov. bey denen Kayserlichen abgelegtes Compliment zu einer
formalen Ankunffts=Notification were gemeinet gewesen / so resolvirten
diese der Türckischen Gesandtschafft die erste Visite zugeben. Sie verfügeten
sich dannenhero
Den 31. mit 6. Wagen / unter Begleitung zweyer Trouppen Curassirer
von dem Corbellischen Regiment / und anderm grossen Gefolge zu Pferd und
Fuß / gegen 11. Uhr vormittags / in das Türckische Lager / allwo ihre völlige
Wacht der Spahi und Janitscharen in Ordnung gestellet / bey herannähe⸗
rung der Kayserl. Bothschaffter Salve gaben. Dieselbe wurden von dem Reis
Effendi und Mauro Cordato, bey der ersten Thür des Effendi Wohnung / gar
höfflich empfangen / hernach auf eine etwas erhöhete und mit kostbahren
Teppichen und Polstern belegte Bühne genöthiget / allwo sie im sitzen die obere
Ehren=Stelle hatten. Bey wehrender zwey-stündigen sehr vertraulichen
Unterredung hörete man continuirlich die Türckische Music, und praesentir⸗
ten die Türcken denen HHrn. Bothschafftern und ihrer gantzen Suite, ja so gar
denen Curassirern / Caffe und Scherbeth in der Menge. Wie sich die Both⸗
schaffter erheben wolten / wurden ihnen noch / nach Orientalischem Gebrauch /
allerhand wolriechende Wasser und Rauchwerck angeboten / und so dann die⸗
selbe von der Türckischen Gesandschafft iederum biß zu obbemelter Thür beglei⸗
tet; allda der Mauro Cordato ihnen zwey schöne Pferde / mit Sattel und Zeug /
auch Säbel und Pusican, im Nahmen des Effendi erehrte/ deren sie beyde sich
bedienten / und unter nochmahliger von denen Türckischen Wachten gegebenen
Salve nacher Hause ritten.
Den 1. Februarij erstatteten die Türckische Gesandte denen Kay⸗
serlichen die Visite, mit einem prächtigen Aufzuge. Ein vornehmer
Türcke marchirete voraus / mit 400. Seimeni; dann 400. Spahi, in Be⸗
gleitung vieler Agen, Chiausen und Officiers. Nachdem kam ein Cor⸗
po entgegen geschickter Kayserlichen Curassirer / dann ritte der Reis Es⸗
fendi auf einem schönen mit dem reichsten Zeug bedeckten Pferde / neben wel⸗
chem 4. Zohadar mit Tiegerhäuten / und hinten von dem Kopfe an über den Rü⸗
cken hinab hangenden weissen Taffelen wunderlich gekleidet hergingen. Ihm
folgete der Mauro Cordato, auf einem ebenfals sehr prächtig geschmückten
Pferde / mit einer grossen Anzahl Pagen, Janitscharen und andern Bedienten /
und zuletzt die völlige Türckische Music. Ermelte Türckische Bothschaffter wur⸗
den so wohl bey der Ankunfft / als Abmarche, von der zu beyden seiten gestellten
Kayserl. Militz mit fliegenden Fahnen / klingendem Spiel / und gebung drey⸗
mahliger Salve, auf eben die Art und Weise / wie denen Kayserl. von ihnen
wiederfahren / in allem tractiret / und nach einem zimlich langen Gespräche und
genommenen Consituren wieder entlassen.
Den 2. Febr. kamen die Türckische Gesandte abermahl zu denen Kayserl.
jedoch mit etwas weniger Gefolge / in einem Wagen fahrend / umb sich von
C
Ihnen
- 24 -
von ein⸗
ander ab⸗
schied.
Und keh⸗
ren nach
erfolgter
Ratifica⸗
tion wie⸗
der zurück
10
Ihnen zu beuhrlauben; und nach bezeigtem Verlangen Peterwardein zu sehen /
und von dem allda wohnenden Moscowitischen Gesandten gleichfals Abschied
zu nehmen / erhuben sie sich weiter dahin / wurden bey der Ankunfft und Abmar⸗
che mit lösung der Stücke beehret: und als sie bey dem Commendanten zu
Mittage gespeiset / und ihren Abschied genommen / fuhren sie mit etlichen
Tschaiken nach ihrem Lager zurück. Indessen gaben die Kayserl. heute dem
Venetianischen Gesandten / und die HHrn. Mediatores denen Kayserl. und
Venetianischen die Uhrlaubs Visite, welche Schuldigkeiten auch
Den 3. die Kayserliche bey denen Türckischen Gesandten und Mediatoren
wieder beobachteten. Worauff den 4. und5. beyde letztere auf Belgrad abge⸗
reiset; die erste aber sich nach Ketskemet begeben / umb den Terminum der Rati⸗
fication alldort zu erwarten / nach welcher Erfolg und also glücklich geendigtem
Fridens=Wercke jede Gesandschafft per posta nach Dero Hoffe zurück gekehret.
Die Friedens Instrumenta werden billig in forma allhie inseriret.
INSTRUMENTUM
PACIS
CAESAREO-OTTO⸗
MANNICUM.
Subscriptum 26. Januarii 1699.
In nomine Sanctissimae, & Individuae Trinitatis.
AD perpetuam rei memoriam. Notum sit omni⸗
us & singulis, quorum interest: Posteaquam
per sedecim hucusque annos, saevum, exitiale, &
multâ humani sanguinis effusione cruentu adeò
bellu, cum plurimarum Provinciaru desolatione gestum esset
inter Serenissimum & Potentissimum Principem, & Do⸗
minum Leopoldum, Electum Romanorum Imperatorem
semper Augustum, Germaniae, Hungariae, Bohemiae, Dal⸗
matiae, Croatiae, Sclavoniae Regem, Archiducem Austriae,
Ducem Burgundiae, Brabantiae, Styriae, Carinthiae, Car⸗
niolae, Marchionem Moraviae, Ducem Luxemburgiae, Su⸗
perioris & Inferioris Silesiae, Wirtembergae & Teckae,
Principem Sueviae, Comitem Habspurgi, Tyrolis, Kybur⸗
gi
- 25 -
11
gi & Goritiae, Marchionem Sacri Romani Imperij, Bur⸗
goviae, ac Superioris & Inferioris Lusatiae, Dominum Mar⸗
chiae Sclavonicae. Portûs Naonis & Salinarum &c. ab Una:
& Serenissimum atque Potentissimum Principem & Do⸗
minum Sultanum Mustaffa Han, Ottomannorum Impe⸗
ratorem, ac Asiae & Graeciae, ejusque gloriosos Praedecesso⸗
res ab altera parte: misertique tandem afflictae Subditorun
sortis summè dicti ambo Potentissimi Imperatores finem
tantis in perniciem generis humani indies augescentibus
malis ponere seriò in animum induxissent, factum Divinâ
bonitate esse, ut annitentibus & conciliantibus Serenis⸗
simo & Potentissimo Principe, & Domino, Guilielmo
Tertio, Magnae Britanniae, Franciae, & Hiberniae Rege,
uti & Celsis ac Praepotentibus Dominis Ordinibus Gene⸗
ralibus Unitarum Belgii Provinciarum, solennes ea de cau⸗
sa Tractatus Carlovizii in Sirmio propè Confinia utrius⸗
que Imperii instituti atque ad finem perducti fuerint. Com⸗
parentes quippe dicto loco utrinque legitimè constituti
Plenipotentiarii, nomine quidem Sacrae Caesareae, & Ro⸗
manorum Imperatoriae Majestatis, Illustrissimi & Excel⸗
lentissimi Domini, Dominus Wolffgangus, Sacri Romani
Imperii Comes ab Oettingen, Sacrae Caesareae Majestatis
Cubicularius, Consiliarius Intimus; & Consilii Imperialis
Aulici Praeses: & Dominus Leopoldus Schlick, Sacri Ro⸗
mani Imperu Comes in Passaun & Weiskirchen, Ejusdem
Sacrae Casareae Majestatis Cubicularius, Generalis
Vigiliarum Praefectus, & Legionis Desultoriorum Equi⸗
tum Tribunus: ambo ad Tractatus hosce Pacis cum Por⸗
ta Ottomannica deputati Legati Extraordinarii, & Plenipo⸗
tentiarii: nomine verò Imperialis Ottomannicae Majesta⸗
tis, Illustrissimi & Excellentissimi Domini, Dominus Me⸗
hemet Effendi, Supremus Imperii Ottomannici Cancel⸗
larius, & Dominus Alexander Mauro Cordato, ex nobili
Stirpe de Scarlati, intimus jam dicti Imperii Consiliarius, &
Secretarius: interventu & operâ Illustrissimorum, & Ex⸗
cellen-
C 2
- 26 -
12
cellentissimorum Dominorum, Domini Guilielmi Paget,
Baronis de Beaudesert, Serenissimi Magnae Britanniae Re⸗
gis, & Domini Jacobi Colyer, Celsorum & Praepotentium
Generalium Foederati Belgii Ordinum, amborum apud
Excelsam Portam Ottomannicam Oratorum, & ad resta⸗
biliendam pacem universalem Legatorum Plenipotentia⸗
riorum, qui munere Mediatoris integrè, sedulò & pruden⸗
ter perfuncti sunt: post invocatam aeterni Numinis opem,
& commutatas ritè mandatorum tabulas ad Divini Nomi⸗
nis gloriam, & utriusque Imperii salutem, in sequentes vi⸗
ginti mutuas Pacis & Concordiae Leges convenerunt.
I. Regio Transylvaniae, quemadmodum de praesenti
est in possessione & potestate Caes. Majestatis, ità maneat
in Ejusdem Dominio: Et à Podoliae Confinio, usque ad ex⸗
tremum Vallachiae Confinium, suis montibus, qui anti⸗
qui fuerunt limites ante praesens bellum inter Transylva⸗
niam ex una parte, & Moldaviam atque Vallachiam ex alia
parte, atque à Confinio Vallachiae usque ad Flumen Ma⸗
rusium, pariter suis montibus, qui antiqui fuerunt limi⸗
tes, circumscribatur, & sic utrinque observatis antiquis
limitibus, nec ultrà nec citrà ab utroque Imperio fieri pos⸗
sit extensio.
II. Provincia subjecta Arci Temeswarinensi cum o⸗
mnibus suis districtibus, & interfluentibus fluviis maneat in
possessione & potestate Excelsi Imperii Ottomannici, at⸗
que à parte Transylvaniae fines ejus sint ab extremo Confi⸗
nio Vallachiae usque ad fluvium Marusium in superiori Ar⸗
ticulo constituti Transylvaniae antiqui limites. Tum à par⸗
te Marusii usque ad fluvium Tibiscum citerioribus ripis ejus⸗
dem Marusii, & à parte Tibisci usque ad Danubium citerio⸗
rib ripis fluvii Tibisci fines ejus limitentur: Quae verò intra
praedictos limites sita sunt loca, nempe Caransebes, Lugos,
Lippa, Csanad, Kiscanisia, Betsche, Betskereck, & Sablia
citeriùs, & intra praeconstitutos ante praesens bellum limi⸗
tes antiquos Transylvaniae, ac secundum praedeclaratam
ratio-
- 27 -
13
rationem intra ripas Fluminum, Marusii & Tibisci, in Te⸗
meswarinensibus Territoriis, qualiscunque alius similis lo⸗
cus reperiatur, eâ conditione destruantur per Caesareos,
ut vi Pactorum ampliùs reaedificari non possint: Et prae⸗
dicta Regio Temeswarinensis omnino libera relinquatur,
& imposterum neque in dictis hisce locis, neque prope ri⸗
pas Fluviorum, Marusii atque Tibisci, alia vel majora vel mi⸗
nora loca, quae possint speciem Fortificationis exhibere,
exstruantur.
Fluviorum Marusii ac Tibisci, inter Provinciam Te⸗
meswarinensem; & Provincias, Caesareae potestati & pos⸗
sessioni subjectas, usus sit communis Subditis utriusque Im⸗
perii, tum ad potum pecorum omnis generis, tum ad pi⸗
scationem, & alias commoditates Subditis perquàm ne⸗
cessarias.
Cum verò onerariae naves à partibus superioribus subje⸗
ctis Caesareo Dominio, tum per Marusiu fluvium in Tibiscu,
tum per Tibiscu in Danubium, sive ascendendo sive descen⸗
dendo ultrò citroque meantes nullo obice praepediri debe⸗
ant, navigatio navium Germanicarum, aut aliorum Sub⸗
ditorum Caesareorum, nullo modo possit in cursu suo ul⸗
trò citroque incommodari, sed liberè atque commodissi⸗
mè fiat ubique in praedictis duobus Fluviis; Et siquidem re⸗
ciprocae amicitiae & mutuae benevolentiae convenientia id
etiam requirat, ut Subditi Imperiali Ottomannicae po⸗
testati subjecti possint usûs praedictorum Fluviorum esse
participes, sine impedimento navibus piscatoriis etiam ac
cymbis utantur.
Molendinariae autem naves in locis tantùm, quibus na⸗
vigationi alterius nempe Caesarei Dominii, nullaten impe⸗
dimento esse possint, communicatione Gubernatorum
utriusq; Dominii & consensu ponantur: quin imò ne diver⸗
sione aquarum in Marusio cursus Caesarearum navium in⸗
commodum aliquod patiatur, nullatenus permittetur, ut si⸗
ve Molendinorum, sive alià occasione ex Marusio aquae
aliò deriventur seu diducantur.
Insulae
D - 28 -
14
Insulae quaecunque in praedictis Fluviis, cùm actu
sint in potestate Caesarea, maneant, uti possidentur: &
Subditi utriusque Dominii omnino pacificè atque tranquil⸗
le vivant, severissimisque Edictis ab insolentiis, & contra⸗
ventione Pactorum contineantur.
III. Cùm Regio inter Fluvios, Tibiscum & Danu⸗
bium, vulgò dicta Batska, sit in sola possessione & potestate
Caesareae Majestatis, sic maneat deinceps etiam in praefata
potestate & Dominio Caefareo, neque Titelium magis,
quàm in praesenti est, fortificetur.
IV. Ab extrema ripa citeriore Tibisci, opposita Tite⸗
lianae ripae, & angulo terrae ibidem per conjunctionem Ti⸗
bisci & Danubii terminato, deducatur linea recta usque in
ripam Danubii: item è regione citerioris ripae Tibiscanae si⸗
tam, & ulteriùs protrahatur pariter recta ad Moravizii ri⸗
pam citeriorem amnis Bossut: & inde ad locum usque, u⸗
bi praedictus amnis Bossut principali alveo in Savum elabi⸗
tur: & Moravizio sine ulla Fortificatione relicto, exstru⸗
ctisque tantùm in opposita utrinque ripa, apertis pagis,
separentur per praedictam lineam firmatam atque distin⸗
ctam sive fossis, sive lapidibus, sive palis, sive aliâ ratione,
Imperia sequenti modo: Regio versus Belgradinum intra
modò dictos limites permaneat sub sola potestate Poten⸗
tissimi Ottomannorum Imperatoris: Regio verò extra
praedictam lineam sita, maneat sub sola potestate & pos⸗
sessione Potentissimi Romanorum Imperatoris: & secun⸗
dùm praedictos limites pariter possideantur fluvii, qui
sunt Territoriis permanentibus in possessione utriusque
partis.
V. Ab ostio amnis Bossut in Savum effluentis, usque
item in Savum elabentis Unnae Fluvii ostium, Savi altera
quidem pars pertinens ad ditionem Caesaream possidea⸗
tur ab Ejus Majestate, alera verò pars possideatur ab Impe⸗
ratore Ottomannorum.
Interfluens fluvius Savus, & Insulae in hoc communi
tractu
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15
tractu sitae, sint communes, & usus tum ad navigationem
ultrò citroque, tum ad alias commoditates utriusque par⸗
tis Subditis pariter communis sit, utriusque religiosè obser⸗
vantibus pacificum & imperturbatum ultrò citroque
commercium.
Usque ad Unnam Fluvium Regio pertinens ad Domi⸗
nium Imperialis Ottomannicae Majestatis, quâ Bosniam
spectat, citerioribus ripis Unnae Fluvii definiatur atque
terminetur, evacuatis Novi, Dubizza, Jessenovizza, Do⸗
boy, & Brod ex parte Bosnensi: & qualicunque alio simili
loco in hoc Tractu existente, & deductis inde Praesidiis
Caesareis, ista pars omni modo libera relinquatur: Casto⸗
nouiz autem, & Insulae infra Terram Novi versùs Savum
cum ulterioribus ripis ejusdem Unnae, cùm sint & maneant
in potestate Romanorum Imperatoris, praedictis limiti⸗
bus hinc distinguantur.
Loca demùm ultra Unnam longè à Savo sita, & ab u⸗
traque parte praesidiis conservata, atque possessa cum Ter⸗
ris ante praesens bellum ad eadem spectantibus, maneant
iterum in potestate utriusque possidentis partis, eâ condi⸗
tione, ut Commissarii utrinque mox deputandi Districtus
atque Territoria singulatim, deductis particularibus lineis,
separantes, per fossas, lapides, palos, aut aliâ quacunque
ratione, ad evitandam confusionem posita signa, segre⸗
gent atque disjungant, in partibus Croatiae usque ad ulti⸗
mum Confinium, & terminum locorum in utriusque Do⸗
minii possessione permansurorum.
Et ex utraque parte, si quis ausus fuerit alterare, mu⸗
tare, evellere, tollere, aut quovis modo violare aliquod
ex praedictis signis, ille per omnimodam inquisitionem
deprehensus ad exemplum aliorum severissime puniatur.
Commissariis verò ad distinctionem & positionem
limitum in isto Confinio, quoad fieri poterit, quàm celer⸗
rimè deputandis Regiis Edictis demandetur, ut ad tran⸗
quillitatem, & securitatem Subditorum utriusque Domi-
nii
D 2
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16
nii sedulò animum adhibentes, sine controversia, & sine
quacunque particulari complacentia, Terras optimè sepa⸗
rent, atque manifestè distinguant.
Cùm siti in altera Savi parte, quà Dominium Impe⸗
riale Ottomannicum recipit, munimenti Brod fortifica⸗
tiones, utpotè recenter à Militiis Caesareis factae, tempore
educendi Praesidii Caesarei, everti debeant, locus autem il⸗
le sit commodissimus ad Mercaturam, poterit ibidem erigi
cum honesto & commodo recinctu civitas, ita tamen, ut
in Arcis aut Munimenti formam non redigatur.
VI. Definiti tandem per hosce Tractatus, & subsecu⸗
tâ, ubi opus fuerit, locali Deputatorum Commissariorum
separatione stabiliti, sive deinceps idoneo tempore per o⸗
peram Commissariorum utrinque stabiliendi Confinio⸗
rum limites sanctè utrinque, & religiose observentur, ita
ut sub nulla ratione aut praetextu extendi, transferri, aut
mutari possint: neque liceat alicui paciscentium parti in
alterius partis Territorium ultra statutos semel terminos,
aut lineas quidquam Juris aut potestatis praetendere aut
exercere, aut alterius partis Subditos sive ad deditionem,
sive ad pendendum tributum qualecumque sive praeteri⸗
tum, sive futurum, sive ad quamvis aliam humano inge⸗
nio excogitabilem exactionis aut vexationis speciem adi⸗
gere aut molestare, sed omnis altercatio justè amoveatur.
VII. Licitum & liberum esto utrique partium pro
Confiniorum suorum securitate, quocunque meliori vi⸗
sum fuerit modo, arces, munimenta, & loca, per prae⸗
sentes Tractatus pacificè possessa, quaecunque de facto ex⸗
tant, reparare, munire, & fortificare, exceptis illis, de
quibus utrinque nominatim cautum est. Ad Incolarum
verò commodas habitationes in extremis Confiniis aper⸗
tos pagos aedificare, ubique sine impedimento, & sine ex⸗
ceptione utrique parti liceat, dummodo sub hoc praetex⸗
tu Fortalitia non erigantur.
VIII. Incursiones hostiles & occupationes, omnes⸗
que
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17
que insultus clam aut ex improviso facti, devastationes,
& depopulationes Territorii, utriusque Dominii, omnino
& severissimis mandatis prohibitae sint ac illicitae: trans⸗
gressores verò articuli hujus, ubicunque deprehensi, statim
incarcerentur, & per Jurisdictionem loci, ubi captivati
fuerint, pro merito puniantur absque ulla remissione, &
rapta, quaecunque sint, diligentissimè perquisita, & adin
venta, cum omni aequitate Dominis suis restituantur: Ca⸗
pitanei quoque ipsimet, Commendantes, & Praefecti
utriusque partis ad justitiam, nullâ admissâ injuriâ, integer⸗
rimè administrandam, sub amissione officii non solùm,
sed etiam vitae & honoris, adstricti sint, atque obligati.
IX. Maneat porrò etiam illicitum futuris quoque tem⸗
poribus; receptaculum vel fomentum dare malis homi⸗
nibus, rebellibus Subditis, aut malè contentis, sed ejusmodi
homines, & omnes praedones, raptores, etiamsi alterius
partis Subditi sint, quos in ditione sua deprehenderint, me⸗
rito supplicio afficere, utraque pars adstricta sit: qui si de⸗
prehendi nequeant, Capitaneis aut Praefectis eorum, sic⸗
ubi eos latitare compertum fuerit, indicentur, iique illos
puniendi mandatum habeant: quòd si nec hi officio suo in
punitione talium sceleratorum satisfecerint, indignatio⸗
nem Imperatoris sui incurrant, aut officiis exuantur, aut
ipsimet poenas pro reis luant. Quóque magis nefariorum
hujusmodi petulantiis cautum sit, neutri partium liceat in⸗
tertenere, & alere Haydones, quos liberos nuncupant, Pla⸗
giarios, Pribeck dictos, atque id genus facinorosoru homi⸗
num, qui non sunt alterutrius Principis stipendio condu⸗
cti, sed rapto vivunt, tamque ii, quam qui eos aluerint,
pro demerito puniantur, talesque nefarii, etiamsi consue⸗
tae vitae emendationem praeseferant, nullam fidem me⸗
reantur, nec prope Confinia tolerentur, sed ad alia remo⸗
tiora loca transferantur.
X. Cùm tempore praesentis hujus belli plures ex Hun⸗
garis
E
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18
garis & Transylvanis, à subjectione Suae Caefareae Majesta⸗
tis secedentes, ad Confinia Excelsi Imperii sese receperint,
atque hac in parte etiam conclusae per inducias inter u⸗
trumq; Imperium almae huic Paci debitis modis in futuram
securitatem providendum sit, de praedictis ita pactum est,
ut in ditionibus antè nominati Excelsi Imperii ad lubitum
possint locari & accommodari: Ne tamen aliquo modo
Confiniorum tranquillitas, & Subditorum quies pertur⸗
bari queat, loca, ubi praedicti collocabuntur, remota sint:
ab omnibus limitaneis, & confiniariis partibus, & uxori⸗
bus illorum dabitur facultas sequendi maritos suos, iisque
in Imperatorio assignato ad hoc districtu cohabitandi.
Cùmque imposterum in reliquos Subditos Potentissimi Ot⸗
tomannorum Imperatoris annumerandi veniant, non li⸗
ceat illis à subjectione ejusdem ampliùs recedere: & si qui
recesserint, atque ad patriam iterum reverti voluerint, in
numero & conditione malevolorum recenseantur, neque
illis à Caesareis fomentum aut receptaculum praebeatur,
quin imo deprehensi Ottomannis Confiniorum Guberna⸗
toribus extradantur, quo magis utrinque securitati Pacis
prospiciatur.
XI. Ad tollendas penitus quascunque in Confiniis su⸗
per aliquo articulorum Armistitii hujus, aut quavis de re
imposterum enascentes controversias, differentias, aut dis⸗
cordias, ubi prompto & maturo remedio opus sit, ordi⸗
nentur utrinque in Confiniis primo quoque tempore electi
pari numero Commissarii, viri neutiquam avidi, sed gra⸗
ves, probi, prudentes, experti, atque pacifici: Hique loco
opportuno convenientes sine exercitu cum aequali pacifi⸗
carum personarum comitiva, omnes & singulas hujusmo⸗
di controversias emergentes audiant, cognoscant, deci⸗
dant, & amicabiliter componant, talem denique ordi⸗
nem, & modum constituant, quo utraque pars suos ho⸗
mines & Subditos, citra omnem tergiversationem vel prae⸗
textum, gravissimis poenis ad sinceram ac firmam pacis ob⸗
ser-
- 33 -
19
servantiam compellat: Quòd si verò negotia tanti mo⸗
menti occurrerent, quae per Commissarios utriusque partis
componi & expediri non possent, tunc ad ambos Poten⸗
tissimos Imperatores remittantur, ut ipsi complanandis iis⸗
dem, sedandis & extinguendis, modum & rationem in⸗
venire, & adhibere valeant, ita ut tales controversiae,
quàm fieri poterit, intra brevissimum temporis spatium,
componantur, nec earum resolutio ullâ ratione negliga⸗
tur, aut protrahatur.
Cumque praeterea in antecedentibus sacris capitula⸗
tionibus duella, & mutuae ad certamen provocationes fue⸗
rint vetitae, imposterum etiam sint illicitae, & si qui ad sin⸗
gulare certamen venire ausi fuerint, in illos, ut transgres⸗
sores, gravissimè animad vertatur.
XII. Captivi tempore praesentis belli ex utraque parte
in captivitatem abacti, & in publicis carceribus adhuc su⸗
perstites, cùm occasione istius almae Pacis eliberationem
tandem aliquando meritò sperent, nec possint sine laesione
Majestatis Imperatoriae, & laudatae consuetudinis, in eâdem
captivitatis miseria & calamitate relinqui: usitatis ab anti⸗
quo, vel honestioribus adhuc rationibus, per commuta⸗
tionem in libertatem asserantur; & si plures, aut melioris
conditionis in una quàm in altera parte invenientur, pro
reliquorum etiam eliberatione, quando solennes Legati
instantias afferent, gratiosa, & huic almae Paci conveniens
utriusque Imperatoris pietas nequaquam denegetur: caete⸗
ris vero, qui in privatorum potestate sunt, vel apud ipsos
Tartaros, licitum sit, eliberationem suam honesto, &,
quàm fieri poterit, mediocri lytrò procurare. Quòd si
cum Captivi Domino honesta accomodatio fieri non pote⸗
rit, Judices locorum litem omnem per compositionem di⸗
rimant: sin autem praedictis viis id etiam confici haud pos⸗
set, Captivi pretiis eorum, sive per testimonia, sive per Ju⸗
ramenta, probatis atque solutis eliberentur. Nec possint
Domini aviditate majoris lucri sese redemptioni eorun⸗
dem
E 2
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20
dem opponere, & quandoquidem ex parte Excelsi Imperii
Ottomannici homines non emitterentur, qui taliter elibe⸗
randis captivis operam adhibeant, spectabit ad probita⸗
tem Caesareorum Praefectorum, ut ad dimittendum Otto⸗
mannos Captivos, quo empti sunt, pretio sincerè liquidato,
Dominos illorum adstringant, atque ita sanctum hoc opus
pari utrinque pietate promoveatur; quousque demùm Ca⸗
ptivi utrinque praedictâ ratione eliberentur, Legati Plenipo⸗
tentiarii ex utraque parte officia sua adhibebunt, ut interea
miseri Captivi benignè tractentur.
XIII. Pro Religiosis ac Religionis Christianae
exercitio,
juxta ritum Romano-Catholicae Ecclesiae,
quaecunq; praece
⸗
dentes gloriosissimi
Ottomannorum Imper. in Regnis suis,
sive per antecedentes Sacras Capitulationes, sive
per Signa
Imperialia, sive per Edicta & Mandata
specialia, favorabi
⸗
liter concesserunt, ea
omnia Serenissimus & Potentissimus
Ottomannorum Imperator imposterum etiam observan
⸗
da confirmabit, ita ut
Ecclesias suas praefati Religiosi repa
⸗
rare atque resarcire
possint, functiones suas ab antiquo
consuetas exerceant, & nemini permissum sit,
contra Sa
⸗
cras Capitulationes, &
contra Leges Divinas, aliquo gene
⸗
re molestiae, aut
pecuniariae petitionis, eosdem Religiosos,
cujuscunque Ordinis & conditionis, afficere,
sed consue
⸗
tâ Imperatoriâ pietate
gaudeant, & fruantur. Praeterea
Serenissimi & Potentissimi Romanorum
Imperatoris so
⸗
lenni ad fulgidam Portam
Legato licitum sit, commissa
sibi circa Religionem, & Loca Christianae
Visitationis, in
Sancta Civitate Jerusalem existentia, exponere,
atque in
⸗
stantias suas ad Imperiale
Solium afferre.
XIV. Commercia, juxta antecedentes etiam sacras Ca⸗
pitulationes, libera sint utriusque partis Subditis, in omni⸗
bus Imperiorum Regnis & Ditionibus; ut autem utrique
parti utili ratione, & sine fraude & dolo peragantur, inter
Deputatos Commissarios, rem mercatoriam bene intelli⸗
gen-
- 35 -
21
gentes, tempore solennium utrinque Legationum contra⸗
ctabitur, & sicuti cum aliis Excelsi Imperii amicis nationi⸗
bus observatum est, ita etiam Subditi, cujuscunque Nationis,
Caesareae Majestatis, securitate & utilitate Commerciorum
in Regnis Excelsi Imperii, idoneis modis & usitatis Privile⸗
giis, gaudebunt & perfruentur.
XV. Quaecunque conditiones in antiquis sacris Ca⸗
pitulationibus expressae sunt, nec praedictis Punctis hoc
Tractatu stipulatis, aut liberrimo cujusque possidentium
Dominio, & usui Ejusdem adversantur, aut praejudicant,
posthac etiam colantur sanctè & observentur, cassatis &
annullatis iis, quae supradictis quocunque modo repu⸗
gnant.
XVI. Ut quoque tantò magis Armistitium hoc bona
⸗
que inter ambos Potentissimos Imperatores amicitia fir
⸗
metur ac coalescat,
mittentur solennes utrinque Legati,
ex aequo usitatis caeremonialibus ab introitu in
Confinia us
⸗
que ad reditum in locum
secundae permutationis excipien
⸗
di, honorandi, tractandi
atque prosequendi, qui in signum
amicitiae spontaneum munus, conveniens tamen
& u
⸗
triusque Imperatoris
dignitati consentaneum, afferent; Et
prima aestate in mense Junio iter, praevia mutuâ corre
⸗
spondentiâ, uno eodemque
tempore suscipientes, in Sir
⸗
miensi Confinio, more jam
pridem inter utrumque Im
⸗
perium observato,
permutabuntur. Solennibus porrò Le
⸗
gatis in Imperatoriis
Aulis, quidquid libuerit, petere liceat,
ac permittatur.
XVII. Regula & norma Curialium in recipiendis, re⸗
ceptisque pariter honorandis & tractandis Ministris, ultrò
citroque commeantibus & commorantibus, juxta usitatam
prioribus etiam temporibus modalitatem deinceps ab u⸗
trinque cum aequali decore, & secundum distinctam cha⸗
racteris missorum praerogativam, observetur.
Legatis Caesareis & Residentibus, & quibusvis eorun⸗
dem hominibus pro suo arbitrio, quibuscunque placuerit
F
ve-
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22
vestibus uti licitum sit, nevè quisquam impèdimento esse
possit. Ministri porrò Caesarei, sive Oratoris, sive Legati, si⸗
ve Residentis, sive Agentis munere fungantur, quibus re⸗
liquorum Principum fulgidae Portae amicorum Legati, &
Agentes immunitatibus & Privilegiis perfruuntur, eâdem
libertate, imò ad distinguendam Caesareae dignitatis prae⸗
rogativam usitatis melioribus modis fruantur, habeantq;
liberam potestatem conducendi Interpretes. Cursores
etiam, & alii eorum homines Viennâ ad fulgidam Por⸗
tam, atque iterum redeuntes, & ultrò citroque venientes
salvo passu tutò & securè permeent, atque ut commodè
iter suum perficiant, omni favore coadjuventur.
XVIII. Pax ista quamvis secundùm propositas condi⸗
tiones conclusa, tum demùm integrum ex omni parte ro⸗
bur obligationis & debitae observantiae vinculum accipiet,
& inducet, cùm omnia & singula, quae de Confiniis suprà
recensito modo ultrò citroque promissa & acceptata sunt,
tam de distinctionibus limitum, quàm de evacuationibus,
& demolitionibus plenarie in effectum & executionem
deducta fuerint, ita, ut absoluta designatione limitum in
unoquoque Confinio statim subsequatur demolitio, aut
evacuatio, quod ut quàm celerrimè succedat, designentur
ad limites & terminos Confiniorum ponendos, & distin⸗
guendos ex utraque parte Commissarii, qui die Aequinoctii,
scilicet 22. Mensis Martii, aut 12. secundùm veterem sty⸗
lum, Anni Millesimi Sexcentesimi Nonagesimi noni, in
locis inter Commissarios consensu Gubernatorum utrius⸗
que Confinii determinandis, mediocri & pacifico Comitatu
conveniant, atque intra spatium duorum mensium, si
possibile sit, aut etiam citiùs, ubi fieri poterit, Confinia li⸗
mitibus, & terminis manifestis per superiores articulos
constitutis distinguant, separent, determinent, & Statuta
inter Legatos Plenipotentiarios utriusque Imperii accura⸗
tissimè, & citissimè exequantur.
XIX. - 37 -
23
XIX. Has verò conditiones & articulos ad formam
hic mutuò placitam à Majestatibus utriusque Imperatoris
ratihabitum iri, atque ut solennia ratificationis Diplomata
intra spatium triginta dierum à die Subscriptionis, vel ci⸗
tiùs, in Confiniis per Illustrissimos & Excellentissimos Le⸗
gatos Plenipotentiarios Mediatores reciprocè rectèque
commutentur, Legati Plenipotentiarii utriusque Imperii
sese infallibiliter obligant; atque praestituros compromit⸗
tunt.
XX. Duret Armistitium hocce & extendatur, faven⸗
te Deo, ad viginti quinque Annos continuè sequentes à die,
qua ejusdem subscriptio facta fuerit; quo Annorum nu⸗
mero elapso, vel etiam medio tempore, priusquam elaba⸗
tur, liberum esto utrique partium, si ita placuerit, Pacem
hanc ad plures adhuc Annos prorogare.
Itaque mutuo & libero consensu quaecunque stabilita
sunt Pacta inter Majestatem Serenissimi & Potentissimi
Ottomannorum Imperatoris, & Haeredes Eorundem: Im⸗
peria quoque, & Regna Ipsorum: terra item marique sitas
Regiones, Civitates, Urbes, Subditos, & Clientes obser⸗
ventur sanctè, religiosè, ac inviolabiliter; Et demandetur
seriò omnibus utriusque partis Gubernatoribus, Praefectis,
Ducibus Exercituum, atque Militiis, & quibusvis in eorun⸗
dem Clientela, obedientia, & subjectione existentibus, ut
illi quoque praedeclaratis conditionibus, clausulis, pactis,
& articulis sese adaequatè conformantes omnibus modis ca⸗
veant, ne contra Pacem & amicitiam hanc, sub quocun⸗
que nomine aut praetextu, se invicem offendant, aut da⸗
mnificent, sed quolibet prorsus inimicitiae genere abstinen⸗
do bonam colant vicinitatem, certò scientes, quòd si ea⸗
tenùs admoniti morem non gesserint, severissimis in se
poenis animad vertendum fore.
Ipse quoque Crimensis Chanus, & omnes Tartarorum
Gentes, quovis nomine vocitatae, ad Pacis hujus & bonae vi⸗
cinitatis, & reconciliationis Jura ritè observanda, adstricti
F 2
sint
- 38 -
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sint, nec iisdem contraveniendo, hostilitates qualescunque
exerceant erga quasvis Caesareas Provincias, earumque
Subditos aut Clientes: Porro sive ex aliis Exercituum gene⸗
ribus, sive ex Nationibus Tartarorum, si quis contra sacras
Imperatorias hasce Capitulationes, & contra Pacta & Ar⸗
ticulos earum quidpiam ausus fuerit, is poenis rigorosissi⸗
mis coërceatur.
Incipiat vero modo dicta Pax, quies & secu⸗
ritas Subditorum utriusque Imperii à suprafata die sub⸗
scriptionis, & cessent exinde, atque sustollantur omnes
utrinque inimicitiae, & Subditi utriusque partis securitate,
& tranquillitate fruantur; Eoque fine, & quò magis per
summam curam ac sedulitatem hostilitates inhiberi pos⸗
sint, transmittantur quàm celerrimè Mandata, & E⸗
dicta publicandae Pacis ad omnes Confiniorum Praefe⸗
ctos, cùmque Spatium aliquod temporis requiratur, intra
quod Officiales in remotioribus praesertim Confiniis istam
conclusae Pacis notitiam obtinere valeant, statuuntur vi⸗
ginti dies pro termino, post quem si quis hostile quidpiam
alterutra ex parte admittere praesumpserit, poenis superius
declaratis irremissibiliter subjaceat.
Ut demùm Pacis Conditiones viginti hisce articulis
conclusae, utrinque acceptatae, & debito summoque respe⸗
ctu inviolatae observentur: Siquidem Domini Plenipoten⸗
tiarii Ottomannici, vi concessae iisdem facultatis Imperato⸗
riae, Instrumentum Turcico sermone exaratum & subscri⸗
otum, legitimum, & validum nobis exhibuerint: Nos quo⸗
que vi Mandati, & Plenipotentiae nostrae, propriis manibus,
& propriis sigillis subscriptas, & signatas hasce Pactorum
Literas in Latino Idiomate, tanquam legitimum & validum
vicissim Instrumentum, extradidimus.
INSTRU-
25
INSTRUMENTUM
PACIS
INTER
SERENISSIMUM ET POTENTISSIMUM,
REGEM ET REMPUBLICAM
POLONIARUM,
Et
Excelsum Imperium Ottomannicum,
Ad Carlovviz in Sirmio, in Congressu Generali Confoe⸗
deratorum Plenipotentiariorum confectae.
In nomine Sanctissimae & Individuae Trinitatis.
AD perpetuam Rei memoriam. Omnibus & singulis, quorum interest, notum
sit: Quandoquidem inter Regnum Polonicum, & Excelsum mperium inter⸗
cedens diuturnum dissidium, Serenissimo & Potentissimo Magnae Britan⸗
niae, Franciae & Hiberniae Rege, Guilielmo III., & Praepotentibus Generalibus
Foederati Belgii Statibus, sistendi humani sanguinis & reducendae reciprocae
quietis desiderio, ad procurandos hujus almae Pacis Tractatus, Mediationem suam
interponentibus, atque officia omnia & omnes conditiones Mediationis dili⸗
genti operâ & studio explentibus, Excellentissimis Dominis ad Fulgidam Portam
Legatis Plenipotentiariis, Guilielmo Domino Paget, Barone de Beaudesert, in
Comitatu Staffordiensi, ejusdem Comitatûs Regis-Locumtenente, ex parte
Majestatis Britannicae: & Domino Jacobo Colyer, ex parte Praepotentium Gene⸗
ralium Foederati Belgii Ordinum, favente Deo, reciprocâ utrinque inclinatione
atque propensione sopiri, & penitùs extingui placuerit, atque Carlovizii ad Con⸗
finia Sirmii, ubi Congressus Legatorum Plenipotentiariorum ex Inclytae Media⸗
tionis dispositione institutus fuerat, initis Tractatibus de Pacis Articulis cum Illu⸗
strissimo & Excellentissimo Domino Mehmet Effendi, Magno Cancellario Excel⸗
si Imperii, & Illustrissimo atque Excellentissimo Domino Alexandro Mauro Cor⸗
dato, de Nobili stirpe Scarlati, ab Intimis Secretis ejusdem Excelsi Imperii, ad
tractandam Pacem Legatis Plenipotentiariis; post aliquas Sessiones, tandem an⸗
nuente Divinà Clementià, negotium hoc almae desiderataeque Pacis feliciter in
mutuas leges coaluerit, & integerrima iterum amicitia & Pax inter Serenissi⸗
mum & Potentissimum Musulmannorum Imperatorem Sultanum, Filium Sultani
Mehmeti, Sultanum Mustafa: & Serenissimum ac Potentissimum Regem, Augustum
Secundum, Dominum meum Clementissimum, & Rempublicam Poloniarum, su⸗
per undecim mutuo consensu compositis hisce Articulis, perpetuò religiosè inter
utrumque Dominium observanda, perfecta & conclusa, restituta & renovata est,
qui articuli subinde singulatim describuntur.
I. Cum Excelso perpetuitati subnixo Imperio, multo abhinc tempore, interce⸗
dente ope & favore Dei Altissimi, sublatâ hostilitate, conciliationi & bonae vicini⸗
tati congruâ cum sinceritate, antiquâ amicitiâ iterum coalescente, ut hostilitates
utrinque amoveantur, & Subditi pristinâ securitate, quiete ac tranquillitate
fruantur, ante ultima duo bella constituti veteres limites restituantur ac stabilian⸗
tur, & Confinia Provinciarum subditarum Poloniae, à Confiniis Imperialibus
tum Moldaviae, tum aliorum Districtuum, subjectorum Excelso Imperio, anti
⸗
G
quis
- 40 -
26
quis limitibus separentur ac distinguantur, nevé utrinque aut praetensio, aut ex⸗
tensio deinceps fiat, sed limites antiqui sine mutatione aut perturbatione, tanquam
sacri, religiosè observentur atque colantur.
II. Quaecunque sive Munimenta, sive Loca, vel
majora, vel minora, intra
veteres Moldaviae limites, ante penultimum bellum
existentes, sita, atque huc
⸗
usque detenta sunt à
Dominis Polonis, eductis atque extractis inde Polonicis Mi
⸗
litiis, evacuentur, &
Moldaviae Provincia maneat ex integro libera, ante postre
⸗
mum bellum, in quo erat
pacifico Statu.
III. Intra veteres quoque ante prostrema duo
bella, versùs Poloniam, limi
⸗
tes situm Camenici
Fortalitium, eductis inde Musulmannicis Militiis, evacuetur,
& integrum relinquatur, & Podoliae atque
Ukrainae Provinciarum nulla deinceps
ab Excelso Imperio fiat praetensio, &
Ukrainae Kosacorum Hatmani nomine Sub
⸗
stitutus, qui modò in
Moldavia residet, Hatmanus amoveatur. Cumque limites
antiqui Poloniae & Moldaviae manifesti sint,
si commodum fuerit tempus, ab initio
futuri Martii inchoetur evacuatio, & quàm
citiùs fieri poterit, quam primùm Po
⸗
lonica Militia è Moldavia
educatur, & Munimenta & Loca illius evacuentur, &
Moldavia maneat libera: Simulque ab initio Martii
Caminecensis Fortalitii eva
⸗
cuatio inchoetur, atque
evacuationis negotium, ubi priùs perfici poterit, sine hae
⸗
sitatione, & sine
tarditate ac negligentia in executionem deducatur, & Camine
⸗
censis Fortalitii
evacuatio, ad summum usque, in decimum quintum mensis Maji ad
finem perducatur; & quò cum facilitate &
celeritate dicti Fortalitii fiat evacuatio,
ad onera imponenda & transvehenda, quoad
fieri potest, curribus & jumentis
transportationem coadjuvent Poloni, & ubique
evacuationis negotium cum secu
⸗
ritate & salva re
peragatur: in quibus evacuationibus Fortalitiorum, & aliorum
Locorum, quoquo Pacto munitorum, è Subditis
quicunque voluntariè exire ve
⸗
lint, cum propriis rebus
& supellectile exeant tutò & securè, & quicunque rema
⸗
nere velint, item tutò
remancant, & utrinque nullatenus impediantur. Et cùm
evacuatio Fortalitiorum & Locorum à principio
Martii Mensis utrinque inchoari
debeat, instantiam de Tormentorum Camenieci
relictione, scilicetex propriis at
⸗
que ibi repertis,
Ablegatus Polonus, quam primùm ad Fulgidam Portam expedien
⸗
dus, afferat ad Solium
Imperatoris.
IV. Nemo Subditorum Excelsi Imperii, cujuscunque conditionis, praesertim
verò Tartari, cujuscunque Gentis, sub cujusvis praetensionis & controversiae
praetextu, in Subditos regis & Reipb. Poloniarum, & in limites eorum hostilita⸗
tes exercere, excursiones agere, captivos rapere, pecora abigere, aut quid⸗
quid damni inferre, nevè eos offendere possit, expressis Regiis Edictis commit⸗
tatur, & demandetur Vesiriis, Beglerbegis, & felicissimo Crimensi Hano, Carel⸗
gaio, & Nuradino, & reliquis Soltanis, ac Woievvodae Moldaviae, ut adhibitâ
maximâ sedulitate observent & conservent Confiniorum pacificam tranquillita⸗
tem, & conciliationem atque quietem, nevè aut in captivationibus, aut pecorum
abactionibus, aut quacunque aliâ ratione damnis & molestiis afficiant Poloniae Sub⸗
ditos, & severissimè inquirant in perturbatores & transgressores conditionum Pa⸗
cis, atque habitâ notitiâ ad exemplum aliorum in illos animadvertant; & rapta
adinventa propriis Dominis restituantur, & si qui hac de re negligenter ac oscitan⸗
ter agant, sive amissione officiorum, sive privatione vitae, prout ex divinis
Legibus convenerit, justè puniantur. Pariter Poloni has conditiones Pacis omni⸗
no & sedulò observent atque colant, & nemo in oppositum quidquid audeat.
V. Cùm Regnum Poloniae ab antiquo sit liberrimum,
ab Excelso Imperio aut
subjectis eidem Gentibus, qualiscunque
praetensionis aut expostulationis praetex
⸗
tu, nulla penitùs
hostilitate perturbetur, & conclusae istius almae Pacis Pactorum
vi, ad tales praetensiones nequaquam
adstringatur.
VI. Tempore hujusce belli Budziacenses, & alii Tartari, è propriis Locis exe⸗
untes, atque in Terras Moldavorum ingressi, hostilitates ac offensiones hac occa⸗
sione in Moldavos & Moldaviam exercent: quod cùm sit contrarium sacris Capitu⸗
latio-
- 41 -
27
lationibus ante hac concessis Regibus Poloniae, ac proinde cessare ac sustolli debe⸗
at; à quibusque Locis & possessionibus, & praediis, & hyemalibus in Moldavia
aut occupatis, aut de novo extructis Tartari amoveantur, & nativis propriis Lo⸗
cis habitent, atque pacificè vivant, & imposterum nullas offensiones faciant.
VII. Religiosi Christiani Romano-Catholici, juxta concessa ab Excelso Impe
rio edicta, ubicunque Ecclesias suas habent, consuetas suas functiones sine impe
dimento exerceant, & pacificè vivant: & ulteriùs sibi commissas Instantias de Re⸗
gione extraordinarias ad Fulgidam Portam Magnus Legatus ad Imperatorium So⸗
lium exponat.
VIII. Cum Res mercatoria è fructibus Pacis existat, atque Provincias in me⸗
liorem conditionem reducat, utriusque Dominii Mercatores imposterum non per
occulta loca meantes, sed per loca transitui opportuna ultrò citroque euntes & re⸗
deuntes, postquam solverint juxta consuetum ab antiquo telonium rerum porta⸗
tarum & exportatarum, novis exactionibus & expostulationibus nequaquam
molestentur, nevè ex numerata pecunia telonium exigatur: & quicunque nativi
Subditi Poloniarum, & Lithuaniae, & aliarum subjectarum iisdem Nationum ad
Mercimoniam agendam venientes, & nullum damnum inferentes, praedictâ rati⸗
one mercaturam & coemptionem, & venditionem, sicuti in antecedentibus sa⸗
cris Capitulationibus etiam declaratur, exactione tributi, dicti Haracz, & aliis in⸗
ordinatis exactionibus ne molestentur. Verùm enim verò, si qui relictis suis re⸗
gionibus in Imperii regnis sedem figant, & si qui alii Exteriores sese Polonis im⸗
misceant, tales ne possintesse detrimento Reipublicae, Mercatores Polonorum re⸗
deuntes ex armis, & equis, & jumentis, & captivis, qui liberationis suae instru⸗
mentum legitimum habentes in patriam redire voluerint, nihil exigatur, & ne
quisquam impedimento sit taliter abeuntibus captivis. Verùm sub isto praetextu si⸗
ne facultate nemini liceat vetita abducere. Praeterea opibus & rebus Mercatorum
utriusque Dominii, quibus in aliis Regionibus mori contingat, publici Confisca⸗
tores & Partitores ne ab utralibet parte sese immisceant, sed inter Mercatores,
cui fides adhibetur, tradantur, utjuxta catalogum depositionis haeredibus tradat;
si quis autem casus acciderit inter Mercatores, inter ipsos Praepositi decisione de⸗
finiatur, ipse verò, quibus debet, rationem reddat. Ad debitum sive Scripto,
sive Instrumento Judiciario non affirmatum solvendum, contra Divinas Leges ne⸗
mo compellatur, nevè Testimoniis solis conductitiis lites debitorum & sponsionum
dicantur, aut audiantur, Instrumentis scilicet legitimis & Scriptis ante extraditis,
sacris Mandatis perlectis atque consideratis, justè ac debitè causae decidantur, at⸗
que in similibus causis contexta & statuta in sacris Capitulationibus, ut aliis con⸗
foederatis Nationibus concessa, in Polonos etiam Mercatores extendantur, & ul⸗
teriùs speciatim Polonis ante hac concessorum, & in manibus eorundem servato⸗
rum sacrorum Edictorum sensus quoque colatur & observetur.
IX. Captivi tempore belli abacti, pretiis illorum, juxta Leges comprobatis, aut
datis Juramentis in manifestum productis atque solutis, juxta antecedentium Capi⸗
tulationum hac de re declarationem eliberentur. Si verò tales Captivi multo tem⸗
pore servierint, ex discretione pretia emptionum cùm imminui debeant, si ho⸗
nesto & mediocri pretio cum Domino Captivi conveniri non poterit, Judices Lo⸗
corum legitimè procedentes, tales differentias componant. Si aliquâ occasione
post conclusionem Pacis ex Regionibus Polonicis captivi rapiantur, sine pretio
dimittantur: & in Regnis Excelsi Imperii, & inter Tartaros etiam ad eliberandos
Polonos captivos circumeuntes homines, quandocunque res suas pacificè agerent,
praetextu operae eliberationi Captivorum navatae, aut aliâ ratione neutiquam of⸗
fendantur, quinimò offendentes & detrimentum inferentes puniantur, Captivi in
publicis carceribus detenti permutatione utrinque in libertatem asserantur. Ma⸗
gnus verò Poloniarum Legatus de Captivis suas Instantias ad Solium Imperiale af⸗
ferre poterit.
G 2
X. Quan - 42 -
28
X. Quandocunque Serenissimus Rex Poloniae in stabilita cum Excelso Impe⸗
rio Pace firmiter permanebit, sicuti in antecedentibus Capitulationibus declara⸗
tur; Moldaviae Woiewodam eâ ratione, quâ ab antiquo cum Regibus Polonia⸗
rum sincerè sese praestitit, rursùs consueta ratione sincerè tractet: caeterum instar
aliorum Subditorum Excelsi Imperii, uti priùs, pacati sint, & è Moldaviae atque
Wallachiae Provinciis, si qui transfugerint, ne recipiantur; si qui alià methodo
in Poloniae Dominium irrepserint, ac postea Provinciam suam perturbare & cor⸗
rumpere deprehensi fuerint, similes homines, quando perquirentur, reddan⸗
tur, & conditio ista, cùm in antecedentibus Capitulationibus clarè & manifeste
posita sit, observetur. Pariter & Subditis Polonis, sive Poloni illi sint, sive Kosa⸗
ci, cujuscunque Nationis extiterint, quando perturbationem afferent, hinc etiam
neque recipiantur, neque protegantur, sed retrò reddantur. Et universi, quicun⸗
que turbare voluerint Pacem atque Amicitiam, haccine ratione conclusam, ex
merito puniantur.
XI. Quaecunque conditiones & Clausulae, in antecedentibus Capitulationi⸗
bus descriptae atque contentae, nullatenus adversantur de recenti conclusis Pactis,
neque oppositae sunt liberis & perpetuis Juribus utriusque Dominii, deinceps
etiam colantur & observentur; quae verò contrariae sunt, cassentur & annihi⸗
lentur favente & annuente Deo Altissimo. Quae utrinque declaratis & exaratis
Articulis, perfectiori & exactiori ratione conclusa Pax & Conciliatio, inter Ma⸗
jestates Serenissimi & Potentissimi altè memorati Poloniarum Regis, Domini mei
Clementissimi, & Successorum ejus, & Rempublicam Polonam, & ex altera parte
Serenissimi & Potentissimi Musulmannorum Imperatoris, ejusdemque Haere⸗
dum, ex voluntate & clementia Dei perpetua, stabilis, firma & inconcussa per⸗
maneat, & conservata atque custodita sit ab omni turbatione, & mutatione, &
confusione, & violatione, & uno eodemque tenore firmissimè perseveret, & con⸗
stantissimè continuet; & ut omnes omnino hostilitates amoveantur atque sustollan⸗
tur, quàm citissimè notitia praebeatur in Confiniis, Praefectis & Gubernatoribus,
ut sibi caveant, ne imposterum transgressiones fiant, nevè altera pars alteri da⸗
mna inferat. Verùm enim verò omnes utrinque sincerè & amicè sese praestent juxta
istam almam Pacem. Ut autem omnibus cognita & comperta sit istius almae Pacis
Conclusio, triginta dies pro termino ponantur: post quem nullus praetextus, nul⸗
laque excusatio acceptabitur, sed in eos, qui adversabuntur, editis Edictis, exa⸗
ctam obedientiam merentibus, severissimè animadvertatur. Post subscriptionem
autem Instrumentorum utriusque Partis Ablegatus priùs à Polonia missus, & ad
Fulgidam Portam veniens, juxta antiquam consuetudinem, afferat Regias publicas
Literas, Ratificationem Pactorum Instrumentis declaratorum continentes, atque
Literas Imperatorias ratificatorias item accipiat & deducat; Postea verò ad solen⸗
nem confirmationem Pactorum Pacis, & perfectionem reciprocae sinceritatis, &
absolutam terminationem mutuae Amicitiae, & dispositionem ac digestionem re⸗
liquarum rerum, juxta laudatum veterem morem, adventurus Magnus Legatus,
quam primùm commodè fieri poterit, moveat, ac proinde undecim numero Pa⸗
ctis conclusa juxta istas conclusiones alma Pax ab utraque Parte acceptetur atque
colatur. Cùm verò altè memorati Illustrissimi & Excellentissimi Domini Excelsi
Imperii Plenipotentiarii & Commissarii existentes Legati, vi sua faculta⸗
tis & auctoritatis, Turcico Sermone exaratum legitimum & validum instrumentun
tradiderint, ego quoque, vi facultatis & Deputationis meae, propriâ manu sub⸗
scriptas, & Sigillo sigillatas à me praesentes Pactorum Literas, tanquam legitimum,
& validum instrumentum, tradidi.
COPIA
29
COPIA
INSTRUMENTI TURCICI
CUM
MOSCOVITA.
Hic est Deus, maximè aperiens omnia, Potentissimus, Firmissimus.
In Nomine Dei misericordis, semper miserentis.
CAusa exarationis hujus veritate praecellentis
Scripti, & necessitas descriptionis
hujus realitate insigniti Instrumenti haec est:
Incorruptibilis Domini Creatoris,
& immortalis Opificis liberrimi arbitrii,
Domini Dei, cujus Gloria extollatur ex
⸗
tra omnem similitudinem
& paritatem, aeternarum confirmationum ubertatis
concessione, & gratiâ honoratissimae Meccae, & lucidissimae Medinae Servi, &
Sanctae Hierusalem, & aliorum Locorum benedictorum Defensoris & Rectoris,
binarum Terrarum Sultani, & Regis binorum
Marium, Dominatoris potentis Ae
⸗
gypti, & Abyssinarum
Provinciarum, ac Felicis Arabiae, & Adenensis Terrae,
& Casareae Africanae, & Tripolis, &
Tuneti, & Insulae Cypri, & Rhodi, &
Cretae, & aliarum Albi Maris Insularum,
atque Imperatoris Babylonis, & Bosi
⸗
trae, & Laxae,
& Revani, & Carsiae, & Erzirum, & Sehresul, & Mussul, &
Diarbekir, & Ricae, & Damasci, &
Aleppi, & Sultani Persicae & Arabicae Ira
⸗
chiensis Regionis,
& Regis Ghiurdistaniae, & Turchistaniae, & Giurzistaniae, &
Daghistaniae, & Trapezuntis, &
Imperatoris Provinciarum Rum, & Zul-cha
⸗
driae, & Maras,
Imperatoris Regionum Tartariae, Circassiae, & Abasiorum, at
⸗
que Crimeae, ac
Desti-Capzac, Imperatoris Orientis, & Occidentis, & Anato
⸗
liae, & Rumeliae,
Possessoris Sedis Regiae Constantinopolis, & protectae Prussae,
ac defensae Adrianopolis, & praeterea
Imperatoris latissimarum tot Provinciarum,
totque Climatum & Urbium, ac celeberrimi
Dominatoris, Sultani Sultanorum,
Regis Regum, Serenissimi, Potentissimi,
Augustissimi Domini nostri Imperatoris,
Refugii Musulmannici, Sultani Filii
Sultanorum, Sultani Mustafa Regis, Filii Sul
⸗
tani Mehmet Regis,
cujus Imperium Deus perenne faciat, ac Principatum stabi
⸗
liat usque in diem
judicii, Majestatis, Excelsum Imperium inter; & Gloriosissi
⸗
mum inter eximios
Principes Christianos, & Praelectissimum inter magnos Domi
⸗
natores Christianos,
Directorem magnorum negotiorum Christianarum Rerum
⸗
publicarum, Chlamyde
Amplitudinis & Majestatis exornatissimum, Argumentis
magnitudinis & gloriae condecoratissimum
Czarum, Moscoviticarum Regionum, &
omnium Ruthenicarum Provinciarum Dominatorem,
& Possessorem subjectarum
illis Terrarum & Urbium, sublimem Czarum
Moscoviae, Petrum Alexovicium (cu
⸗
jus fines Deus salute
& rectitudine coronet) cùm intercedens aliquibus annis dissi
⸗
dium fuerit in causa
calamitatis Subditorum & Subjectorum utriusque partis, eâ in
⸗
tentione, ut iterum in
amicitiam & benevolentiam commutetur, ad bonam consti
⸗
tutionem rerum
Civitatensium, & ad reducendum in meliorem conditionem Sta
⸗
tum Servorum Dei, in
Sirmio, in Confiniis Carlovicii, facto Congressu, cum Illustris
⸗
simo &
Excellentissimo inter Christianos Magnates Domino Procopio Begda
⸗
nouiz Vosnizin, altè
memorati Czari Plenipotentiario Commissario, & Extraor
⸗
dinario Legato, &
intimo Consiliario, & Locumtenente Bolchiae, ab eodem Cza
⸗
ro ad Tractatus &
Conclusionem Pacis negotii perfectâ authoritate destinato, &
deputato: atque explentibus Mediationis manûs
bonis officiis, ac diligenti operâ,
deputatis à Gloriosissimis inter eximios
Christianos Principes, & Refugiis Magno
⸗
rum
H
- 44 -
30
rum Dominatorum ejusdem Gentis, Angliae, Scotiae
& Hiberniae Rege, Wilhel
⸗
mo Tertio, & Generalibus
Statibus Nederlandensibus (quorum fines Deus salute &
rectitudine coronet) ad exequendam Mediationis suae
functionem ad Tractatus Pa
⸗
cis, Illustrissimis &
Excellentissimis inter Magnates Christianos, Wilhelmo Lord
Paget, Barone de Beaudesert &c. & Domino
Jacobo Colyer, etiamsi ab utraque
parte adhibita sit ad Pacem & conciliationem
propensio & inclinatio, cùm tamen
non esset facile, brevi tempore, ut ablatis
difficultatibus omnes res, convenientes
amicitiae & vicinitati, perfectè & debitè
ad bonum ordinem redigerentur, ne in
⸗
terrumperetur continuatio
istorum almorum Tractatuum, sedut pertractentur, &
ad finem perducantur, hâc utrinque intentione per
mutuum consensum à Die vige
⸗
simo quinto Decembris, Anni
millesimi, centesimi, decimi, nempè Natalitio Do
⸗
mini Jesu Christi, usque ad
integros duos annos terminus constitutus est, intra quem
scilicet almus iste Tractatus ad bonum ordinem
reducatur, & inter Excelsum Impe
⸗
rium, & Moscoviticum
Czareatum, favente Deo Altissimo, Pax, sive per inducias,
sive perpetua coalescat, & vetus amicitia
renovetur. Itaque intra statutum unanimi
consensu terminum cesset omne praelium, &
bellum, & pugna atque conflictus,
& utrinque amoveantur & tollantur
hostilitates, Moscorum Czaro subjectis à Mo
⸗
scovitis & Cosaccis,
& aliis in subjecta Excelso Imperio Musulmannica Confinia,
sive alia, sive Crimensia & Loca, &
Subditos nulla fiat excursio, & hostilitas nul
⸗
lumque damnum inferatur,
neque clam, neque palam. Pariterque à parte Excelsi
Imperii nullius conditionis Exercitus, praesertim
Crimensis Chanus, & omnia ge
⸗
nera Tartarorum &
Hordae, nullam penitùs excursionem faciant, nullumque
damnum inferant, neque clam, neque palam, in
Civitates, & Oppida, & Subdi
⸗
tos & Subjectos Nostro
Czaro. Atque si qui sive clam, sive palam, motum aliquem
sive dispositionem, & hostilitatem, &
incursionem fecerintcontra hoc Pactum, &
hanc conditionem, quae inter nos confecta est,
& sese contumaces & minùs obe
⸗
dientes reddiderint, ex
quacunque parte sint, deprehendantur, incarcerentur, &
sine remissione puniantur. Proinde praefatâ
ratione colendi & observandi hujus
Armistitii tempore, conflictatio & hostilitas
penitùs amoveantur atque tollantur, &
ab utraque parte perfecta propensio & plena
inclinatio adhibeatur ad conclusio
⸗
nem Pacis; & Crimensis
Chanus propter suam obedientiam, & subjectionem ad
Excelsum Imperium, adjungatur huic Paci. Utque ab
utraque parte acceptatum,
& observatum sit, & altè memorati Czari
Plenipotentiarius Legatus & Commis
⸗
sarius, vigore suae
facultatis & auctoritatis, Moscovitico Sermone descriptum, le
⸗
gitimum, & validum
instrumentum tradiderit: Nos quoque facultatis & Vicariae
nostrae Deputationis vigore, nostris manibus
subscriptum; & nostris Sigillis fir
⸗
matum hoc Scriptum, tamquam
validum & legitimum Instrumentum, tradidimus.
Deus favens est aequitati.
COPIA
INSTRUMENTI
MOSCOVITAE CUM TURCIS.
IN Nomine Domini Dei Omnipotentis, in Trinitate Sancta unius; Ejusdem Gra⸗
tiâ Serenissimum & Potentissimum Magnum Dominum Czarum, & Magnum Du⸗
cem, Petrum Alexovicium, totius magnae, & parvae, & albae Russiae Autocrato⸗
rem, Moscoviae, Kioviae, Wolodimiriae, Novogardiae, Czarum Caraniae, Cza⸗
rum Astrachani, Czarum Siberiae, Dominum Plescoviae, & magnum Ducem Smo⸗
lensci, Treriae, Ingoriae, Permiae, Viatkae, Bolgariae, & aliorum Dominum, &
magnum
- 45 -
31
magnum Ducem Novogardiae, inferioris Terrae, Csernihoviae, Resaniae, Rosto⸗
viae, Jarosclaviae, Belovroriae, Valoriae, Obdoriae, Condiniae, & totius Plagae
Septentrionalis Imperatorem, & Dominum Iveriensis Terrae, Cartalinensium &
Gruzinensium Czarum, & Kabardiensis Terrae, Csercassorum, & Montanorum
Ducem, ac aliorum multorum Dominiorum, & Terrarum Orientalium, Occiden⸗
talium, Septentrionalium que Paternum Avitumque Haeredem, Successorem, &
Dominum ac Dominatorem, suam inter Majestatem; atque inter Serenissimum
& Potentissimum Magnum Dominum Sultanum Mustafam, Chanum, Filium Sulta⸗
ni Mehmet Chani, Dominum Constantinopoleos, Albi Maris, Nigri Maris, Ana⸗
toliae, Vrumiae, Romaniae, honoratissimae Meccae & Medinae, Sanctae Hierusa⸗
lem, Aegypti, & Abyssinarum, Babylonis, & Ricae, & Damasci Dominatorem,
Tartaricarum & Crimensium Hordarum, nec non aliorum multorum Dominiorum,
Regnorum & Urbium, Insularum & Provinciarum Imperatorem, ab aliquot
annis intercedens dissidium causa fuit calamitatis Subditorum, & Subjectorum
utrique parti, ex intentione, ut rursùs in Amicitiam & Benevolentiam, ad
bonam rerum Civilium constitutionem, reducendumque in meliorem condi⸗
tionem statum transmutetur, in Sirmio, ad Confinia Carlovizii, facto Congressu
cum Illustrissimis & Excellentissimis, Selectissimo Domino Magno Cancellario Reis
Mehmet Effendi, & cum Selectissimo Domino ab Intimis Secretis Alexandro ex
Prosapia Scarlati Mauro Cordato, altè memoratae Suae Sultanicae Majestatis Pleni⸗
potentiariis Commissariis, & Extraordinariis Legatis ad Tractatum & Constitu⸗
tionem Negotii Pacis perfectà Authoritate destinatis ac deputatis, Mediationem in⸗
ter Serenissimi & Potentissimi Suae Regiae Majestatis Magnae Britanniae, & Praepo⸗
tentum Generalium Statuum Nederlandensium Hollandiorum, Illustrissimorum
& Excellentissimorum Plenipotentiariorum Eorundem Extraordinariorum Lega⸗
torum, Domini Wilhelmi Lord Paget, Baronis de Beaudesert, &c. & Domini Ja⸗
cobi Colyer, &c. ab utraque autem parte ad Pacem & Inducias propensio & in⸗
clinatio adhibita fuit; attamen non facile fuit, intra breve tempus, sublatis diffi⸗
cultatibus res universas, convenientes amicitiae & vicinitati, perfectè & debi⸗
tè in bonum ordinem redigere, sed ne interrumperetur continuatio horum almo⸗
rum Tractatuum, quinimo deinceps perficiatur, & ad finem deducatur, hac in⸗
tentione utrinque per mutuum consensum, id est, à Die 25. Decembris anno 1698.
à Nativitate Domini Dei Jesu Christi, in futuros duos integros annos, inter altè
fatos ambos Magnos Dominos fiant Induciae, in quibus almus hicce Tractatus in
bonum ordinem reducatur, atque inter Suam Czaream Majestatem Moscoviticam,
& Sultanicam Majestatem Turcicam, Deo Altissimo secundante, Pax perpetua,
aut in sufficientes annos Induciae concludantur, & vetus amicitia restauretur.
Proinde in hoc constituto determinato unanimi consensu desinat omne praelium,
bellum, pugna, & conflictus, & utrobique amoveantur, & tollantur hostilita⸗
tes, & à Subditis Suae Czareae Majestatis, Moscovitis, & Cosaccis, ac aliis, Con⸗
finiis Musulmannicis, & Crimensibus, atque reliquis Suae Sultanicae Majestati
subjectis Terris, & Subditis, nulla incursio & hostilitas fiat, neque clam, neque
palam ullum damnum inferatur. Pariter ex parte Suae Majestatis Sultanicae adver⸗
sùs partem Suae Czareae Majestatis nullius ordinis Exercitus, potissimùm verò
Grimensis Chanus, & omne genus Tartarorum, & Hordarum penitùs ullas incur⸗
siones faciant, nec ullum damnum palam aut clam in Civitatibus, & Oppidis, &
subditis Territoriis Suae Czarea Majestati perpetrent. Et si qui clam vel apertè mo⸗
tum aliquem & dispositionem, hostilitatem, ac incursionem contra hanc consti⸗
tutionem, & conditionem, quae nos interconfecta est, fecerint, & ex quacun⸗
que demùm parte tales contumaces reperiantur, apprehendantur, incarcerentur,
& sine remissione indefensè puniantur. Hâc itaque praefatâ ratione, tempore co⸗
lendi, & observandi hujus Armistitii, conflictatio & hostilitas absolutè amovea⸗
tur, & tollatur, ac ab utraque parte ad concludendam Pacem perfecta propensio,
& plena inclinatio adhibeatur, & Crimensis Chanus ex munere suae erga Imperia⸗
lem Suam Majestatem Turcicam obedientiae, & subjectionis, huic Paci adjungatur;
Quae
H 2
- 46 -
32
Quae omnia ut ab utraque parte acceptentur & observentur, quoniam altè memo⸗
ratae Suae Sultanicae Majestatis Plenipotentiarii Legati & Commissarii, vigore
suae facultatis & Authoritatis, Turcico Sermone scriptum legitimum, & firmum
Instrumentum, ex eòque Latino Sermone propriis manibus, & Sigillis firmatam
Copiam dederunt, pariter & ego, facultatis & Plenipotentiae mihi datae vigore,
manu propriâ subscriptum, & Sigillo firmatum hoc Scriptum Ruthenico & Latino
Sermone copiatum, tanquam firmum & legitimum Instrumentum, tradidi. Scri⸗
ptum in Carlowiz
Anno 1698. Mense Decembri Die 25.
TRATTATO
DI
PACE
Trà
L’ECCELSO IMPERIO OTTOMANNO,
E LA
SERENISSIMA REPUBLICA DI VENEZIA,
Conchiuso nel Congresso di Carloviz nel Sirmio sotto le Tende, alli 26 di Genaro
1699; essendovi Ambasciatori Plenipotenziarii dell’Eccelso Imperio gl’Illustrissimi
& Eccellentissimi Signori Mehemet Effendi, Gran Cancelliere, & Alessandro Mau⸗
ro cordato; e per la Serenissima Republica, l’llustrissimo & Eccellentissimo Sig. Car⸗
lo Ruzini Cavalliere.
I.
LA Morea colle sue Città, Fortezze, Castelli, Terre, Ville, Monti, Fiumi,
Laghi, Boschi, Porti, & ogni altra cosa, che si ritrova dentro la Circonferen⸗
za della medesima, ora possessa dalla Republica di Venezia, resti pacificamente nel
possesso e Dominio dell’istessa Republica, tra’i suoi limiti del Mare, e dell’Essami⸗
glio, ove sono li Vestiggi dell’antica muraglia, così che nè dal canto di Morea si fac⸗
cia veruna estensione nella Terra ferma, nè dal canto della Terra ferma si faccia al⸗
cuna estensione oltre i Limiti della Morea.
II. La Terra ferma essendo nel possesso dell’Eccelso Imperio, resta totalmen⸗
te nel possesso e Dominio dell’istesso Imperio, per appunto nello Stato, che si tro⸗
vava nel principio di questa ultima Guerra. La Fortezza di Lepanto restarà eva⸗
cuata dalla Republica di Venezia. Il Castello detto di Rumelia nella parte di Le⸗
panto, si demolirà, e si demolirà parimente la Fortezza di Prevesa, e si lasciarà in
quella parte la Terra ferma nel suo primiero, & intiero Stato.
III. L’Isola di Santa Maura colla sua Fortezza, e Capo di Ponte, detto Pera⸗
cia, senza veruna estensione maggiore in Terra ferma, e l’lsola di Leucade attac⸗
cata à Santa Maura, restaranno nel possesso e Dominio della Republica di Vene⸗
zia,
IV. L’Evacuazione di Lepanto, e la Demolizione del castello di Rumelia, ed
Prevesa, si esseguiranno subito doppo la distinzione de’i Limiti in Dalmazia; & in
questo mentre per levare tutte le ostilità, & anco le occasioni di queste, li Presidii
de’i detti trè Luoghisi conteneranno dentro, nè faranno alcuna escursione nella
Terra ferma, ne veruna pretensione per qualsivoglia pretesto, e gli Abitanti delli
sui-
- 47 -
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sudetti Luoghi possano restare, e partire, secondo che vorranno, senza usarsi
alcuna violenza.
V. Li Golfi, che si trovano frà la Terra ferma, e la Morea, restano all’uso
commune, obligandosi l’una e l’altra parte, di conservarli immuni e franchi da
qualsivoglia cattiva Gente.
VI. Le isole dell’Arcipelago, e di quei Mari
restaranno in quello Stato, che
erano avant’il principio di questa ultima Guerra,
nel possesso dell’Eccelso Imperio,
ne si pretenderanno dalla Republica caraggi, ò
siano contribuzioni, od altro in
⸗
trodotto nel tempo della
presente Guerra.
VII. Per l’avenire l’Eccelso Imperio pretenderà
dalla Republ. di Venezia
per l’Isola di Zante, ne dalli suoi Abitanti
alcuna pensione passata, ò futura. L’I
⸗
sola di Egina colla sua
Fortezza, come adgiacente alla Morea, e posseduta dalla
Republica di Venezia, rimanerà col suo presente
Stato nel possesso e Dominio
dell’istessa Republica.
VIII. Nella Dalmazia le Fortezze di Cnin, Sing, e Ciclut, e Gabella, essen⸗
do al presente nel possesso e Dominio della Republica di Venezia, restaranno
nel pacifico possesso e Dominio della medesima; ma poiche si devono porre li
Limiti in tale forma, che li possessi restino chiari, e li Sudditi di ambe le parti in
quiete e tranquillità, ne si possa venir à qualsivoglia imaginabile differenza, che
possa in alcuna maniera disturbare la tranquillità delli Confini: si è accordato, che
dalla Fortezza di Cnin alla Fortezza di Verlika , e da quella alla Fortezza di Sing,
e da questa alla Fortezza di Duare, detta Zadvaria, e da questa alla Fortezza di
Vergoratz, e parimente da questa alla Fortezza di Ciclut, e Cabella, si tirino Linee
rette, e si separino li Confini, si che dentro le dette Linee verso il Dominio Vene⸗
to, & il Mare, tutte le Terre e li Distritti, colli Castelli, Forti, Torri, e Luoghi
chiusi, restino nel solo possesso e Dominio della prememorata Republica: e le
Terre, e Distritti, che saranno fuori della detta Linea, restino nel possesso e
Dominio dell’Eccelso Imperio, colli Castelli, Forti, Torri, e Luoghi chiusi, es⸗
sistenti in quelli, e non si permetterà per l’avenire alcuna estensione e dilatazi⸗
one, ò restrizzione nè dall’una, nè dall’altra parte. E le dette Linee secondo
l’abilità de i luoghi si faranno chiare e manifeste colli termini ò di Colli, e Bo⸗
schi, ò di Fiumi, & acque correnti, & ove il luogo non darà l’evidenza, si po⸗
neranno segni di Fosse, ò Pali, ò Colonne, come frà li Commissarii d’ambe le
parti, destinati à questa designazione di commune concerto, si trovarà à proposito;
e perche dette Fortezze nel possesso della Republica habbiano anche in fronte spa⸗
zio conveniente di Territorio, alle Fortezze di Cnin, Verlika, e Sing, Duare,
e Vergoratz, e Ciclut, si assignarà dalli Commissarii lo spazio di un’ora di Paese,
con rettitudine ò linea semicircolare, conforme lo permetterà, ò lo richiederà la
convenienza del Terreno; la Fortezza di Cnin haverà il suo sianco verso le parti
della Croazia, sin’al Confine del Cesareo Dominio, senza verun pregiudizio
delli trè Dominii, che haveranno in quella parte li termini delli loro Confini, mà
si haverà sempre da osservarsi il Jus accordato à cadaun di questi tré Dominii per
questa universale Pace.
La sudetta linea si osservarà dall’una, e dall’altra parte; mà se vicino, ò den⸗
tro in quella, venisse à restare qualche Fortezza dell’Eccelso Imperio, restando
nelle spalle di quella il suo Territorio intiero, nella fronte semi-circolarmente ha⸗
verà da goder il Terreno posto dentro la circonferenza parimente dello spazio
d’una ora, e per la Fortezza di Ciclut parimente nella fronte si darâ il territorio
nello spazio di un’ora, e nel fianco fuori della linea lo spazio di due ore di Terra,
tirandosi una linea retta sin’al Mare.
Et in questa forma e regola, essendo distinto il Confine, e posti li termini, e
separate le Terre da possedarsi, si osservaranno inviolabilmente, e senza veruna
mutazione; e se alcuno mai haverà l’ardire di violare qualche segno, ò di trasgre⸗
dire qualche termine, e gli Uffiziali ancora, che mancaranno nella dovuta cura
I
col
- 48 -
34
dot meritato castigo delli delinquenti, tanto dall’una, quanto dall’altra parte, sa⸗
ranno severamente puniti.
E se à caso li Commissarii havessero l’incontro di qualche difficoltà, che non
potessero accordarsi: in formaranno li loro Padroni sinceramente, e realmente.
affin che cogli Ufficii delli Rappresentanti delle Maestà Cesarea, e Britannica, e
degli alti potenti Stati Generali delle Provincie Unite, presenti alla fulgida Porta, si
definisca amichevolmente: E per simile od altra qualsi voglia differenza di Confine
non si venirà ad alcuna ostilità, nè s’intorbidarà la quiete delli Sudditi, ne s’in⸗
tenderà alterare la Pace conchiusa coll’ Eccelso Imperio.
IX. Il Territorio e li Distritti della Signoria di Ragusa, saranno continuati col⸗
li Territorii e Distritti dell’Eccelso Imperio, levandosi ogni ostacolo, che impe⸗
disce la continuazione, e la communicazione delle Terre della detta Signoria, col⸗
le Terre del medesimo Imperio.
X. Nella vicinanza di Cattaro, Castelnuovo, e Risano, essendo attualmen⸗
te nel possesso e Dominio della Republica di Venezia, restino nel pacifico posses⸗
so e Dominio della medesima Republica, colle loro Terre; e l’istesso s’intenda
per qualunque altra Fortezza in quella parte, essistente attualmente nel possesso della
medesima. E li Commissarii, che saranno destinati dall’una e l’ altra parte, siino
d’esperimentata probità, affin che senza alcuna propria passione giudicando real⸗
mente questo importante affare, anco in quella parte separino li Territorii, e li
distinguano con evidenti segni, siche si levi l’occasione d’ogni torbidezza, mà da
quella parte ancora si avertisca, che non s’interrompa la continuazione intiera del⸗
le Terre di Ragusa, con quelle dell’Imperio.
XI. Dovendosi cominciare la designazione del Confine di ambe le parti in Dal⸗
mazia; e nella parte di Cattaro, al primo tempo che sar à commodo, li Commissa⸗
rii, Deputati à questa opera, corrispondendo con previi avisi, faranno la loro con⸗
giunzione in luogo conveniente, con comitiva di Gente militare bensì, mà paci⸗
fica e quieta, d’ugual numero, e coll’ajuto d’Idio cominciaranno la loro funzio⸗
ne dal giorno dell’Equinotio de’i 22/12 Marzo dell’anno corrente, & adopraranno
ogni diligenza nella distinzione dell’uno, e dell’altro Confine delle sudette parti,
affinche con prestezza finiscano nel termine di due Mesi, e più presto, se si può
fare.
XII. Quanto plù è desiderata la fermezza dell’amicizia, e la quiete delli Sud⸗
diti di ambe le parti, tanto più devono essere ugualmente abominati quelli, che
portati dal reprobo loro ò genio, ò costume, anco nel tempo di Pace con ladronec⸗
ci, & altri ostili essercizii intorbidano la tranquillità del Confine, perciò nè dall’
una parte, nè dall’altra, si darà ricetto, ò fomento à tali forusciti di qualsi voglia
sorte, mà saranno perseguitati, presi, e consegnati, acciò che ad essempio di al⸗
tri siino col meritato castigo puniti, e sarà per l’avenire proibito l’appoggio, & il
mantenimento di questi mali huomini.
XIII. A cadauna delle parti sia lecito di risarcire, riparare, e fortificare le pos⸗
sedute Fortezze, mà non già di fabricarne di nuovo altre Fortezze, appresso il
Confine, ò le Fortezze demolite dalla Republica di Venezia nelle Sponde della
Terra ferma; Per la commodità però de’i Sudditi sia lecito di porre Borghi, e Vil⸗
laggi per tutto, osservandosi trà di loro pacificamente ogni buona corrispondenza,
e vicinanza, e contenendosi nelli proprii termini; e se à caso succedesse frà loro al⸗
cuna differenza, subito convenendo li Prefetti del Confine d’ambe le parti, ami⸗
chevolmente e con ogni giustizia levino l’occasione di qualsivoglia contrasto.
XIV. Tanto per la Religgione, e par la libertà, e permuta degli Schiavi,
quanto per il Traffico, si osservarà lo Stile, e tenore delle antecedenti Capitola⸗
zioni, e sarà lecito all’Ambasciatore della Republica, di portarne le sue ulteriori
istanze al Soglio Imperiale: Intanto circa il Traffico siano confermati anco per que
sta Pace li sacri commandamenti , concessi peravanti alla Republica, & il Traffico
ha verà da godere la sua forma, che haveva avanti questa ultima Guerra, e li Mer⸗
canti della Nazione Veneta tutti li Privileggi, che le sono stati concessi.
XV. Sin’ - 49 - Abbildung:
Cum Privilegio Sac. Cas. Maj.
Ihr Excellenz Herr Wolffgang deß H. Röm. Reichs Graff von Oettingen Kaiserl.
Majestät geheimbder Raht Camerer und Reihs Hoff Rahts=Praesident, auch dero bey
denen Anno 1699, im Monath Januario, zu Carlowitz in Ungarn mit denen Türken geschlossne Fri
dens=Tractaten gewesener Plenipotentiari, pirmari und jezo an die Ottomanische Pfort
nach Constatinopel abgeschickter Groß=Bottschaffter.
F. Stampart ad vivum pinx. et del.
M. D. CC.
J. A. Pfeffel fecit Vien.
- 50 - - 51 -
35
XV. Sin’al giorno delle immediate Sottoscrizzioni fra li Plenipotenziarii
dell’Eccelso Imperio, e della Republica di Venezia, dal giorno della Sottoscriz⸗
zione delli Plenipotenziarii di Sua Maestà Cesarea , e di Polonia dell’ accordato
per la Republica, deve cessar ogni ostilità d’ambe le parti, tanto per Terra; quanto
per Mare; & osservarsi ogni buona corrispondenza, & affinche li Rettori di ogni
Confine habbiano la notizia di questo Armistizio, si pone per le parti di Bosnia,
Albania, e Dalmazia, il termine di trenta giorni, e per le parti dell’lsola di Candia,
e di Morea, e gli altri Confini di quelle parti, si pone il termine di giorni quaran⸗
ta, doppo e dentro quali termini al possibile dal canto dell’Eccelso Imperio, e dal
canto della Republica di Venezia non si contravenirà ad alcuno di questi Articoli,
che si potranno osservare.
Si concede inoltre alli Sudditi una vera & universale amnestia, e qualsivog⸗
lia loro fatto, ò delitto commesso in tempo di Guerra, passando in totale oblivio⸗
ne, nissuno di essi, come delinquente, sarà per l’avenire castigato, e molestato.
Hr. Graff
von Oet⸗
tingen
wird zum
Kayserl.
Both=⸗
schaffter
nach der
Pforte
benennet:
GLeichwie nun zwischen dem Kayserl. Hofe und der Ottomanni⸗
schen Pforte die Gewonheit hergebracht / daß nach geschlossenem
Frieden oder Stillstande Sie durch besondere Gesandtschafften ein⸗
ander Ihrer Freundschafft auffs neue versichern / und solche mit
Uberschickung einiger Praesente bestättigen lassen; So begehrten Ihre Kay⸗
serl. Maytt. Allergnädigst daß der Herr Graff von Oettingen die Reise nach
der Pforte übernehmen möchte; Wozu sich dann derselbe / ohnerachtet Seines
zimlichen Alters / und bereits bey denen Friedens Tractaten ausgestandenen
Fatiguen gantz willig erklärete. Er ließ dero behuff seine Equipage schleunig
verfertigen / und nahm eine grosse Anzahl Officiers und Bediente auff. Es
meldeten sich auch viele vornehme Herren und Cavalliers, und unter andern ein
Junger Printz von Hollstein Plöen mit an / welche die Ehre verlangten / in der
Kayserlichen Gesandschafft mit nach Constantinopel zu gehen. Die gantze Suite
war folgende:
Liste
Derer mit der Kayserlichen Groß=Bottschafft
nach der Ottomannischen Pforte gehenden
Persohnen.
Des Kayserlichen Groß=Bothschaffters / Herrn Graffen von Oettingen
Excellenz . . . . 1.
Ihre Durchl. Herr Adolph August, Hertzog zu Holstein=Ploen 1.
Vornehme Cavalliers . . . . 14
Der Praelate, nebst 7. andern Geistlichen . . . . 8.
Der Legations-Secretarius mit dem Secretario der Orientalischen Sprachen /
oder Kayserlichem Dollmetscher . . . . 2.
Der Marechal . . . . 1.
I 2 Des - 52 -
und der
Bassa von
Romania
zum
Groß=
Both⸗
schaffter
nach
Wien.
36
Die Edelleute nebst dem Hauptmann . . . . 13.
Der Secretarius des Herrn Bothschaffters . . . . 1.
Kayserlichen Cantzellisten 2. und Copijsten . . . . 4.
Cassier, so die Verwahrung der Kayserliche praesente obhatte / nebst 4. Be⸗
dienten . . . . 5.
Des Herrn Bothschaffters Leib=Medicus, Apothecker und drey Chirurgi. . . . 5.
Der Hauß=Hoffmeister und Stallmeister . . . . 2.
Der Küchen=Meister mit drey Gehülffen . . . . 4.
Des Herrn Bothschaffters Cammer=Diener. . . . . 1.
Cavalliers, Officiers und Pagen . . . . 28.
Der Confiturier mit zwey Adjutanten . . . . 3.
Der Küchschreiber / Spenditor und Mund=Koch . . . . 3.
Des Herrn Bothschaffters Pagen . . . . 12.
Uhrmacher
Wagenmeister und Kauffmann . . . . 3.
Musicanten / Trompeter / Paucker und Clarin=Blaser . . . . 20.
Kayserliche Couriers . . . . 2.
Der Herrn Geistlichen Bediente . . . . 3.
Des Mareschals Bediente . . . . 2.
Trabanten 24. und des Herrn Bothschaffters Laqueyen 24. . . . . 48.
Der Cavalliers Laqueyen . . . . 12.
Der Edel=Leute Laqueyen . . . . 12.
Des Hauptmanns und Hoffmeisters Bediente . . . . 2.
Des Stallmeisters Diener . . . . 1.
Köche und Küchen=Jungen . . . . 20.
Fleischhacker und Becker . . . . 6.
Der Pagen Diener . . . . 2.
Der Trompeter Diener . . . . 2.
Der Kayserl. Jäger mit einem Diener . . . . 2.
Des Bothschaffters Stall=Bediente . . . . 18.
Der Cavalliers Stall=Bediente . . . . 8.
Silber=Wäscherin nebst fünff andern Wäscherinnen . . . . 6.
In allem / 279. Persohnen.
VOn dem Sultan wurde der Bassa und Beglerbeg von Romania, Ibrahim
genannt / zum Groß=Bottschaffter an des Römischen Kaysers Majestät
erwehlet.
So bald man nun vernommen / daß derselbe von Constantinopel auffgebro⸗
chen / praeparirte sich der Hr. Graff von Oettingen gleichfalls zur Abreise / und
weilen des Kayserlichen Hoffs Ceremoniel erfodert / daß ein von dort nach der
Pforte gehender Bothschaffter eine Abschieds=Audienz bey Ihro Kayserlichen
Majestät mit einer Solennen Cavalcade und auf eben die weise nehme / wie
er seinenConstantinopel zu halten vermeinet; (welche Solennitet bey
Abschickung anderer Kayserl. Ambassadeurs nicht gebräuchlich ist:) so geschahe
dieselbe den 26ten Sept. 1699. laut der damahls in Druck heraus gekomme⸗
nen und hie nachstehenden Relation:
Außführ=
37
Außführliche
RELATION
Von dem Aufzuge und Ordnung / wie bey denen
Römisch=Kayserlichen und Königlichen Majestäten / wie
auch des Hrn. Ertz=Hertzogen Carls Durchl. und der sämbtlichen Ertz=
Hertzoginnen Durchl. Durchl. Durchl. Durchl. Ihre Excel⸗
lentz Herr Wolffgang / Graff von Oettingen / zu der
Ottomannischen Pforten den 26. ten Sept.
1699. Ihre Abschieds und Uhrlaubs
Audientz gehabt rc.
Der Kay⸗
serl. Am⸗
bassade
solenner
Abschied
bey Hoff.
NAchdem Ihre Römisch=Kayserliche und Königl. Majestäten sambt der
übrigen gnädigsten Herrschafft / den Tag zuvor / als den 25ten dito / von
Ebersdorff nacher Wien in Dero Kayserl. Residenz und Burg sich be⸗
geben / haben Ih. Excellenz / der Herr Groß=Bothschaffter noch selbigen Abend
dero gantzem Gefolge durch ihren Mareschal bedeuten lassen / sich des andern
Tages / gegen 10. Uhr vormittag / in Dero in der Leopold=Stadt hart an der
Donau gelegenem Garten=Hauß zu versammlen; Deme zu folge alle und
jede in bestimter Stunde und Ort erschienen; Darauff gegen zwölff Uhr / nach
einem mit Paucken und Trompeten gegebenen Zeichen / alles was reiten sol⸗
len / zu Pferde gesessen / und nachdem gedachter Marechal elbe in gute Ord⸗
nung gestellet / und jedem einen Rang assigniret / so hat der Außritt den An⸗
fang in guter Ordnung folgender Gestalt genommen:
1. Ritten zween Kayserl. Couriers voran / deren Oberröcke von Schar⸗
lach / die untern aber von gelben Atlas waren.
2. Der Stallmeister Joseph Trenger, auf einem schönen Pferd / mit ei⸗
nem roth scharlachenen Ober= und Unter=Rock von Dammast / beyde mit Golt
außgemachet.
3. Folgeten acht schöne Hand=Pferde / mit kostbahren Sätteln und
Zeuge / wie auch Cramoisin rothen sammeten= und mit goldenen Galonen besetz⸗
ten Decken.
4. Funffzehen Pagen zu Pferd / 3. und 3. / ihre Ober=Röcke waren von
dem feinesten rothen Holländischen Tuch / die Unter=Röcke aber von Silber=
Stück.
5. Acht Trompeter / 4. und 4. / mit Silbern Trompeten / zwischen wel⸗
chen der Paucker mit Silbern Paucken / worauff des Herrn Grafen von Oet⸗
tingen Wapen gestochen / ritte; Sie waren alle wie die Pagen gekleidet.
6. Der Hoff= und Rittmeister / Herr Johann von Sailer / in einem schö⸗
nen reichen Kleide / auff einem mit Türckischem Zeug wol gezierten Pferde.
7. 6. Hauboisten in feinen holländischen Tüchern Ober= und Pommeran⸗
tzen Farbe seidenen Unter-Röcken.
8. Denen folgeten Ihrer Excellentz / deß Herrn Groß=Bothschaffters /
und der mitreisenden Herrn Cavalliers / Officiers / Musicanten Cantzley=
und noch andere Bediente / vier und vier reitend / an der Zahl 54. deren Ober=
K
Röcke
38
Röcke von allerhandfarbig=Engell= und Holländischen Tüchern / die Untere
aber von Seidenen / auch einige mit Gold eingetragenem Zeuge waren.
9. Ritte Ihrer Excellentz / des Herrn Groß Bothschaffters / Leib=Medi⸗
cus, Wilhelm von Brand / zwischen einem Apothecker und Barbierer / wel⸗
che gleichmässig kostbahre Ober und Unter=Röcke anhatten.
10. Folgeten des Herrn Groß Bothschaffters zween Beicht=Väter und
Capelläne zu Pferd / Herr Pater Bernhard Wolff, des Löblichen Schotten=
Closters zu Wien / und Herr Pater Leonhardus Heidel, des Löblichen Got⸗
tes=Hauses Nehersheimb in Schwaben Professi, beyde Benedictiner Ordens /
in schönen langen Violen=blauen Tüchern Ober=und seidenen Unter=Röcken.
11. Der Mareschalen Christoph Adolph von Grumbach, des löblich Kay⸗
serlichen Marsiglischen Regiments zu Fuß ältester Hauptmann / mit einem
sammeten Goldfärbigen Ober und reichen Gold=brocadenen Unter Rock / rei⸗
tend auff einem Arabischen Pferde / dessen Sattel und Zeug von Silber und
Gold eingelegt und reich gesticket war.
12. Diesem folgeten zu Pferde zwölff Edel=Leute / drey und drey in einem
Gliede / und zwar im ersten auff der rechten Hand / der von Braun; Lincker
Hand / der von Busch; in der Mitte / der von Gahlen; welcher leztere die rothe
mit Silber auf das reicheste gestickte Standarte vorführte / auf deren einer Sei⸗
ten man das Gräffliche Oettingische Wapen / auf der andern aber ein Sinn⸗
bild sahe / so einen offenen Helm auf einem grünen Felde liegend / worinnen die
Bienen ein= und außfliegen / zeigete / mit der Uberschrifft;
Mella post bella.
In dem andern Gliede / der von Schmid / der von Meyershoffen / der von
Zillerberg.
In dem dritten / der von Rath / der von Zitsche / der von Hillebrand.
In dem vierdten / der von Imsen / der von Alberti, der von Rascher.
Welche alle in fein Englisch unterschiedlich=färbigen Tüchern Ober= und
von reichen Silber- auch brocadenen Unter-Röcken auff das zierlichste geklei⸗
det / wie auch Ihre Pferde schönstens auffgeputzet waren.
13. Folgeten auff der Rechten / Hr. Hoff=Kriegs=Raths Secretarius de
Macari, als Kayserl. Legations= und auff der lincken Seiten / Hr. von Lako⸗
witz / der Orientalischen Sprachen Secretarius / gleichmässig in sehr reichen und
kostbahren Kleidern und Zobel Peltzen / auf schönen wolgezierten Pferden;
und in der Mitte ritten Ihro Hochwürden Hr. Simbertus, obgedachten
Gotteshauses Nehersheimb Abt / Ihrer Excellentz des Herrn Bothschaffters
Praelatus Domesticus, in schöner Violen=blauen Seidenen Ober= und Unter⸗
kleidung / mit einer dergleichen Farb Sammeten Pohlnischen Hauben.
14. Funffzehen hohe Standes=Persohnen und Cavalliers / drey und drei
in einem Glied / wie folget:
In dem ersten / zur rechten / Hr. Graff von Kolloniß; zu der lincken
Hand / Hr. Graff von Breuner; und in der Mitte / deß Hrn. Groß Bothschaff⸗
ters Hr. Sohn / Dominicus, Graff von Oettingen / welcher die weisse Leib=
Standarte vorführete / so von einem reichen drap d’Argent war / und auff der
einen Seiten / unser Lieben Frauen Bild zu Alten Oettingen / auff der andern
aber
- 57 -
39
aber den doppelten Adler / und in dessen Mitte das Ungar=Böhm und Oester⸗
reichische Wapen / auff das reichste mit Gold und Silber gesticket / repraesentirte.
In dem zweyten Gliede / Hr. Graff von Dietrichstein / Hr. Graff von der
Lippe / Hr. Graff von Swirby.
In dem dritten / Hr. Graff von Sprintzenstein / Hr. Graff Ludwig von
Sintzendorff / Hr. Graff von Thun.
In dem vierdten / Herr Graff Sauer von Anckenstein / Herr Graff von
Kuffstein / Herr Graff von Nostitz.
In dem fünfften / Herr Graff Adolph zur lincken / und zur rechten Herr
Graff Carl Ludwig / beyde Graffen von Sintzendorff / in der Mitte / als
am vornehmsten Ort / Ih. Durchl. Herr Adolph August / Hertzog von Hollstein
Ploen, alle mit Sammeten / Scharlach=rothen mit Zobel verbremten Hauben
in allerhand-farbigen Sammeten Ober= und sehr reichen Gold und Silber⸗
stuckenen Unterröcken gekleidet / auff Türck= und Spanischen Pferden / deren
Sättel und Zeug überauß prächtig auffgeschmücket; Nach welchen folgeten
15. Ihre Excellentz / der Herr Groß Bothschaffter / zu Pferd allein; Auff
dem Haupt hatten Sie eine hoch=roth Sammete=mit Zobel gebremte Unga⸗
rische Haube / darauff ein groß und breiter schwartzer Reyerbusch auß der
Kayserl. Schatzkammer / und an demselben ein sehr kostbahres Kleynod zu se⸗
hen; Dero Oberrock von einem der reichesten Goldstucken / und durch und durch
mit dem allerkostbahrsten Zobeln gefüttert war / auff dem Rücken auch eine
Zobel=Taffel (welche eine besondere praerogativ am Türckischen Hoffe ist) ha⸗
bend; der Unterrock war von einem geblühmten puren drap d’or, auff der Sei⸗
ten hatten Sie einen schönen Türckischen Säbel starck mit Jubelen versetzet;
Seine Excellentz ritten auff einem schönen Rappen / mit einer auf das reichste
gestickten Türckischen Decken / dessen Zeug war von purem Gold mit Rubinen
besetzet / an dem Sattel hing zur rechten ein grosser Pusican, mit Türkosen /
auff der lincken Seiten ein Palasch, in einer Schildkrotenen Scheiden / mit
Diamanten und Rubinen besetzet / welche Equipage über alle massen prächtig
anzusehen war.
16. Vor Sr. Excellentz und zwischen erstgemeldten Cavallieren giengen
zehen Laqueyen / und hinter Ihnen widerumb zehen / je fünff und fünff / dann
auff beyden Seiten wieder andere viere / also zusammen 24. Laqueyen, in der
Hand tragend Türckische Hacken / gekleidet in schönen Oberröcken von rothem
Tuch / und Unterröcken von Citron=Farb seidenen Zeug / mit rothen Binden
oder escherpen.
17. Zu beyden Seiten giengen vier und zwantzig Trabanten / also das
der Herr Bothschaffter nicht weniger von diesen / als von erst besagten vier und
zwantzig Laqueyen umgeben war. Ihnen wurden zwey grosse Fahnen von
Taffet / darein eine weiß und rothe=mit Unser Lieben Frauen Bild zu Alten
Oettingen / die andere aber gelb und schwartz / in der Mitte mit einem doppelten
Adler vorgetragen; gedachter Trabanten Ober=Röcke waren von hoch=rothem
Tuche / mit vierzehen Massiv-silbernen grossen Spangen besetzet; die Unter=
Röcke von Pomerantzen=färbigen seidenen Zeugen / mit blauen Binden / tra⸗
gende auff der Achsel Ihre Hellebarden / darauff Ihrer Excellentz Wapen ge⸗
schmoltzen war.
18. Eine andere Trouppe unterschiedlicher Ihrer Excellentz und der Herrn
Caval=
K 2
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40
Cavalliers Bediente zu Fuß / in gleichmässiger roth=tüchen Ober= und seidenen
Unter=Kleidung.
19. Ihrer Excellentz des Herrn Groß Bothschafters Leib=Wagen / der
in= und außwendig mit Cramoisin Sammet gefüttert und überzogen / auch mit
Güldenen Borten reich verbremet / das Gestell aber völlig überguldet war /
mit sechs schönen Dänischen Hengsten bespannet / das Geschirr auch von Sam⸗
met mit goldenen Galonen besetzet / gleich wie die Spangen und Ringe im Feuer /
verguldet war / welches alles eine stattliche Parade machte.
20. Zwey andere Carossen mit sechs Pferden bespannet.
21. Letzlichen der Wagenmeister zu Pferd / der den Comitat beschloß.
In dieser Ordnung seynd des Herrn Groß Bothschaffters Excellentz über
die Schlag=Brücke / dann zum rothen Thurn hinein / und die gerade Gassen
hinauff biß an den Stock am Eysen / von dar über den Graben auff den Kohl⸗
marckt / bey der Reichs Cantzley vorbey / durch das nechst daran stehende Thor
auff den Burg Platz / mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel im Ange⸗
sicht der Allergnädigsten Herrschafft marchiret; Der Marechal stellete nechst
an dem Burg Thor den gantzen Comitat in eine schöne Ordnung / die Officiers
und Gentilshommes stiegen von ihren Pferden ab / und giengen zu Fuß über
die Brücke in die innere Kayserl. Burg; der Marechal ritte für den vornehmen
Cavalliers (welchen der Leib=Wage gefolget) gar hinein biß an die grosse
Stiegen / der Uberrest aber von dem Comitat bliebe in der Ordnung / wie
Ihn ersagter Marechal gestellet / auff dem Burg=Platz biß zu Ihrer Excellentz
Zurückkunfft stehen / woselbsten sich die gantze Zeit über nicht allein die Trom⸗
peten und Paucken / sondern auch die Haubois hören liessen.
Beym hinauffgehen der Stiege fasseten den Bothschaffter zweene seiner
Edelleute unter die Arme / und ein Page trug Ihm den Schley des Ober=Rocks
nach. Die Kayserl. Hatschiers und Trabanten Wache stund in ihrem Saal
in Gewehr. Man passirte also die Ritter-Stube und beyde Antichambren
hindurch. Der Herr Graff von Oettingen wurde zu erst allein durch den O⸗
brist=Kämmerer / Graffen von Wallenstein / in die Rath=Stube zur Audientz
bey Ihro Kayserl. Maj. introducirt / von welcher Er dann dero Creditif an
den Sultan empfing / und sich von Ihro mit einem Hand=Kuß beuhrlaubete.
Nach diesem bat Er Ihre Kayserl. Maj. noch umb die Gnade / daß Sie geruhen
möchten / die vornehmsten Cavalliers und Bediente seines Gefolgs gleichfalls
zum Hand=Kuß zu admittiren; welches Sie auch allergnädigst verwilligten /
und wurden darauff die Cavalliers von der weissen Standarte zu erst=und dann
die Edelleute von der Rothen zum Hand=Kuß hinein gelassen. Ihre Kayserl.
Maj. stunden für einem Tische und waren bedecket; der Herr Graff von Oet⸗
tingen blieb bey Ihro zur lincken Hand stehen / nennete die nach und nach zum
Hand=Kuß kommende Cavalliers mit Nahmen / und zeigete Ihrer Kayserl.
Maj. die Chargen an / so Sie bey der Ambassade bedieneten.
Von dem Kayser gieng der Groß Bothschaffter zu Ihrer Maj. der Kay⸗
serin / allwo sich der Jüngeren Ertz=Hertzogin Mariae Magdalenae Durchl. sambt
Ihrer Maj. Hoff Frauenzimmer gegenwärtig befand; dann zu des Königs
und der Königin Maj. Maj. hierauff weiter zu des Herrn Ertz=Hertzogs
Durchl. und letztlich zu denen übrigen drey Ertz=Hertzoginnen. Er wurde von
allerseits Obrist=Hoffmeistern zur Audientz hinein geführet / und hatten allda
nach
- 59 -
41
nach Ihrer Excellentz auch die Cavalliers von beyden Rangs die Gnade / von
der sämbtlichen Herrschafft sich mit einem Hand=Kuß zu beuhrlauben. Der
Zurück-March geschahe in voriger Ordnung / jedoch nicht durch eben dieselbe
Gassen / sondern man passirte von dem Kohl=Marckt durch das Paller=Thor /
über den Hohen=oder Fisch=Marckt / für denen Fleischbäncken vorbey / und
von dar rectà wider zur Stadt hinauß / nach des Bothschaffters Garten in die Leo⸗
pold-Stadt / wobey annoch zu mercken / daß der Legations Secretarius Macari
das Kayserl. Creditif, in einem Futter von drap d’or verwahret / auff den
Händen für sich trug / und stehet nicht zu beschreiben / was für ein grosser Zu⸗
lauff des Volcks / so wol auff denen Strassen / als in den Fenstern / zu sehen war.
Der Herr Bothschaffter tractirte zu Mittage den mehrern Theil seines Comi⸗
tats, und musten die Trompeter und Paucker / so lange die Taffel wehrete /
auffwarten.
Die Praesente, welche Ihre Kayserl. Maj. nach der Pforte destinirten /
wurden etliche Tage vor der Audientz auff der Burg exponiret / und jederman
gezeiget; Sie bestunden in allerhand raren Silber-Geschirren ad 3000.
Marck schwer / wie auch in kostbahren Goldenen und Silbernen Stoffen / be⸗
sage beygefügter Specification:
SPECIFICATION
Der Praesenten, so nach der Ottomannischen
Pforten übersendet worden.
-
In Zier=vergold=sauber gekriebenes rundes Tischblat mit Handhaben /
auff Kugeln stehend. - Ein anders dergleichen Ovales Tischblat.
-
Ein weiß getriebener Camin=Rost / mit einem dergleichen Camin=Schie⸗
ren. - Zwey grosse Kühl=Kessel mit Handhaben.
-
Zwey kleine niedrige Gueridons, nebst zwölff Gerondels, jedes mit
Sechs Leuchtern. -
Zwey gantz Vergold=Godronirte Gießbecken und Kannen / da das
Wasser abrinnen kan. - Sechs Caffè Geschirr / auf sonderliche Manier getrieben und godronirt.
-
Zwölff halb verguldete Scherbet=Schüsseln / mit Deckeln und Sotto⸗
couppen. - Sechs grosse halb verguldete Flaschen mit Ketten.
- Zwey grosse weiß getriebene Tassen.
- Zwey dergleichen Rauch=Fässer.
- Sechs weißgetriebene Bluhmen=Krüge.
- Ein grosses weiß sauber getriebenes Brasier.
- Sechs weiß getriebene Wand=Leuchter mit Spiegeln.
- Ein Spanisch Rauch= und Saltz=Faß / mit aller Zugehör.
-
Sechs Stück extra-reiche Draps d’or, mit brodirten Bluhmen und Far=
L ben /
Specifi⸗
catio der
Kayserl.
praesente
nach der
Otto⸗
manni⸗
sche Pfor⸗
ten. - 60 -
42
ben / über jedes Stück ein Carmoisin sammeter Sack / jedes Stück mit brei⸗
ten Gold- und Silbernen Borten besetzet. - Sechs Stück draps d’Argent.
-
Ein grosser gantz silberner Spring-Brunnen / von getriebener Arbeit / mit
einem künstlichen Wasser= und Spielwerck von sechs unterschiedlichen stücken /
und über hundert Marck schwer. -
Eine grosse Perpendicul=Uhr / schläget Viertel und Stund / alles von
getriebenem Silber / darbey ein künstliches Spielwerck. -
Eine grosse gantz Silberne Perpendicul=Uhr / von schön getriebener Ar⸗
beit in Oval, schläget Viertel und Stund. -
Ein grosses künstliches Werck mit getriebener Arbeit / und ein Kugel=
auch Spielwerck und Nacht Uhr. - Eine künstliche Kugel=Uhr von Silber gezieret / die sich selbst auffziehet.
-
Eine silberne Englische Bandel Uhr / gehet vier Wechen / schläget Vier⸗
tel und Stunde. - Eine gantz silberne Sack=Uhr / mit dem Perpendicul.
-
Ein Schreibtisch / ein Spiegel / zwey Uhr=Kasten / zwey Gueridons
und ein Caffè Tisch / mit eingelegter Arbeit. - Eine Silberne Camin-Garniture.
- Ein silbernes Bretspiel.
Vor den Groß Sultan.
- Ein gantz von Gold getriebener Deckel=Korb.
- Ein dergleichen weiß / mit verguldeten Handhaben.
- Mehr ein detto gantz weiß / ohne Deckel.
- Eine grosse Spiegel=Uhr.
-
Eine grosse silberne Taffel=Uhr mit dem Perpendicul, alles von Filigran
und mit Steinen versetzt / mit einem künstlichen Spielwerck. - Ein extra schön und kostbahres mit Steinen versetztes Galanterie-Kästel.
Vor die erste Sultanin.
- Ein sauber getriebener Curieuser Caffè-Tisch / mit fünff stücken.
-
Zwey zierlich verguldete Blumen=Krüge / mit extra schönen geschmeltz⸗
ten Blumen Laub. - Zwey extra saubere Wand=Leuchter.
- Vier von Silber geflochtene Körbe.
- Eine künstliche Scheiben=Uhr von Filigran, und mit Steinen versetzt.
-
Ein groß künstliches Werck von getriebenem Silber / dabey eine Perpen⸗
dicul-Uhr / wie auch ein künstliches Kugel= und Spielwerck. - Sechs kleine May=Krüge von getriebener Arbeit mit rothen Steinen.
- Ein silbernes Galanterie-Kästel.
Vor die Sultanin Valida,
Des Sultans Mutter.
- Ein gantz verguld =Godronirtes Gießbecken und Kanne.
- Ein weiß knorrter Kühl=Kessel mit Handhaben.
- Zwey weiß getriebene Gueridons mit zwey Gerondels.
- Eine detto Tasse.
- Ein detto Deckel=Korb mit verguldeten Handhaben.
-
Sechs halb=verguldete Scherbet-Schüsseln / mit Deckeln und Sotto⸗
couppen. - Zwey Caffe=Krüge / weißgetrieben.
- Ein Geschirr / das wolriechende Wasser darauß zu sprützen
-
Eine grosse Perpendicul-Uhr / schlägt Viertel und Stunden / alles von ge⸗
triebenem Silber / dabey ein kunstreiches Spielwerck.
Vor den Groß=Vezier.
Sechs - 61 -
43
- Ein gantz verguldetes Gieß=Becken und Kanne.
- Zwey halb verguldete Ketten=Flaschen.
- Zwey verguldete Caffè Krüge.
- Ein Geschirr zum Rosenwasser.
- Sechs halb=verguldete Scherbet-Schüsseln mit Sottocouppen.
- Eine grosse weiß getriebene Tasse.
-
Eine grosse gantz silberne Perpendicul-Uhr / künstlich von Silber getrie⸗
ben / schläget Viertel und Stunde / weiset auch den Mond=Schein.
Vor den Bassa zu Belgrad.
- Ein gantz verguldetes Godronirtes Gießbecken und Kanne.
-
Sechs halb=verguldete Scherbet-Schüsseln mit Deckeln / und sechs Tel⸗
ler. -
Eine grosse Silberne Perpendicul Uhr von getriebener Arbeit / schlägt
Viertel und Stunde. - Eine viereckigte Thurn=Uhr.
Vor den andern Vezier.
- Ein verguldetes Gießbecken und Kanne.
- Vier halb verguldete Scherbet-Schüsseln mit vier Tellern.
- Eine grosse von Silber getriebene Scheiben=Uhr.
Vor den dritten Vezier.
- Ein verguld=Godronirtes Gießbecken und Kanne.
- Zwey Scherbet-Schüsseln / mit zwey Tellern.
- Eine Englische Bandel=Uhr / schlägt auff drey Glocken.
- Item eine Sack=Uhr.
Vor den vierdten Vezier.
- Ein verguldetes Gießbecken nebst der Kanne.
- Zwey Scherbet-Schüsseln / und zwey Teller.
- Eine grosse silberne Scheiben=Uhr.
Vor den fünfften Vezier.
- Ein verguldetes Gießbecken und Kanne.
- Eine weiß getriebene Schaale.
- Zwey halb verguldete Scherbet=Schüsseln / mit zwey Tellern.
- Eine silberne Viertel Stock=Uhr mit dem Perpendicul.
Vor den sechsten Vezier.
- Ein verguldetes Gießbecken und Kanne.
- Eine weiß getriebene Tasse.
- Eine Scherbet-Schüssel / mit einem Teller.
- Eine silberne Englische Bandel Uhr / schläget Viertel und Stunden.
Vor den siebenden Vezier.
Eine
L 2 - 62 -
Refle⸗
xiones
über die
Kleidung.
44
- Ein zierlich von Gold getriebener Korb / mit Handhaben.
- Eine Scherbet-Schüssel / mit einem Teller.
-
Eine grosse silberne Bandel=Uhr / gehet vier Wochen / schlägt Viertel und
Stund von sich selber.
Vor den Mufti.
- Ein gantz verguldeter Schreibzeug von schön getriebener Arbeit.
- Vier silberne Wand=Leuchter.
- Ein schönes Caffè=Kästel.
- Eine grosse silberne Scheiben=Uhr.
Vor den Groß Cantzler.
- Ein verguldetes Gießbecken und Kanne.
- Eine halbverguldete Scherbet Schüssel mit einem Teller.
- Eine Feld=Uhr / so schläget und wecket.
Vor den Cay zu Belgrad.
Bey obgedachter Abschieds=Audienz wolte
einigen frembd fürkommen /
daß ohnerachtet in dem Carlowitzischen
Friedens=Instrumento §. 17. außdrück
⸗
lich stipuliret
worden / daß denen Kayserlichen
Bothschafftern und Residen
⸗
ten / sambt dero
zugehörigen Leuten / hinkünfftig frey stünde / sich nach eigenem
Belieben zu kleiden / und sie nicht mehr /
wie vorhin / an die Türckische Klei
⸗
dung gebunden seyn
solten / der Herr Graff von Oettingen sich
jedoch nicht
in die Possession solcher Freyheit und
Rechts zu setzen getrachtet / sondern nach
wie vor mit seinem gantzen Comitat den
Türckischen habit gebrauchet. Es die
⸗
net aber denenselben zur Information, daß (1.) der von dem Kayserlichen Both
⸗
schaffter
damahls erwehlte Habit mehr der Polnisch=als Türckischen Kleidung
zu vergleichen / massen man dann auch
Polnische oder Ungarische mit Rauch
⸗
werck gefütterte
Mützen getragen. (2.) Könte wol seyn / daß / da die Englisch=
und Holländische Ambassadeurs bey
der Pforten / welche bey denen Friedens=
Tractaten die Mediation obgehabt / kein
Bedencken genommen / solche Klei
⸗
dung zu tragen / der
Kayserliche sich ihnen so wol darunter conformiren / als
bey denen Türcken selbst durch diese
Moderation umb so viel mehr liebe und
zutrauen erwecken wollen / bevorab da diese
Nation ihre Kleidung aller an
⸗
dern fürziehet / und
die jenige frembde / denen man eine Ehre erweisen will / da
⸗
mit zu beschencken
pfleget. Auch dörffte insonderheit (3.) die Reflexion das mei
⸗
ste beygetragen
haben / daß die Türcken in Friedens=Zeiten keine Säbel noch
ander Seiten=Gewehr tragen / und man daher
keinem außwärtigen Ministro
oder Gesandten / bey
der Audienz des Sultans, mit dem Degen an
der Seite
zu erscheinen gestatten will / welchen
jedoch der Graff von Oettingen / wann
er die Teutsche oder Spanische Kleidung
behalten hätte / Respects halber eben
so wenig würde haben ablegen können / als
der Frantzösische Ambassadeur,
Marquis de Feriol; der / wie
bekandt / kurtz zuvor deswegen viel Verdruß bey
der Audientz gehabt / weil er den Degen
nicht von sich geben wollen / und aus
des Sultans Zimmer zurück gehen müssen.
Doch stellen wir billig dahin / wie
weit dieses alles Grund habe; wenigstens
wolte man am Kayserlichen Hoffe
solche
- 63 -
Kayserl.
Groß
⸗
Both
⸗
schaffter
reiset von
Wien ab.
Ordnung
d. Schif
⸗
fahrt.
45
solche angenommene Kleidung für eine
willkührliche Sache außgeben / und
nicht gestehen / daß man dergleichen
Considerationes dabey geführet.
Nachdem nun alle übrige Veranstaltungen zu der Reise gemachet / und
ein jeder sich von seinen guten Freunden beuhrlaubet / haben sich des Herrn
Groß Bothschaffters Excellentz den 20. Octobris, nachmittags umb vier Uhr /
mit der gantzen Suite an das Ufer der Donau begeben / und seind in zwey und
viertzig Schiffen / unter Paucken und Trompeten Klang / auch in Gegen⸗
wart einer grossen Menge Volcks / im Nahmen Gottes abgefahren.
Die Ordnung der Schiffahrt
war folgende:
1. DAs Courier=Schiff.
2. Das Schiff des Hoffmeisters / verschiedene Bediente bey
sich habend.
3. Herr Marechal und etliche Gentilshommes.
4. Die Pagen.
5. Die Herrn Graffen Svvirbi und Collonitsch.
6. Zween Herrn Graffen Preuner und Kuffstein.
7. Zween Herrn Graffen Thun und Nostiz.
8. Zween Herrn Graffen von Dietrichstein und Sprintzenstein.
9. Zween Herrn Graffen Adolph von Sintzendorff und Saur.
10. Herr Graff Carl Ludwig von Sintzendorff und dessen Herr Sohn.
11. Ihre Durchl. Herr Hertzog Adolph August von Hollstein Ploen,
und Herr Graff von der Lippe.
12. Ihre Excellentz der Kayserliche Groß Bothschaffter mit dero Herrn
Sohn / in einem Kayserlichen Leib=Schiffe / rings umher mit kleinen Fahnen
bestecket / so das Kayserliche Wapen zeigeten.
13. Herr Praelat sambt denen Herrn Geistlichen.
14. Herr Legations-Secretarius Macari, sambt der Kayserl. Cantzley.
15. Herr Lackowitz / Secretarius der Orientalischen Sprachen / sambt
denen Kayserl. Sprach=Knaben / so zu Erlernung der Türckischen Sprache
mitgeschicket worden.
16. Das Mund=Kuchel Schiff.
17. Das Taffel=Schiff.
18. Das erste Keller=Schiff.
19. Das andere Keller=Schiff.
20. Des Ziergartens (das ist / allerhand Victualien) ersters.
21. Das andere zum Ziergarten gehörige Schiff.
22. Der Trompeter.
23. Der übrigen Musicanten Schiff.
24. Das Schiff mit denen Kayserl. Praesenten.
25. Herr Leib=Medicus, Apothecker / Barbierer rc.
26. Das erste Trabanten=Schiff mit ihren Officiers.
27. Das zweyte Trabanten=Schiff.
28. Noch ein Kuchel=Schiff.
29. Das Becken=Schiff.
30. Das Zuckerbacker Schiff.
M
31. Fleisch= - 64 -
Taffel
Ordnug.
46
31. Fleischhacker und Handwercks=Leuthe.
32. Koch=Schiff.
33. Mehl=Schiff.
34. Der Wäscherinnen Schiff.
35. Der Sorianische Patriarche mit seinen Geistlichen / wobey sich auch
ein Pater Trinitarius de Redemptione captivorum befand / welcher aus dem
Convent zu Wien mitging / umb die erlösete Christen herauß zu führen.
36. Gefangene Türcken.
37. Das Jäger=Schiff.
38. Ein anders mit gefangenen Türcken.
39.
40.
Zwey Pferde Schiffe.
41. Zwey Wagen Schiffe.
42.
Jedoch ist zu mercken / daß diese Ordnung nur im Anfang der Reise von
Wien aber zuletzt nicht eben so praecise gehalten worden.
Die Taffel Ordnung
Ist beständig folgende gewesen:
1. IHrer Excellenz des Kayserlichen Groß=Bothschaffters Taffel / wo⸗
ran mit gesessen der Printz von Hollstein / und alle Cavalliers vom
ersten Rang, der Praelate, die zwey Legations Secretarien und Mareschal.
2. Der Edel=Leute Taffel.
3. Der Geistlichen Taffel.
4. Ober=Officiers Taffel.
5. Cantzelisten und Cassier.
7. Pagen Taffel.
8. Der Cavalliers Cammerdiener Taffel.
9. Unter=Officiers Taffel.
10. Trompeter und Paucker=Taffel.
11. Apothecker / Barbierer und andere rc.
12. Musicanten Taffel.
13. Zwey Trabanten Taffeln.
14. Seiner Excellentz Laqueyen Taffel.
15. Cavalliers Laqueyen Taffel.
16. Edel=Leute Diener.
17. Der Köche Taffel.
18. Küchen Gehülffen.
19. Officiers Bedienten.
20. Keller=Gehülff / Jäger rc.
21. Wäscherinnen.
22. Unterschiedliche Stallbedienten.
23. Unterschiedliche Handwercks Leute / Geflügel=Bedienten rc. rc.
Wir wollen uns mit Erzehlung dessen / so auf der Reise in Ungarn für⸗
gangen / und wie die Kayserliche Bottschafft ey allen Vestungen mit Lösung
der
- 65 -
Abgere⸗
dete Pun⸗
cte wegen
Auß⸗
wechselug
beyder⸗
seits Am⸗
bassaden.
47
der Canonen gegrüsset / und hie und da auffs beste tractiret worden / nicht auff⸗
halten / sondern schreiten so fort zu der auf den Gräntzen erfolgten Auswechse⸗
lung. Ihre Kayserliche Majestät hatten Dero commendirenden General
in Sclavonien / Herrn Graffen Guido von Stahrenberg / und dem Commen⸗
danten zu Peterwardein / Herrn Baron de Nehm; der Sultan aber den Se⸗
raskier und Vezier zu Belgrad, nebst noch einem Bassen, als Commissarien /
beordert / umb solchen Actum zu verrichten. Ratione des Ceremoniels, wel⸗
ches bey der Reception und Außwechselung derer Herren Groß Bothschaffter
beobachtet werden solte / wurden zuvor zwischen beyder obgedachten Gräntz=
Generalen abgeschickten Gevollmächtigten / als dem Kayserlichen Dollmet⸗
scher / Herrn Lackowitz / und dem Capizilar Chihajasi, Mahomet Aga, in
Beyseyn ermeldten Herrn Commendanten zu Peterwardein / folgende Pun⸗
cte abgeredet:
1. Daß der Seraskier den eigentlichen Tag / da der Türckische Both⸗
schaffter zu Belgrad anlangen würde / fordersambst notificire / damit der
Kayserl. eodem die sich zu Peterwardein einfinden / auch darauf der Tag zur
Außwechselung von beyden Seiten festgestellet werden könte.
2. Daß man dem nach Belgrad zurück kehrenden Mahomet Aga einen
Kayserl. Officier zugebe / welcher mit Ihm einen bequemen Ort zur Außwech⸗
selung aussehen / allda Sie drey Säulen in gleicher Distantz / nemlich die zwo
äussersten ohngefehr 20. Schritt von der Mitlern / so in meditullio der Grän⸗
tzen zu pflantzen / aufrichten lassen solten. Item: daß beyde Bothschaffter den
Tag vor der Außwechselung eine Stunde von Salankement ihr Nachtlager
unter aufgeschlagenen Zelten nehmen möchten / umb von dort einander ihre An⸗
kunfft wissen zu lassen / mithin / was etwa weiter von nöthen / desto näher con⸗
certiren zu können.
3. Solte die Convoy von jeder Seite biß
auf 2000. Pferde gesetzet / und
dabey verabredet seyn / daß die Trouppen
in müglichster Gleichheit / und je
⸗
der Theil mit
gewöhnlicher Feld=Music gegen die äusserste Säulen anrucken /
und wann sie etwa 50. Schritt von dannen
wären / beyderseitige Herren
Gräntz=Generals sich mit wenigen ihrer
Offic. detachiren / und 3. ad 4. Schritt
von der mitlern Saule zusammen kommen
solten / allwo sie zugleich abzusteigen
und einander bey gedachter mitlern Säule
zu bewillkommen hätten. Die Her
⸗
ren Bothschaffter aber würden / nebst
denen vornehmsten von ihren Suiten,
bey denen äussersten Säulen absteigen / da
dann jeder General dem seinigen ent
⸗
gegen gehen / Ihn
bey der Hand nehmen und zu der mitlern Säule führen;
Gleich wie nach geschehener Uberantwort=
und Außwechßlung der Graf
Guido von Stahrenberg den Türckischen= und der Seraskier den Kayserlichen
Bothschaffter bey der Hand nehmend
/ biß wieder zur äussersten Säule führen /
und hernach beyde Gouverneurs in Persohn die Herren Bothschaffter
annoch
auf eine Stunde Weges zu Pferde begleiten
solten.
4. Wann die Herren Bothschaffter zu Esseck und Belgrad angelanget /
solten die Garnisonen mit Ihren Officieren / so wol bey dem Ein= alß Abzuge /
in Parade stehen / und die Stücke dreymahl gelöset / auch wann die Herrn
Bothschaffter ihre Logimenter betreten / Sie von der Gouverneurs vorneh⸗
men Bedienten complimentiret werden. Des folgenden Tages hätten die
Herren Bothschaffter denen Herren Gouverneuren die Visite in ihren Häusern
so-
M 2
- 66 -
Auß⸗
wechselug
geschiehet
bey Sa-
lanke-
ment.
48
solenniter zu geben / und wären von denen selben mit gleicher Ehr= und Höfflich⸗
keits=Bezeigung zu empfangen.
Solchem Concerte zu folge wurden drey Säulen auf der Höhe vor Sa-
lankement, allwo das Kayserl. und Türckische Territorium sich scheidet / auf⸗
gerichtet. Man hat bey aufrichtung derselben anmercken wollen / daß die
Türcken die ihrige mit Ziegen-Blut besprenget.
Den 30. Novembris langeten des Herrn Graffen von Oettingen Excel⸗
lentz / unter lösung des groben Geschützes / zu Peterwardein an; Sie wurden
von dem obgedachten Herrn Graffen Guido von Stahrenberg / und Herrn
Commendanten Baron de Nehm, am Ufer empfangen. Des folgenden Ta⸗
ges vernahm man durch einen Chiaus, daß der Türckische Bothschaffter gleich⸗
fals zu Belgrad ankommen; weßhalber der Tag der Außwechselung auf den
7ten nechst folgenden Decembris hinc inde fest gestellet wurde.
Den 5ten brach die Kayserliche Bothschafft unter Lösung der Stücke
von Peterwardein wieder auf / paisirte Carlovvitz / allwo man das Confe⸗
rentz Hauß / welches itzo in eine Kirche / Maria de Pace genant / verwandelt /
besichtigte und darauf die Reise weiter / eine Stunde disseits Salankement,
fortsetzete.
Den 6ten in der Frühe rückete man näher an besagten Ort / und wie
man so fort mit etlichen Canon=Schüssen ein Zeichen der Ankunfft gabe / tha⸗
ten die Türcken jenseits Salankement desgleichen von ihren Tscheicken; Der
Graf Guido von Stahrenberg und Baron de Nehm kamen auch bald hernach
allhie an. Die Herrn Bothschaffter selbst liessen noch selbigen Tags durch Dero
Officiers einander über Ihre Ankunfft complimentiren / und der H. Graf von
Oettingen den Türckischen Bothschaffter / an statt eines von Ihm empfangenen
Schnupftuchs / mit einem fein geschliffenen Glase beschencken.
Den 7.ten geschahe die Außwechslung mit folgenden Ceremonien: Mor⸗
gens umb 9. Uhr setzte sich ein jeglicher zu Pferde. Die Kayserliche Convoy
von Infanterie und Cavallerie, in 2000. Mann bestehend / marchirte in schö⸗
ner Ordnung gegen den zur Auswechselung destinirten Ort / welcher der Gen.
Graf Guido von Stahrenberg und der Baron de Nehm folgeten. Der Seraskier
kam auch mit einer gleichen Anzahl Trouppen, unter der gewöhnlichen Tür⸗
ckischen Feld=Music, herangerücket. Die Soldaten blieben achtzig Schritt von
denen äusersten Säulen halten; Die Kayserlichen Generals aber / wie auch
der Seraskier nebst einem Bassen, ritten biß zur mitlern Säule / allda sie von ih⸗
ren Pferden abstiegen / sich auf vier gleiche Sessel niedersetzeten / etwas von
Caffé und Confect, so man ihnen praesentirte / nahmen / und sich mit Discur⸗
sen so lange unterhielten / biß beyderseitige Ambassaden herzu kamen. Als nun
die Herrn Groß=Bothschaffter mit ihren Suiten sich denen eusersten Säulen
näherten / stellete der Kayserliche sich / als wolte er absteigen; da dann der
Türckische sich so fort aus dem Sattel schwang / und mit dem Fusse zu erst die
Erde berührte; ohnerachtet einige seiner nebenher gehenden Bedienten / wel⸗
che gemercket / daß der Graff von Oettingen annoch nicht gar abgestiegen war /
Ihn mit den Händen so lange über der Erde zu halten sich bemüheten. Der Herr
General / Graf Guido von Stahrenberg / gieng zu dem Kayserlichen Both⸗
schaffter / nahm denselben bey der Hand / und führete ihn zu der mitleren Säu
⸗
le /
- 68 -
- 69 -
Die Kay⸗
serliche
Both⸗
schafft
hält ihren
Einzug
zu Bel⸗
grad.
49
le / und wie der Seraskier on der andern Seite desgleichen gethan / über⸗
gab ein jeder seinen Bothschaffter / mit denen ohngefährlichen Worten:
Ihre Hohe Herrn Principalen überschickten hiemit / zur Confirmation
des Friedens / ihren Groß=Bothschaffter / und hoffeten / man wür⸗
de Ihn / seinem Caracter und Meriten nach / tractiren. Der Seraskier
hatte deßwegen viele obligeante Versicherungen zurück gegeben / und unter an⸗
dern bezeiget; Daß Sie alle wünscheten / an statt des 25. jährigen
Stillstandes einen ewigen Frieden mit dem Römischen Kayser zu
haben; Er glaubte auch für seine Persohn / daß / wann die Teut⸗
sche / so wie die Ungarn / ihre Nachbahren wären / ihr Vieh auf einer
Weyde gehen und Sie mit einander aus einer Schüssel essen wür⸗
den rc. Nach diesen und dergleichen Complimenten nahm der General
Stahrenberg den Türckischen Bothschaffter bey der Hand / und führete ihn zu
seiner äussersten Säule; deßgleichen der Seraskier dem Kayserl. an jener
Seite that: Worauff die Janitscharen aus ihren Röhren Salve gaben / und
mit grossem Geschrey ihrem Bothschaffter Glück auf die Reise wünscheten.
Man hat observiret / daß bey wehrendem außwechselungs Actu sich über denen
Säulen ein Adler in der Lufft sehen lassen / welches jedoch nur die jenige für
ein besonderes Omen halten wollen / denen nicht bekandt ist / daß die Adler in
diesen Landen gar gemein seyn. Die Gräntz=Generals begleiteten die Herrn
Bothschaffter mit einem Theil ihrer Trouppen etliche Stunden lang zu Pfer⸗
de / beuhrlaubeten sich aber hernach von Ihnen / und begab sich der Herr Graff
von Oettingen abends wieder zu Schiffe.
Den 8. ländete die Kayserl. Groß=Bothschafft berhalb Semlin an / und
blieb allda über Nacht.
Den 9. gegen Mittag hielt dieselbe ihren solennen Einzug in Belgrad /
zu dero Behuff die Türcken denen Cavallieren und Bedienten viele schöne
Pferde entgegen schickten. Zu Anfangs ritten einige Spahi mit ihren Fahnen /
alsdann kame der Stallmeister mit des Bothschaffters Hand=Pferden. Die
geringe und vornehme Officiers / in dem Rang wie zu Wien. Vor und neben
des Bothschaffters Excellentz giengen einige Janitscharen / und des Seras⸗
kiers 8. wolgekleidete Leib=Laqueyen / denen noch etliche vornehme Türcki⸗
sche Bediente zu Pferde / und zuletzt die gantze Türckische Convoy mit ihrer
Music folgete. In dieser Ordnung zog man über die auf der Sau geschlagene
Schiff=Brücke / bey welcher des Seraskiers Arnauten und Leib=Guardia po⸗
stiret waren / auch dessen Sohn
Seiner Excellentz mit einem Compliment ent⸗
gegen kam. Man passirte zwischen der Vestung und Stadt biß zu denen Schif⸗
fen / so unterdessen am Ufer der unteren Wasser=Stadt ankommen waren.
Den gantzen Weg hin stunden die Janitscharen zu beyden Seiten im Gewehr /
und wurde aus denen Stücken continuirlich Feuer gegeben. Uber eine kleine
Weile schickten Ihre Excellentz auch Ihren Herrn Sohn / von dreyen Caval⸗
liers begleitet / in die Vestung / und liessen dem Seraskier und Bassen ihre An⸗
kunfft notificiren; von denen derselbe sehr höfflich empfangen wurde / und be⸗
schencket wieder zurück kam. Hingegen behielt der Herr Graff von Oettingen
einige vornehme Türcken zu Mittage in seinem Leib=Schiffe zum essen.
Den
N - 70 -
Visite bey
dem Se⸗
raskier.
Türcki⸗
scher
Both⸗
schaffter
hält seine
Einzug
zu Esseck /
und besu⸗
chet gleich
fals den
comen⸗
direnden
Kayserl.
Gräntz=
General.
50
Den 10. gab der Kayserliche Groß=Bothschaffter dem Seraskier die
Visite in seinem Hause / und wurde es dabey fast auf gleiche Weise / als wie
beym Einzuge / gehalten. Ihre Excellentz wurden beym absteigen für der Trep⸗
pe von einer grossen Anzahl Kriegs=Officiers und Bedienten empfangen / der
Seraskier selbst aber kam Ihro zwey Schritte von der Thür seines Cabinets
entgegen / und nöthigte sie zu seiner rechten Hand sich auf einem Polster nieder
zu lassen. Nach einer ziemlich langen Unterredung / wurden die Kayserliche
Praesente dem Seraskier fürgetragen / welche Ihm zwar sehr angenehm wa⸗
ren / jedoch bezeigete Er / seinem natürlichem Hochmuth nach / keine sonderliche
Freude darüber. Er verehrete Seiner Excellentz hinwieder ein wol=mundir⸗
tes Türckisches Pferd / wie auch einen schönen Zobel=Peltz / und ließ denen
sämbtlichen Cavallieren Caftans austheilen.
Den 12. Früh=Morgens setzte die Kayserliche Bothschafft / in Beglei⸗
tung eines Capitgi Bassa, mit 20. Tscheicken / unter Lösung der Stücke / von
Belgrad die Reise weiter nach Constantinopel fort; Weilen aber unsers Vor⸗
habens nicht ist / davon alle Particularia allhier anzuführen / dieselbe
auch nicht eben so gar merckwürdig sind; So verlassen wir besagte Kayser⸗
liche Gesandtschafft auf eine kurtze Zeit / und melden nur noch dieses davon /
daß-selbige aller Orten gar reichlich defrayiret worden; Item: Daß Sie we⸗
gen strengen Winters nicht weiter als Sistova, etliche Meile disseits Russick,
zu Wasser gehen können / sondern von dort die Reise zu Lande auf Constan⸗
tinopel continuiren müssen. Das Kayserliche Leib=Schiff ist dem Fürsten von
der Wallachey geschencket / und die übrige Schiffe denen dortigen Türckischen
Officieren ausgetheilet worden.
Wir führen den geneigten Leser wider zu dem Türckischen Bothschaffter /
der indessen gleichfals seinen öffentlichen Einzug zu Esseck gehalten / und
bey dem Herrn Graffen Guido von Stahrenberg die Visite abgeleget hatte /
(welche Ehre vorhin die von der Pforte anhero gekommene Türckische Both⸗
schaffter denen Kayserlichen Gräntz-Generalen nicht erstatten wollen:) Er be⸗
schenckte auch ermeldten Herrn General mit einem Türckischen Hengste / woge⸗
gen Er ein und andere silberne Praesente und im übrigen eben das Tractament,
wie es mit dem Graffen von Oettingen zu Belgrad gehalten worden / wieder
empfing. Sonst wurde ermeldte Türckische Groß=Bothschafft / so in 4. ad 500.
Persohnen / einer grossen Anzahl Pferde / Cameele und Maulthiere bestund /
auff der Reise in Ungarn / von dem Obristen Kyba, Commendanten zu Brod
in Croatien / mit einer Compagnie Hussaren convoyret / und durch gewisse
Kayserl. Cammer=Commissarien mit aller Nothdurfft versehen.
Zu Raab hielte sich diese Grosse Gesandschafft einige Wochen auff / theils
umb sich von der beschwehrlichen Reise in etwas auszuruhen und frische Lufft zu
schöpffen / theils weil man dem Bothschaffter bezeigete / daß der Römischen
Königin Majestät annoch im Kindbette lägen / auch des Herrn Ertz=Hertzog
Carls Durchl. von denen Blattern noch nicht völlig wider befreyet wären /
welche beyderseits seinen Einzug gerne mit ansehen möchten. Indessen ließ der
Bothschaffter ein höffliches Schreiben an den Kayserl. Kriegs Praesidenten /
Herrn Ernst Rudiger, Graffen von Stahrenberg / abgehen / welchen die Tür⸗
cken ihrem Groß Vezier gleich achten / und sich daher in allen dero Angele⸗
genheiten an denselben zu addressiren pflegen.
Als - 72 - - 73 -
Die Tür⸗
ckische
Groß=
Both⸗
schafft
langet zu
Wien an;
derselben
Empfang
und öf⸗
fentliche
Entrée.
51
Als nun die Gesandschafft den heran=March fortsetzete / und endlich zu
Schwechet / zwey Meile von Wien / angelanget war / blieb sie allda aber⸗
mahls einige Tage stille liegen / da dann der Kayserl. Oberdollmetscher / Mar⸗
co Antonio Mamuca de la Torre, hinauß fuhr / umb dem Bothschaffter über
seine glückliche Ankunfft ein Compliment zu machen; Und nachdem Er mit
Ihm so wol über das bey dem Empfang und Entrée zu observirende Ceremo⸗
niel / als übrige Puncte sich verglichen / mithin man alle andere nöthige
Veranstaltungen hinc inde gemachet / ist darauf den 20/30 Januarij 1700.
der öffentliche Einzug in die Kayserl. Residentz Stadt Wien mit grosser
Magnificence erfolget. Wobey zufoderst zu wissen / daß bereits des vorigen
Abends die gesambte Bagage, Camele und Maulthiere / in der Vorstadt an⸗
kommen / und allda einquartiret worden.
Ausführliche Beschreibung
Von
Des Türckischen Groß=Bothschaffters / Ibrahim Bassa,
Empfang und prächtigem Einzug in die Kayserliche Residentz=
Stadt Wien / so den 30. Januarij 1700. geschehen.
MOrgens umb 10. Uhr verfügete sich der Kayserl. Obrist Hoff=Mare⸗
chal, Herr Graff von Mansfeldt / Fürst zu Fondi &c. nebst dem O⸗
bristen Wachtmeister von der Stadt Garnison, Herrn Graffen von
Rappach &c. vermöge des von Ihrer Kayserl. Majestät erhaltenen allergnä⸗
digsten schrifftlichen Befehls / in seinem eigenen / des Fürsten / Wagen / mit
sechs Pferden bespannet / eine kleine Stunde=Weges von der Stadt auff eine /
zwischen dem Neuen Gebäude und dem Dorffe / Simmeringen genannt / be⸗
legene Ebene / umb allda den Türckischen Bothschaffter / nahmens Ihrer
Kayserl. Majestät / zu empfangen und einzuholen. Zwölff Bediente von der
äusseren Kayserl. Hoffstaat / item, zwölff Kayserl. Trompeter mit einem Pau⸗
cker / und vorermeldter beyder Herrn Graffen eigene Officiers zu Pferde / be⸗
gleiteten die Carosse. Auch wurde ein Kayserliches Hoff=Pferd / mit Ungari⸗
scher sehr kostbahrer Equipage, von zweyen Stallknechten nachgeführet.
Der Kayserl. Ober=Hoff=Quartier Meister / Herr Colmann Gögger
von Löweneg / hatte schon zuvor an dem Orte / wo der Empfang geschehen sol⸗
te / die zur Begleitung destinirte drey Bürger=Compagnien / und zwar zur
lincken Hand / in eine gerade Linie gestellet; Die Erste / bestehend in der ge⸗
ringen Bürgerschafft / wurde von dem Wienerischen Stadt Ober=Cämme⸗
rer / Herrn Augustin von Hierneys, als Rittmeistern / geführet; Die Andere /
von Handels=Leuten der Kayserl. freyen Niederlage / commendirte Herr
Heinrich von Böller, der Aeltere; Und die Dritte von Inner= und Eussern
Stadt=Raths=Verwandten / wie auch denen vornehmsten Bürgern / führete
der Bürgermeister / Herr Johann Frantz von Peickhart selbst / allesambt in
schönster Mundir= und Kleidung. Gegen über und zur rechten Hand / stunde
eine Compagnie Curassiers vom Lotharingischen Regiment.
Ohngefehr 300. Schritt von diesem Orte arretirte sich der Herr O=
N 2
briste
- 74 -
52
riste Hoff=Marechal mit seinem Gefolge / in einem Grunde der Wiesen / allda
den heran=March der Türckischen Gesandschafft erwartend. Wie dieselbe
bald bey Ebersdorff angelanget war / schickte jetzt gedachter Ober Hoff=Mare⸗
chal den Kayserl. Ober=Dollmetscher / Marcum Antonium, in einer Chaise
mit sechs Pferden bespannet / dem Bothschaffter entgegen / und als Er densel⸗
ben rencontrirte / stieg er aus / und brachte sein Compliment für dessen Wa⸗
gen / so stille hielt / an; welches der Bothschaffter höfflich beantwortete. Wor⸗
auff jener sich zu Pferde setzte und zu der Türckischen Suite gesellete.
Die Ordnung nun / in welcher die Türckische Ambassade heran marchi⸗
rete / war folgende:
1. Ritte der Kayserl. Obriste und Commendante zu Brod / Herr
Kyba, und führete / nebst dem Graffen Zichi, eine Compagnie Hussaren
von dem Generalat zu Raab / mit ihren gewöhnlichen Tieger=Häuten / Ge⸗
wehr und Music. Dieselbe rangirte sich vor die zur rechten Hand stehende
Cuirassiers.
2. Kahmen einige gemeine Türcken zu Pferde.
3. Sechs unansehnliche Rüst-Wägen mit einem theile der Praesenten
beladen / so der Sultan Ihro Kayserl. Maj. überschickte.
4. Etliche Maulthiere und Pferde / worauff des Bothschaffters Kü⸗
chen-Bediente mit ihrem Geschirr und ledernen Wasser=Schläuchen sassen.
5. Folgeten sechszehen außerlesene Türckische Hengste / ohne Sattel
und Zeug; jeder wurde von zween Ungarischen Bauren an Halßketten ge⸗
führet.
6. Der Deli Bassi mit einer hohen Zohel=Mütze / eine rothe Estandarte
führend: Derselbe passirte vor der Avant Guarde her / welche in zwey Esqua⸗
drons Boßnier und Albaneser jene Deli, und diese Gheonghli genant / ge⸗
theilt ware.
7. Ein Aga it einer grünen Fahne / nebst einigen des Bothschaffters
vornehmsten Officiers. Sie hatten Feder=Sträusse auf ihren Bünden.
8. Der Stallmeister / Ober=Cämmerer und Ober=Thürhüter / Capi⸗
zilar Boluc Basi genant.
9. Eine grosse rothe Fahne / zwischen zweyen Roß=Schweiffen / als Zei⸗
chen eines Bassen. Worauf
10. Drey Effendi ritten / und nach diesen
11. Zween gemeine Türcken / jeder einen zur Jagd abgerichteten Leopar⸗
den / mit einer bunten seidenen Decke / hinter sich auf dem Pferde führend.
Ferner folgeten
2. Des Bothschaffters acht Leib-Pferde; jedes hatte drey doppelte
Chaberaquen / als zwo reiche von Drap d’Or, oder Drap d’argent, und dar⸗
über noch eine Tieger=Decke; auf der rechten Seite des Sattels hieng ein
grosser silberner Schild / wie auch Säbel / Bogen und Köcher mit Pfeilen / wel⸗
che Equippage sich besonders distinguirete.
13. Drey Alay Chiaus, das ist / Fouriers oder Adjutanten; Dieselbe
hatten Tiegerhäute auf dem Rücken / Federbüsche auf ihren Mützen / und sil⸗
berne Stäbe in der Hand; Sie ritten hin und her / und commendirten den
March mit ungewöhnlichem Geschrey / gaben auch öffters einander ein Zei⸗
chen
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chen auf einer kleinen Paucke. Einer unter ihnen machte allerhand seltzame Ge⸗
berden / und schiene des Bothschaffters Hoff Narre zu seyn / wiewol sonst diese
Alay Chiaus Charge mit vieler Autorität begleitet ist.
14. Der Groß=Bothschaffter selbst / in einem Türckischen Wagen mit
rothem Tuch bekleidet / und von sechs kleinen Schimmeln / mit gelb=röthlich
gefärbeten Mähnen und Schweiffen / gezogen. Er lag auf einer Matratze /
hatte unter dem Kopfe und unter jedem Arme einen rothen Polster. Vor dem
Wagen giengen sechs Laqueyen / Satir genant / mit kurtzen Hellebarten / o⸗
ben in Form eines halben Monds; und zur Seite / 4. Bassi ohne Gewehr / mit
hohen breiten Kappen oder Mützen / von weissen Filtz / so den Wagen öffters
angriffen und für harten Stössen bewahreten. Item; giengen noch zu beyder
Schlagen vier Trabanten / mit Schilden und Wurff=Pfeilen; Diese insge⸗
sambt dieneten dem Bothschaffter zu seiner Leib=Guarde. Hinter dem Wagen
wurde des Bothschaffters Feld=Sessel von rothem Sammet / und auf Phrygi⸗
sche Art mit Golde gesticket / wie auch sein grosser Turban, mit einem grünen
seidenen Tuche bedecket / und einige andere zu der Guarderobbe gehörige Meu⸗
blen von Türcken zu Pferde nachgetragen.
15. Des Bothschaffters Senffte von zwey Pferden getragen.
16. Der Silictar-Aga oder Waffen=Träger / mit dem Zoadar-Aga,
Schatzmeister und Siegel=Verwahrer.
17. Auf diese Bediente folgeten sechtzig Janitscharen / Tufekci genandt /
welche der Sultan zu Verwahrung der Praesente mitgegeben; Sie trugen
schwere Röhre / deren Läuffe nach der Erden abhingen / und hatten sonst we⸗
gen ihrer seltzamen Kleidung / nackenden Hälse und halbblossen Beine ein for⸗
midables Ansehen.
18. Der Chiaja, oder Hoffmeister mit einem silbernen Stabe / nebst dem
Divan Effendi, oder Legations-Secretario, und Iman Effendi, als des Both⸗
schaffters vornehmsten Pfaffen / sambt ihren Dienern.
19. Noch eine grosse Fahne zwvischen zwo kleinern; und endlich beschloß
20. Den Train die völlige Türckische Feld-Music, bestehend in Schall⸗
meyen / Zimbeln / Trompeten / kleinen Paucken / und gar grossen Trommeln /
so auf Pferden geführet und von beyden Seiten zugleich geschlagen wurden /
welche Music einen gar differenten und frembden Klang von sich gabe / und oh⸗
ne Aufhören continuirte.
Nachdem nun diese Türckische Bothschafft zwischen vorgemeldten beyden
Linien passiret / und des Bothschaffters Wage fast ans Ende der Bürger=Com⸗
pagnien nach der Stadt zugerucket war / blieb Er allda eine zimliche weile hal⸗
ten. Der Chiaja ritte an des auch schritt für schritt herannahenden Ober=
Hoff=Marechals Carosse, und meldete auf Türckisch seines Principalen An⸗
kunfft an. Die Kayserliche Trompeter und Paucker / so in zwey Gliedern vor⸗
an marchirten / liessen sich wechselsweise hören. Des Ober=Hoff=Mareschals
Carosse fuhr dem Bothschaffter zur lincken Hand / (so auch bey Empfang ande⸗
rer Bothschaffter zu geschehen pfleget) und wie beyde Wagen in einer Distantz
von etwa zehen Schritten sich gleich gegen einander über befanden / stieg der
Graff von Mansfeld / mit dem Grafen von Rappach, zu erst aus / und dann
der Bothschaffter / welchen beym absteigen zween Türcken unter die Arme fas=
O
send
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send auf die Erde halffen. Der Graf von Mansfeld grüssete den Bothschaffter
mit einer wenigen Rückung des Huts / und embrassirte Ihn; Derselbe drück⸗
te hingegen die rechte Hand an die lincke Brust / und neigete das Haupt etwas
wieder; bey welcher Empfahung die herumstehende Türckische Wache und
Officiers ein Geschrey in ihrer Sprache macheten / dergleichen Zuruf denen
vornehmsten Ministren des Türckischen Hoffes öffters / und gemeiniglich / wann
Sie ankommen oder abreisen / von ihren Leuten zu geschehen pfleget / und biß⸗
weilen so viel / als: Gegrüsset seystu nach deinen Würden / oder einen Wunsch
für den Sultan und dessen Regierung bedeutet. Der Bothschaffter foderte
zu anfangs seinen Stuhl / in Meynung / es würde sich der Ober=Hof=
Marechal setzen. Sie blieben aber beyde stehen. Worauf dieser seinen
Vortrag / in Italiänischer Sprache / und mit jedesmaliger Berührung des
Huts / so offt Er den Kayserlichen Namen nennete / ohngefehr dahin
that:
Er wäre mit gegenwärtigem
Comitat
, auf Ihrer Kayserlichen
Majestät allergnädigsten Befehl / abgeschicket worden / umb Ihn /
den Bothschaffter / an diesem Orte zu empfangen / in dero Residentz
einzuhohlen / und in das für Ihn zubereitete Quartier zu begleiten;
Er erfreuete sich über seine glückliche Ankunfft / und gleichwie
er zu erst die Ehre hätte / einen Groß=Bothschaffter zu kennen / wel⸗
cher Sr. Kayserl. Majestät von der Beständigkeit deß geschlossenen
Friedens mündliche Versicherungen geben würde; so hätte Er nicht
allein die Ordre ertheilet / Ihn seinem Caracteri und Meriten gemäß
zu tractiren / sondern es eigneten auch Ihre Kayserliche Majestät zu
solchem Ende gegenwärtigen dero General=Wachtmeister / Graf⸗
fen von Rappach / (so Er damit vorstellete) Ihm / dem Botschaff⸗
ter / zu / welcher Ihn / wehrender seiner Anwesenheit zu Wien /
bedienen / und in allen Fürfallenheiten best=möglichst an die Hand
stehen würde. Ihre Kayserliche Majestät schickten Ihm auch ein
Pferd aus dero Marstall / worauf Er nach belieben einreiten
könte rc. rc.
Der Kayserliche Ober Dollmetscher wiederholte dieses Compliment ge⸗
gen den Bothschaffter in Türckischer Sprache / welcher dann mit einer freund⸗
lichen Mine die Antwort zurück gabe / so ermeldter Dollmetscher auf Italiä⸗
nisch / und hauptsächlich folgenden Inhalts zu seyn / interpretirte:
Der Groß=Bothschaffter bedanckete sich sehr für die Höfflich⸗
keit / so der Römische Kayser ihm erweisen und ferner anerbieten lies⸗
se; Er wolte nicht ermangeln / solches dem Sultan gebührend zu referi⸗
ren. Absonderlich aber wäre ihm lieb / daß Er / der Ober=Hoff=
Marechal, zu dieser seiner Einhohlung erwehlet worden / zumahlen
er adurch Gelegenheit bekäme / mit einem vornehmen Kayserlichen
Ministro in Bekandschafft zu gerathen / welcher / wie Er vernehme /
vorhin
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vorhin selbst in verschiedenen wichtigen Ambassaden wäre gebrauchet
worden; Wie Er dann auch den Ihm zugegebenen Kayserlichen
Commissarium
und übrige Ehre gerne und mit Danck annehme rc. rc.
Der Bothschaffter ließ nach diesem den Obristen Kyba, welcher Ihn von
den Ungarischen Gräntzen anhero convoyret / für die deßfals gehabte Mühe
dancksagen / und Ihn mit einem Caftan beschencken / den derselbe so fort an⸗
legte.
Der Obrist Hoff=Marechal nöthigte endlich den Bothschaffter in seinen
Wagen / unter Bezeigen / daß Er so lange fahren könte / biß Ihm gefällig
seyn würde / sich zu Pferde zu setzen / so er auch acceptirte. Er setzte sich oben
an / der Graff von Mansfeld neben Ihn / und der Dollmetscher zurück. Als
die Carosse abfuhr / widerhohlete die Türckische Garde das vorige Geschrey.
Der Graf von Rappach war in seinem eigenen Wagen voran gefahren.
Wie man nun nahe bey der Stadt und für dem kleinen Flusse / die Wien
genant / angelanget war / stieg der Bothschaffter aus / wusche / seinem Gebrau⸗
che nach / die Hände / und verwechselte seinen ordinairen Bund mit dem hohen
und breiten weissen Turban, welcher vor ein besonders Ornament gehalten /
und nur von denen Bothschafftern und wenig andern vornehmen Ministris des
Türckischen Hoffes bey publiquen Ceremonien getragen wird. Er legte auch
einen von Gold und Silber reichen Ober=Rock / mit den feinesten Zobeln ge⸗
füttert / an / eine Zobel=Taffel auf dem Rücken habend / gürtete seinen Säbel /
Bogen und Köcher mit Pfeilen an die Seite / und setzte sich auf das Kayserliche
Hof=Pferd. Als Er aber etliche Schritte geritten / und desselben nicht gewoh⸗
nen konte / gab Er dem Ober=Hof=Marechal solches zu erkennen / und batt / Er
möchte ihm eines seiner eigenen Pferde reiten lassen: welches Ihm dann auch /
gleich wie Anno 1665. dem damahligen Türckischen Bothschaffter zu Wien ge⸗
schehen / erlaubet wurde.
Man führete Ihm also einen schönen Schimmel für. Ein Türcke legte
sich zur Erden auf die Knie und Hände / und bedienete sich der Bothschaffter
seines Rückens / umb auf das Pferd zu steigen. Der Graf von Mansfeld und der
Graf von Rappach setzten sich zu gleicher Zeit zu Pferde / und nahmen den
Bothschaffter in die Mitte / so daß jener zu seiner rechten / und dieser zu seiner
lincken Hand in gerader Linie mit Ihm ritten. Immediate vor dem Bothschaff⸗
ter gingen die anfangs erwehnte 6. Satir, und neben dem Pferde die 4. Bassi, mit
weissen Kappen oder Mützen / wovon die zwey vorderste / als der Tufekci Basi
und Matarasi Basi, des Bothschaffters beyde Zipfel vom Peltze ausgebreitet
vom Pferde hielten / item die 8. Trabanten beyher: den Graffen von Mansfeld
und Graffen von Rappach cortegirten auch Ihre Officiers und Bediente: hin⸗
ter dem Bothschaffter ritte der Ober=Dollmetscher / Marcus Antonius, von
seinen Laqueyen begleitet: diesem folgeten die zwölff Kayserliche Bediente von
der äusseren Hof=Staat / mit dem Silictar Aga und Zoadar Aga. Nach welchen
das Kayserliche Hof=Pferd geführet wurde.
Sonst ist in der bey dem Einzuge observirten Ordnung noch folgendes ge⸗
ändert worden / so man allhier hinzu thut; nemlich (1.) daß 2. Kayserliche Ein⸗
spänniger / umb die Strasse zu zeigen und alle Hinderungen aus dem Wege
zu
O 2
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56
zu räumen / und dann der Obriste Kyba zu erst ritten / so daß dieser die gantze
Ambassade führete. (2.) Die Kayserliche Trompeter und Paucker mit dem
Ober=Hoff=Quartier=Meister gleich vor dem Bothschaffter her marchirten.
(3.) Daß des Ober Hof=Marechals und Graffen von Rappachs Carossen / beyde
mit sechs Pferden bespannet / sambt ihren Hand=Pferden hinter der Türckischen
Music / auf des Bothschaffters Senffte und Wagen folgeten; Und (4.) die
100. Hussaren von dem Graffen Zichi allein geführet wurden / und
da sie zuvor für der Gesandschafft her / nunmehro zuletzt nach denen
Kayserlichen Curassiern passireten / und den völligen Train beschlossen.
Die Kayserliche Stadt=Guarde zu Fuß war von der Wiener Brücke an das
Kärnter Thor hindurch biß in die Stadt / und widerum von dem rothen Thore
an über die Schlag=Brücke biß an des Bothschaffters Quartier / zu beyden
Seiten gestellet; durch die Stadt aber hatte man die Bürgerschafft mit ihrem
Gewehr gleichfals en haye, und ausser dem noch 3. Bataillons Bürger / unter
Hauptleuten und Fahnen / an den vornehmsten Plätzen postiret: auch waren
zu Verhütung aller Confusion die Neben=Gassen mit Ketten versperret.
Es geschahe also dieser prächtige Einzug unter continuirlichem Schall
der Teutsch=und Türckischen Music, bey Zulauf und Anschauung einer ohnbe⸗
schreiblichen Menge Volcks / durch gedachtes Kärnter=Thor / das Augustiner
Kloster vorbey / allwo Ihre Kayserliche Majestät nebst der übrigen gnädig⸗
sten Herrschafft incognito zusahen / und weil der Ober=Hof=Marechal den
March ohnvermercket etwas arretiren ließ / hatten Ihre Majestät / der Kayser /
Gelegenheit / des Bothschaffters Persohn durch ein Glaß genaue zu betrachten.
Man passirte weiter über den Kohlmarckt und Graben / die gerade Gasse hi⸗
nab / zum rothen Thurn hinauß über die Schlag=Brücke in die Leopold Stadt /
nach dem Türckischen Haupt=Quartier / sonst ein Wirthshauß / zum Guldenen
Lamm genant / welches Hauß schon vorhin der Türckischen Bothschaffter Woh⸗
nung gewesen / und Ihnen / wegen des nahe vorbey rinnenden Arms von der Do⸗
nau / so viel bequemer ist / als die Türcken ich des fliessenden Wassers /
so wol zum kochen / als waschen / am liebsten gebrauchen.
Wie man in dem Hofe abgestiegen / gieng der Graf von Mansfeld mit
dem Grafen von Rappach zu erst die Stiege hinauf / welchen der Bothschaff⸗
ter mit dem Ober-Dollmetscher folgete. Man passirte also durch die Vor⸗
Zimmer in des Bottschaffters Audientz=Gemach / allwo sich diese vier Herrn
auf vier gleiche niedrige Sessel ohne Lehnen / von rothem Sammet / und mit
Golde brodiret / welche auf einer mit Persianischen Teppichen belegten Büh⸗
ne ins viereckte placiret waren / niedersetzten.
Nach einigen Reciproquen Complimenten / wurde ein runder niedri⸗
ger Tisch zwischen ihnen in die Mitte gesetzt. Zween des Bothschaffters Cam⸗
merdiener brachten zwo silberne Gieß=Kannen / die eine wurde dem Graffen
von Mansfeld zu erst / und dann dem Grafen von Rappach; Die andere zu
gleicher Zeit dem Bothschaffter / und hernach dem Dollmetscher praesentiret /
umb sich zu waschen. Hierauf wurde der Caffè und Scherbet mit einigen Scha⸗
len voll Confect vorgetragen / und nachdem man davon genommen / brachte
man zwey Rauch=Fässer mit Ambra, wormit Sie in gleicher Ordnung ge⸗
räuchert wurden. Letzlich beschenckte der Bothschaffter den Graffen von Mans⸗
feld
- 80 -
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Portrait
des Tür⸗
ckischen
Both⸗
schaffters
Persohn
und ande⸗
re Nach⸗
richt.
57
feld mit einer Scherpfe / den Grafen von Rappach und Dollmetscher aber / jeden
mit einem seidenen Schnupftuche.
Wie der Herr Ober=Hof=Marechal sich von dem Bothschaffter beuhrlaub⸗
te / danckte derselbe ihm nochmahls für alle empfangene Höfflichkeiten / und be⸗
gleitete ihn biß die Treppe hinab / da Anno 1665. der damahlige Türckische
Bothschaffter im Zimmer geblieben / und dem Kayserlichen Ober=Hof=Mare⸗
chal, Graffen Heinrich Wilhelm von Stahrenberg / kaum biß zu Ende der
Bühne das Geleite gegeben. Der Herr Graf von Mansfeld setzte sich wieder
zu Pferde / und wurde von denen drey Stadt=Compagnien biß an sein Hauß
begleitet / welche Ehre die zwo Bürger-Compagnien auch dem Bur⸗
germeister / und die von der Niederlage ihrem Rittmeister erwiesen /
und diese dieselbe mit einer zierlichen Dancksagungs=Rede beuhrlaubten.
Vor dem Türckischen Haubt=Quartier befand sich beständig eine Wache
von 140. Mann / unter Commando eines Haubtmanns von der Stadt=Garni⸗
son, welche alle Monath abgelöset wurde / und von dieser Haubt=Wache wur⸗
den auch für andere Häuser in der Leopold=Stadt / wo vornehme Türcken
wohneten / Schildwachen gestellet: Imgleichen / so offt ein Türcke aus der
Vorstadt in die Stadt ging / umb etwas zu kauffen / oder sonst zu verrichten / mu⸗
ste Ihn eine Schildwache begleiten.
So viel des Bothschaffters Persohn betrifft / ist derselbe ein Genueser
von Geburt / scheinet besten Alters / und ein bey der Türckischen Nation voll⸗
kommener Mann zu seyn. Er ist zimlich groß / und hat starcke Glieder. Seine
Taille ist wol gewachsen / und der gantze Leib von guter Proportion. Er hat
ein Oval-rundes Gesicht / einen langen schwartz=braunen Bart / kleine duncke⸗
le Augen / sonst aber eine lebhaffte Couleur, und ein solches gravitätisches Anse⸗
hen / welches liebens und fürchtens werth ist. Die Hände trägt Er allezeit
bloß / und an beyden kleinen Fingern kostbahre Diamant=Ringe / oder von an⸗
dern Orientalischen Steinen. In der Kleidung ist Er über alle massen próper,
wechselt öffters in einem Tage von Uber=Rock und Turban, und stehen Ihm alle
Couleuren wol an. Die Türckische Kriegs=Exercitia machet der Bothschaffter
mit vieler Perfection, schiesset sehr scharff und gewiß mit dem Bogen.
Seine innerliche Qualitäten correspondiren denen Leibes=Gaben. Er
hat einen penetranten Verstand / exprimiret sich in seiner Sprache wol / und
lässet dann und wann ein Wort zu lachen à propos mit unterlauffen. Er soll et⸗
was Italiänisch und Frantzösisch verstehen / aber nicht reden; massen bey der
Türckischen nicht so / wie bey andern Nationen / geachtet wird / noch recom⸗
mendiret / vielerley Sprachen zu reden. Die Treue aestimiret Er für allen
Dingen / und ist denen Intriguen feind; Wie Er dann in dieser seiner Schi⸗
ckung eine wahre Intention zeiget / die wieder hergestellte gute Harmonie zwi⸗
schen dem Kayserl. Hoffe und der Pforte zu befästigen / mithin den Frieden lan⸗
ge Jahre zu erhalten. Die jenige / so ihn näher kennen / geben ihm das Zeug⸗
nüß / daß Er im Felde so wol / als Garnisonen / strenge Ordre halte / seinen
Respect auf alle Weise maintenire / die guten Dienste mit Liberalitäten beloh⸗
ne / das Böse ohne Perdon straffe / und denen seinigen mit gutem Exempel wol
fürgehe.
Anno 1683. ist dieser Bothschafter / zur Zeit der Belägerung Wien /
P
bey
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Lächerli⸗
che Ant⸗
wort des
Both⸗
schaffters.
Er hält
öffters öf⸗
fentlich
Gericht
in seinem
Quartier.
58
bey dem damahligen Groß=Vezier, Kara Mustapha, als Administrator seiner
Financen, in Diensten gestanden / nachgehends aber in ungleichen Verdacht
gerathen / weßwegen Er dann auß Furcht sich nach Italien retiriret / von da
Er sich jedoch durch Schreiben bey dem Sultan dergestalt justificiret / daß der⸗
selbe Ihn seiner Gnade versichern und zu sich fodern lassen. Er ist also wie⸗
der nach Constantinopel gereiset / und zu Kriegs=Diensten employrt worden /
worin Er verschiedene Proben seiner Courage und Kriegs=Erfahrenheit ab⸗
gelegt.
Nachhero ist er Commendante zu Kaminieck Podolsky gewesen / hat
die Vestung Negroponte wieder die Venetianer defendiret / und zuletzt auf
dem schwartzen Meere die Türckische Flotte gegen die Moscowiter commendi⸗
ret / mithin nunmehro bey der Pforte einen besonders grossen Credit erworben.
Man erzehlete sonst / daß / als wenig Tage nach des Bothschaffters An⸗
kunfft einige neubegierige Weibs=Persohnen bey demselben vernehmen lassen /
ob sie nicht die Erlaubniß haben könten / Ihm in seinem Zimmer auffzuwarten /
Er ihnen zur Antwort ertheilet; Es thäte ihm leyd / daß Er noch nicht in dem
Stande wäre / Frauenzimmer zu bedienen; massen Er seither seiner Ankunfft
nicht gebadet hätte: sie möchten sich aber demnechst wieder anmelden.
Der Bothschaffter hielt die ersten Tage bey gutem Wetter / nach dem
Exempel anderer Bassen / öffters in seinem Quartier auf offenem Hoffe Audientz
oder Gericht / so man Divan nennet; wobey folgende Ceremonien fürgingen.
Wann der Tag 3/4 passiret / nemlich nachmittags umb halb drey Uhr / trat ein
Türcke / Moisin, das ist / Klöckner genandt / oben auf die Gallerie herauß / den
Rücken nach dem Hoffe kehrend / und machete einen seltzam klingenden Gesang
von etwa einer halben Viertel=Stunde (welches auch vor dem Gebet zu ge⸗
schehen pfleget) eine Convocation des Volcks in sich haltend; Worauf die
Türcken unten im Hoffe zusammen kamen / und sich in zwo gerade Linien stel⸗
leten; Oben sahe man des Bothschaffters Feld=Sessel / von rothem Sammet
und mit Golde gestickt / gesetzet / und waren von der Haußthür an biß zu dem
Sessel Bretter geleget; die drey Alay Chiaus stunden mit ihren silbernen Stä⸗
ben in der Mitte / und unten befand sich die völlige Feld=Music. Die jenige
Türcken / so in dem Hause blieben / sahen der Audientz an denen Fenstern und
auf der Gallerie zu. Umb 3. Uhr kam der Bothschaffter (welchen zween unter
den Armen führeten) mit seinen vornehmsten Bedienten in den Hoff / und setzete
sich auf seinen Stuhl. Einer / so ihm zur rechten Hand stand / fieng laut auf
Türckisch an zu ruffen / welchem die gantze Versamblung mit einem gleichen
Geschrey nachfolgete / so einen Glück=Wunsch gegen den Sultan und Both⸗
schaffter bedeutete: dann hube die Music an / und wehrete eine Viertel=Stun⸗
de. Nachdem dieselbe sich geendiget / überreichte der Divan Effendi em Both⸗
schaffter eine Schrifft / welche dieser überlasse / seine Resolution darauf münd⸗
lich zurück gabe / und die Schrifft dem Effendi ieder zustellete; derselbe schrie⸗
be so gleich im stehen solche Resolution auf das Papier / gabe es abermahls dem
Bothschaffter zu revidiren / welcher die Feder foderte / und nachdem er es un⸗
terzeichnet / die Schrifft dem Chiaja oder Hoffmeister so neben Ihm zur rech⸗
ten Hand stund / zustellete; letzlich wiederholeten alle Türcken das vorige Ge⸗
schrey / und verfügete sich der Bothschaffter wiederum hinauf in sein Zimmer.
Der Chiaja aber setzete sich bald hernach zu Pferde / wurde von seinen Die⸗
nern
- 83 -
Abbildung:
Cum Privil. S. C. M.
Ibrahim Bassa deß Groß Sultans der Ottomanischen Pforte an die Rö⸗
misch Kaiserl. Majestät abgeschickter GroßBottschaffter in der Kleidung, wie
deßen Excellenz bey dem pomposen Einzug in die Kaiserl. Residenz=Stadt
Wien erschienen den 30 Januarij Anno M. D. CC.
- 84 -
- 85 -
Der
Both⸗
schaffter
empfängt
die Au⸗
dientz bey
Ihro
Kayserli⸗
che Maje⸗
stät.
Dessen
Aufho⸗
lung.
59
nern und einem Alay Chiaus begleitet / und ritte gleichfalls wieder nach seinem
Quartier / umb die empfangene Ordre zu exequiren.
Nach gehaltenem Divan ging der Bothschaffter an die Taffel; Weilen Er
aber nur in privato speisete / so wollen wir davon allhier noch nichts melden / son⸗
dern erwarten / biß der Verfolg gegenwärtiger Memoiren Uns Anlaß geben
wird / so wol von der Türcken Essen / als auch übrigen Lebens=Art etwas zu
reden.
Anjetzo fahren wir vielmehr fort in Anführung der jenigen Dinge / wel⸗
che zu des Bothschaffters accreditir- und Eröffnung seiner Negotiation gehö⸗
ren / und zwar machen wir den Anfang von seiner Solennen Audientz / die Er
erst in der dritten Woche nach dem öffentlichen Einzuge bey Ihro Kayserlichen
Majestät hatte; worin dann der Türckischen von anderer frembden Bothschaff⸗
ter Audientz / abermahl unterschieden ist / indem diese selbige so fort nach dem
Tage ihrer Entrée zu empfangen haben.
Nachdem das Ceremoniel wegen jetztgedachter Audientz / vermittelst ei⸗
nes von dem Obrist=Hoff=Meister=Ambte und Kriegs=Praesidenten an Ihre
Kayserliche Majestät abgelassenen Gutachtens / mehrentheils auf den Fuß / wie
man es Anno 1665. bey Anwesenheit des damahligen Türckischen Bothschaff⸗
ters / Mehmet Bassa, gehalten / regliret worden / ist dieselbe darauf den 6/10
Februarij 1700. mit besonders grossem Pomp für sich gegangen.
Weil des Morgens ein starcker Schnee fiel / und das Wetter gar un⸗
freundlich war / schickte man zu dem Bothschaffter / umb von Ihm zu verneh⸗
men / ob er etwa verlangete / daß die Audientz auf einen andern Tag verschoben
werden mochte. Worauf der Bothschaffter die obligeante Antwort zurück ga⸗
be: Es wäre das Verlangen / sich zu Ihrer Kayserlichen Majestät Füssen zu
sehen / bey Ihm so groß / daß kein Wetter noch sonst etwas wiedriges Ihn hin⸗
dern solte / diese Gnade zu empfangen / und erwartete Er it Ungedult der be⸗
stimten Stunde / umb sich nach Hoffe begeben zu dörffen. Es fuhr also der
Kayserliche Commissarius, Herr Graff von Rappach / nebst dem Ober=Doll⸗
metscher / in einer Kayserlichen Carosse / (welche aber nicht der Ordinaire
Wage / worin andere Bothschaffter ihren Einzug halten / und zur Audientz
aufffahren / sondern etwas schöner und verguldet war) von sechs Pferden gezo⸗
gen / unter Begleitung zweyer Kayserlicher Leib-Laqueyen / sambt des Graf⸗
fen und Dollmetschers eigenem Corteggio, von der Burg in die Leopold
Stadt / nach dem Türckischen Haubt=Quartier / umb den Bothschaffter zur
Audientz abzuholen. Solche Aufholung geschahe nun Mittags gegen 12. Uh⸗
ren / in folgender Ordnung: Nach einem Kayserlichen Einspänninger
zu Pferde / gieng (1.) Ein Unter Officier mit einem Rott Soldaten
von der Stadt=Guarnison, etwa 30. ad 40. Mann mit Gewehr.
(2.) Ritte der Chiaja oder Hoffmeister / von des Bothschaffters Leuten
umbgeben / für denen Praesenten / so der Sultan Ihro Kayserlichen Majestät
überschickete / her; 17. Camele waren mit einem schönen Zelte; und 9. Maul⸗
thiere mit Persianischen Teppichen und allerhand andern Raritäten beladen;
die kostbahrste Sachen aber lagen in einer Senffte / von zwey Pferden getra⸗
gen / auf einem rothen Küssen / wobey viele Türcken hergiengen / und gar sorg⸗
fältige Acht darauf hatten; dann wurden zweene Turcomannische Hengste /
von
P 2
- 86 -
60
von sehr rarer Couleur und Raçe, mit volliger Equipage, so mit unzehlig= vie⸗
len Perlen / Diamanten / Rubinen und Smaragden garniret war / an Sil⸗
bernen Ketten gezogen / und noch zwey andere Arabische Pferde / von schö⸗
nem Gewächs / ohne Sattel und Zeug / geführet / und zuletzt ritten zwey
Türcken / welche die anfangs berührte und zur Jagd dressirte zween Leopar⸗
den / mit Persianischen seidenen Decken / hinter sich auf den Pferden sitzen
hatten. Auf diese Praesente folgeten (3.) Die Agen, der Deli Basi, Capitain von
der Garde, und übrige Vornehmste Officiers des Bothschaffters zu Pferde / mit
ihrem Comitat. (4.) Die drey Alay Chiaus ritten / wie bey dem Einzuge / mit ihren
Stäben bey her. (5.) Der Divan Effendi der Legations-Secretarius zu Pferde /
welcher des Sultans Creditif=Brief / so von ungemeiner Länge und mit vielen
Orientalis. Steinen gezieret war / in einem halb seidenen und güldenen Tuche oder
Beutel enthaltend / und auf einem dergleichen reichem Tuche liegend / auf bey⸗
den Händen vor sich trug. Neben und hinter ihm giengen des Bothschaffters
sechs Leib=Laqueyen / mit kurtzen Hellebarten. Sie hatten rothe sammeten
Rocke an / güldene Ketten über die Schulter / und breite Gürtel von Massiv
Golde umb den Leib / auch giengen alhier des Grafen von Rappach und Ober=
Dollmetschers Pagen und Laqueyen. Worauff (6.) Der Bothschaffter selbst in
dem Kayserlichen Wagen kam. Er saß in dem Obern Fond allein / der Kay⸗
serliche Commissarius zurück / und der Dollmetscher in dem lincken Ausschla⸗
ge. Die vier Matarasi und Tuffekci Basi mit weissen Kappen / nebst denen
acht Trabanten / mit Schilden und Wurff=Pfeilen / marchirten zu beyden Sei⸗
ten der Carosse her / und nahe an jedem Schlage gieng ein Kayserlicher Leib=
Laqueye. Nach des Bothschaffters Wagen folgeten (7.) seine Hoff=Aembter /
und muste / nach Gebrauch des Türckischen Hofes bey Solennen Ceremonien /
ein jeder das ihm anvertrauete Meuble aus der Garderobbe / v. g. seinen ho⸗
hen Turban mit einem seidenen Tuche bedecket / sein Hand=Wasser in einem le⸗
dern Gefäß / den Feld=Sessel / Caffé-Kanne / Peltze und dergleichen rc. selbst
nachtragen. (8.) Der Stallmeister mit einigen des Bothschaffters Hand=Pfer⸗
den. Worauf wiederum etliche vornehme Türcken zu Pferde / und nach diesen
die 60. Janitscharen oder Tuffekci folgeten; Wobey absonderlich zu mercken
ist / daß dieselbe weder Gewehr noch Music hatten / massen vorher abgeredet
war / daß ausser des Bothschaffters Garde, so bey der Carosse hergieng / nie⸗
mand Ober=Gewehr führen solte / und endlich wurde (9.) diese Cavalcade aber⸗
mahls von einem Rott Stadt=Soldaten / unter Commando eines Unter=
Officiers / beschlossen.
Auf dem ersten grossen Burg=Platze hatte man / ausser der ordinairen Wa⸗
che / die übrige gantze Stadt-Guarnison, bestehend in drey Compagnien / nem⸗
lich / die Stahrenbergische / Obitzische und Rappachische / gestellet / nebst der so
genanten schwartzen Piquen Compagnie; Und wie des Bothschaffters Carosse
von dem Kohlmarckt in das Thor fuhr / wurde das Gewehr praesentiret / und
das Spiel gerühret. Alle Türcken musten für der Schlagbrücke von ihren
Pferden steigen / und zu Fuß in die innere Burg gehen; Allein hatten die Er⸗
laubniß hinein zu reuten / der Chiaja, welchem die Senffte mit den 4. Pferden
und 2. Leoparden nachfolgete; Der Divan Effendi, mit dem Creditif, nebst
wenig
- 88 -
- 89 -
61
wenig andern vornehmen Bedienten rc. Von denen Maulthieren wurden die
Praesente draussen auf dem äusern Platz abgenommen / allivo auch die Camele
halten blieben / und das Zelt erst nach der Audientz an einem andern Orte ab⸗
geladen wurde.
Wie die Kayserliche Carosse in den innern Platz fuhr / rangirten sich die
Türcken en haye, biß zu der grossen Treppe. Als der Bothschaffter ausgestie⸗
gen / wusch er die Hände / setzte den hohen Ceremonien-Turban, welchen Er
bey der Entrée gebrauchet hatte / wieder auf / und legte einen andern Rock an /
so zwar nur von Tuche / doch von differenter Couleur, und mit den feinesten
Zobeln gefüttert war. Weil auch / wie gedacht / concertiret worden / daß nie⸗
mand der Türcken bey der Audientz Seiten=Gewehr tragen solte / so hatte we⸗
der der Bothschaffter selbst / noch sonst jemand von seiner Suite, einen Säbel
an der Seite. Man gieng also in guter Ordnung die Stiege hinauf / nach de⸗
nen Kayserlichen Zimmern / die Trabanten und Hatschiers waren / die gantze
Stiege hinauf / den Ritter=Saal und erste Antichambre hindurch / biß an die
zweyte Antichambre, zu beyden seiten postiret. Die Türcken / so die Praesen⸗
te trugen / arretirten sich in den Vorzimmern; der Divan Effendi aber gieng
mit dem Creditif, in Begleitung des Chiaja und wenig andern der vornehm⸗
sten Türckischen Bedienten / durch die erste und andere Antichambre nach dem
Kayserlichen Audientz=Gemach / so die Rath=Stube war / voran. Hierauf
kam der Graf von Rappach, welcher den Bothschaffter introducirte / massen
dieser sonsten von keinem Kayserlichen Ministro weiter bey Hofe empfangen
noch complimentiret wurde: Dann der Bothschaffter selbst / von zween sei⸗
ner Cammer=Bedienten / so ihn unter die Arme fasseten / geführet / und nach
ihm der Kayserliche Ober=Dollmetscher / Marco Antonio. Ihre Kayserliche
Majestät standen unter einem Goldstuckenen Dais oder Baldaquin, auf einer
mit Türckischen Teppichen bekleideten Bühne / eines Staffels hoch / für Ihrem
Tische / und neben einem zu Ihrer rechten stehenden Arm=Sessel von Drap
d’Or. Sie hatten ein schwartz seiden Mantelkleid mit Spitzen / und die Er⸗
meln Ihres Justeaucorps mit güldenen points d’Espagne besetzt / an / und eine
ponço=rothe Spanische Feder auf dem Hut / welcher vorn mit einer kostbah⸗
ren Diamantenen Attache geschmücket / gleich wie Ihr Dege mit Diaman⸗
ten garniret war; Sie hatten auch den Toison-Orden im Halse. Zu Ihrer rech⸗
ten Hand / und die Länge des Gemachs hinunter / stunden die Kayserliche vor⸗
nehmste Ministri, nach dem unter sich habenden Rang, und zur lincken / der
Reichs=Vice=Cantzler / Herr Graff von Kaunitz, allein vor der Estrade; Die⸗
se Ministri waren auch in schwartzen seidenen Mantel=Kleidern / und mit dem
Orden des güldenen Flüsses distinguiret. Der Kriegs=Praesident; Graf von
Stahrenberg / war bey dieser Audientz nicht zugegen / sonst aber wurde nie⸗
mand von Cavallieren in das Zimmer gelassen.
Der Bothschaffter machte drey Reverentzen gegen Ihre Kayserliche Ma⸗
jestät die erste / gleich in der Thür; die andere / in der Mitte des Gemachs;
und die dritte / nahe vor der Bühne: neigte jedesmahl das Haupt / drückete die
rechte Hand an die lincke Brust / und ließ dieselbe / zu Bezeigung mehrern Re⸗
spects, allda eine gute Weile liegen. Ihre Kayserliche Majestät aber rühreten
bey keiner dieser Reverentzen den Hut. Er trat darauf auf die Bühne / legte das
Creditif mit dem seidenen Behalt / welches ihm der Secretarius darreichete / zu
Q
Ihro
- 90 -
Des Tür⸗
ckischen
Both⸗
schaffters
Rede an
Ihre
Kayserli⸗
che Maje=
stät.
Des
Reichs=
Vice=
Cantzlers
Antwort.
62
Ihro Kayserlichen Majestät lincken Hand auf den Tisch / und nachdem Er sich
wieder rückwerts / ohn Seiner Majestät den Rücken zu zukehren / an seine
vorige Stelle begeben / that Er seinen Vortrag in Türckischer Sprache und
mit sehr guter Grace, dessen Inhalt der Kayserliche Ober=Dollmetscher auf
Italiänisch interpretirte / in Teutscher Sprache ohngefehr also lautend:
Der Großmächtigst=Großmüthigst= und Allergnädigste
Kayser und Herr der vier Theile / Mein Herr / hat mich / seinen Die⸗
ner / zu Dero Groß=Bothschaffter an den Römischen Kayser abge⸗
ordnet / um denen jüngst errichteten Friedens-Tractaten ein gnügen
zu leisten / und die zwischen beyden Theilen wieder hergestellete
Freundschafft und Einigkeit zu bestätigen. Er hat deßhalber bey
Anvertrauung seines Kayserlichen Creditifs mir anbefohlen / daß /
wann ich vor des Großmächtigsten Römischen Kaysers Majestät /
für welcher jederman erzittert / versöhnlich erscheinen würde / ich
gebührender massen zu versichern / wie Er seiner seits darob halten
wolte / daß der durch Gottes Gnade zwischen beyden Grossen Ma⸗
jestäten geschlossene und ratificirte Friede mit allen seinen Conditionen
erfüllet werden solte. Der barmhertzige GOtt wird verleihen /
daß diese aufrichtige Freundschafft in Ihren Hertzen mit aller Hoch⸗
achtung und inclination tieff eingedrückt verbleibe / und dannenhero
beyde grosse Kaysere alle Kräffte darzu anwenden / damit dieselbe
fest und unverbrüchig erhalten werde / alsdann beyderseitige Unter⸗
thanen in guter Ruhe und Friede leben / und die darab herfliessende
angenehme Früchte beständig geniessen werden.
Er trat darauf aber mahls auf die Bühne / küssete Ihro Kayserlichen Ma⸗
jestät / oben bey der Brust / den Uberschlag vom Mantel / und wo Sie die Hand
hielten / doch ohne dieselbe zu berühren / und ging damit wieder zurück.
Ihre Kayserliche Majestät wincketen dem Reichs=Vice=Cantzler / Graf⸗
fen von Kaunitz und wie derselbe mit einer dreyfachen Spanischen Reverentz
sich herzu nahete / und zu dero Füssen nieder kniete / befahlen Sie Ihm mit lei⸗
ser Stimme an / was er in Ihrem Nahmen zu antworten hätte; Ermeldter
Reichs=Vice=Cantzler trat also wieder von der Estrade hinab / und gab folgende
Antwort in Teutscher Sprache zurück:
Die Römische Kayserliche / auch zu Hungarn und Böheimb
Königliche Majestät / Unser allergnädigster Kayser und Herr / ha⸗
ben mit mehrem allergnädigst vernommen / was gegenwärtiger
Bassa und Groß=Bothschaffter vor= und angebracht hat; Wie nem⸗
lich die Ottomannische Pforte den jüngsthin zwischen beyden Rei⸗
chen geschlossenen Frieden unverbrüchlich zu halten sich angelegen
seyn lassen wolle.
Gleichwie nun allerhöchst=gedachte Kayserliche Majestät in
dem überreichten Schreiben sich allergnädigst ersehen werden; Also
verlassen
- 91 -
63
verlassen Sie sich allerdings auf die gethane Versicherung / und
werden Ihres allerhöchsten Orts auch darob seyn / damit ihre Un⸗
terthanen erst=besagtem Friedens=Schlusse genau nachleben / und
man beyderseits die Früchte desselben ruhig geniessen möge. Es ver⸗
bleiben anbey Ihre Kayserliche Majestät Ihm / Herrn Groß=
Bothschaffter / mit Kayserlichen Gnaden wol beygethan rc. Wel⸗
che Antwort der Marco Antonio auf Türckisch wiederholete.
Der Bothschaffter gab nach diesem in seiner Sprache / und der Dollmet⸗
scher auf Italiänisch / ferner zu erkennen / welcher gestalt der Groß Sultan
Seiner Kayserlichen Majestät auch einige Praesente überschickte / (wovon Er
die Liste bereit vorigen tages dem Kriegs=Praesidenten zustellen lassen / und wel⸗
che Ihre Majestät neben sich auf dem Tische liegen hatten) und hoffete Er /
Sie würden dieselbe nicht verschmähen / sondern als ein geringes Zeichen der
zwischen beyden Kaysern erneuerten Freundschafft annehmen; Worauf der
Chiaja Befehl gab / den mehrern Theil der Praesente anhero zu bringen / wel⸗
ches dann auch geschahe / und wurden Sie zu Ihrer Kayserl. Majestät Füssen
auf die Estrade nieder geleget. Es entstand aber bey hineintragung der Praesen⸗
te eine grosse Confusion unter denen Türcken / so draussen geblieben / und in⸗
dem ein jeder Ihre Kayserliche Majestät sehen wolte / so trangen sich nicht allein
die von der Türckischen Suite, denen es erlaubet war / sondern auch / wieder
expresse Ordre, des Bothschaffters Leib=Garde mit ihrem Gewehr / sambt
allen Janitscharen / mit solcher Gewalt und Ungestüm durch die Anticham⸗
bren, so bereit vorhin von der Noblesse angefüllet / nach dem Audientz=Gemach
zu / daß die Kayserliche Thürhüter nicht mehr capable waren / diß eindringen⸗
de Volck zurück zu halten.
Nach abgelegten Praesenten machte der Reichs=Vice=Cantzler noch ein
kurtz Dancksagungs=Compliment gegen den Bothschaffter / welches der Marco
Antonio Ihm auf Türckisch verdollmetschte. Letzlich hatten noch biß etwa
zwantzig vornehme Türcken die Gnade / Ihro Kayserlichen Majestät as un⸗
terste vom Mantel zu küssen; die übrige Bediente aber machten nur vor der
Bühne eine tieffe Reverentz: Worauf der Bothschaffter mit Widerholung
dreyer Reverentzen rückling seinen Abtritt nahm. Er wurde gleich wie bey dem
Eingange von niemand empfangen / also auch von niemand / als dem Kayser⸗
lichen Commissario, Graffen von Rappach / und dem Dollmetscher / zurück
begleitet. Für dem Wagen setzte Er den hohen weissen Turban ab / und nahm
seinen ordinairen Bund wieder. Der Zurück=March nach der Leopold=Stadt
geschahe in voriger Ordnung / und mit abermahliger Praesentirung deß Ge⸗
wehrs und Rührung des Spiels auf dem äussern grossen Burg=Platze.
Wie der Bothschaffter von Hoffe weggefahren war / ließ man die vier
Türckische Pferde nur von einem Kayserlichen Futtermeister unten im Platze
annehmen / an statt Anno 1665. die Pferde von dem Kayserlichen Ober=Be⸗
reiter übernommen worden; die Camele aber wurden in der alten Stallburg ab⸗
geladen / wohin man auch die Türcken mit denen Leoparden führete.
Von obgedachten sambtlichen Praesenten hat man nachhero die accurate
verzeichniß / so wie sie der Bothschaffter selbst vor der Audientz dem Kriegs=Prae⸗
siden-
Q 2
- 92 -
Verzeich⸗
niß der
Praesente
des Groß=
Sultans.
64
sidenten in Italiänischer Sprache zustellen lassen / erhalten / welche ins Teut⸗
sche übersetzet allhie billig platz findet:
Verzeichniß
Derer Praesenten, so der Groß=Sultan dem Glor⸗
würdigsten unter denen Christlichen Potentaten /
dem Römischen Kayser Leopold, in Freundschafft
übersandt.
-
In groß und kostbahres Gezelt / von künstlich=gestickter Arbeit / mit
allerhand=farbigen Blumen von Atlaß / und mit gezogenem Golde un⸗
vermenget. -
Ein grosser Reyer=Busch / mit weissen und rothen Schmeltzwerck / auch
mit 52. kleinen und grossen Diamanten versetzet. -
Ein güdener Zaum mit rothen und weissen Schmeltzwerck ausgezieret /
mit 531. kleinen und grossen Diamanten / und mit 338. Rubinen / nebst einen
Stirn=Riemen und Nasen=Gehencke; Ferner eine gedoppelte güldene Kette /
welche von dem Sattel des Pferdes biß zu dem Gebiß reichet / mit 3. güldenen
Knöpfen; Ein Gurt / so von Gold gemachet; Ein schlechter ohne Zierrath von
Gold verfertigter Zaum / das Pferd an der Hand zu führen; Alles dieses gehö⸗
ret zu obbesagtem Zaum / nach Türckischem Gebrauch. -
Ein paar güldene Steigbügel / mit 123. Diamanten und 204. Rubinen
versetzet. -
Eine Chaberaque, worauf 31. mit gezogenem Golde gearbeitete Blu⸗
men / in gestalt einer mit Rubinen und Smaragden versetzten Rose / zu sehen;
sie hatte einen Grund von Perlen und Smaragden / um und um hingen gestick⸗
te Quasten mit kleinen Perlen / und war mit gelben Atlas gefüttert. -
Eine grosse Streit=Kolbe oder Pusican, von Silber und Gold eingefloch⸗
ten / (des Divans Pusican genant;) mit 16. Rubinen und 25. Smaragden ver⸗
setzet / sambt einem Bande / welches mit Smaragden und Perlen auf rothen
Brocad gesticket ist. -
Ein roth Sammeter Sattel / mit Perlen / Smaragden und Gold=Fa⸗
den gesticket. -
Eine Unterdecke zum Sattel von Sammet / mit 3. Rosen von gezogenem
Golde gesticket. -
Eine Decke von Scharlach / welche den gantzen Sattel bedecket / mit
Blumenwerck von gezogenem Golde gesticket. -
Ein anderer Zaum von Golde / und dunckelblauen Schmeltzwerck / mit
112. grossen und kleinen Smaragden / und 351. Rubinen / sambt einem Nasen⸗
Gehencke / woran 49. Diamanten; Ein Stirn=Riemen; Ferner eine gedop⸗
pelte Kette / und 3. Knöpflein mit dem Gurt des Sattels / gleicher gestalt von
Gold gearbeitet; Die Schnur des Zaums auch von Gold gemacht; Ein schlech⸗
ter - 93 -
Der
Both⸗
schaffter
beschen⸗
ket auch
die übrige
Gnäd.
Herr⸗
schafft.
Siehet
eine präch
tige
Schlit⸗
tenfahrt /
65
ter ohne Zierrath von Gold verfertigter Zaum / das Pferd an der Hand zu
führen. Dieses alles gehört zu besagtem andern Sattel. - Ein paar Steigbügel von verguldtem Silber.
-
Eine Chaberaque von köstlichem Tuch / Paragone genant / mit 126. Ro⸗
sen von Perlen und Corallen gesticket. -
Ein Sattel von Silber / hinten und vorne mit Sammet überzogen / und
mit gezogenem Golde gesticket. Eine Unterdecke zum Sattel / von Sammet /
mit 3. gestickten Rosen von gezogenem Golde. -
Eine gleiche Decke / wie jene / von Scharlach / welche den gantzen Sat⸗
tel bedecket / mit Blumwerck von gezogenem Golde gesticket. - Ein Stück Ambra / welches 303. Miscalli oder 89. Loth wieget.
- Zehen Stück Bisam.
- Funffzehen Stück Bezoar.
- Zwey Stück golden Brocad.
- Zwey Stück roth Atlaß / mit Gold=Faden gestickt.
- Sechs Stück güldene Brocad / zu Constantinopel gemacht.
-
Vier andere Stück Brocad mit Gold=Faden / zu Constantinopel ge⸗
macht. - Zehen Stück subtiler Zeuge von Baumwoll / Due Zarchi genant.
- 35. Stück subtilen Catton / Kayser=Leinwand genant.
- 20. Stück subtilen Catton / mit Gold durchgewürcket.
- Vier Persianische Teppiche mit Blumwerck.
- Noch vier andere Teppiche.
-
Ein Isabell=Farbiges Pferd / aus Turcomannien, dessen Vater heist /
Hagi Oghlie, und die Mutter / Tasbas. -
Ein Fuchs=Farbiges Pferd aus Turcomannien / dessen Vater Mauhmu⸗
di, und die Mutter Zulfa. - Ein Pferd aus Beidelenghi, vom Geschlecht Azoudu, ist Isabell=Farb.
-
Ein braun Pferd aus Arabien / dessen Vater Hududi, und die Mutter
Silavi heissen. - Zwo Silberne Stall=Ketten zu den Pferden.
- Ein Silbern Geschirr / woraus man den Pferden zu trincken gibt.
-
Zween Leoparden / mit Decken von Persianischen Brocad und silbern
Ketten.
Den 7/17 Februarij schickte der Bothschaffter seinen Chiaja zu dem Fürsten
von Schwartzenberg / Ihrer Majestät der Kayserin Obristen Hoffmeister;
dann zu dem Fürsten von Salm / und Fürsten von Lobkowitz / des Königs und
der Königin Obrist=Hoffmeistere; und hernach auch zu dem Fürsten Anthon
von Lichtenstein / des Herrn Ertz=Hertzog Carls Durchl. Ajo, und liessen Ih⸗
ren Majestäten und einer Durchl. einige Praesente / wiewol nicht in des Sul⸗
tans / sondern in seinem eigenen Nahmen offeriren. In gleichem stellete der
Chiaja dem Fürsten von Schwartzenberg einige Praesente für die vier Ertz=
Hertzoginnen zu.
Eodem Nachmittags hielten des Römischen Königs Majestät eine
Schlittenfahrt durch die Stadt / welcher der Bothschaffter in des Kayser⸗
lichen Obrist=Kuchelmeisters / Grafen von Molars, Hause / auf einem Ercker
zusahe / und die Herrschafft im vorbeyfahren grüssete. Der Kriegs=Praesident,
Graf
R
- 94 -
Und Co⸗
mödie bey
Hoffe.
Der Bot⸗
schaffter
giebt dem
Kayserl.
Kriegs=
Praeside⸗
ten die er⸗
ste Visite.
66
Graf von Stahrenberg / ließ ihn allda mit allerhand Confituren und Raffrai⸗
chissements regaliren.
Zu Abends wohnete auch der Bothschaffter einer Comödie / so bey Hoffe
gespielet wurde / in einer Loge incognito bey / und bezeigte darüber viel Ver⸗
gnügen. Einige der vornehmsten Türckischen Bediente wurden in denen Privat-
Gesellschafften der Noblesse in der Stadt herum geführet.
Den 9/12 Februarij gab der Türckische Groß=Bothschaffter dem Kayserli⸗
chen Kriegs=Praesidenten / Herrn Ernst Rudiger, Graffen von Stahrenberg /
die erste Visite in seinem Hause / welche von einigen deswegen eine Audientz ge⸗
nennet wurde / weil man die Visite bey dem Groß=Vezier auch für eine Audientz
auszugeben pfleget.
Nachdem zu morgens die zu Wien ermahlen anwesende Kayserliche Ge⸗
nerals=Persohnen / Obristen und vornehmste Glieder des Hoff=Kriegs=Raths
sich bey dem Kriegs=Praesidenten eingefunden / umb Ihm en Hof zu vermehren /
schickte derselbe dem Bothschaffter eine seiner besten Carossen / mit 6. Pferden
bespannet / nebst einem Cortege von Laqueyen und Heyducken / hinauß in sein
Quartier / und kam er gegen Mittag mit einer ansehnlichen Suite also in die
Stadt gefahren: (1.) Ritte ein Kayserl. Wachtmeister=Lieutenant voran; (2.)
gieng eine zimliche Anzahl Türcken zu Fuß. (3.) Kam der Chiaja, Divan Ef⸗
tendi, Iman Effendi, und verschiedene andere vornehme Türckische Bediente /
zu Pferde / sambt ihrem Cortege. (4.) Die Alay Chiaus, mit ihren silbernen
Stäben / so für dasmahl zu Fuß giengen. (5.) Des Bothschaffters 6. Leib=
Laqueyen / Satir genant / in rothen sammeten Kleidern; Sie hatten kurtze
Hellebarten in der Hand / dicke güldene Ketten über der Schulter hangen /
und breite Gürtel von Massiv Golde um. Diesen folgete (6.) des Kriegs=Praesi⸗
denten Carosse, worin der Bothschaffter oben allein / und der Kayserl. Ober=
Dollmetscher gegen Ihn über saß. Vor dem Wagen giengen des Graffen von
Stahrenberg Laqueyen und Heyducken / und zu jeder Seite offt besagte 2.
Basi mit ihren weissen Mützen. (7.) Wurden drey des Bothschaffters Leib=
Pferde / aufs kostbahreste ausgerüstet / nachgeführet / und / eben wie bey der
Kayserlichen Audientz / wieder einige Stücke aus der Guarderobbe nach⸗
getragen; worauf (8.) die Janitscharen ohne Gewehr und Music giengen;
Nach welchen (9.) Abermahls einige Türcken ritten / und endlich (10.) Der Train
von etwa 30. Mann von der Stadt=Guarnison beschlossen wurde. Vor dem
Stahrenbergischen Pallast stand eine Corporalschafft in Gewehr / und in dem
Hauß / wohinein der Bothschaffter biß an die Stiege fuhr / waren Unter=Of⸗
ficiers mit einem Fendrich von der Stadt-Guarnison zu beyden seiten gestellet.
Beym absteigen empfingen den Bothschaffter des Kriegs-Praesidenten sämbt⸗
liche Hauß Bediente / da dann die Türckische Guarde das vorhin gemeldte / so wol
bey anlangen / als abfahren des Bothschaffters gewöhnliche Ehren=Geschrey
machte. Des Praesidenten Domestiquen gingen zu erst die Stiege hinauf / dann
der Bothschaffter assistiret von zween Türcken / so ihn unter die Arme fasse⸗
ten / welchem der Kayserliche Ober=Dollmetscher und die gantze Türckische
Suite nachfolgete. Für dem Saale und jeder Thür der Antichambren / deren
man drey zu passiren hatte / standen zwey Unter-Officiers mit kurtzem Ge⸗
wehr; An der letzten wurde der Bothschaffter von dem Kayserlichen ältesten
Hof=
- 95 -
67
Hof=Kriegs=Rathe und Commendanten zum Spielberg / Herrn Graffen
Philipp Christoph Breuner, empfangen / und in das Audientz=Gemach intro
duciret. Wie der Bothschaffter in die Thür trat / erhub sich der Kriegs=Praesi⸗
dent von seinem Stul / ging demselben 3. biß 4. Schritt entgegen / und grüssete
Ihn mit Berührung seines Huts. Er hatte ein sehr kostbahres Galla Mantel=
Kleid an / und eine hohe Spanische weisse Feder auf dem Hut. Der Both⸗
schaffter aber war in ordinairer / doch proprer Kleidung. Sie setzten sich beyde
für einen Alcoven, worin ein parade=Bette war / in zimlich weiter Distantz /
auf zwey gleiche Arm=Sessel von Massiv Silber; Es würde aber / nach Be⸗
schaffenheit des Zimmers / schwer zu sagen seyn / welcher von Ihnen die Ober⸗
hand gehabt / bevorab da bey den Türcken die lincke Hand für die vornehmste
gehalten wird. Zwischen Ihnen stand ein auch Massiv silberner Tisch / und war
der Bode / wo sie sassen / mit Türckischen Teppichen unterleget. Zu des
Kriegs=Praesidenten rechten Seite stand der Vice-Praesident, Herr Graf
Caprara; und zur lincken / die übrige Kayserliche Generalität alle mit ent⸗
blössetem Haubte. Der Ober=Dollmetscher blieb gleichfalls neben des Both⸗
schaffters Stule stehen. Weil es auch eine öffentliche Visite und jederman er⸗
laubet war / derselben bey zu wohnen / so pressirte sich die Türckische Suite dabey
über alle masse sehr / und schiene einer noch begieriger / als der andere / den Held zu
sehen / welcher Anno 1683. die Kayserliche Residentz=Stadt Wien gegen die
Türckische Belagerung / biß zu erfolgtem Entsatze / so tapfer defendiret / und
dadurch denen Kayserlichen Waffen zu so vielen Conqueten, mithin zu dem nun⸗
mehr mit der Pforte getroffenen glorieusen Frieden den Weg gebahnet
hätte.
Nachdem nun die Türckische Bediente ein Zeichen zur Attention gegeben /
fing der Bothschaffter in seiner Sprache an zu reden / und brachte das von dem
Sultan und Groß=Vezier aufhabende Compliment gar manierlich für / über⸗
reichte auch dem Kriegs=Praesidenten zugleich sein Creditiv. Der Ober=Doll⸗
metscher / Marco Antonio, widerholete den Inhalt dieses Vortrags auf Ita⸗
liänisch / ohngefehr darin bestehend:
Es hätte der Groß=Sultan
Ihm / dem Bothschaffter / anbe⸗
fohlen / nach genommener Audientz bey Ihro Kayserlichen Majestät /
auch zu dem Kriegs-Praesidenten zu gehen / demselben nebst Vermel⸗
dung seines Grusses das empfangene Schreiben zu eigenen Händen
zu überlieffern / und Ihn zu ersuchen / daß Er die gute Intelligentz
zwischen beyden Kaysern bestätigen / und ob der Conservation des zu
Carlowitz geschlossenen heiligen Friedens wolte halten helffen. Eine
gleiche Ordre hätte Er von dem Groß=Vezier, Ihn / den Kriegs=
Praesidenten / seiner Freundschafft zu versichern / und anbey zu bezei⸗
gen / daß gleich wie er nicht ermangeln würde / alle mögliche Sorg⸗
falt anzuwenden / damit das zwischen beyden Nächtigsten Kay⸗
sern / und Dero Reichen gestifftete gute Verständniß / mithin der Frie⸗
de in allen seinen Puncten und Clausuln beständig erhalten werde / so
hoffete und bäte Er / der Kriegs=Praesident wolte auch / seines ver⸗
mö=
R 2
- 96 -
Der Tür⸗
cken Ra⸗
mazan o⸗
der Faste
fallen ein
5. Haupt⸗
Puncte
Ihrer Re⸗
ligion:
1. Das
Waschen;
68
mögenden Orts nach / zu diesem Zwecke sein möglichstes beytra⸗
gen rc.
Der Kriegs=Praesident beantwortete diese Complimente / in Italiänischer
Sprache / mit vielen höfflichen Gegen=Versicherungen / welche der Bothschaff⸗
ter von dem Ober=Dollmetscher / wie dieser sie Ihm referirte / mit gar freundli⸗
chen Geberden annahm. In dem Verfolg des Discurses gab der Bothschaffter
zu erkennen / daß der Sultan / Sein Herr / dem Kriegs=Praesidenten auch
einige Praesenten / zum Zeichen der neuen Freundschafft und Friedens=Bestä⸗
tigung / überschickte / wofür derselbe sich gebührend bedanckte.
Wie der Bothschaffter Abschied nahm / begleitete Ihn der Kriegs=Prae⸗
sident wieder 3. biß 4. Schritt / und rührete den Hut ein wenig; die Stah⸗
renbergische Officiers aber gaben dem Bothschaffter wiederum das Geleite
gantz an den Wagen / und retirirten sich nicht eher / als biß er abgefahren war /
da dann die Türckische Garde ein nochmahliges Geschrey machte.
-
ZWey schöne Arabische Pferde / das eine wurde Ihm praesentiret / als
Kriegs=Praesidenten: das andere / als Commendanten der Stadt
Wien. - Zwey Stücke gülden Brocad / zu Constantinopel gearbeitet.
-
Zwölf Stücke von sehr feinem Leinwand oder Muschelin / Kayser=Lein⸗
wand genant. - Drey Bezoar=Steine.
- Zwey Stück Muscus.
- Ein schön Bade=Hembd / sambt dem Schnupftuche.
- Ein anders von gestreiffeter Leinwand.
- Ein schöner Teppich von Indianischer Arbeit.
SPECIFICATIO
Der Praesente / welche der Sultan dem Kriegs=
Praesidenten übersandt.
Jetzt gedachte Visite durffte deswegen nicht länger aufgeschoben bleiben /
weil selbigen Abends der Türcken grosse Fasten / Ramazan genant / anfingen /
binnen welcher Zeit sie keine Geschäffte treiben / auch alsdann am Türckischen
Hoffe selbst alle Negotia ruhen.
Dem geneigten Leser wird sonder Zweiffel nicht unangenehm seyn /
wann / bey Berührung dieser / der Türcken / Fasten / wir zufoderst von Ihrer
Religion in genere so viel anmercken / daß dieselbe in fünf Haupt=Puncten be⸗
ruhe: als da sind (1) das Waschen; (2) das Gebet; (3) Allmosen=geben; (4) die
Fasten / einen gantzen Monath durch / und celebrirung des darauf folgenden Bai⸗
rams=Festes; und (5) die alle Jahr anzustellende Wanderschafft nach Mecca.
Was das erste betrifft / so glauben die Türcken / daß das Wasser die Seele /
eben wie den Leib / reinige / und in dieser Betrachtung waschen Sie sich /
so offt Sie beten wollen / die Hände und Arme biß an den Ellebogen / hernach
die Stirn / Ohren / Zähne / das Gesicht und unterste der Nasen / umb für
GOtt desto reiner zu erscheinen. Sie waschen sich ferner / wann Sie ihre
Weiber
- 97 -
2. Das
Gebet;
3. Almo⸗
sen geben;
4. Fasten;
69
Weiber erkennet; Item / wann Sie von dem heimlichen Gemach kommen / zu⸗
mahlen Sie dafür halten / daß diese natürliche evacuation den Leib beflecke / und
daß Ihr guter Engel Sie so lang verlasse / biß Sie sich wider gewaschen; Wie
dann insonderheit lächerlich ist / daß / wann Sie auf die Commodität gehen / Sie
gemeiniglich den lincken Fuß / als von welcher Seite Ihnen das Böse herrühret /
voransetzen / gleich wie Sie es mit dem rechten / wann Sie davon wiederkom⸗
men / gleich also halten; Sie pflegen sich auch bey diesem officio domestico nur
der drey letztern Finger von der lincken Hand zu bedienen.
Die Türcken beten binnen 24. Stunden fünfmahl: erstlich / zwischen an⸗
brechendem Täge und Aufgang der Sonnen; dann zu Mittage; drittens / zwi⸗
schen Mittag und der Sonnen Untergang; viertens / gleich nach der Sonnen
Unter gang; und fünfftens um 1½ Uhr nach Mitternacht. Das Gebet ver⸗
richten Sie mit grossem Respect und solcher Devotion, daß Sie es auch vie⸗
len Christen darin zuvor thun. Sie können beten / an welchem Orte Sie
wollen / wofern Sie nur die gewöhnliche Gestus dabey machen. In Ihren
Moschéen siehet man weder Stuhl noch Banck / massen Sie vor sündlich ach⸗
ten / bey wehrendem Gebete sich an etwas / so zu der commodität dienet / zu leh⸗
nen; Sie stehen jedoch nicht auf blosser Erde / sondern auf untergelegten Tep⸗
pichen / legen den Säbel oder ander Gewehr so lang von sich / und ziehen die
Pantoffeln aus. Sie sehen anfangs mit dem Gesichte gegen Mittag / wo Mecca
lieget / kehren sich bald zur rechten und bald zur lincken Seite / Ihre Schutz=En⸗
gel zu grüssen / fallen dann auf die Knie / berühren mit der Stirn die Erde und
küssen sie / und dieses thun Sie zu verschiedenen mahlen. Der Pfaffe oder Geist⸗
liche stehet vor auf / und betet allein / die andre Türcken ber / so hinter Ihm
reyhen=weiß stehen / geben keinen Laut von sich; doch machen Sie die Submis⸗
siones alle zu gleicher Zeit. Das Gebet bestehet mehrentheils in dem Lobe Got⸗
tes / und Erzehlung dessen Attributorum: v. g. Du starcker GOtt; Du gütiger
GOtt; Du gerechter / allwissender GOtt rc. rc. dem Sie zuletzt ein Erbarm
Dich unser / nebst einem Wunsche für das Leben und Wolfahrt ihres Regenten
beyfügen. Viele Türcken führen einen Rosenkrantz / wornach Sie / wie die Ca⸗
tholische / beten.
Das Allmosen=geben ist bey denen Türcken zwar auch eine heilige und so
nöthige Sache / daß Sie / vermöge ihres Zacats / verbunden sind / den zehen⸗
den Pfenning von all ihrer Haab den Armen zu geben; Weilen aber diese Na⸗
tion sehr geitzig ist / und ein jeder fürchtet / es möchte auf solche Weise sein eigent⸗
liches Vermögen an den Tag kommen / so ist fast niemand / als der arme Mann /
welcher diesem Gesetze gebührend nachlebet.
Das Fasten ist ein nicht geringerer Articul des Mahometanischen Glau⸗
bens; wovon vornehmlich zu wissen / daß der Fasten=Monath / Ramazan, der
9. Monath des Türckischen Jahrs / dieses aber Lunaris und veränderlich ist.
Zwar bestehet dasselbe / wie bey den Christen / gemeiniglich aus 12. Monathen / hat
jedoch nur 354. Tage / 8. Stunden; und also 11. Tage weniger / als das Unsrige /
weßhalber Sie dann / um solches wieder einzubringen / alle 3. Jahre noch einen
Monath hinzuthun / den sie Embolum oder Additionem nennen / so daß das
dritte Jahr allemahl 13. Monathe hält. Sie fangen ihre Monathe von dem
Tage an zu rechnen / an welchem der Mond zu scheinen beginnet / welches der
Tag nach dem neuen Mond zu seyn pfleget / und die Nacht rechnen sie zu folgen⸗
S
dem
- 98 -
5. Bairam
und Reise
nach Mec⸗
ca; wovon
hernach.
Des
Both⸗
schaffters
Freyge⸗
bigkeit.
Ist bey
eine Ball.
Schicket
einen Ex⸗
pressen
nach Co⸗
stantino⸗
pel.
70
dem Tage. Diese veränderliche oder Lunarische Rechnung der Monathe ver⸗
uhrsachet / daß der Monath Ramazan durch alle Monathe unsers Jahrs lauf⸗
fen kan. Weil Mahomet diese Fasten selbst im andern Jahr seines Propheti⸗
schen Ambts eingesetzet / halten die Türcken dieselbe über alle massen heilig / und
glauben / daß / so lange Sie wehren / die Thür deß Paradises offen= und die Thore
der Höllen verschlossen stehen. Den gantzen Monath durch essen und trincken
sie von Aufgang der Sonnen biß zum Niedergang nicht das allergeringste / rau⸗
chen auch keinen Toback / welches denn um so viel beschwerlicher / absonderlich
denen armen Leuten / ist / so sich sauer ernehren müssen / wann der Ramazan in
langen heissen Sommertagen kömbt / und sie nicht einen tropfen Wassers zur Er⸗
quickung geniessen dörffen. Sie bringen also den Tag mehrentheils mit schlaffen zu /
des Nachts aber tractiren sie sich aufs beste / essen und trincken das Delicateste / so sie
für diese Fasten=Zeit zurück behalten haben; doch ist bekant / daß ihnen allezeit ver⸗
boten bleibet / Schweinen=Fleisch zu essen und Wein zu trincken / und wer binnen
denen Fasten dagegen handelte / beginge eine Sünde / so nimmer gnug könte gebüsset
werden. Bey ihren Weibern mögen sie auch nicht liegen / und halten sich sonsten
zimlich still.
Von dem Bairams=Feste und der jährlichen Reise nach Mecca wer⸗
den wir unten Gelegenheit haben / nöthigen Bericht zu erstatten.
Beregte Fasten nun / welche für dieses mahl auf den 9/19 Februarij fielen /
begieng der Türckische Bothschaffter mit seiner Suite auch zu Wien nach aller
Schuldigkeit / und gleichwie zu Constantinopel der Gebrauch ist / daß man
die Thürne der Moscheen mit vielen Lampen und allerhand brennenden Figuren
aufs schönste zu illuminiren pfleget / so zündeten die Türcken auch in ihren Häu⸗
sern so wol / als Höfen / Pechkräntze an / und hingen gleichfalls für allen Fen⸗
stern brennende Lampen auf.
Den 10/20 Februarij ließ der Bothschaffter auch die vier Kayserliche Hoff=
Aembter / als den Obristen Hoffmeister / Graffen von Harrach; den Obristen
Cammerherrn / Graffen von Waldstein; den Obristen Hoff=Marechal, Graf⸗
fen von Mansfeld / Fürst zu Fundi; und den Obristen Stallmeister / Graffen von
Dietrichstein; imgleichen auch den Reichs=Vice=Cantzler / Graffen von Kaunitz /
jeden mit einem schönen Arabischen Pferde / einem stücke Drap d’or, fünff stü⸗
cken fein Kayser=Leinwand oder Nesseltuch / ein wenig Muscus, zween Teppi⸗
chen / und mit zween Bezoar-Steinen beschencken.
Den 11/21 Februarij war ein grosses Festin und Ball bey dem Kriegs-Praesi⸗
denten / Graffen von Stahrenberg / wobey sich der Bothschaffter zu Abends
auf beschehene Einladung mit wenig Persohnen incognito einfand. Wie der⸗
selbe sich über die Anzahl der Damen und deren Reichthumb in Kleidern und Ge⸗
schmuck verwunderte / und der Kriegs=Praesident Ihn fragte: Was Ihn bey die⸗
sem Serail deuchte? gab Er zur Antwort: Eine solche Versamblung wäre das
Paradiß zu nennen.
Nach einigen Tagen schickte der Bothschaffter zweene seiner Leute auf
Constantinopel / und notificirte dabey die bey Ihro Kayserlichen Majestät ge⸗
habte Audientz / und dem Kriegs=Praesidenten gegebene erste Visite. Hingegen
langete ein Expresser von dort mit der Nachricht an / daß der Kayserliche Groß=
Bothschaffter / Graf von Oettingen / den 16. Februarij, und / welches merck⸗
würdig ist / an eben dem Tage seine erste Audientz bey dem Sultan zu Con⸗
stantinopel gehabt / an welchem Ihre Kayserliche Majestät sie dem Türckischen
Both=
- 99 -
Der Kay⸗
serl. Groß=
Both⸗
schaffter
hält seine
solennen
Einzug
zu Con⸗
stantino⸗
pel.
71
Bothschaffter zu Wien allergnädigst ertheilet / ohne daß desfalls vorhero etwas
wäre concertiret worden.
Der geneigte Leser wird sich sonder Zweifel gefallen lassen / daß wir / er⸗
meldten Groß=Bothschaffters solennen Einzug zu Constantinopel / und gehabte
erste Audientzen betreffend / eine aus verschiedenen damahls eingelauffenen
Journalen zusammen getragene ausführliche Relation allhie inseriren.
Umständliche
RELATION
Von des Kayserl. Groß=Bothschaffters / Herrn
Graffen von Oettingen Excellentz / gehaltenem Ein⸗
zuge zu Constantinopel / und wie Er seine Audientzen bey dem
Groß=Vezier und Groß=Sultan gehabt hat.
NAchdem des Herrn Graffen von Oettingen Excellentz den 5ten Februa=
rij mit Dero gantzem Gefolge zu Ponte picolo oder der kleinen Brü⸗
cke / so etwa 3. Stunde von Constantinopel lieget / glücklich angelan⸗
get waren / wurde der 8. Ejusdem zu dem solennen Einzuge bestimmet / und
dazu die Anstalt gemachet. Man schickte vor Tages die Bagage voran / Ihro
Excellentz aber brachen umb 8. Uhr von besagter kleinen Brücke / sambt allen
Cavallieren und Edelleuten / so sich in Galla gekleidet hatten / unter Begleitung
etwa 200. Janitscharen / auf. Wie die Gesandschafft ohngefehr anderthalb
Stunden von Constantinopel war / kam (1.) Der Spahisilar Aga oder Ge⸗
neral von der Cavallerie, (2.) Der Chiaus Bassa, Ober=Hoff=Marechal, und
(3.) Ein Capigi Bassa mit einem grossen Gefolge von Chiausen und andern be⸗
rittenen Türcken Deroselben entgegen / und wurde / nach beyderseitig=abge⸗
legten Complimenten / von denenselben in ein allda befindliches Hauß gefüh⸗
ret / und mit einer Türckischen Mahlzeit / so etwa eine halbe Stunde daurete /
bewirthet. Die Engell= und Holländische Ambassadeurs schickten einige
von Dero Bedienten dahin / umb den Kayserlichen Bothschaffter zu com⸗
plimentiren / sandten auch dabey ihre Hand=Pferde / umb den Einzug desto
ansehnlicher zu machen. Weit vor Constantinopel heraus sahe man eine unzehli⸗
ge Menge Türcken und andere Nationes, umb die Gesandtschafft zu sehen. Der
Einzug in die Stadt geschahe in das Adrianische Thor / unter Schall der
Trompeten / Paucken und Haubois, und wurde fast eben die March=Ordnung /
wie zu Wien und Belgrad / gehalten / ohne daß viele Chiausen denselben ver⸗
mehreten / so vor denen Cavallieren her ritten; Seine Excellentz wurden durch
obgemeldte drey Türckische Ministros begleitet / die Janitscharen marchirten
an beyden Seiten mit Gewehr / gleich wie dieselbe auf allen Gassen / so man
passirte, en haye postiret stunden / und alle Dächer mit Leuten angefüllet wa⸗
ren. Weilen es aber sehr mühsam würde gewesen seyn / den gantzen Train zu
embarquiren / und nach Pera, wo die Gesandschafft logiren solte / überzusetzen /
so muste dieselbe eine grosse Detour machen / umb eine Brücke zu passiren / so
daß sie erst Abends umb 7. Uhr / nachdem man 11. Stunde zu Pferde gesessen /
mit
S 2
- 100 -
Dessen
erste Au⸗
dienz bey
dem Groß=
Vezier.
72
mit Fackeln ins Quartier kam. Dieser Einzug soll der prächtigste gewesen seyn /
welchen die Kayserliche Bothschaffter jemahls zu Constantinopel gehalten / und
dem Groß=Sultan / der in einem Feld=Hause zugeschauet / sehr wol gefallen
haben. Noch diesen Abend und des folgenden Morgens wurden Seine Excel⸗
lentz von andern auswärtigen Gesandten complimentiret / und liessen ein glei⸗
ches an Dieselbe wieder thun. Der Groß=Vezier regalirte auch selbigen tages
Seine Excellentz mit allerhand Früchten und Blumen / welches die gewöhn⸗
liche Türckische Praesenten seynd; und weilen der Ramazan oder die Türckische
Fasten heran naheten / so wurden deßwegen die ersten Audientzen beschleuniget.
Den 13. hatte der Kayserliche Bothschaffter zu erst Audientz bey dem
Groß=Vezier. Man ritte biß an den Canal / welcher das Schwartze mit dem
Weissen Meer conjungiret / allwo sich die Gesandschafft in kleinen Schiffen
übersetzte. Ihre Excellentz wurden en passant von dem abgesetzten Fürsten
Constantin von Moldau in seinem Hause / wo vordem der Graff Leslie gewoh⸗
net / mit Caffè und andern Türckischen Tractamenten regaliret. Nach einer
kurtzen Unterredung / wie der Chiaus Bassa mit einigen Capizzi Bassen, id est,
Cammerherrn / und etwa 200. Janitscharen ankommen / umb die Gesandschafft
abzuholen / setzte sich alles zu Pferde / und wurde die Cavalcade, in der Ord⸗
nung / wie sonst / jedoch ohne Fahnen und Standarten / auch ohne klingende Mu⸗
sic, biß zu des Groß=Veziers Pallast continuiret. Die Cavalliers und Bedien⸗
te stiegen in dem Vorhoffe / der Bothschaffter aber nicht eher / als unten für
der Stiege / ab / allwo Er von des Mauro Cordato Sohn / und oben von ihm
selbst empfangen / und in das Audientz=Gemach geführet wurde. Weil der
Groß=Vezier noch nicht zugegen war / setzte sich der Bothschaffter wieder / ein
Moment aber darauf kam derselbe durch eine andere Thür / in Begleitung des
Reichs=Effendi, mit gantz langsamen Schritten herangetreten / da dann die
anwesende Türcken mit einem starcken Geschrey Ihn so wol / als den Bothschaff⸗
ter / bewillkommeten. Der Groß=Vezier, so einen breiten vierecketen Bund
auf dem Haupte hatte / setzte sich in ein Eck auf sein Polster Bette / der Both⸗
schaffter aber auf einen niedrigen Sessel ohne Lehnen / so daß Er den Rücken
nach der Thür kehrete; das Zimmer war voller Chiausen und anderer Türcki⸗
schen Officieren. Ihre Excellentz thaten den Vortrag in Lateinischer Spra⸗
che / und liessen das Kayserliche Creditiv-Schreiben durch Ihren Herrn Sohn
überreichen; dessen Inhalt sambt des Groß=Veziers Antwort der Mauro Cor⸗
dato, respective auf Türckisch und Italiänisch / interpretirte / versicherend /
daß die Pforte den Frieden auf die verabredete Zeit und Conditiones genau
observiren wolte; daß die Befehle wegen der Gräntz-Scheidung ertheilet wä⸗
ren / und sonder zweiffel ehistens würden vollzogen werden; was die Sclaven an⸗
langete / so würde man auch hierin gebührende Satisfaction geben. Hierauf
wurden die Kayserliche Geschencke überreichet / und indessen dem Bothschaff⸗
ter Caffè, Scherbet und Rauchwerck / aber sonst niemande / gegeben; Zuletzt em⸗
pfingen Ihre Excellentz noch einen Zobel=Peltz / und wurden auch unter die
Noblesse von Ihrer Hoffstatt Caftans ausgetheilet.
Nach geendigten diesen Ceremonien nahm der Bothschaffter seinen Ab⸗
schied; (wobey der Groß-Vezier nicht aufstand) und wurde von dem Mauro
Cordato begleitet; man repassirte den Canal, und kam die Gesandschafft Abends
um 5. Uhr in Ihr Quartier.
Von - 101 - Abbildung:
a Die Strasse.
b erstes Tohr
c Vorhoff.
d Arsenal.
e Ortte wo der Bothschaffter abstieg.
f Zweytes Tohr
g Zweyter Hoff
h Schüsseln mit ge⸗
kochten Reiß
i Ianizzaren.
k Ortte wo der Bothschaff⸗
ter empfangen worden
l der Divan.
m Ortte wo der Both⸗
schaffter niedersas.
n Cavaliers.
o Groß Veziers.
p übrige Veziers
q Gelt für die Ianit⸗
scharen
r Sultans Zimmer.
s Canzelley Zimmer.
t Ortte wo mann die
Caftane ausgetheilet
u die tritte Pforte
w das Kayser Thor
x der Bothschaffter mit dem Mauro Cordato.
y die Cavaliers.
z Sultan.
1 Groß Veziers.
2 übrige Veziers.
3 Gallerie.
4. Ortte wo der Bottschaffter nach der Audientz
stehen blieb, bis der Groß Vezier mit der gantzen türcke:
Suite fürbey pasiert war.
- 102 - - 103 -
Worauf
die bey de
Sultan
solennis⸗
sime fol⸗
get.
73
Von des Groß=Veziers Persohn / Hassan Bassa genannt / ist noch hinzu
zu thun / daß Er ein Mann von mittelmässiger Statur, eines freundlich= und
ernsthafften Angesichts ist / und dadurch bey jederman grosse Liebe und Lob er⸗
worben hat / daß er des geringsten Menschen Anliegen anhöret / und ihme Ge⸗
rechtigkeit widerfahren lässet. Auch kan dieses / als was extraordinaires / an⸗
gemercket werden / daß ein jedweder frembder Bothschaffter zu Constantinopel /
wann Er dem Groß=Vezier die erste Visite giebet / zugleich ein besonderes Cre⸗
ditif=Schreiben an Denselben mitbringen muß / und nach Uberliefferung dessen
an dem Türckischen Hoffe würcklich vor accreditiret gehalten wird / ohnerach⸗
tet Er die Audientz bey dem Sultan noch nicht gehabt. Und aus diesem Funda⸗
mento passiret der Frantzösische Marquis de Feriol für Seiner Christlichsten
Majestät würcklichen Ambassadeur bey der Pforte / und werden auch Confe⸗
rentzen mit Ihm gehalten.
Den 16. folgete darauf die Audientz bey dem Sultan. Morgens umb 7.
Uhr versamlete sich die gantze Suite für Sr. Excellentz Quartier, und liehen die
Englische und Holländische Ambassadeurs abermahls ihre Pferde mit reicher
Equipage her. Man passirte / wie neulich / den Canal wieder mit kleinen Bar⸗
quen / doch hielt man sich bey dem Fürsten von Moldau nicht auf / sondern setzte
sich die Gesandschafft alsobald zu Pferde / welche allda auf des Sultans Befehl
fertig stunden. Allhie war Seiner Excellentz ein Chiaus Bassa nebst einem
Capizi Bassa und 6. Chiausen entgegen kommen / um Dieselbe zu begleiten; Der
March geschahe in gewöhnlicher Ordnung / doch / wie bey dem Groß=Vezier,
in aller Stille / ohne Trompeten und Paucken; wurden auch weder Fahnen
noch Standarten geführet. Wie man in das Serail kam / ritte die Gesandschafft
von dem ersten Thore / so von Eisen war / über einen grossen Platz / zwischen
rangirten Janitscharen und einer grossen menge Volcks / biß an das andere
Thor. Hier muste alles / wie auch Seine Excellentz selbst / absteigen / und zu
Fuß hinein gehen. In diesem zweyten Hoffe sahe man zur rechten Hand über
1000. Janitscharen stehen / welche auf gegebenes Wort mit grosser Furie nach
dem gepflasterten Weg / den die Gesandschafft passirte / und mit Schrancken
vermachet war / zulieffen / um allda eine quantität Brods und Schüsseln mit
gekochtem Reiß / so auf der Erde nach der Reyhe hingesetzet waren / aufzuheben;
Ihre Excellentz musten / diese lächerliche und bey Publiquen Audientzen gewöhn⸗
liche Ceremonie mit anzusehen / etwas stille stehen. Indessen kam Ihro der
Capizilar Chihajasi oder Obrist Cämmerer nebst einigen andern Vornehmen / in
ihren Ceremonien=Habiten und lange silberne Stäbe tragend / womit sie auf die
Erde stiessen / entgegen / und begleiteten Sie nach dem Divan. Derselbe ist ein
nicht allzu grosser gewölbter Saal / unten an der Erde / worin Gerichte gehal⸗
ten wird; der Boden ist mit Tapeten beleget / und oben das Gewölbe vergül⸗
det / und mit Türckischen Buchstaben gezieret. Zur rechten Hand im hineinge⸗
hen ist noch ein dergleichen / jedoch kleinerer / Saal / so von jenem mit einem höl⸗
tzern Gitter unterschieden ist / wo die Unter=Bediente sitzen. Es durfften nur
die Cavalliers und Gentilhommes dem Bothschaffter in den Divan folgen / wel⸗
cher von dem Ober=Dollmetscher Mauro Cordato introduciret / und Ihm
sein Platz angewiesen wurde. Wie Seine Excellentz in den Divan kamen /
stund keiner von denen Türckischen Ministris auf / und wurde auch nichts gespro⸗
chen. Es waren allda drey mit reichem Gold=Brocad überzogene Bäncke. Der
Groß=
T
- 104 -
74
Groß=Vezier saß auf der mitlern / über dessen Haubte in der Mauer ein Fenster /
etwa zween Schuch breit / mit eisern Traillen versehen / war / wo der Sultan zu
sitzen / und / was in dem Divan fürgehet / mit anzusehen und anzuhören pfleget.
Zu des Groß=Veziers lincken Hand / so / wie bekant / bey denen Türcken die Vor⸗
nehmste ist / saß / nach etwas distance vor den Mufti, welcher nicht zugegen war /
der Rumeli Kadileskier, Groß=Richter in Europa; und dann der Anatoli Ka⸗
dileskier, Groß=Richter in Asien; welche beyde Turbanten von unförmlicher
Grösse auf hatten / dieser einen weissen / und jener einen Grünen / weil er von
deß Mahomets Geschlechte herstammen soll. Dem Groß=Vezier zur rechten
sassen (1) Kaimacan Hassan Pascia, erster Vezier, und Stadthalter zu Con⸗
stantinopel / des Sultans Schwager; (2) Jussuf Pascia, zweyter Vezier, und
Admiral über das Weisse und Schwartze Meer; (3) Osman Pascia, dritter Ve⸗
zier, und ebenfalls des Sultans Schwager. Auf der lincken Queer=Banck saß
der Teffterdar Effendi oder Groß=Schatzmeister / mit seinem Adjuncto; und
gegen über / auf der Banck rechterseits / der Nischauschi Pascia, vierter
Vezier, und neben Ihm der Kayserliche Bothschaffter / welcher also den
untersten Platz occupirte. Der Mauro Cordato und sein Sohn / auf wel⸗
chen die Succelsion dieses Ambts erblich fället / standen bey Seiner Excel⸗
lentz / und redeten mit Ihro; nahe beym Eingange aber / die Herrn Graf⸗
fen und Edelleute von Seiner Excellentz Gefolge. Wie nun alles in an⸗
geführter Ordnung war / kamen streitige Partheyen vor / denen ihr
Urtheil gesprochen wurde; der Groß=Vezier unterzeichnete es selbst / und
die Partheyen musten / nach kurtz geendigter ihrer Sache / sich wieder retiriren.
Nach diesem kam ein Effendi, und brachte eine Ordre von dem Groß=Sultan
an den Groß=Vezier / so in fein Leinen eingeschürtzet war. Der Groß=Vezier
und alle Anwesende stunden darbey auf / Er küssete und druckte solche Ordre
an seine Stirn / bevor er dieselbe öffnete / bückte und setzte sich nebst den andern
wieder nieder. Wie er die Ordre geöffnet hatte/ küssete er selbige abermahl auf
vorgemeldte Manier / stunde alsdann wiederum auf / bückte und setzte sich her⸗
nach wieder nieder / ließ dieselbe dem Teftedar communiciren und verlesen.
Nach solcher Verlesung wurde das Geld vor die Janitscharen in den Divan
getragen / und ordentlich auf die Erde in Beutel gelegt / allezeit 10. Beutel auf
einen Hauffen / deren man 205. zehlete / so zusammen 60000. Reichs=Thlr.
ausmachen. Nachgehends rangirten sich die Oda-Bassen, oder Capitains /
von der Thür an nach dem Platze zu / an der Zahl 35; die Sorbaschi aber oder
Obristen / deren 2. waren / kamen in den Divan, küsseten kniend den Saum
von des Groß=Veziers Peltze / und stelleten sich in die Ecke bey die Cavalliers /
ohnweit dem Teftedar. Hierauf wurden die Beutel laut abgezehlt / und an die
Thür getragen / woselbst sie von einem Zahlmeister angenommen und abermahl
laut denen Janitscharen-Officiers fürgezehlet wurden / welche selbige durch ei⸗
nige Janitscharen / so darzu bestellet waren / an die Ecke nach dem Platze zu hin⸗
werffen liessen. Soofft 25. Beutel abgezehlet waren / rieff der Zahlmeister den
Nahmen von der Compagnie, oder Oda, für welche es seyn solte; so kam solche
Oda in vollem Lauff gerennet / und nahm die Beutel weg / wobey sich die Janit⸗
scharen sehr stiessen / massen es demselben eine Ehre ist / so einen Beutel bekom⸗
men kan; Damit aber keine Desordre geschehe / gieng ihr Officier gleich hinzu /
und trieb die Streitigen mit dem Ermel seines Peltzes wieder zurück. Hernach
wurde
- 105 -
75
wurde eine andere Oda geruffen / und solches continuirte / biß sie alle bezahlet
waren. Nach den Janitscharen wurden die Artillerie= und Hoff=Bediente / als
Bostangi, (Gärtner) und Capigi, (Thürhüter) wie auch andere vornehme
Bediente bezahlet / so aber die Beutel im Divan empfingen / und nicht darum
lieffen. Wann einer sein Geld bekommen hatte vor seine Leute / gieng er zu dem
Groß=Vezier, küssete demselben kniend den Saum seines Rocks / und gieng
darauf lauffend / mehrentheils rücklings / hinauß / welches lauffen sie als ein
Zeichen der Vergnügung und Respects achten. Wie alles Geld ausgetheilet
war / wurde der Teppich aus dem Gemach genommen / worunter ein anderer /
noch sauberer / lag; gleich darauf brachten sie fünf runde Türckische Taffeln /
ohne Tischtuch / theils von Silber / theils von Metall / und versilbert / ohn⸗
gefehr 3. Schuh in Diametro groß / in den Divan, praesentirten Wasser an den
Groß=Vezier und Seine Excellentz zugleich / hernach auch an die andere Ve⸗
ziers und anwesende / welchen vorher Tücher auf den Schoß fürgeleget wur⸗
den / setzten darauf die erste Taffel vor den Groß=Vezier, welchem sich Seine
Excellentz allein gegen über setzten / auf kleine überzogene Stühle / weilen die
Taffel nicht auf der Erden / sondern etwas erhoben gestellet war. Die andere
Taffel wurde vor die beyde Cadeliskiers gesetzet / so auch allein dabey sassen; die
dritte vor den Kaimakan und andere beyde Veziers, wobey der Printz von Holl⸗
stein nebst 5. Graffen gesetzet wurde; die vierdte wurde vor den vierdten Vezier
gesetzt / und dazu einige Graffen und Cavalliers genöthiget; die fünffte stund
rechter Hand vor den Teftedar und den bey sich habenden Minister, wozu man
auch einige Graffen und Cavalliers invitirte. Die Übrigen von der Gesand⸗
schafft wurden draussen / unter der Gallerie, bewirthet / und in dem Neben=
Gemach die Chiaus und Capigi Bassa: die Speisen wurden eine nach der an⸗
dern / theils in verzinnten Kupfer / theils auch in irrdenen Geschirren aufgetra⸗
gen / und bald wieder abgenommen / auch stunden 6. Porcelan=Coupen mit
Cappern und dergleichen eingemachten Sachen auf der Taffel / so immer stehen
blieben. An statt der Messer wurden Löffel von Horn gegeben: der Speisen wur⸗
den biß 30. aufgetragen / welche anfangs in Fleisch / Hüner / Tauben und der⸗
gleichen bestunden / mit Rosinen und Mandeln gekocht / und sonst sehr bewür⸗
tzet; zuletzt aber kam Reiß / Nudeln / Gallarden / und dergleichen in grosser
Quantität. Zum Beschluß wurde eine kleinere Taffel mit 4. vergüldeten
Coupen auf die erste Taffel gesetzt / darin waren eingemachte Früchte / welche
in kaltem Zuckersafft schwummen; hiezu wurden grosse hörnerne Löffel gegeben /
auch etwas gebackenes von Torten aufgesetzt. Der Mauro Cordato wartete
allezeit / als Dollmetscher / stehend auf. Nachdem die Taffel auf gedachte Ma⸗
nier, ohngefehr eine halbe Stunde / gehalten / wurde selbige aufgehoben / und
abermahl Wasser zum Waschen praesentiret. Das Getränck bestund in ambrir⸗
ten Scherbeth. Nach geendigter Taffel wurde der Herr Bothschaffter in eine
Gallerie von Marmor= und Porphyrnen Säulen / allwo die eine Wand mit
schönen von Gold und Silber reich gestickten Tapeten behangen war / gefüh⸗
ret: hie wurden gegen hundert Caftans ausgetheilet; der für Seine Excellentz
war mit Zobeln gefüttert. Dieselbe setzten sich auf die daselbst befindliche
Banck / da inzwischen die beyde Cadeliskiers und der Groß=Vezier, nebst de⸗
nen andern Veziers und Ministers, so im Divan gewesen / und vor welchen
zween Chiaus Bassa mit grossen Silbern Stäben hergingen / und immer auf die
Erde
T 2
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76
Erde stiessen / sich nach des Kaysers Gemach begaben / da dann zu gleicher Zeit
die Kayserliche Praesenten / so bißher unter einer Gallerie exponirt gestanden /
auch hinein getragen wurden. Um eine kleine Zeit kamen 6. Capigi oder Thür⸗
hüter / und meldeten Seiner Excellentz / daß es Zeit zur Audientz seyn wür⸗
de; Worauf einige Capigi Bassa kamen / deren zween Seine Excellentz in die
Mitte nahmen / und selbige unter die Achseln haltend / nach dem Audientz=Ge⸗
mach / so mit weissen Beschnittenen bewahret war / zuführeten; die Cavalliers /
so mit zur Audientz kamen / wurden auch durch diese Chiausen beym Arm hi⸗
nein geführet. Die Gallerie, so man passiren muste / wie auch das Audientz=
Gemach / war mit den köstlichsten Teppichen / von Gold / Silber und Perlen
reichlich gestickt / so wol an dem Boden / als Wänden / bekleidet. Der Plat
Fond, oder die Decke des Gemachs / war auf Indianische Manier von aller⸗
hand=farbigen und güldenen Blumen oder Laubwerck ohne lebendige Figuren
künstlich gemahlet. Bey dem Eingang in das Audientz-Gemach machten Sei⸗
ne Excellentz / wie auch alle andere übrige Cavalliers (deren keiner Säbel
oder Seiten=Gewehr trug) eine sehr tieffe Haupt=Neigung / wozu die Chiau⸗
sen und Capigi Bassen gute Hülffe gaben. Der Sultan saß auf seinem Sopha
oder Thron / so ungefehr 3. Schuch hoch war / und in der Ecken gegen der rech⸗
ten Hand stunde. Er hatte grosse güldene mit Diamanten versetzte Knöpfe im
Peltze / und dergleichen sehr reiche Schleuffen drauf: Am Turban aber war
ein ungemein schönes Kleinod. Der Sopha war mit geschlagenem und vergulde⸗
tem Silber überzogen / und schimmerte von Jubelen; die Pölster waren mit
grossen Perlen gestickt / der Himmel ruhete an einem Ende auf einer nicht gar
starcken Säule / so mit Steinen besetzt war / wie auch der Camin. Oben an
dem Himmel hingen an jeder Seiten drey grosse güldene Kugeln / unten mit
güldenen und Perlen Quasten gezieret. Der Sultan hat ein bräunlicht Ge⸗
sicht / einen zimlich dick= und eingedruckten Halß / und siehet mehr in das Tarta⸗
rische / woraus Er gebohren / als Türckische Geschlecht. In der Hand hielt
Er ein Tüchlein / womit Er öffters den Bart und das Maul wischete; für Ihm
stund ein mit Diamanten reich versetztes Schreib-Kästlein; Summa, es war al⸗
lenthalben ein Schatz zu sehen. Der Groß=Vezier stund dem Kayser zur rech⸗
ten Hand / nahe beym Thron / die andern 6. Veziers aber neben der Wand in ei⸗
ner Reihe; Seine Excellentz stunden gegen der Ecke vom Thron über / und
thaten Ihre Rede in Lateinischer Sprache / so der Mauro Cordato, welchen
Seiner Excellentz zur Seiten war / so wol als des Groß=Veziers zurück ge⸗
gebene Antwort verdollmetschte. Der Inhalt war eine beyderseitige Versiche⸗
rung / den Frieden beständig zu halten / und die gefangene Sclaven zu dimit⸗
tiren. Bey der Rede und Antwort hatte der Sultan das Gesichte allezeit
nach dem Groß=Vezier gerichtet / und sahe den Bothschaffter nicht an. Wie
nun hierauf von dem Groß=Vezier ein Zeichen gegeben worden / überreichten
Seine Excellentz das Kayserliche Creditif-Schreiben in einem Beutel
von drap d’or dem Untersten Vezier, so daß dasselbe durch die Hände der 6.
Veziers an den Groß=Vezier kam / welcher es für den Sultan auf den Sopha
niederlegte. Hierauf beuhrlaubten sich Seine Excellentz mit zwey tieffen Re⸗
verentzen / und wurden zu Fuß an den Ort / wo Sie abgestiegen / wieder gefüh⸗
ret / da Sie sich wieder zu Pferde setzten / doch so lange halten blieben / biß die Ja⸗
nitscharen mit ihren Beuteln auf den Schultern aus dem Serail lauffend / wie
auch
- 107 -
Spiele
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- 109 -
Die Tür⸗
cken fey⸗
ren zu
Wien ihr
grosses
Bairams-
Fest;
Wobey
allerley
Spiele
vorgehen.
77
auch die gantze Hoffstatt biß auf den Groß=Vezier / der Seine Excellentz im
vorbeyreiten grüssete / abmarchiret war. Wie solches geschehen / folgeten Seine
Excellentz mit Dero Suite in der Ordnung / wie sie gekommen / wurden von
dem Chiaus Bassa biß in das Moldauische Palatium begleitet / und / da Sie abge⸗
stiegen / mit einer Collation von Confituren bewirthet. Nach diesem embarquirte
sich die Gesandschafft / über das Wasser zu setzen / stieg am Ufer bey Galata
wieder zu Pferde / und kam gegen Abend / nachdem man 7. Stunde mit dieser
Solennität zugebracht hatte / wieder in das Quartier.
Den 21. Martij endigte sich der Türcken Ramazan, und / wie bey uns Chri⸗
sten auf die Fasten Ostern folgen / so hub darauf Abends nach Erblickung des neuen
Mond=Lichts ihr so genandter grosser Bairam an. Dieses der Türcken Principalstes
Fest wird zu Constantinopel mit Lösung des groben Geschützes / und mit Trom⸗
peten und Trommelschlag auf allen Gassen der Stadt publiciret. So bald der
Tag anbricht / reitet der Sultan mit den vornehmsten Staats=Officieren in gros⸗
ser Pracht und Pomp nach der Mosquee, Sultan Achmet, und verrichtet
daselbst sein Morgen=Gebet. Wann Er in das Serail zurück kommen / leget
man bey Ihm wegen dieser Ferien die gewöhnliche Gratulationes ab; Die Veziers, Bassen und andere Grosse des Hoffes haben die Gnade / Ihm die Hand
zu küssen / und lässet Er hingegen dieselbe stattlich tractiren und beschencken. Die
Sultanen des alten Serails haben die Freyheit / zu denen Sultanen und Damen
des neuen Serails zu fahren / und sich untereinander zu erlustigen. Ermeldtes
Bairams=Fest wehret 3. Tage / da das Volck in der Stadt neue Kleider anleget /
und / ausser der zum Gebet bestimten Zeit / den gantzen Tag mit essen und trin⸗
cken / und allerhand öffentlichen Spielen und Täntzen zubringet / ohne einige
Arbeit zu verrichten.
Diese Gewonheit begieng nun der Türckische Bothschaffter auch zu Wien /
und ließ es an keinen Freuden=Bezeigungen ermangeln. Der Kriegs=Praesi⸗
dent schickte frühmorgens den Kayserlichen Ober=Dollmetscher / Marcum An⸗
tonium, mit einem Glückwünschungs Complimente über dem Bairam zu Ihm
hinaus; Der Bothschaffter vergönnete auch allen Bedienten seiner Hoff=
Statt (worunter die mehreste schöne neue Kleider von grün=und rothem Tu⸗
che anhatten) ja so gar den Janitscharen / einem nach dem andern / für Ihm
zu erscheinen / und Ihm die Hand oder den Rock zu küssen. Für denen Fenstern
des Türckischen Quartiers waren allerhand=färbige seidene Tücher / Decken
und Tieger=Häute aufgehangen; auf dem Platze aber vor dem Hause hatte
man bis an den Arm der Donau hohe Bäume und gewisse andere Machinen
aufrichten lassen / welche denen Türcken zu ihren Spielen und Ergetzlichkeiten
dienen solten. Zur rechten Seite war des Bothschaffters Zelt / auff einer zim⸗
lich hohen Bühne / und gegen über ein ander grosses Gezelt aufgeschlagen / wor⸗
unter die gantze Türckische Music auf einem niedrigen echaffaut sich befand.
Nach verrichtetem Gebet setzte sich der Bothschaffter zu Pferde / und rit⸗
te / mit einer grossen Suite umgeben / nach dem Schau=Platze / allwo Er sich
auf die Bühne verfügte / und auf ein allda zubereitetes Polsterbette niedersetzte /
um die Spiele mit anzusehen. Unten für derselben machten die Türcken einen
Creyß / in welchem die Alay Chiaus mit ihren silbernen Stäben an der lincken
Seite stunden. Zu erst hub die Music an / und nach einer geringen Weyle
wurde zu denen Spielen der Anfang gemacht. Dieselbe bestunden nun haupt=
U
sächlich
- 110 -
78
sächlich darin / daß die gemeine Türcken in denen 2. gegen einander aufgerichte⸗
ten hohen Bäumen sich mit Stricken hin und her in die Lufft schwungen; andere
sich in einer aufgehengten höltzernen Truge wiegeten; und wieder andere sich
wie in einem Rade herum dreheten. Die jenige / so andere in diesen plaisiren be⸗
dienten / liessen sich dafür von ihnen eine Kleinigkeit bezahlen / und invitirten
die Türcken die Christen / an solchen ihren divertissements Theil zu nehmen /
worzu sich auch der zuschauende Pöbel leicht überreden ließ.
Nach diesen geringen Spielen / machten die Janitscharen für des Both⸗
schaffters Bühne ein Exercitium, so in Türckischer Sprache so viel / als auf
Frantzösische / les forces d’Hercule, oder des Herculis Stärcke / genant wird / in⸗
dem 2. und 2. Janitscharen / welche biß auf die Hosen nackend waren / und den
gantzen Leib mit Oel beschmieret hatten / mit einander kämpfen und ringen
musten. Wann nun einer dem andern an Stärcke überlegen war / und ihn zu
Boden warff / schlugen die in einem Creyse herumstehende Türcken in die Hän⸗
de. Man führete auch den Uberwinder für die Bühne / allda er einen Sprung
an statt der Reverentz gegen den Bothschaffter machte; bißweilen rieff ihm
dieser gar zu sich hinauf / und beschenckte ihn. Ein ander Exercitium war / daß
2. Janitscharen den Kopf und die Arme bloß habend mit knotigten Stöcken
tapfer auf einander loß schlugen / und durch ihre Addresse die meisten Hiebe auf
einem runden ledernen Polster / als auf einem Schilde / auszunehmen und zu
pariren wusten. Die Täntze machten auch einen nicht geringen Theil ihrer Freu⸗
de / indem zweene Türcken in lächerlicher Kleidung / deren einer / so das Weib
imitirte / das Gesicht halb verbunden hatte / mit Castagnetten; und der an⸗
dere / in jeder Hand einen seidenen Tuch habend / gegen einander über tantzten /
und dabey allerhand närrische Posituren formirten; oder einer allein sich gerau⸗
me Zeit / wie ein Rad / mit grosser Geschwindigkeit herum drehete. Es tan⸗
tzeten auch einige Türcken mit blossen Säbeln / und thaten damit über den blos⸗
sen Köpfen und Armen viele künstliche Lufft=Streiche / ohne sich zu beschädigen.
Diesen Spielen und Täntzen / wobey die völlige Türckische Music stets
continuirte / sahe der Bothschaffter viele stunden lang zu / ließ auch das Curieu⸗
se Frauenzimmer aus der Stadt zu sich auf die Bühne führen / und neben sich
niedersitzen / ohne jedoch seiner Commodität oder gewöhnlichen Lebens=Art
etwas abzubrechen / massen Er dann in Gegenwart der Damen sich öffters die
Tobacks=Pfeiffe anzünden ließ / und dieselbe mit starckem rauchen von sich ent⸗
fernete.
Am dritten Tage ließ der Bothschaffter denen / so sich für andern wol ge⸗
halten hatten / Praesente / als Tuch zu neuen Kleidern / seidene Schnupftücher /
auch geschlachtete Schöpsen / so man an einer Linie aufgehencket sahe / und der⸗
gleichen; austheilen / und so offt Er aus seinem Hause nach dem Schau=Platze /
oder wieder zurück ritte / warf Er mit eigener Hand kleine Türckische Silber=
Müntze unter das Volck.
Sonst waren noch einige andere Boutiquen und Zelte in der Nähe aufge⸗
schlagen / worin die Türcken Caffé, Sorbeth, Toback / wie auch allerhand
Sorten ihres Confects an jederman um das Geld verkaufften.
Nach also geendigtem Bairam ließ sich der Bothschaffter mehr / als zuvor /
in publico sehen / und kamen auch verschiedene am Kayserlichen Hoffe sub⸗
sistirende
Fremde
Ministri
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79
sistirende frembde Gesandten / insonderheit der Frantzösische / Königliche En⸗
glische / Holländische / Pohlnische und Chur=Brandenburgische / nebst vielen
andern Cavalliers / aus Curiosität / Ihn zu besuchen / und sich mit Ihm zu un⸗
terhalten. Wann sonsten jemand sich bey dem Bothschaffter zur Visite ansagen
ließ / hatte man sich bey seinem Ober=Cämmerer zuforderst anzumelden / wel⸗
cher das Begehren dem Bothschaffter vortrug / und die Stunde zurück brachte.
An der äussersten Thür stund ein Thürhüter / mit einem dünnen Stecken in der
Hand / und nachdem der Frembde durch zwo mit Teppichen auf der Erden be⸗
legte Antichambren passiret / wurde Er von 2. Bedienten unter den Armen in
des Bothschaffters innerstes Zimmer hinein geführet. Dasselbe war in zween Thei⸗
le abgesondert: Der lincke Theil / so / wie öffters gemeldet / bey den Türcken
die vornehmste Seite ist / war ungefehr 3. Schuch von der Erde erhöhet / und
mit seidenen Madratzen bedecket / darauf rings an der Wand herum gestickete
Polster / und in jeder Ecke Zobel=Peltze von unterschiedlicher Couleur lagen /
weil der Bothschaffter bald in diese / bald in jene Ecke sich zu setzen pflegte. Für
den Fenstern herum stunden grosse silberne Schlag=Uhren / so theils von sich
selbst spieleten; zwischen denen Fenstern / an der Wand / war eine mit Glaß
überzogene Taffel aufgehencket / worauf man des jetzigen Groß=Sultans / sei⸗
nes Vaters und Groß=Vaters Nahmen in einem Chifre zusammen gezogen sahe.
Uber des Bothschaffters Kopfe hingen an der Wand über einen rohten Tuche / zwey
Röhre / zweene kostbahre Säbel / zwey Deschinken / ein Köcher zu denen
Pfeilen / und ein anderer zu dem Bogen / Türckische Dolche / Messer / nebst
anderm Gewehr / wie auch ein Evantail von Federn / und ein rother Roß-
Schweiff. Zu seiner rechten hatte Er ein hauffen Bücher liegen / neben diesen
stunde ein Tablet, worauf viel Pfeile und darbey die Bogen lagen.
Wann nun ein solcher vornehmer Cavallier zu Ihm in das Zimmer trat /
machte der Bothschaffter ihm eine freundliche Mine zu / und nöthigte ihn mit
einem Hand=Zeichen neben sich auf die Bühne zu sitzen / da ihm dann ein Tabou⸗
ret oder niedriger Stul ohne Lehne / an den Ecken mit Silber gesticket / gege⸗
ben wurde. Allernechst bey dem Bothschaffter stund sein Dollmetscher / ein jun⸗
ger Türcke / so allerhand Sprachen redte; dieser unterhielt zwischen beyder
Seiten den Discurs. Geringeren Persohnen wurde unten für der Bühne nur eine
Banck / mit Teppichen beleget / gesetzet / und hinter dieser stunden die Tür⸗
ckische Pagen. Das aus der Stadt kommende vornehme Frauenzimmer ließ
der Bassa gleichfalls zu sich auf die Bühne sitzen; Uber eine Weile wurde von des
Bothschaffters Leuten denen Frembden ein buntes seidenes Tuch auf den Schoß
fürgebreitet / und ihnen Caffè gereichet; welche Er auch distinguiren wolte /
denen ließ er zu gefallen seine Uhren ein und ander Lied schlagen / bißweilen
auch eine sanffte Cammer=Music von Flöten / einer kleinen Stock=Geige /
Hackebrete / Zimbeln und Tambour de Basque, oder kleinen Trummeln mit
Schellen machen.
Die jenige / welche sich mit dem Bothschaffter vertraulich unterhalten /
bekennen / daß Sie viele Vernunfft bey Ihm verspüret haben / wie er dann so
wol von Geist= als weltlichen Sachen allerhand curieuse Discurse selbst auf die
Bahn gebracht. Er hat gegen einige unter andern erwehnet / daß Sie / die
Türcken / auch an die Geschichte des alten Testaments glaubten; Item, das
Christus ein grosser Prophet / und Maria / seine Mutter / eine reine Jungfrau
wäre
U 2
besuchen
den Tür⸗
ckischen
Both⸗
schaffter
in seinem
Quartier.
Des Tür⸗
ckis. Bot⸗
schaffters
Klugheit
in Geist=
- 112 -
und welt⸗
liche Sa⸗
chen.
Seine er⸗
ste Con⸗
ferentz
bey dem
Kriegs=
Praeside⸗
ten.
80
wäre / welche in Ihrer Sprache durch ein besonderes Wort (gleichwie bey de⸗
nen Frantzosen durch das Wort Vierge) angedeutet würde; Sie glaubten auch
die zwölf Apostel. Die Existentiam Dei hat Er aus der Natur / und durch das
Exempel eines berühmten Meisters demonstriren wollen / welcher ein künstli⸗
ches Bild verfertiget / und als ein Einfältiger gefraget; Wer diß Bild gema⸗
chet? sey er auf den Künstler verwiesen worden; und wie er diesen gesehen
und gefraget: Wer denn ihn gemachet? habe er erkennet / daß ein Grösserer in der
Natur seyn müsse / der solche Dinge thun könne. Etlichen hat Er folgendes Rä⸗
tzel aufgegeben: Ich bin eher gebohren / als mein Vater / und habe eher die
Brüste gesogen / als meine Mutter; ich bin älter / als mein Groß=Vater / und
das dritte von der Welt hat mich erschlagen. Hiedurch hat Er den Abel andeu⸗
ten wollen.
Von weltlichen Dingen hat Er gleichfalls gar weißlich raisonniret / die
honneteté für andern Tugenden gelobet / und wann Ihn jemand über eine
Materie gefraget / hat Er so artig und prompte darauf geantwortet / daß man sich
verwundern und seinen lustigen Humeur darab wahrnehmen müssen. Wie ein
gewisser Cavallier von dem Bothschaffter seine Meinung über die Lebens=Art
des Teutschen Frauenzimmers / in specie zu Wien / zu wissen verlanget / soll
er repliciret haben / daß so viel Er davon annoch selbst gesehen / oder von andern
vernommen / Ihm dieselbe gar nicht anstünde; insonderheit mißfiele Ihm sehr /
daß die Männer ihren Weibern allzuviel Freyheit / mithin einen nicht geringen
Theil ihrer Autorität / einräumeten. Sie / die Türcken / hätten auch Weiber /
brauchten dieselbe aber nur dafür / wo Sie gut zu wären rc. rc.
Zu Ende des Martii wurden die Camele und Maulthiere der Türckischen
Ambassade aus der Leopold=Stadt nach Ungarisch=Altenburg geführet / aus
Ursachen / theils weil die Fourage allda besser / als zu Wien / zu bekommen / theils
weil der Bothschaffter dieselbe nicht mehr brauchte / sondern sie von da ehestens
nach Türckey zurück schicken wolte.
Den 11. Aprilis, als am ersten Ostertage / kam der Bothschaffter mit ei⸗
nem ansehnlichen Comitat in die Stadt / umb der an diesem Feste gewöhnlichen
Cavalcade des Kayserlichen Hoffes nach der St. Stephans Thumb=Kirche
zuzuschauen / wozu man Ihm dann die Commodität in einem gelegenen Hause
auf dem Kohlmarckt veranstaltet hatte.
Den 22. Aprilis hatte der Bothschaffter seine erste Conferentz bey Sei⸗
ner Excellentz dem Kayserlichen Kriegs=Praesidenten / Herrn Graffen von Stah⸗
renberg / und weilen Ihre Kayserliche Majestät den Marcum Antonium zu
Dero Hoff=Kriegs=Rathe allergnädigst benennet / so wurde dem Bothschaff⸗
ter der auch Kayserliche Ober=Dollmetscher / von Dalman / zugegeben. Sie
kamen beyde gegen Mittag in des Praesidenten Carosse mit 6. Pferden bespan⸗
net (als womit dieser den Bothschaffter allemahl bedienen lassen / wann er zu Ihm
kommen) gefahren. Die vornehmste Bediente waren zu Pferde / und beglei⸗
teten den Train 50. biß 60. Mann von denen für dem Türckischen Quartiere
stehenden Stadt=Soldaten.
Weilen der Kriegs=Praesident vom Podagra incommodiret war / lag er
gekleidet in einem Bette / für welchem ein vierecketer Tisch auf einem Türckischen
Teppich stund. Der Bothschaffter setzte sich gegen des Praesidenten Bette über /
an
- 113 -
81
an eine Seite allein / in einen fauteuil, und hinter Ihm oder etwas zur Seite der
Kayserliche Dollmetscher Dalman / so daß er jedoch nicht mit am Tische saß.
An der einen Queer=Seite nahm der Graf von Schlick, als zu diesen Confe⸗
rentzen gevollmächtigter Kayserlicher zweyter Commissarius, auch seinen
Platz allein auf einem Arm=Sessel; und an der andern / der Kayserliche Hoff=
Kriegs=Rath Till / welcher zu führung des Protocolls angesetzet war / wie auch
der Divan Effendi, als des Bothschaffters erster Secretarius. Diese hatten
nur Stühle mit Rück=Lehnen. Es waren anfangs viele von der Türckischen
Suite mit in das Conferentz=Zimmer gelauffen / so sich aber bald hernach wieder
retiriren musten. Der Bothschaffter brachte darauf seine aufhabende Commis⸗
sion in Türckischer Sprache für / welche hauptsächlich in der Bitte bestand /
daß der Kayserliche Hoff belieben möchte / was zu Erfüllung des Carlowitzischen
Friedens / und in specie, wegen Reglirung der Gräntzen und Auswechselung
der Gefangenen rückständig blieben / fordersamft zur Hand zu nehmen. Der
Kriegs=Praesident antwortete auf Italiänisch / daß Er nicht ermangeln wolte / zu
Ajoustirung obiger Puncte das seinige beytragen zu helffen rc. Der Bothschaff⸗
ter gieng in eben der Ordnung / wie Er gekommen / zurück / ausser daß Er nicht
wieder fuhr / sondern auf seinem eigenen Pferde nach Hauß ritte.
Nach einigen Tagen hatte ermeldter Bothschaffter die zweyte Conferentz
bey dem Kriegs=Praesidenten / welcher nicht eher von seinem Sessel aufstand /
als biß der Bothschaffter in die Thür des Zimmers trat / da Er dann sich entdeck⸗
te / und Ihm biß zu Ende des Teppichs / worauf der Tisch stand / entgegen gieng.
Sie satzten sich beyde auf gleiche Arm=Sessel gegen einander über / und bedeck⸗
ten sich; Mit der Begleitung wurde es / wie bey der ersten Visite, gehalten.
Man wolte sagen / der Bothschaffter hätte dieses mahl Ihrer Kayserlichen
Majestät Mediation und Officia zu Prolongirung des Stillstandes zwischen
der Pforte und dem Moscowitischen Czar requiriret.
Wie im Anfang des Maij der Hoff sich zu Laxenburg befand / und die
Kayserliche Ministri sich auf Ihren Gütern aufhielten / bediente sich der
Bothschaffter gleichfalls der angenehmen Frühlings=Zeit / indem Er nicht
allein öffters in dem nahe für der Stadt belegenen lustigen Holtze / der Prater
genant / spatzieren ritte / die Principaleste Garten in der Leopold-Stadt fleissig
besuchte / und allda zu Abends speisete / ondern auch zu verschiedenen mahlen mit
seiner gantzen Suite unter klingender Türckischen Music nach dem Königlichen
Lust=Hause Schönbrunn / item, nach dem so genanten Neuen=Gebäude rc.
sich begab / und daselbst den gantzen Tag passirte. Bey solchen Promenaden
machten die Türcken gewisse Exercitia zu Pferde und Fuß / umb dem Both⸗
schaffter ihre Addresse zu zeigen.
Indessen erhielt man auch folgende
Zweyte
Confe⸗
rentz.
der Both⸗
schaffter
machet
öfftere
prome⸗
naden.
CONTINUATION
Des Diarij, de dato Constantinopel /
den 22. biß 26. Martij 1700.
NAchdem sich der Türcken vorhin beschriebene Ramazan oder Fasten den
21. Martij endigten / geschahen des Abends viele Canon=Schüsse / aus
dem
X
- 114 -
Das Bai⸗
rams Fest
wird zu
Constan⸗
tinopel
celebri⸗
ret.
82
dem Serail so wol / als auf dem Canal / und wurden die Lampen von den
Thürnen der Moscheen hinweg gehoben / mithin allen Grossen der morgen
anhebende Bairam intimiret / bey dessen Celebrirung diese Solennitäten für⸗
giengen.
Frühmorgens waren alle Strassen voll Janitscharen / jedoch ohne Waf⸗
fen / welche sich zu beyden Seiten in Ordnung rangirten; worauf in der Mitte
die an diesem Feste gebräuchliche grosse Cavalcade nach der Moschée, Sultan
Achmet genant / geschahe / wie folget:
Es ritten zu erst viele Chiausen und Tschorbassen / dann die Cadi und
Gelehrte von ihrer Secte, der Chiaus Pascia, oder Ober=Hoff=Mare⸗
chal, Janitscharen Aga, ein jeder mit seinem Cortege in schönster Pa⸗
rade, ein Theil zu Pferd / und ein Theil zu Fusse / der General der Spa⸗
hi, welchen bey die 20. Tschorbassen zu Fuß mit ihren Federbüschen umga⸗
ben / der Hoff=Capellan / ein Capizi Pascia, mit den Eunuchen / der Bostan⸗
gi Pascia, dann wieder 40. Chiausen / die Officiers von der Artiglerie und
Jagd / die geheimen Secretarii, 28. Cammerherrn / zween und zween / in
schönen Cafftans, der Teffterdar und Reis Effendi, die 2. Groß=Richter in
Asia und Europa, mit ihren hohen grün und weissen Turbanen / die 6. übrige
Vezier, von einer grossen Anzahl Bedienten begleitet / der Groß=Vezier, des⸗
sen Leute in Scharlach gekleidet / und guldene Gürtel um hatten; zu beyden sei⸗
ten des Pferdes giengen 2. Tschorbassen zu Fuß beyher. Hierauf kamen etliche
Cammer=Bediente / und des Sultans Gardes, die so genante Fanti, eine Art
von Janitscharen / Bogen und Pfeile führend; Nach diesen folgeten die Leib=
Laqueyen / in gar Bizarrer Kleidung. Zwey Pferde di Rispetto für den Groß=
Vezier, und 10. andere für den Groß=Sultan; jene wurden von Stallknechten
zu Fuß; diese aber von andern zu Pferde geführet. Endlich ritte der Sultan
selbst auf einem gar raren Grau=Schimmel / an dessen Halse ein schwartzer Roß=
Schweiff hieng. Sein Ober=Rock war von drap d’argent, mit kostbahrem
Peltzwerck gefüttert; Sein Turban zwar klein / aber mit 3. Reyerbüschen und
einem grossen Reichthum von Jubelen gezieret; Um Ihn her gingen viele
Dscholaki, hohe und breite weisse Federbüsche auf ihren Bünden tragend. Hin⸗
ter Ihm ritten noch viele vornehme Herrn / und der Selictar, welcher des Sul⸗
tans Säbel / mit Diamanten versetzt / trug / und zuletzt folgeten noch die Mohren / Verschnittene und die gemeine Hoff=Bediente zu Pferde. Der Sultan
kehrete den Kopf bald zur rechten / bald zur lincken Seite / und schauete die Ja⸗
nitscharen an / welche hingegen sich tief neigeten / und dieser March ging in dem
höchsten Silentio von statten. Für der Thür der Moschée halffen der Groß=
Vezier und Janitscharen Aga dem Sultan vom Pferde steigen. Unter dem Ge⸗
bet (welches ohngefehr eine halbe Stunde daurete / und viele Türcken draus⸗
sen für der Kirche auf untergelegten Decken verrichteten / aus Ursach / weil
für der grossen Menge Volcks nicht jederman hinein kommen konte) liessen uns
die Türcken die kostbahre Sattel und Zeuge der Pferde / ihre Säbel / Pusicans,
so alle von Gold oder Silber mit Orientalischen Steinen besetzt schimmerten / in
der Nähe betrachten.
Nach geendigtem Gebet kehrete der Sultan in eben der Ordnung wieder
zurück / und hielt nicht allein mit dem Pferde / ohngefehr eine halbe viertel
Stunde / für dem Hause / wo der Kayserliche Bothschaffter mit seiner Noblesse
der
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83
der Cavalcade zuschauete / stille / sondern sahe auch nach denen Fenstern hinauf /
welches die Türcken vor eine besondere Distinction hielten. Er hatte auch im
zurück-passiren einen mit Peltzwerck gefütterten Rock von einem der draps d’or
an / welche unter andern Kayserlichen Praesenten Ihm der Groß=Bothschaffter
überbracht. Hinter Ihm warffen zween Türcken zu Pferde neu geschlagene
Silber=Müntze unter das Volck. Wie der Sultan in dem Serail wieder ange⸗
langet war / setzte Er sich auf seinen Thron / da dann die Vornehmste nach ein⸗
ander kamen / sich für Ihm zu demüthigen / und Ihm ein glückseliges Fest an⸗
zuwünschen. Die Söhne des Tartar Chams, welche sich allezeit als Geisseln
bey der Pforte befinden / machten den Anfang zu solchen Complimenten / de⸗
nen der Groß=Vezier, Mufti mit seiner gelehrten Bande, und so weiter mehr /
zuletzt aber der Janitscharen Aga folgeten. Sie wurden nach geendigter dieser
Ceremonie auf das herlichste in dem Divan tractiret / und viele ihrer mit
Zobel=Peltzen beschencket.
Als wir wieder über den Canal nach unserm Logiment fuhren / gescha⸗
hen / unter wehrender des Sultans Mahlzeit / in einer viertel Stunde über
tausend Canon=Schüsse / so wol von dem Serail, als von Scutari in Asia; item,
den gantzen Canal hinauf von allen Galeren / Kriegs= und andern zu Galata
stehenden Schiffen / welche Salve nach der Mahlzeit zum zweyten mahle wieder⸗
holet wurde.
Den 23. und 24. continuirten die Türcken / so alle in schönen neuen Klei⸗
dern daher giengen / das Fest mit spatziergehen, Music und andern dergleichen
Recreationen zu begehen / und hielt der Groß=Vezier zum Beschluß den letzten
Tag eine fast eben so ansehnliche / als des Sultans / Cavalcade nach der Mo⸗
schée, Job genant / unter Gefolge der mehresten Grossen des Hoffes / und et⸗
licher tausend Janitscharen; bey seiner Zurückkunfft wurde wiederum aus den
Gestücken continuirlich gefeuret. Welcher Solennität der Kayserliche Both⸗
schaffter nochmahls zusahe / und im Nahmen des Groß=Veziers ein Praesent von
Früchten und Confituren empfing. Ihro Excellentz giengen darauf auch die
Moschée zu besichtigen / worin die Ottomannische Kayser gekrönet werden.
Den 26. gab der Bothschaffter / mit zween Geistlichen und etlichen seiner
Officiers / dem Mufti, der Türcken Obristen Geistlichen und Gesetzausleger /
die Visite, welcher ein 80. jähriger / aber dabey so einfältiger Mann ist / daß
der Mühe nicht werth / von ihm ein mehres allhie hinzu zu thun / als daß man ihm
zuletzt das Kayserliche Geschenck überreichet. Imgleichen besuchten Ihro Ex⸗
cellentz nach etlichen Tagen auch den Caimakan oder Stadthalter zu Constan⸗
tinopel so des Sultans Schwager ist / und den Ruhm hat / einer der geschick⸗
testen Ministrorum bey der Pforte zu seyn. Er empfing nach einer kleinen Un⸗
terredung das Kayserliche Praesent; Wir aber wurden mit Caffé, Scherbeth
und andern Türckischen Delicatessen bewirthet.
UMb aber wiederum nacher Wien zurück zu kehren / so gab allda
Den 14. Maij der General=Feld=Zeugmeister / Graf Guido von Stah⸗
renberg / einigen Kayserl. Ministris und Generals=Persohnen ein herrliches
Tractament, wobey sich auch der Türckische Bothschaffter nebst etlichen seiner
vornehmsten Bedienten befand; Er bezeigte sich sehr lustig / und ließ sich die
Teutschen Speisen wol schmecken.
Den
X 2 - 116 -
Die Tür⸗
cken feyre
ihren klei⸗
nen Bai⸗
ram.
Der Kay=
serl. Hoff
siehet das
84
Den 30. Maij hatten die Türcken abermahl ein Fest / welches sie den kleinen
Bairam nenen / weil es 70. Tage nach vorgedachtem grossen Bairam einfällt / fast
auf die Art / wie die Italiäner das Pfingst=Fest Pasqua Rosata nennen / indem
es in dem Blumen= oder Rosen=Monath kombt. Einige halten dafür / es seye
dieses Fest zum Gedächtniß der Eroberung von Constantinopel / so Anno
1453. in denen Pfingst=Ferien / und zwar den 29. Maij geschehen / établiret
worden; doch hat der Bothschaffter von diesem Ursprung nichts wissen / oder
denselben lieber zu Wien dissimuliren wollen. Gedachter kleine Bairam nahm /
wie der grosse / seinen Anfang vorigen Abends / bey Erblickung des vollen
Mond=Lichts / und währete gleichfalls drey Tage nach einander / binnen welchen
für des Bothschaffters Quartiere die vorige Music / Spiele und Täntze wieder⸗
holet wurden / jedoch mit dem Unterschiede / daß der Bothschaffter nicht / wie
jenesmahl / selbst auf den Platz kam / sondern in einem für seinen Fenstern er⸗
baueten Ercker zusahe / allwo er auch die Damen und Cavalliers aus der Stadt
zum sitzen und zuschauen bedienen ließ.
Die vornehme Türcken machten bey diesem Fest in ihren Häusern eine
absonderlich grosse Profusion in Essen und Trincken / wie dann einige observi⸗
ret haben / daß nachdem sie von der Mahlzeit aufgestanden / ihre Bediente die
Bettel=Leute von der Gasse hereingeruffen / und die überbliebene Speisen ihnen
ausgetheilet / und was sie auf solche Weise nicht loß werden können / mit Füssen
zertreten haben.
Um diese Zeit kam ein Curier von Constantinopel / welcher unter andern
dem Bothschaffter allerhand schöne Türckische Tücher überbrachte / so dessen
Gemahlin der Kayserin und Königin Majestäten / wie auch denen Ertz=Her⸗
tzoginnen überschickte / welches Praesent von der Herrschafft gar gnädig aufge⸗
nommen wurde. Der Bothschaffter regalirte auch einige Hoff=Damen und
Minister-Frauen mit dergleichen Tüchern.
Hingegen schickte der Kayserliche Hoff einen Expressen auf Constantino⸗
pel / an den Kayserlichen Bothschaffter / mit neuer Instruction, die Croatische
Gräntz=Scheidung betreffend. Auch ließ man einige Türckische Sclaven / so
den Christlichen Glauben nicht annehmen wollen / die Donau hinab nach der
Türckey zurück schiffen.
Im Monath Junio fiel wenig veränderliches für / und continuirte der
Bothschaffter blosserdings die Promenaden nach Schönbrunn / dem Neuen=
Gebäude / und in denen anliegenden Garten / wie auch an dem Ufer der grossen
Donau / unter einem aufgeschlagenen Zelte / gegen Abend zu speisen. Imgleichen
wiederholten die Bediente ihre Spiele im Felde / und wie die Hitze zunahm /
legten sie an statt der Tüchenen / leichte Sommer=Kleider von seidenem Zeuge
oder weisser Türckischen Leinwand an.
Den 10. dito, am Fron=Leichnams Feste / kam der Bothschaffter früh=
Morgens in die Stadt / und sahe der grossen Procession, welcher der gantze Kay⸗
serliche Hoff mit beywohnte / in einem Hause auf dem Graben zu.
Den 24. Junij. am St. Johannis Feste / gieng Nachmittags die sämbtliche
Herrschafft in den so genanten Au=Garten / das von den Sultan überschickte
grosse Zelt / so allda aufgeschlagen war / zu besehen. Dasselbe ist eine schöne Ma-
chine,
- 117 -
85
chine; der Eingang / so viereckigt / wird von zwölff Säulen unterstützet / das
Corpus an sich selbst aber ist rund / und ruhet auf einer dergleichen blau und roth⸗
vermahlten gar starcken Säule; Auswendig hat das Gezelt einen Krantz / wel⸗
cher mit vielen verguldeten Knöpfen gezieret ist: So viel die Materie betrifft /
bestehet das auswendige nur in schlechter Leinwand / der inwendige Grund aber
ist von rothem Atlaß / worauff durch und durch allerhand-färbige von Taffend
geschnittene Blumen / nach einem sehr angenehmen Muster / auf die allerfei⸗
neste Türckische Art genehet / auch hie und da Rancken von Scoffio oder gezo⸗
genem Golde mit untermenget sind / so daß dieses Gezelt nicht so wol dem Werthe
an sich selbst nach / als wegen der daran geschehenen mühsamen Arbeit hoch zu
estimiren / massen dann von denen Türcken versichert werden wolte / daß
mehr als hundert Meister / und insgesambt fünffhundert Persohnen acht Mo⸗
nath lang beständig daran gearbeitet hätten. Ihro Kayserliche Majestät liessen
durch Dero Ober=Stallmeister denen Türckischen Bedienten / so das Zelt mit
aufrichten helffen / eine Discretion an Gelde und etliche Ungarische Ochsen rei⸗
chen. Weilen der Hoff das Türckische Quartier vorbey passiren muste / ließ der
Bothschaffter seine grosse Feld-Music hören / und machten die allda hauffen⸗
weise sich versamblete Türcken ihr gewöhnliches Ehren=Geschrey.
Den 29. Junij wurde zu Ehren Ihrer Majestät des Kaysers Geburts=
Tages auf dem Canal, in der Favorite, eine kleine Opera praesentiret / welcher
der Bothschaffter auf einem Balcon, mit rothem Tuche behangen / zusahe /
und ein besonders Wolgefallen darüber bezeigte. Der Kayserliche Commissa⸗
rius, Herr Graf von Rappach, und der Ober=Dollmetscher sassen neben Ihm;
Die übrige Persohnen von seinem Cortege warteten hinter Ihm stehend auf.
Nach Verlauff einiger Tage kam ein Chiaus von Constantinopel an / und
ließ darauf der Bothschaffter dem Kriegs=Praesidenten von einer Streitigkeit /
so zwischen des Graffen von Oettingen Bedienten und einigen vermessenen Tür⸗
cken / wegen etlicher sich salvirten gefangenen Christen fürgangen / Infor⸗
mation ertheilen / mithin versichern / daß die Rädels=Führer exemplariter
solten gestraffet werden.
Den 10. Julij gab der Wienerische Stadt=Magistrat dem Bothschaffter /
nebst denen Vornehmsten seiner Hoff=Statt / in einem Garten eine herrliche
Mahlzeit.
Den 15. Julij kam abermahl ein Expresser von dem Herrn Graffen
von Oettingen zu Wien an / und fügen wir einen Extract des dabey eingelauffe⸗
nen fernern Journals hiebey.
Constantinopel /
Vom 10. April biß 27. Junij 1700.
DEn 10. April, Sambstags für Ostern / empfingen des Kayserlichen
Herrn Bothschaffters Excellentz von denen fremden Ambassadeuren
die gebräuchliche Feyertags=Complimente / und liessen Sie dieselbe
deswegen durch ihre Bediente hinwieder felicitiren.
Den 11. als ersten Ostertag / wohneten Ihre Excellentz / mit denen Ca⸗
vallieren und dem mehrern Theil Ihrer Hoffstatt / dem Gottes=Dienste bey de⸗
nen
Y
Der
Both⸗
schaffter
wohnet
einer O⸗
pera bey.
Conti⸗
nuatio
Diarij
aus Con⸗
stantino⸗
pel.
- 118 -
86
nen P. P. Societatis Jesu zu Galata bey. Sonst passirte diesen und die 2. näch⸗
sten Tage über weiter nichts / so werth wäre zu berichten / als daß die Griechen
und Armenianer mit Uns Christen zugleich Ostern hielten; deren Devotion
darin bestehet / daß sie sich in grosser Menge auf ihren Kirch=Höfen versamlen /
bey den Gräbern ihrer Vorfahren Feure anzünden / heulen und schreyen /
auch so gar sich das Haar aus dem Kopfe rauffen. Ihre Geistliche gehen von ei⸗
nem Grabe zum andern / in der rechten Hand ein Buch / und in der lincken ein
Creutz haltend / denen das gemeine Volck hauffenweise folget / und ihnen das
Gebet für die Todten umbs Geld bezahlet.
Weilen auch ermeldte beyde Nationes (deren 300000. allhier seyn sollen /
und von dem Mauro Cordato protegiret werden) dem Sultan / Groß=Vezier
und Caimakan eine considerable Summe Geldes jährlich für die Permission
erlegen / daß sie an diesem Feste sich auf ihr bestes divertiren und lustig machen
dörffen / so waren an ermeldten dreyen Tagen alle Gassen der Vorstädte / Pera
und Galata, voller Griechen und Armenianer / welche vom Morgen biß A⸗
bend spieleten / tantzten / frassen und soffen / und allerhand andere ersinnliche
Debauchen verübten. Damit aber diese Freyheit ohne Unglück und Schaden
abgehen möchte / musten die Janitscharen mit Prügeln herum gehen / und des⸗
falls achtung haben.
Den 18. hielt der Pohlnische Bothschaffter mit grossem Pomp seinen so⸗
lennen Einzug allhie / und wurde deswegen von allen gebührend complimen⸗
tiret.
Den 21. reiseten die beyden Hrn. Graffen / von Kuffstein und Dietrich⸗
stein / nebst zween des Bothschaffters Edelleuten / nemlich dem von Gahlen /
und dem von Hillenbrand / mit einem Kriegs=Schiffe / Patrona genant / so
120. Stücke nebst anderer Munition gegen die Arabier führete / nach Jerusa⸗
lem.
Den 26. ließ der Kayserliche Bothschaffter nach dem Exempel seiner
Antecessoren / dem Groß=Herrn seine beste Carosse mit 6. Dänischen Häng⸗
sten praesentiren / welches Geschenck Demselben auch gar gefällig gewesen.
Den 29. Wurde der Kayserliche sambt denen beyden Englisch= und Hol⸗
ländischen Bothschafftern / auf Befehl des Sultans / von dem Groß=Vezier,
zwo Stunde von Constantinopel / in Asien in einem Lust=Hause / auf ein Tra⸗
ctament eingeladen; Wobey auch viele Vornehme des Türckischen Hoffes er⸗
schienen. Seine Excellentz liessen des Morgens ihren Leuten eine zu diesem Fe⸗
stin expresse verfertigte neue Liverey anlegen / und begaben sich mit der
gantzen Hoffstatt / in Galla gekleidet / an den Canal, allwo neben vie⸗
len Barquen grosse vergüldete und inwendig mit Persianischen Teppichen gezier⸗
te Galeren parat stunden; Die Kayserliche Bothschafft bedienete sich der er⸗
sten / woran dreyhundert an Ketten geschmiedete Sclaven arbeiteten; der
zweyten / der Englische; und der dritten / der Holländische Ambassadeur;
Jeder mit einem ansehnlichen Cortege. So bald man die Ruder in das Wasser
sincken ließ / wurde nicht allein aus denen Stücken der 3. Galeren / imgleichen
aus allen Schiffen / so in dem Hafen stunden / continuirlich Salve gegeben / son⸗
dern es liessen sich auch des Groß=Veziers Musicanten / welche in einer Gondo⸗
la nachfuhren / stets hören.
Wie
Des
Kayserl.
Both⸗
schaffters
Praesent
an den
Sultan;
Worauf
Er von
dem Groß-
Vezier
nebst dem
Englisch=
und Hol⸗
ländische
trefflich
tractiret
wird. - 119 -
87
Wie wir uns dem Bosphoro näherten / und zu denen kleinen Dardanellen
kamen / wo vordem der König aus Persien Darius mit einer Schiff=Brücke sei⸗
ne Trouppen nach Europa transportiret hat / wurden von denen zu beyden Sei⸗
ten belegenen Castellen die Stücke gelöset / und langeten wir nach ohngefehr ei⸗
ner Stunde bey ermeldtem Schlosse oder Lust=Hause an.
Weil man aber mit denen Galeren nicht gantz ans Ufer fahren
kunte / stiegen wir in kleine Chaluppen / und begaben uns damit ans Land.
Der Chiaus Baschi empfing die HHrn. Bothschaffter und introducirte
dieselben nach ihrem Rang in ein prächtiges Gemach / welches allenthalben ver⸗
güldet und mit den raresten Teppichen und Polstern ausgezieret war. In der
Mitte war ein von Alabaster künstlich gearbeiteter Spring=Brunne / und um⸗
her mit Blumen und Früchten besetzet. Mitlerweile wir nun alle diese An⸗
nehmlichkeiten betrachteten / kam der Groß=Vezier nebst dem Reis Effendi,
und noch 2. andern mit graviterischen Schritten in das Zimmer getreten; Je⸗
ner hatte einen Rosen=Krantz von grossen Perlen in der Hand. Sie setzten sich
zusammen nieder auf Polster / und nahmen einige Retraichissements zu sich.
Worauf man in dem nechst gelegenen Garten verschiedene Schau=Spiele vor⸗
stellete; Das Erste war / daß 15. Paar starcke Türcken / biß auf die Haut
ausgezogen und nur enge Hosen anhabend / welche gleich wie über den gantzen
Leib mit Oel beschmieret waren / mit einander rungen. Sie bücketen sich an⸗
fangs / und hielten die Köpfe / wie die Welsche=Hanen / eine Weile gegen einan⸗
der / um im ersten Angriff einigen Vortheil zu gewinnen / und / wann sie sich
einmahl recht gefasset / liessen sie nicht eher aus / biß einer auf den Rücken ge⸗
worffen wurde / wormit es jedoch öffters gar lange hergieng / und keiner dem an
dern an Stärcke überlegen war / so daß sie für Müdigkeit endlich beyde zugleich
niederfielen. Nach diesen kamen andere Partheyen herfür / welche mit Stöcken
scharff auf einander loß schlugen / und nur mit der lincken Hand die Schläge auf
einem runden ledern Küssen ausparirten / aber dabey gleichwol mannichen har⸗
ten Puff auf den blossen Kopf vorlieb nehmen musten. Diese wurden hinwieder
von andern abgelöset / welche ihre Stärcke dadurch admiriren machten / daß sie
Centner= und mehr schwere steinerne Kugeln mit einer Hand von der Erde
aufnahmen / und öffters um den Kopf und Leib schwungen / welches Exercitium
etliche mit blossen Füssen auf zweyschneidigen Säbeln verrichteten. Einer hatte
um die blossen Füsse lange scharffe Messer gebunden / und machte allerley ge⸗
fährliche Sprünge ohne sich zu verletzen. Zween alte Türcken tuncketen Baum⸗
wolle in Brandwein / zündeten selbige darauf an / und drucketen sie an den blos⸗
sen Leib / Arm und Hände / steckten sie endlich gar in den Mund / und löschten
es aus rc. Den Beschluß solcher Spiele / wobey die völlige Türckische Music
ohne Aufhören die Ohren füllete / machten die Taschen=Spieler und eine Ara⸗
bische Frau / so auf eine wunderliche Art sang und tantzete.
Nachmittags um 4. Uhr wurden die Praeparatoria zum Essen gemacht.
Man brachte ein rundes holes Tischblat von Silber in die Mitte des Zimmers /
und legte es ohne Teppich auf einen Fuß / etwa einer Spanne hoch von der Er⸗
de. Es wurden Löffel von Horn / aber weder Messer noch Gabeln / gegeben /
und an statt der Servietten ein langes weisses Tuch rund umb die Taffel gebreitet.
Der
Y 2
- 120 -
88
Der Kayserlich / Englisch= und Holländische Bothschaffter setzten sich nach Ihrem
Rang zu deß Groß=Veziers rechten / und der Reis Effendi mit dem Janitscha⸗
ren Effendi zu seiner lincken Hand. Die Cavalliers und Bediente von aller⸗
seits Ambassaden wurden in zweyen absonderlichen Gemächern auch aufs beste
tractiret. Man trug viele Speisen eine nach der andern auf / und ließ sie eben
so geschwinde wieder aufheben / welches uns dann auch um desto lieber war / als
wir an den meisten wegen überflüssiger Süssigkeit keinen Geschmack fanden / so
daß die Taffel in einer halben Stunde geschehen war. Der Tranck war Scher⸗
beth.
Das Fest endigte sich mit einer Cammer=Music von allerhand sanfftlauten⸗
den Instrumenten / und nachdem Ihre Excellentzen / jede noch mit einem Zobel=
Peltze beschencket worden / nahmen sie von dem Groß=Vezier abschied / welcher
nicht aufstand / der Reis Effendi aber nebst dem Chiaus Baschi begleitete dieselbe.
Wir repassirten / unter stetem Donnern der Canonen / den Canal / und ka⸗
men abends wieder glücklich in unserm Logiment an.
Den 30. April lief einer von unsern Edelleuten / ein gebohrner Sachse /
welcher sich für einen Baron von Schmid fälschlich ausgegeben / seine Frau zu Er⸗
furth sitzen lassen / und die Religion schon öffters changiret hatte / wegen vie⸗
ler Schulden aus Desperation zu denen Türcken über / und nahm den Maho⸗
metanischen Glauben an. Weil dieser Bösewicht GOtt und seiner Nation
untreu worden / und der Ehre nicht werth war / unter der Protection der Kay⸗
serlichen Ambassade zu stehen / so wolten des Herrn Bothschaffters Excellentz
ihn auch nicht reclamiren / sondern liessen es dabey bewenden.
Den 4. Maij hatte der Pohlnische Bothschaffter seine erste Audientz bey
dem Sultan / mit allen in dergleichen function gebräuchlichen Ceremonien.
Seine Praesente bestunden in silbernen Leuchtern / Uhren / einem künstlichen
Springbrunnen / etlichen Hunden mit silbernen Ketten / und dergleichen mehr.
Die Orationes, welche ermeldter Bothschaffter gegen den Groß=Vezier und
Sultan in Lateinischer Sprache gehalten / werden wegen der hochtraben⸗
den Expressionen hiernechst communiciret.
Einer vo
des Graf⸗
fen von
Oettingen
Edelleu⸗
ten laufft
zu den
Türcken
über.
Der Pol⸗
nische
Both⸗
schaffter
hat seine
erste
Audientz
bey dem
Sultan.
ORATIO
Legati Poloniae coram M. Vezirio.
SAcra Regia Poloniarum Majestas, Dominus meus Cle⸗
mentissimus, & Serenissima Respublica suam Celsitu⸗
dinem, Supremum Vezirium, per me, Extraordinarium
Legatum, peramice dum salutat, faustum & longaevum
apprecatur imperium. Post perpetuam & irrevocabilem
Pacem veteri usu & exemplis se constringere injuriosum
strictiori amicitiae putat, ut amicus fulgidissimae Portae
non disputat, sed provocat, stricta amicitia ut recens sem⸗
per
- 121 -
89
per splendeat, optat, néve ad rubiginem revocetur, novis
argumentis ab utraq; parte semper poliendam & perpetui⸗
tate distinguendam sine ulla comparatione (quae semper in⸗
juriosa) censuit. Quae omnia dum per Literas Serenissimi
& Potentissimi Regis mei testificantur, expecto audientiam
Serenissimi & Potentissimi Imperatoris, post quam, in
rebus agendis Conferentiam, quae amicitiarum funda⸗
mentum & pabulum est.
ORATIO
Legati Poloniae coram Sultano.
NOn ego optimae rerum pacis Serenissimi & Potentissi⸗
mi Augusti II. Poloniarum Regis, Domini mei Clemen⸗
tissimi, & Reipublicae Magnique Ducatus Lithuaniae Le⸗
gatus, (haec enim jam stabilis, firma, conclusa & irrevoca⸗
bilis) sed felix provenientis à pace dulcedinis Minister argu⸗
menta fero, non tam nos pacis illicijs trahi, quam sincerae
amicitiae post pacem documentis & emolumentis erga Im⸗
peratoriam Majestatem Tuam aemulari. Venio profun⸗
dissimo affectu in Majestate Tua Orientis veneraturus ali⸗
um, rem non verba candidi pectoris Serenissimi Regis, mei
Domini Clementissimi & Potentissimi, & Reipublicae ex⸗
plicaturus, cum plena à Sereniſſima Majeſtate Tua spe,
non permissuram fulgidissimam Portam Ottomannicam,
his se sincerae devotionis officijs vinci, sed pari bonitate
certaturam. Quod ut facilius elucescat, cum debita Se⸗
renissimae Majestatis Vestra veneratione mandatum ex⸗
pecto, an ut nunc edisseram, an ut Celsissimo Supremo Ve⸗
zirio deferam.
Den 6. Maij
gab der Kayserliche Bothschaffter dem Pohlnischen eine so
⸗
lenne Visite, und
wurde für dem Frantzösischen Marquis de
Feriol dazu admit
⸗
tiret / ohnerachtet
dieser mit vieler Hefftigkeit dagegen vorgestellet hatte / daß
nachdem Sein König bey der Pforte / mithin in gantz Orient / für einen Pa
⸗
dicha, i. e. Kayser
und Mächtigsten Fürsten unter den Christlichen Potentaten
gehalten würde / so praetendirte Er / der
Ambassadeur, mit dem Römischen
Kayserlichen allhie gleiche Ehre /
und solches um so viel mehr / weil Er zu erst bey
dem Ottomann. Hofe angelanget wäre. Es
dienet allhie zu wissen / daß alle Catho
⸗
lische
Z
- 122 -
Dem
Sultan
wird ein
Printz ge
⸗
bohren.
Nachricht
von den so
genanten
7. Thür
⸗
nen.
90
lische Christen in gantz Orient unter Ihrer
Königlichen Majestät von Franck
⸗
reich
Protection stehen / und Diese dahero sich den Titul eines Imperatoris Fran
⸗
corum zugeeignet /
und biß dato von der Pforte selbst erhalten haben.
Ehe wir noch nach Hause kehreten / giengen wir mit Ihro Excellentz des
Selim Amuraths prächtige Mausolea und den Tempel Sophiae zu besehen / des⸗
sen Marmorsteinerne und Porphyrne Säulen / wie auch anderer inwendiger
Reichthum / zwar unser aller Admiration an sich gezogen / dabey aber eine hertz⸗
liche Betrübniß in uns erwecket / daß in diesem Tempel / welchen der Kayser
Constantinus zu seiner Zeit gerühmet hat / daß er den Tempel zu Jerusalem
an Schönheit übertroffen / wir nicht das geringste Vestigium des Christen⸗
thumbs mehr erkennen können.
Den 12. kam der Pohlnische Bothschaffter / den Kayserlichen wieder zu
besuchen.
Den 13. ließ der Groß=Vezier den Kayserlichen Bothschaffter um seine
Musicanten ansprechen / und führete dieselbe mit sich nach einem Lust=Hause /
allwo er die beyden Richter in Asia und Europa tractirte / und wobey der Sultan
selbst sich sol incognito befunden haben. Sie kamen mit 2. Beuteln / jeder von 500.
Reichsthler / beschencket wieder zurück.
Den 16. wurde dem Sultan ein Printz gebohren / weswegen drey Tage
nach einander unzehlich viele Canon=Schüsse auf dem Canal geschahen / und
Feuer=Wercke angezündet wurden. Der Chiaus, der dem Bothschaffter er⸗
meldte Geburt notificirte / wurde zur Taffel behalten / und mit einem silbernen
Degen beschencket. Hingegen
Starb den 25. dito Herr Graff Adolph von Sintzendorff / zu grossem
Leyd=Wesen der gantzen Kayserlichen Ambassade. Seine Intestina wurden zu
Galata in der Dominicaner Kirche ohne Ceremonien begraben / der Cörper
aber balsamiret / umb nach Inhalt seines letztern Willens / bey ehister Gelegen⸗
heit nach Teutschland abgeschicket zu werden.
Den 28. giengen einige von der Hoffstatt die 7. Thürne / das in Europa
gnugsam bekandte Gefängniß / worin so viele brave Kayserliche Officiers ge⸗
raume Jahre zubringen müssen / zu beschauen. Von diesem Schlosse ist vornehm⸗
lich zu wissen / daß es am Ende des Propontidis, da die Stadt Constantinopel
zu Wasser und Lande kan attaquiret werden / lieget / nicht aber expressè zu ei⸗
nem Gefängniß für die Feinde der Pforte gebauet ist / (massen die Türckische
Nation gleich mit der Execution gegen die Missethäter zu verfahren pfleget)
sondern weil sie keinen sicherern / als diesen Ort haben / die Christliche Gefan⸗
gene zu bewahren / welche sie zu einer härtern Straffe / als dem Tode oder der
Dienstbarkeit / verdammen. Ermeldtes Schloß hat nur einen Eingang gegen
die Stadt=Seite zu / die Gemächer sind gewölbet / einem Keller nicht ungleich /
und kömbt fast kein Tages=Licht hinein. Im übrigen sahen wir allhier weiter
nichts merckwürdiges / als daß die jenige / so durch den Frieden aus diesem Ge⸗
fängniß erlöset worden / zum ewigen Gedächtniß ihre Namen in Marmor ge⸗
graben hinterlassen hatten.
Den 30. celebrirten die Türcken ihren Atschi oder kleinen Bairam, da⸗
hero wir abermahls / des Sultans Cavalcade nach der Kirche mit anzusehen /
uns nach Constantinopel verfügeten / welche dann nicht weniger pompos, als
die
- 123 -
91
die am grossen Bairam, war / auch das Volck sich wieder drey Tage nach ein⸗
ander mit Spielen erlustigte.
Den 3. Junij fuhr der Sultan unter starckem Donnern der Stücke nach
einem in Asien ober Scutari gelegenen Serail. Der Kayserliche Bothschaffter
aber bestieg mit einigen Cavallieren ein Schiff / und fuhr über das Schwartze
Meer nacher Chalcedonia, welches von dem allgemeinen Concilio berühmet
ist / und nachdem wir allda die Griechische Kirche in Augenschein genommen /
sind wir weiter auf dem Weissen Meer
Gemeint ist wahrscheinlich das Marmarameer. in Asien hinauf geschiffet / um ein Lust=
Hauß und Garten zu besehen / worin der Sultan Amurath vormahls öffters
heimlich sich in Wein vollzusauffen pflegen / dahero er den Nahmen: Des Amu⸗
raths Wirthshauß; bekommen.
Den 8. hatten wir mit dem Frantzösischen Bothschaffter eine zimliche Ver⸗
drießlichkeit / indem derselbe Repressalien gegen Uns gebrauchte / und einige
Seiner Excellentz Leute von der Gasse wegnehmen ließ / aus Ursache / weil wir
ohnlängst drey Frantzösische Soldaten / welche in Kayserlichen Diensten unter
dem Nehmischen Regiment gestanden / und in dem Ungarischen Kriege deserti⸗
ret / jetzo aber unter ermeldten Frantzosischen Bothschaffters Protection zu ste⸗
hen fürgaben / angehalten hatten. Es wurde aber die Sach durch Vermitte⸗
lung der Englisch= und Holländischen Ambassadeurs dahin beygeleget / daß bey⸗
derseitige arrestirte wieder loß= und auf freyen Fuß gelassen wurden.
Den 12. wolte der Kayserliche Bothschaffter/ der allhier alle Actus der
Civil und Criminal Jurisdiction zu exerciren hat / einen Kerl enthaubten las⸗
sen / welcher in unserm Hause bey nächtlicher Zeit einen Kauffmannsdiener fast
ermordet / und ihm etliche Stiche in den Kopf und Halß gegeben hatte: Er er⸗
hielt aber auf gewisse Fürbitte in so weit Pardon, daß er zehen Jahr auf die Ve⸗
netianische Galeren condemniret wurde.
Den 27. wurden die nach und nach durch vielfältige Sorg und Mühe des
Hrn. Graffen Carl Ludwig von Sintzendorff erlösete Christliche Sclaven / an
der Zahl 375. Mann und Weibs=Persohnen / unter Commando eines Offi⸗
ciers / in dem Port eingeschiffet / umb die Donau hinauf / und dann zu Lande
durch die Wallachey und Siebenbürgen nacher Ungarn und Teutschland zu⸗
rück geführet zu werden; bey welcher Gelegenheit auch der Cörper des seeligen
Hrn. Graffen von Sintzendorff mit nacher Wien geschicket wurde.
WIr kehren gleichfalls mit unserer Relation dahin wieder zurück / und se⸗
hen / wie des Römis. Königs Majestät mit einigen Dero Cammerherrn
Den 24. Julij ein Turnier in dem Garten der Favorite halten / welchem auch
der Türckische Bothschaffter auf einem nahe bey dem Kayserlichen Gerüste auf⸗
gerichteten Balcon zusahe; der Kayserliche Commissarius, Graf von Rap⸗
pach / und der Ober=Dollmetscher bedieneten Ihn / wie sonst.
Den 25. ließ der Bothschaffter einen Türcken / welcher sich voll gesoffen /
und einige andere Excessen begangen / ohnweit seines Hauses an einen Baum auf⸗
hencken / und zum Zeichen seines Verbrechens ihm eine Flasche mit Wein an den
Halß binden; imgleichen zween andern / so in dem Königlichen Lust=Garten zu
Schönbrunn wieder Verbot Obst abgebrochen / jedem 100. Prügelstreiche un⸗
ter die Fußsohlen geben; worab dann erhellet / daß der Bothschaffter die völlige
Juris-
Z 2
Der Fran⸗
tzösische
brauchet
gegen den
Kayserl.
Both⸗
schaffter
Repressa⸗
lien.
Der Tür⸗
ckische
Both⸗
schaffter
lässet ei⸗
nen Kerl
aufhecke;
- 124 -
92
Jurisdiction über seine Leute zu Wien / gleichwie der Graf von Oettingen zu
Constantinopel über die Seinige / hatte.
Den 26. Julij, an des Römischen Königs Geburts=Tage / wurde der
Bothschaffter bey dem Kriegs=Praesidenten / Graffen von Stahrenberg / in
seinem Garten / und des folgenden Tages von der Königin Obristen Hoffmeister /
Fürsten von Lobkowiz, mit einer stattlichen Mahlzeit regaliret.
Den 28. Julij kamen einige von des Bothschaffters Suite zu denen Kayser⸗
lichen Edel=Knaben in die alte Stalburg / um ihre Exercitia in Fechten / voltigi⸗
ren / mit der Pique spielen / Fahnen=schwingen / und dergleichen / zu sehen / da
sie dann über dieser jungen Edel-Leute Addresse sich sehr verwunderten / und die⸗
selbe hinwieder zu sich luden.
Den 3. Augusti begab sich der Bothschaffter früh morgens / unter klingen⸗
der Music / nach des Fürsten von Lobkowiz Garten / und ließ in dessen Reit⸗
schule das Dardiren zu Pferde / wie auch das vorgemeldte Combat d’Hercule
oder Ringen von nackenden Janitscharen wiederholen; und weil eben des Rö⸗
mischen Königs Majestät / von der Jagd zurück kommend / den Garten vorbey
passirten / so stiegen Sie ab / und kamen solche Spiele incognito mit anzusehen.
Den 15. Augusti langeten des Jungen Printzen von Holstein=Ploen Durchl.
von Constantinopel zu Wien an / und erhielt man zugleichbey einem Expressen von
dem Kayserl. Bothschaffter die Nachricht / daß nunmehro der Stillstand zwischen
Moscau und der Pforte auf 30. Jahr dahin würcklich geschlossen / daß die Mosco⸗
witer nit allein die 3. am Borysthene erbauete Festungen / nemlich Assoph, in statu
quo, Towan und Kasikermen aber mit rafirten Fortificationen behalten / son⸗
dern auch das verlangte freye Commercium auf dem Schwartzen Meer exer⸗
ciren / und entweder ohne Kriegs=Schiffe / oder mit 6. Kriegs=Schiffen / je⸗
doch unter dem Nahmen von Kauffmanns=Schiffen / nach dem Archipelago,
und wo es ihnen sonst beliebig / mit Waaren frey pass- und repassiren solten; über
welche der Pforte praejudicirliche Einwilligung viele sich sehr verwunderten.
Imgleichen vernahm man / daß den 8. Julij auch die HHrn. Graffen von
Collonitsch, Thun und Saur
ebst einigen Ihrer Bedienten nach dem Hei⸗
ligen Lande abgesegelt wären. Bald darauff wurde auch der Leichnam des
zu Constantinopel verstorbenen Kayserlichen Cammerherrn / Herrn Graffen A⸗
dolph von Sintzendorff / überbracht / welcher vermöge seiner letzten Dispo⸗
sition in sein Erb=Begräbniß beygesetzet wurde. Der Bothschaffter erhielt für
sich die Nachricht von Constantinopel / daß der Sultan Ihn unter andern zum
Vezier mit benennet habe / zu welcher seiner Erhöhung des Kayserlichen Both⸗
schaffters / Herrn Graffen von Oettingen / für Ihn eingelegte Recommen⸗
dation ein nicht geringes beygetragen.
Von dem Kayserlichen Obristen und Gräntz=Commissario, Graffen
Marsigli, kam auch umb diese Zeit ein Expresser zu Wien an / mit der guten
Zeitung / daß nunmehro die Gräntz-Scheidung in Croaten auf denen Kay⸗
serlichen / Türckischen und Venetianischen Confinen zu allerseitiger Satisfa⸗
ction seine Richtigkeit erlanget hätte / und zwar / was die bißherige Difficul⸗
tät wegen Novi betrifft / ist dieselbe dergestalt verglichen / daß Alt Novi Ihro
Kayserlichen Majestät so lange verbleiben solle / biß die Praetension wegen Neu
Novi mehrers untersuchet und erörtert worden / jedoch daß das Castel von Do⸗
boy nebst andern Plätzen von denen Kayserlichen so fort zu evacuiren / auch der
Pass
Wird von
einigen
Kayserl.
Ministris
tractiret.
Still⸗
stand
zwischen
Moscau
und der
Pforte
auf 30.
Jahr.
Gräntz=
Scheidug
in Croa⸗
ten wird
regliret.
- 125 -
93
Pass Brod an der Seite von Bosnien / und die Redouten in dem Sau=Flusse
zu demoliren / folglich Ihre Kayserliche Majestät aller in dem Königreiche
Bosnien gemachten Conqueten völlig zu renunciren. Der desfalls aufgerichte⸗
te Kayserliche Gräntz=Tractat lautet in Forma also:
In nomine SS. & Individuae Trinitatis.
POsteaquam nos ambo Commissarij, & ex parte quidem Serenissimi & Poten⸗
tissimi Romanorum Imperatoris Leopoldi I. Ego Ludovicus Ferdinandus Co⸗
mes Marsigli, praefatae Suae Majestatis Caesareae Camerarius, Generalis campi
vigiliarum Praefectus, & Legionis pedestris Colonellus; ex parte autem Serenis⸗
simi & Potentissimi Turcarum Sultani Mustafa Han Tertij, Ibrahim Effendi Capitchi
Bassi, utriusque Imperij confinia juxta pacis capitulationes in Ducatu Sirmij determi⸗
navimus, erectoque instrumento suo uterque sigillo proprio ac nominis subscri⸗
ptione hoc confirmavimus: ex communi utriusque consensu ulterius pergere &
Regna Caesarea, Sclavoniam & ex parte Croatiam, à Turcicis, Bosnia & ex parte
item Croatia, convenientibus suis limitibus separare decretum est.
Limites Savenses
Inter Sclavoniam & Bosniam.
PRima igitur inde occurrunt confinia Savensia, ita nimirum, ut, secundum al⸗
mae pacis Instrumentum, tractus Savi fluvij, interceptus inter illum locum,
quo amnis Bossut majori suo alveo in Savum se exonerat, & illum, ubi Unna fluvius
in eundem se effundit, naturales limites praebeat, hoc modo, ut ripa fluminis dex⸗
tra respectu à Salankement venientis, ditionis Caesareae; sinistra Sultani; ipsae
fluminis aquae verò cum interjacentibus Insulis utriusque Imperio communes ma⸗
neant, unde nec opus esse, artificiale aliquod signum in hoc tractu statuere, de⸗
prehensum est.
Insula autem illae fluminis Savi utriq; Imperio communes inventa sunt nomi⸗
natim sequentes. Prima, dicta vulgo Raezka, & à praedicto amnis Bossut conflu⸗
xu quatuor horis superius distans, Saviq; ripae sinistrae propior; inde 12. horas
emenso altera occurrit, Kopan nuncupata, & sinistrae item Savi ripae propior;
hinc 6. horis distans Hrasthovvicza Insula, dextrae fluvij ripae vicina; & de⸗
niq; 10. post horarum spatium Insula Brodensis, cujus duo valla & domus de⸗
struenda, milites vero & omnis alius apparatus bellicus inde deducendi sunt, idq;
pacis tantum amore, quandoquidem in Instrumento Pacis expressis verbis cautum
non est.
Dehinc, quamvis superius aliquam adhuc existere Insulam non sit deprehen⸗
sum, casu tamen, quo aliqua vel plures deprehenderentur, illae, uti reliquae o⸗
mnes, communes sunt.
Limites Croatiae Inferioris Unnenensis,
sive à Confluxu Savi & Unnae Fluviorum
usque ad montem Klepala.
PArs ista limitum incipit à confluentibus Savi & Unnae fuviorum penes Palan⸗
kam Jessenovviz, & quamvis ante hujus Palankae portam exigua quaedam In⸗
sula existat, quae vigore Articuli V. sub Imperio Romano manere deberet, quo⸗
niam tamen ob diversas aquae mutationes variae de illa Insula ortae sunt controver⸗
siae, tandem Majestas Sua Caesarea, considerando Insularum istius Palankae com⸗
moditatem, propriam Insulam ipsis amore pacis, pro libero navium appulsu, transi⸗
tu & quiete utriusq; partis, concessit.
Flu-
A a - 126 -
94
Fluvij istius Unnae ripa sinistra sive Bosnensis, juxta Articuli V. §. 3. utriusque Im⸗
perij limites naturales facit, unde non modo Palanka Jessenovviz, Dubiza & No⸗
vi Vetus, sed etiam tres illae turres; una Slabin, quae semper fuit vacua & deserta;
altera Dernova, maximam partem destructa; & tertia Sofok, quae inter tres illas
sola praesidio hactenus fuit munita, cum omnibus suis territorijs ad partem Bosnen⸗
sem existentibus, Fulgidissimae Portae cedenda erunt, ita ut, quae suntad sinistram
praefatae ripae Unnensis, in Ottomannici Imperij potestatem redeant, quidquid
vero ad dextram praefatae ripae Bosnensis reperitur, usq; ad terminum illum, huc
usq; indecisum atque à ministerio Caesareo & Magno Oratore Sultani definiendum,
adeoq; totus Unnae fluvius in Romanorum Imperatoris potestate maneat; de Novi
tamen Veteri cautio fit, ne evacuetur, priusquam motae de illo loco controversiae sint
decisae.
Causa propter quam Tractus Noven⸗
sis indecisus relictus est.
CUm ex parte fulgidissimae Porte pratensio fuerit facta tam territorij, quam
fortalitij Novi novi, ex parte Croatiae siti, & durante ultimo bello à Mili⸗
tia Caesareâ exstructi, semperque hactenus conservati atque possessi, in sacris ca⸗
pitulationibus tamen, neque ut destrueretur, neque ut evacuaretur, expres⸗
sum sit; hinc praetensioni isti, utpote pacis fundamento contrariae, à Commissario
Caesareo est repugnatum, adeóque Tractu isto vacuo relicto è communi utriusque
consensu reliquorum Territoriorum confinia sunt statuta, & incipiendo à monte
Klepala, ubi juxta expertorum incolarum assertum Guozdansky & Busin Territo⸗
ria conveniunt, cumuli positi sunt sequentes.
Limites à monte Klepala, usque ad conflu⸗
xum Glinae & Glinizae fluviorum;
Quos cumuli notant sequentibus locis erecti.
IN medio praefati montis Klepala; hinc in via, abhinc in monte Radovvich, in
loco Chorna, Jamnicza ad dexteram viae, prope angustum transitum ad sini⸗
stram viae penes betulas, in terra Radovvich medioque vallis Dabrina super anti⸗
qua via. Ad sinistram apicis praefati montis Radovvich. In eodem monte Rado⸗
vvich ad dextram viae, ad cujus sinistram Dabrina fluviolus praterfluit. In verti⸗
ce montis Radovvich ad sinistram viae, in vertice noti montis Jamnick. Ad sini⸗
stram praefati montis Jamnick penes notum stagnum Ergiavacz; In vertice Duorcza
inter duos rivos Ceve & Lubina, & pariter inter duas vias. In loco Jelovagora ad
dextram viae. In loco Metle è regione praesidij Busin ad sinistram viae. Ad dextram
in concursu viarum, arcium Busin & Guozdanski in Bukosklanza. In vertice mon⸗
tis Nicolina, Klanacz inter duas vias. In via Nicolina Kossa dicta, descendendo
in Fluvium Radagniza prope vallem Nicolina Kossa. In valle Radasticza ad dex⸗
tram viae. Ex valle Radasticza ascendendo penes fontem Grabovza ad sinistram
viae. In loco Radagka Rabnicza ad dextram viae. In loco Starastrabenicza ad sini⸗
stram viae. In Guneviza colle ad dextram viae. In monte Radonicha Klavicza, cu⸗
jus ad dextram Jassenof Potok, ad sinistram Babiga Potok seu rivulus. In eodem
monte inter eosdem rivulos, ad dextram ejusdem montis in superficie. Penes val⸗
lem Verch Platina ad sinistram viae, Verstov Potok dictam. In loco Regiebovza, aut
alio nomine Ruiska, circa magnam arborem cumulus paritur magnus, vicinaeque
arbores resectae sunt. Transeundo ab eodem monte Regiebovza in Gerlevviz mon⸗
tem, circa praegrandem quercum, ubi paritur, arbores sunt notatae. Circa arborem,
Sorbum Oskorus dictam, cui injungitur quercina arbor, Hrazt dicta. Abhinc
Prestova & Boinarivuli confinium faciunt, & penes silvam cumulus unus. Hinc
usque ad rudera arcis Boinak erecti sunt 6. cumuli. In nominata arce Boinak super
semi-
- 127 -
95
semidiruta turre. Nam cum arx ista Boinak inter Caesareas & Ottomannicas arces
jaceat media, ac propterea utriusque partis subditi eam ad se pertinere contende⸗
rent, hinc ex amborum Commissariorum consensu magis fuit destructa, ita, ut neu⸗
tri parti illâ imposterum uti liceat. E regione ejusdem destructae arcis in valle Ku⸗
riasticza. In monte Kolon circa quercum. In proximo loco ad dextram viae. Pe⸗
nes rivulum Crabovka ad dextram quoque viae. In monte Chihaga Kossa à dextris.
In eodem monte à sinistris. In eodem monticulo à sinistris, ubi quercus una cruce
signata esset. Ubi Cemerniza & Bacota fluvij confluunt, transeundo in ipsa ripa
seu littore. Ad rivulum Ivanijs ad viae sinistram. In monte Ivanis Kossa. Penes ri⸗
vulum Fayn, qui rivus dehinc usque ad suos sontes pro confinibus est. Penes rivu⸗
lum è regione sepulcri Sayn. Recta penes sepulcrum Sayn. In monte Krivaga,
ubi via reflectit ad sinistram viae, Lumbardinik nominatur. In eodem loco ad sini⸗
stram viae In declivitate ad rivulum tendente. In ipsissima declivitate. In loco
Classinkossa ad scaturiginem rivuli, Bukov nomine. In eodem monte Classin penes
eundem rivulum Bukov. Hinc dictus rivulus Bukov usque ad Glinizam fluvium, &
inde porro Gliniza usque ad suum confluxum cum Glina fluvio confinia faciunt.
Deinceps in ipso praesatorum fluviorum Gliniczae & Glinae confluentium angulo,
& cum hoc cumulo ista artificialis lineae pars desinit.
Limites à Confluxu Glinae & Glinizae
Fluviorum, usque ad Korana Fluvium.
Apraefato cumulo conventum est, ut Glina fluvius confinium faciat usque
ad locum eum, in quo fluvius Rabina à sinistris veniens contra fluvium Gli⸗
nam sursum eunti in eundem fluvium Glinam se effundit. Unde in ipso hujus Con⸗
fluxus angulo denuo cumulus est erectus; à quo cumulo ipse fluviolus Rabina ad
originem usque suam naturales limites praebet. Hinc verò ad distinguendum terri⸗
torium arcis Casarea Szluin, à territorio arcis Turcicae Tersaz, positi sunt cumuli
sequentes.
Penes praefatam originem fluvioli Rabina
super monte. In Cetinovo Bilo sive
monte Cetin in via circa quercum. Ad
dextram montis Cetinovo Bilo, in loco Ka
⸗
billovo Razboiste
vocato. Trajecto fluviolo Grabovza ad dextram ejus partem pe
⸗
nes montem in ripa;
inde descendendo penes dictum fluvium Grabovza. Tra
⸗
jecto iterum fluvio
Grabovza super monte Cetin ad originem fluvij Kirladusa, cir
⸗
ca quercum. Ad
Kirladusa fluviolum supra verticem collis, Gnoinicza Sellische
dicti, circa quercum. Super eodem colle
Gnoinicza Sellische. Super eodem Gnoi
⸗
nicza Sellische
circa quercum. Descendendo ad Koranam fluvium penes ejusdem
& Gnoiniczae rivuli confluxum. Et hoc
modo praenominatarum arcium Szluin &
Tersaz territoria in citeriori parte
Koranae fluvij sunt definita.
Limites à Korana fluvio usque ad Jeszera.
HInc postmodum contra Koranae fluxum ascendendo ipse idem fluvius partem
limitum constituit, videlicet usque ad cumulum, qui est erectus in ulteriori
ripa Koranae fluvij, & regione parvae Insulae alicujus inter Sklop, Brod, & Stur⸗
litski Brod.
Cum enim, Commissarijs limites ulterius
continuare volentibus, magnae illae
controversiae propter destructas arces Dresnik, Furian, Borigovacz & turrim
Lapacz diuturnum afferrent impedimentum, ita ut, cum periculum
apparuerit, quod
idcirco se ab invicem separare vellent, à
confiniarijs suppliciter rogati fuerint, ut
ad componendas hasce controversias medium
aliquem terminum invenirent; Deni
⸗
que reversalibus
separatis & invicem commutato instrumento iterum restitutis con
⸗
ventum fuit, ut
praefatae arces & turris Ottomañicae ditioni eâ conditione tradantur,
ut circa eas domus & pagi exstrui,
agricultura que libere exerceri possit; Ipsae ve
⸗
rò arces, uti de
facto sunt, ita imposterum semper destructae atque desertae ma-
neant
A a 2
- 128 -
96
neant: Et hoc modo permedium regionis inter
Zsluin & Tersaz interjacentis con
⸗
tinuati sunt
limites, & sequentes erecti cumuli.
In Silva, penes Koranam fluvium sita, inter duas paludes circa ingentem
quercum, in citeriori parte rivi Huriansticza, in fundo Radovanova Kossa, circa
ulmum, sub monte in citeriori parte rivuli Privisilicza ad finem nemoris Huria⸗
nensis circa praealtam quandam quercum; in via Zsluinensi inter signatam fagum
& quercum, circa positum ibi truncum quercinum. In altitudine quadam, Huriam
versus respiciente, circum albam fagum & ingentem quercum. Ante montem Mas⸗
vinam inter Preszovopoliae & Huriansticzae originem circa betulam, qui cumulus
è terra & lapidibus erectus est. Inferius ad montem Masvinam circa praegrandem
quercum. Inter duas scrobes circum parvulam quercum. In Rudeniz Kopoliz cir⸗
ca quercum. In loco Verch Rudeniz Kopoliae penes viam circa quadrifidam quer⸗
cum. In eodem Rudenicz Copoliae circa quercum. Inter Plisniza montem & Rude⸗
niz Copoliae campum circa quercum. Infra Plisniza montem supra viam. In sum⸗
mitate montis Plisniza circa quercum. Sub praefato monte Plisniza in loco Delli
Bassin Razchoi. In campo Razovvizensi penes viam Lumbardenik. Trajecto ri⸗
vulo in ripa altiori circa trunculum Betulae. Prope fluvium Racovviza nuncupa⸗
tum, circa trunculum. A quo cumulo usque ad sequentem proximum ipse fluvio⸗
lus Rakoviza ad medium quadrantem usque horae pro confinibus est. Penes viam
in planitie circa quercum. Supra originem fontis Crabovza circa palum. Prope
Sarzadol circa truncum betularum. Penes antiquam viam ad sinistram partem intra
valles circa bifrontem quercum. Versus montem Runiaviza. Sub eodem monte Ru⸗
niaviza. Prope Melinarki Brod in summitate ripae citerioris Koranae fluvij infra
viam penes sylvam circa quercum. Et hîc iterum dictus modo Korana fluvius ipse
limites naturales sere incipit, & sic eos continuat usque ad Jessera, unde oritur; qui
locus in cumulo infra describendo est insignitus.
Ut adeo tota ista pars Croatiae inferioris
hoc modo sit absoluta, suisque
limitibus distincta.
Limites Croatiae superioris, nempe
à Jeszera usq; ad Confinium triplex.
AD distinguenda territoria arcium Casarearu Odvvina & Graschaz à territorijs
arcium Turcicarum Bihaz & Ostrovviz, nec non provincia Szerp, cumuli
sunt erecti sequenti ordine.
In monte Pugliadole, parte Vizjugorum Plessiviczana Jessekoput in summi⸗
tate, ex qua lacus Jessera in conspectum cadit. Nakoprivita Kossa Maschelievaput
inter duas summitates, Vraseverch, Naverch, Plessevicza sub praecipiti aliqua
summitate, quae est ad dextram, erectus circa quercum. Inmedio viae Farkaschiez.
Super monte, Verch Kuk dicto. In monte Vissokaloqua. In via Lumbardinik
montis Massin, in aperto quodam campo Dugo Polina dicto. Super monte Grado⸗
vita Kossa, alias Velikilizaz dicto. In monte Cemerniza penes Bumar, in ijsdem
montibus Dabaristicza. In summitate montis Kupirucha dicti. In cacumine rupis
altissimae Zstraszbenicza, unde prospectus in provinciam Zserppates. In summita⸗
te Popina Clanacz ad dextram viae circa magnam arborem. In Calvo vertice infe⸗
riori montium Popistak. In altiori rupe Popistak. Hinc ipsa juga Popistak limites
continuant, remanentibus ad dextram valle Lorito & Popinokopolis. Postea de⸗
nuo positus est cumulus in fastigio ejusdem montis Popistak. In rupe montis Ravna
Popistak. Ad pedem montis in angustijs Villin dictis ad sinistram viae. In monte
Cerniverch sive Ruinava Glavicza. In campo Zuinopoliae. In valle Zuinak. In
monte Kitta Berdo. In valle Metuliavi Dolacz. In campo Bila Berda. In campo
Hotonsko Bilo. In campo Hotton, & denique ultimus & reliquis eminentior su⸗
pra montem Debelo Berdo in ejusdem summitate Metvidia Glaviza dicta.
Cum enimiam in viciniam arcis Gnin, in Croatia sitae, & à Venetis de prae-
senti
- 129 -
97
senti possessae, deventum esset, locus iste ex plenarlo consensu & judicio Commis⸗
sariorum, Casarei, amborum Ottomannicorum, & à Republica Veneta Deputati
unius, aliorumque tunc praesentium Primatum, Seniorum & militum, ipsum esse
punctum illud, in quo tria confinia concurrant, declaratus ac decretus est. Cujus
rei etiam peculiare confecimus Instrumentum, idque alter alteri, suo quisque idio⸗
mate tradidimus. Cum igitur, hoc modo statutis limitibus cis-Danubialibus, solus
Tractus Novensis ab Aula Caesareâ & Oratore Ottomannico, cui id cum plena poten⸗
tia tractare à suo Sultano commissum est, adhuc definiendus restet; Nos ambo
Commissarij convenimus, ut compositis istis in Aula Casarea controversiis insi⸗
nuata Nobis illa Conventio universali Instrumento limitum utriusque Imperij à ter⸗
mino à quo ad terminum ad quem Inseratur.
De reliquo statuimus ac confirmamus, quod sine ulla exceptione omnia,
quae sunt ad dextram prafata lineae, limitaneo respectu à Salankement venien⸗
tis, sint in potestate Augustissimi Romanorum Imperatoris; quae vero ad
sinistram, ad Sultani Imperium pertineant. Et hoc Instrumento subscripto, sigil⸗
lato & invicem permutato, Ego Commissarius Caesareus promitto, me, exce⸗
pto Novi veteri, evacuationes & demolitiones locorum cis-Danubialium, in
sacris Capitulationibus expressorum, acceptis ex parte Sultani Reversalibus, sine
mora suscepturum; In quorum fidem roburque Instrumentum hocce sigillo
meo & subscriptione propria munire & corroborare volui. In castris ad Turrim So⸗
fu 25. Julij 1700.
Die Publication dieses Tractats ist auf
nachfolgende Weise beschehen:
NOtum est inter omnes, quod Aeterno ac Omnipotenti Deo, Summo quip⸗
pe Pacis Auctori, placuerit, ut post tam diuturnum ac cruentum bellum
Pax denuo reduceretur inter potentissimos Principes ac Dominos, Leo⸗
poldum l. Romanorum Imperatorem, semper Augustum, & Sultanum Mustafa,
Han Turcarum. Notum quoque est, quod, dum Pacis istius leges ac conditiones sta⸗
tuebantur in Congressu Carlovitzensi, praefatus Augustissimus Romanorum Impe⸗
rator, ad contestandam amicitiae cum Sultano initae sinceritatem, promiserit, se Ful⸗
gidissimae Portae restituturum, quicquid in Regno Bosnae, per victricia sua arma,
in novissimo bello acquisiverit.
Postquam igitur, per Divinam Gratiam, utriusq; Imperij Limites Cis-Danu⸗
biales, praeter Tractum Novensem, juxta Pacis Instrumenti normam, sunt con⸗
stituti, uti in particulari suo Instrumento Cis-Danubiali clarius apparet; Turris
Sofok, Arces Dubitza & Doboy, & Palanka Jeszenovitz, Praesidijs Caesareis eva⸗
cuatae, ac Ottomannico Imperio traditae; Munimentum denique, quod erat è re⸗
gione Brod, in Savi Fluvij ripa Bosnensi, cum duobus in vicina Insula Aggeribus,
destructum atque solo aequatum:
Omnibus & singulis utriusq; Imperij subditis, Nomine Augustissimi Roma⸗
norum Imperatoris, hisce notificatur, & ad diuturniorem rei memoriam, ter explo⸗
dendo tormentum, pulsando tympana, & coram utriusq; Imperij Commissarijs
expansis Vexillis & Militibus, publicatur, ac in vulgus proclamatur, quòd à Po⸗
tentissimi Romanorum Imperatoris Commissario, Ludovico Ferdinando, Comi⸗
te Marsigli, Imperio Ottomannico, in Persona Commissarij ejus, Ibrahim Effen⸗
di, denuò cedantur, tradantur, atque liberae potestati permittantur non modo
praedictae Arces, Palanka, & Turris; sed etiam omnis ac universa illa Regio,
quae in Bosna, secundum Pacis jura, Imperio Ottomannico erat tradenda, ipsiq;
adeò plane libera permittenda, salvo Tractu Ditionis Veteris Novi, qui tam diu
in Caesarea potestate permanebit, donec notae de illo Tractu Controversiae à Mi⸗
nisterio Casareo, & Oratore Ottomannico totaliter sint compositae atque finitae;
Savi
B b
- 130 -
Der
Kayserl.
Both⸗
schaffter
wird zu⸗
rück gefo⸗
dert.
Maho⸗
mets Ge⸗
burts=
Tag wird
gefeyret.
Die aus
der Tür⸗
ckey erlö-
98
Savi Fluvi Tractu, à ripa Unnae Fluvijciteriori, usq; ad eum locum, ubi Bozut
amnem, majori suo alveo se exonerantem, recipit, cum interjacentibus Insulis
utrique Imperio communi permanente.
Hoc edicitur ac omnibus publicatur, tam ad tollendam omnem ignorantiae
excusationem, quàm in aeternum testimonium, quòd Majestas Sua Caesarea fidem
suam ac sinceritatem, universo Orbi cognitam, constantem & illibatam, etiam
in hoc tanto Pacis negotio, sancte servaverit.
Dabantur in castris, è regione Brod positis, die 18. Augusti 1700.
RAtione der Republic Venedig haben ermeldte Commissarien sich auf die
Höhe von Weliko Birdo oder Dickberg begeben / so die dasige Inwohner
Metuidia Klavissa nennen / als woselbst die Kayserliche / Türckische und
Venetianische Angräntzung zusammen stosset / eine Pyramide von Steinen 4.
Klaffter breit und dick / und 2. Klaffter hoch / zusammen tragen / und von solcher
Stein=Säule 2. kleine Mauren ziehen lassen / umb die dreyfache Gräntzen da⸗
mit abzumarquiren.
Weilen nun zu vermuthen / daß es mit der noch übrigen Reglirung der
Gräntzen an der Theis, und gegen Siebenbürgen / gleichfalls in kurtzem zur
Endschafft kommen würde / zumahlen die dortige Flüsse und Gebürge an sich
selbsten die Gräntzen formiren; so wurde von Ihro Kayserlichen Majestät dem
Graffen von Oettingen durch einen Expressen der Befehl ertheilet / bey dem
Sultan fordersambst seine Abschieds=Audientz zu nehmen / und folgends seine
Rück=Reise also zu beschleunigen / damit zu Ende Octobris die Kayserliche Am⸗
bassade gegen die Türckische bey Salanckement wieder ausgewechselt werden
möchte; zu welchem Ende dann der Türckische Bothschaffter jemand seiner Leu⸗
te mit auf Constantinopel schickete / um wegen seiner Beuhrlaubung und Abrei⸗
se von dem Sultan gleichfalls die nöthige Ordres zu bekommen.
Den 26. Augusti ging der Bothschaffter abermahls nach des Fürsten von
Lobkovvitz Garten / und ließ des Herrn Ertz=Hertzogen Carls Durchleucht / wie
auch denen Frauen Ertz=Hertzoginnen das Divertissement der vor offt berühr⸗
ten Spiele und Exercitien / hingegen höchstgedachten Herrn Ertz Hertzogs
Durchleucht dem Bothschaffter / nach ein paar Tage / in seinem Hause eine
Music machen.
Den 29. feyreten die Türcken das Geburts=Fest des Mahomets auf ihre
Weise / jedoch ohne sonderliche Solennität.
Den 1. Septembris besuchte der Bothschaffter den Kriegs=Praesidenten /
Herrn Graffen von Stahrenberg / um Ihn wegen seiner Wiederkunfft von der
Neustadt zu complimentiren / und über eines und anderes mit Ihm zu conferi⸗
ren. Er wurde / wie sonst / mit des Praesidenten Carosse bedienet.
Den 6. ließ derselbe des Herrn Chur=Fürsten und der Frau Chur=Fürstin
zu Pfaltz Durchleucht. Durchleucht. / so zu selbiger Zeit sich am Kayserlichen
Hoffe befanden / und von der Neustadt mit in die Favorite kommen waren / auch
allerhand Exercitia, Spiele und Täntze in dem Lobkovvitzischen Garten ma⸗
chen.
Den 11. kamen 163. gefangene Christliche Sclaven / Mann und Weib⸗
lichen Geschlechts / zu Wien an / welche durch den Herrn Graffen von Oettin⸗
gen / nach Inhalt des Carlovvitzischen Friedens / aus der Türckey erlöset wor⸗
den.
- 131 -
99
den. Ihre Kleidung war gar elend / aber mit einem roth und blauen Creutze ge⸗
zeichnet. Sie wurden von dem Cardinal Collonitsch / Fürsten von Eggenberg
und andern vornehmen Persohnen / in Begleitung der Münche aus dem Spa⸗
nischen Kloster / Patres Trinitarij Discalceati genant / worunter etliche sich zu
dieser Leute Ranzionir= und Befreyung mit gebrauchen lassen / Processions=
Weise durch die Stadt zu dem Schotten=Thor hinauß nach gedachtem Spani⸗
schen Kloster geführt / allda sie GOtt wegen ihrer Erlösung schuldigen Danck
abstatteten.
Den 12. Septembris wurde das jährliche Gedächtniß=Fest von dem Ent⸗
satz Wien mit gewöhnlicher Solennität gefeyret / und wie der gantze Hoff von
der Augustiner nach S. Stephans Thum=Kirche in Procession ging / hatte man
vorgemeldte Sclaven an einen Ort der Gasse gestellet / allwo sie von jederman
im vorbeygehen gesehen und mit reichen Allmosen beschencket worden.
Der Bothschaffter war selbigen Morgens mit seinem mehresten Comitat,
eine Stunde Weges von der Stadt / nach dem so genanten Calenberge gangen /
um sich in selbiger angenehmen Gegend zu erlustigen / oder vielleicht sich nur un⸗
ter diesem Praetext von denen heute geschehenden Freuden=Bezeigungen und
dreymahliger Lösung der Canonen um die Stadt zu entfernen.
Diese Tage über langeten nach und nach noch mehrere aus der Türckischen
Gefangenschafft erlösete Christen zu Wien an. Auch fand sich bey dem Türcki⸗
schen Bothschaffter ein Expresser des Tartar Chams ein / welcher eine Liste von
etlichen tausend in der Tartarey noch befindlichen Christlichen Sclaven von aller⸗
hand Nationen mitbrachte / und für jede Persohn hundert Thaler Ranzion fo⸗
derte / zu deren gleichmässigen Befreyung so wol Ihrer Kayserlichen Majestät
Land=Stände / als auch andere Potenzen einige Summen Geldes herzuschies⸗
sen geneigt waren.
Den 3. Octobris erhielt man von Constantinopel Nachricht / daß der Kay⸗
serliche Bothschaffter den 2. October seine Abschieds=Audientzen nehmen und
darauf den 12. Octobr. von da abreisen wollen: daß des Sultans jüngst gebohr⸗
ner Printz wiederum gestorben seye / und daß der Fürst Constantin in Moldau /
welcher sich einige Jahre her zu Constantinopel aufgehalten / durch Hülffe des
Groß=Veziers, und gegen Erlegung einer grossen Summa Geldes / in besagtes
Fürstenthum restituiret / hingegen sein Schwieger=Vater / der Hospodar,
desselben seye entsetzet worden. Imgleichen / daß eine grosse Anzahl Türcken die
jährliche Wallfahrt nach Mecca und Medina vollzogen / ein Theil aber dersel⸗
ben von denen rebellischen Arabern unterwegens wäre erschlagen worden.
Von dieser Pelerinage, welche / wie oben gedacht / der fünffte Articul des
Mahometanis. Glaubens ist / melden wir allhie so viel / daß selbige bey denen Tür⸗
cken / als ein Typus oder Vorbild der Wanderschafft aus dieser nach der andern
Welt consideriret wird; und ob zwar solche Reise vornehmlich nur denen Rei⸗
chen / und die keine grosse Chargen haben / so Sie davon verhindern könten / zu
thun oblieget / so pflegen jedoch öffters gegen 50000. Persohnen aus Asien und
Europa dieselbe anzutreten. Sie versamlen sich alle auf dem Berge Arat, all⸗
wo Sie zum Gedächtniß / daß Abraham seinen Sohn Isaac ausopfern wollen /
viele Schaffe schlachten / sich mit weissen Tüchern umhüllen / auch zu Büssung
ihrer Sünden Processions=Weise um den Berg gehen. Der jenige / welcher
B b 2
diese
sete Ge⸗
fangene
kommen
zu Wien
an.
Das Ge⸗
dächtniß
des Ent⸗
satzes
Wien
wird ce⸗
lebriret.
Fernere
Nachricht
von Con⸗
stantino⸗
pel;
Wie auch
von der
Türcken
Walfahrt
nach Mec⸗
ca und
Medina.
- 132 -
100
diese Pilgramschafft commendiret oder führet / wird von dem Groß=Sultan
erwehlet / unter dem Nahmen Sur-Emini; durch denselben überschicket Er alle
Jahr 500. Sequins nach Mecca, einen mit Gold bedeckten Alcoran, den ein Ca⸗
mel träget / und so viel schwartz Tuch / als zu Bekleidung der dortigen Moschée
nöthig ist. Die Tapeten vom vorigen Jahre werden von dem Volcke zerrissen /
und nimt ein jeder ein Stück davon / als eine Reliquie oder Gedächtniß=Zei⸗
chen der vollbrachten Wanderschafft / mit nach Hause. Das Camel / so den Al⸗
coran getragen / wird nach der Zurückkunfft mit Blumen gezieret / darff auch
die übrige Zeit seines Lebens keine Arbeit weiter thun.
Nachdem man sonst in Erfahrung kommen / daß einige getauffte Türcken
zu dem Bothschaffter übergangen / und Er selbige heraus zu geben unter dem
Praetexte sich geweigert / ob wäre solches ihrem Alcoran zugegen / Ihre Kayser⸗
liche Majestät aber sothane Wegführung nicht gestatten wolten / so wurde an
die Kayserliche Gräntz=Commendanten Befehl ertheilet / alle Schiffe und
Wägen durchzusuchen / und die so man von solchen getaufften Türcken antref⸗
fen würde / allenfalls mit Gewalt hinweg zu nehmen.
Den 17. Octobr. gieng der Türckische Bothschaffter / nachmittags um
drey Uhr / mit dem mehreren Theil seiner Suite, zu Pferde nach des Graffen
von Oettingen Garten in der Leopold-Stadt / um so wol sich des noch wehren⸗
den guten Wetters zu bedienen / als mit der Frau Gräffinnen sich über eines und
anders nochmahls zu unterhalten. Weilen Er den gantzen Nachmittag allda
zubrachte / und jederman erlaubet war / in den Saal zu gehen / so hat eine ge⸗
wisse Feder die Mühe genommen / davon folgendes anzumercken. Ermeldter
Bothschaffter verfügete sich so gleich nach seiner Ankunfft in den grossen Saal /
auf die allda für Ihn zubereitete Bühne / und setzte sich / der Gewonheit nach /
in ein Eck auf sein Polster=Bette. Die Frau Gräffin nahm nebst dero Fräulein
Tochter ihren Platz zur rechten Seite für die Bühne / auf ordinaire Stüle;
Sie discurrirten / vermittelst des dabey stehenden Dollmetschers / mit dem
Bothschaffter über allerhand Materien / insonderheit über den Inhalt der zu⸗
letzt aus Constantinopel erhaltenen Briefe / und beklagten / daß beyde Herrn
Bothschaffter eine beschwerliche Rück=Reise haben würden. Bey wehrendem
Entretien rauchte der Bothschaffter Toback aus einer gläsern Pfeiffe mit einer
ledern Sack=Röhre / und wurde in dem Saale eine sanffte Music gemachet /
bestehend in dreyen Tambours de Basque, einigen Fleutes doucen / einer Geige
mit drey Seiten / und einer Harffe oder Hackebret. Welche Harmonie einer
der Musicanten zugleich mit einem Gesang accompagnirte.
Nach einer guten halben Stunde wurde des Bothschaffters Essen in den
Saal gebracht / und darauff die Anstalt zur Taffel gemachet. Erstlich breite⸗
te man auf der Bühne / nahe für dem Bothschaffter / ein langes seidenes
Tuch in die Ründe herum / und wurde eines dergleichen in die Mitte geleget.
Hernach setzte man einen niedrigen Messings=Fuß darauf / und legte auf den⸗
selben ein rundes Tischblat von weissen Kupffer ohne Teppich. Es wurde für
jede Persohn / so mit dem Bothschaffter speisen solte / ein Löffel von Horn / und
noch ein bunter Schnupff=Tuch an statt der Serviette, sonst aber weder Messer /
Gabel noch Teller aufgeleget. Ein ander Bedienter brachte in einem Korbe
schon geschnittene Scheiben von ordinairen Hauß=Brode / welche er auf und un⸗
ter dem Tische herum warff. Auch wurde für jeden eine Porcellainen Tasse mit
Zucker=
Der Tür⸗
ckische
Both⸗
schaffter
besuchet
die Frau
Gräffin
von Oet⸗
tingen
auf ihrem
Garten.
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101
Zucker=Rosat, und für den Bothschaffter noch eine mit gestossen Zucker gese⸗
tzet. Wie diese Praeparatoria geschehen / rückte der Bothschaffter von seinen
Polstern nahe zu dem Tische / zog seinen Ober=Rock aus / welchen einer von sei⸗
nen Cammer=Dienern wegnahm / und einen andern kostbahren Cafftan hin⸗
ter Ihm ausbreitete. Ihm wurde auch noch eine bunte Serviette auf den
Schoß fürgeleget. Fünffe seiner vornehmsten Bedienten kamen aus dem
Neben=Zimmer / und nachdem sie ihre Papotzky oder Pantoffel für
der Bühne ausgezogen / stiegen sie hinauf / und setzten sich mit zur Taffel
auf ihre Weise / die Beine kreutzweiß über einander geschlagen. Es wurde
nicht allein eine Ordnung im sitzen observiret / sondern blieb auch zwischen dem
Bothschaffter und denen Türcken / so Ihm zu beyden Seiten sassen / ein zimliches
Spatium. Niemand betete zuvor / und tunckete der Bothschaffter so gleich mit
dem Finger in die eine vor Ihm stehende Zucker=Tasse, und leckete daran. Ei⸗
ne fast Teutsche Suppe mit Brod=Brocken in einer silbernen Schale machte den
Anfang zur Mahlzeit / hernach folgete ein Gerichte gebratener Tauben. Der
Türcke / welcher die Schüsseln auf= und absetzte / riß einige davon mit den Fin⸗
gern mitten von einander / und nahm alsdann ein jeder ein Stück für sich. Fer⸗
ner wurden gekochte Hüner aufgetragen; Dieselbe waren gantz zerquetschet
oder zerstossen / so daß man sie mit Löffeln aß. Wie ein gerichte Rüben mit auf⸗
geschlagenen Schaffs=Knochen kam / hielt der aufwartende Türcke dem Both⸗
schaffter einen Knochen nach dem andern für / welcher mit einem Helfenbeinen
Instrument das Marck heraus zog. Als weiter etwas gebratenes folgete / lö⸗
sete der Aufwarter für den Bothschaffter das Fleisch von etlichen Knochen /
umb Ihm diese Mühe zu benehmen. Imgleichen wie man eine Art von Turten
aufsetzete / brach er für des Bothschaffters Seite den obern Teich weg / damit
derselbe die darinn befindliche Süssigkeiten desto bequemer mit den Fingern her⸗
aus nehmen kunte. Die übrige Speisen / deren gar viel an der Zahl waren /
bestunden in gebratenen Zwiefeln / Reiß / Pflaumen=Suppe / Milchwerck /
und andern Gemüsen oder Gelées von allerhand Couleur &c. wobey auch an⸗
dere Löffel gegeben wurden. Es wurde jedesmahl nur eine Speise aufgesetzet /
man hatte aber öffters die eine kaum gekostet / so wurde sie schon wieder wegge⸗
nommen und mit einer andern Schüssel verwechselt / massen die Türcken den
differenten Geschmack lieben / und / um denselben zu verbessern / nahmen sie
fast zu allen Speisen mit ein wenig Brod etwas aus der Confect-Tasse, so ein
jeglicher für sich stehen hatte. Für dem Bothschaffter sahe man überdas noch
eine besondere porcellainen Schüssel / worauf der servirende Türcke von denen
delicatesten Speisen / ehe sie abgenommen wurden / ein oder ein paar Stücke
legte / damit / wann etwa nachhero dem Bothschaffter noch ein Appetit ankä⸗
me / von dem ersten zu essen / er solches nach Belieben thun könte. Alle Schüs⸗
seln und Schalen waren von Silber / wiewol sonst wenig vornehme Ministri
des Türckischen Hoffes silbern Servis brauchen. Neben dem Bothschaffter stand
ein Bedienter / und hielt desselben Trinck=Geschirr / so ein rother gläserner
Krug mit einem güldenen Deckel war; daraus tranck der Bothschaffter nach
und nach ein wenig / und wurde der Krug nicht eher wieder gefüllet / alß biß er
gantz ausgeleeret. So offte der Bothschaffter tranck / hielt ein Türck die
Hand unter den Krug; denen andern / so mitspeiseten / wurde das Trincken
nur in einem höltzernen Gefäß ohne Deckel gereichet / doch hielt ihnen auch ein
Die=
C c
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102
Diener die Hand unter. Wie der Bothschaffter ein paarmahl getruncken hat⸗
te / ließ Er der Frau Gräfin von Oettingen / dero Fräulein Tochter / wie auch
andern herumstehenden frembden Leuten / theils in silbernen / theils in Porce⸗
lainen Schalen Scherbeth reichen. Er bezeigte sich sonsten bey der Taffel sehr
lustig / und lachete öffters von Hertzen / auch discurrirten die übrige mit=essende
nach gefallen / und ohne sonderliche Respect Bezeigung gegen ihren Principal.
Nachdem nun das letzte Essen abgehoben wurde / massen man weder Confect
noch Früchte servirte / standen die / so mit dem Bothschaffter gegessen / zugleich
von der Taffel auf / und setzten sich in dem Saale in einer Reyhe auf Teutsch=
Stühle / da ihnen dann ein langes weisses Leinwand zum Waschen fürgebreitet
wurde / doch wuschen sie sich nicht eher / als nach dem Bothschaffter; dieser aber
continuirte aus der Porcelainen Schüssel / worin allerhand Speisen zurück
behalten / noch etwas zu essen. Wie Ihm aber nicht mehr beliebte / wurde der
Tisch mit denen übrigen Sachen weggenommen / und dem Bothschaffter auch
ein weisses Tuch auf den Schoß fürgebreitet / mithin das Geschirr zum Wa⸗
schen gebracht / so gleichfalls von Silber war. Zweene Bediente umspan⸗
neten mit der Hand vorn des Bothschaffters beyde Arme / damit die Ermeln sei⸗
ner Veste nicht möchten benetzet werden. Ein ander goß ihm das Wasser auf
die Hände / und wusch Er dieselbe nicht allein / sondern seiffete sie auch starck ein;
hernach bestrich Er den Bart mit dem Seiffenwasser / und / wie Er sich also gewa⸗
schen / trucknete Er sich mit dem Tuche. Nach diesem wurde Ihm abermahl Ro⸗
senwasser aus einer silbernen Streubüchse auf die Hände gesprützet / womit Er
dieselbe / wie auch den Mund und Bart / nochmahls wusch. Zuletzt brachte
man ein silbern Rauchfaß / und räucherte damit den Bothschaffter; zween Tür⸗
cken hielten Ihm vorn den Rock zusammen / damit der Geruch desto besser in die
Höhe nach dem Barte / dessen Spitze Er selbst mit der Hand aufwerts hielte /
hinauf ziehen konte. Nach solchem räuchern wuschen sich auch die übrige / so mit
gespeiset / einer nach dem andern / sie wurden aber nicht geräuchert. Wie indes⸗
sen der Bothschaffter wieder auf sein Polster=Bette gerucket / und Ihm ein ander
schöner Tuch fürgebreitet worden / wurde Ihm eine Tasse Caffè, und seine To⸗
backs=Pfeiffe schon angesteckt / gebracht. Er ließ auch wiederum der Frau
Gräffin von Oettingen / und andern für der Bühne stehenden vornehmen Leuten
Caffè geben. Nachdem die Bediente in denen Neben=Zimmern gespeiset hatten /
kamen die Musicanten wieder in den Saal / spieleten und sangen / wie zuvor.
Um dise Zeit kam der Burgermeister von Wien / den Bothschaffter zu besuchen /
und sich von Ihm zu beuhrlauben. Er ließ ihn für sich auf der Bühne auf seinem Feld=
Sessel sitzen / und ihn mit Caffè bedienen. Uber einige Weile stund der Bothschaffter
auf / trat im herunter steigen von der Bühne in seine Pantoffeln / und wurde von 2.
Bedienten in den Hoff geführet. Er ging in das allda aufgeschlagene kleine Zelt /
um der Natur Behuff zu verrichten. Wie Er von da wieder zurück kam / wusch er
oben für dem Saale / nach Türckischem Gebrauche / sich abermahls die Hän⸗
de und Arme biß an den Ellbogen; zumahl die Türcken sich für unrein halten /
wann sie von solchem Orte kommen. Er verfügte sich darauf wieder auf seine
Bühne / und wurden die Praeparatoria zu ihrem vierdten Gebete gemachet. Ei⸗
ner trat hinauß auf den Balcon / und foderte durch einen Gesang die Türcken
zusammen. Man setzte in dem Saal viele Stüle um den Ort / wo das Gebet
geschehen solte / und musten alle zuschauende frembde Leute hinter dieselbe treten;
dann
- 135 -
103
dann wurden Teppiche auf die Erde geleget / worauf die Türcken sich in einer
Reihe neben einander rangirten. Sie legten zuvor ihre Säbel ab / und die / so
Pantoffeln anhatten / zogen dieselbe aus. Der Pfaffe oder Geistliche stand zu
erst allein auf einem Teppich. Der Bothschaffter selbst aber / so keinen Cafftan
anhatte / blieb nebst noch zweyen andern auf der Bühne stehen; sie standen
aber / wie jene / auf besondern Teppichen / welche so breit waren / daß / wann
sie sich niederlegten / sie mit dem Gesichte selbige annoch berühreten. Die gan⸗
tze Versamlung kehrete das Gesicht nach Orient / und fieng der Pfaffe allein
auf dunckele Weise an zu singen und beten; keiner sonst gab einigen Laut von
sich; die folgende Submissiones und Ceremonien aber machten sie alle zugleich:
Erstlich fassete ein jeder mit beyden Händen an seine Knie / und bückte das Haubt
und Leib ein wenig; hernach knieten sie nieder / fielen endlich gar auf das Ge⸗
sicht / und küsseten die Erde. Sie richteten zu erst den Leib wieder auf / blieben
aber noch ein wenig auf den Knien sitzen / und standen endlich völlig auf. Dieses
thaten Sie verschiedene mahle nach einander / und / wie gedacht / alle zugleich /
jedoch mit dem Unterscheid / daß sie das eine länger als das andere mahl auf dem
Gesichte liegen blieben. Zuletzt kehrete sich der Geistliche allein um nach dem
Bothschaffter / hub beyde Hände in die Höhe / schauete in dieselbe / und strich da⸗
mit sich über das Gesichte / einige Worte sprechend / welche vermuthlich so viel /
als ihren Segen / bedeuteten. Die Versamlung blieb / wie zuvor / stehen / sie
sahen aber alle zugleich mit in ihre aufgehobene Hände / und wischeten sich auch
über das Gesichte.
Nach vollendetem Gebete wurde ein rundes Leder auf den an der Seite
des Saals stehenden Tisch geleget / und auf dasselbe ein hoher Metallener
Leuchter mit einer brennenden Wachs=Kertze gesetzet / auch unten im Hoffe et⸗
liche Pechkräntze angezündet / womit vermuthlich bey ihnen der Abend den An⸗
fang nahm. Der Bothschaffter ging auf der Bühne hin und her spatzieren / eine Art
von Rosen=Krantz in der Hand habend / und schiene es / als wann Er für sich
noch nachbetete. Bald aber setzte Er sich wieder auf seine Polster nieder / rauch⸗
te noch eine Pfeiffe Toback / und ließ sich und denen frembden Leuten nochmahls
Caffé geben; Auch ließ sich des Bothschaffters Feld-Music unten im Hoffe hö⸗
ren. Wie Er noch eine Weile mit der Frau Gräffin von Oettingen und dero
Fräulein Tochter geredet / und sich für empfangene Höfflichkeiten bedancket /
fuhr er in seinem eigenen Wagen mit seiner Suite und unter Schallmeyen= und
Paucken=Klang wieder nach Hause.
Den 13. Octobris fuhr der Bothschaffter mit dem Kayserlichen Ober=
Dollmetscher zu der letzten Conferentz bey dem Kriegs=Praesidenten / welcher Ihn
bey dem Empfang und Abschiede / wie die vorige mahle geschehen / tractiret; all⸗
wo noch dieses zu mercken / daß vier Türckische Bediente im Zimmer blieben
und Caffè praesentirten. Die Conferenz wurde damit beschlossen / daß der Both⸗
schaffter den Praesidenten ersuchete / Er möchte Ihm bey Ihro Kayserlichen Ma⸗
jestät eine Zeit zur Abschieds=Audientz Allerunterthänigst ausbitten / worauf
Er dieselbe den 20. dito solenniter hatte / wie umständlich folget:
Gegen Mittag fuhr der Kayserliche Commissarius, Graff von Rappach,
in einem Kayserlichen Cammer=Wagen mit 6. Pferden bespannet / und von
zween Kayserlichen Leib=Laqueyen und seinen eigenen Liberey=Bedienten be=
C c 2
gleitet
des Both⸗
schaffters
letzte Co⸗
ferentz
beym
Kriegs=
Praeside⸗
ten;
Und Ab⸗
schieds
Audienz
bey Ihro
Kais. Maj.
- 136 -
104
gleitet / von der Burg ab in die Vorstadt / umb den Bothschaffter abzuholen.
Nachdem sich nun der geheimbte Rath bey Ihro Kayserlichen Majestät ge⸗
endiget / geschahe die Cavalcade von dem Türckischen Quartier durch die Stadt
mit vielem Pompe, und fast in eben der Ordnung / wie bey der ersten Audientz;
ausser daß die Suite nicht mehr so starck / alß jenesmahl war / auch weder Camele
noch Maulthiere / als welche man schon mit einem Theil der Bagage füran geschi⸗
cket / mit geführet wurden. Zu erst ritte ein Kayserlicher Einspänniger / so
den weg zeigete. (2.) Marchirten 30. ad 40. Musquetiers von der dem Both⸗
schaffter gegebenen Wache / von einem Unter=Officier geführet. (3.) Kamen
8. Bassen zu Pferde / und nach Ihnen eine zimliche Anzahl Spahis mit Tieger=
Häuten. Diesen folgeten (4.) 22. Chiaus, wie auch verschiedene andere vor⸗
nehme Officiers der Ambassade zu Pferde / zween und zween im Gliede. (5.)
Ritte der Stallmeister / von seinen Bedienten begleitet; Nach welchem des
8. Leib=Pferde geführet wurden / dessen Kriegs=Equipage, als
Schild / Säbel / Bogen und Pfeile / auf dem Sattel tragende. Hierauf kam
(6.) Der Kayserliche Wage / worinn der Bothschaffter oben allein / in einem
Orange=farbigen Peltze mit Zobeln gefüttert; Der Kayserliche Commissarius
gegen Ihn über / in Frantzösischem Galla-habit, und der Ober=Dollmetscher /
Dallmann in einem schwartzen Hoff=Mantel-Kleide in dem lincken Schlage
sassen. Für der Carosse giengen erstlich des Commissarij und Ober=Dollmet⸗
schers Liberey=Bediente / wie auch des Bothschaffters 6. Leib=Laqueyen / Satir
genant / mit Ihren kurtzen Hellebarten / und nahe an beyden Schlägen die 4.
Tufekzi Bassi oder Janitscharen Officiers / nebst den beyden Kayserlichen Leib=
Laqueyen beyher. Gleich nach dem Wagen folgeten (7.) des Bothschaffters
vornehmste Cammer=Bediente oder Hoff=Aembter / die Ihnen anvertrauete
Meublen mit sich tragende; v. g. Seinen hohen weissen Ceremonien=Turban,
mit einem seiden Tuche bedecket / den Sessel / das Hand=Wasser in einem
ledernen Geschirr / Caffé=Kanne / Peltze und dergleichen andere Dinge mehr
auß der Garderobbe. (8.) Gingen die Janitscharen ohne Ober= und Unter-Ge⸗
wehr / auch in keiner Ordnung und ohne Music. (9.) Fuhr des Bothschaffters
Reise=Wage / welchen Er zu Wien neu verfertigen lassen / mit 6. kleinen Schim⸗
meln bespannet; Er war zwar nach Türckischer Art gemachet / hatte aber / wie
die Teutsche Carossen / Portieren mit Gläsern. Nach demselben ritten (10.)
abermahl einige Türcken zu Pferde; Und letzlich wurde der völlige Train wie⸗
derum von einigen Stadt-Soldaten beschlossen. Wie man auf den äussern gros⸗
sen Burg=Platz kam / wurde von denen allda stehenden 3. Compagnien der
Stadt=Garnison das Gewehr praesentiret / und das Spiel gerühret. Die ge⸗
meine Türcken stiegen von Ihren Pferden ab / die vornehmste Officiers aber /
item, die Alay Chiaus hatten die Erlaubniß / in den innern Hoff zu reiten / wo⸗
hinein auch des Bothschaffters Leib=Pferde gelassen wurden / doch blieb sein Rei⸗
se=Wage auff dem fordern Platze halten. Der Kayserliche Wage fuhr biß an
die grosse Treppe / auff welcher von unten biß oben die Kayserliche Hatschiers
und Trabanten mit Ihren Hellebarten zu beyden Seiten postiret waren. Der
Graff von Rappach gieng voran hinauff / dem der Bothschaffter / von zween
seiner Bedienten unter beyden Armen geführet / und diesem der Kayserliche
Ober=Dollmetscher folgete. In der Mitte der Stiege ließ Ihm der Bothschaff⸗
ter seinen hohen Ceremonien=Turban auffsetzen / und passirte also mit einem
Theil
- 137 -
Des
Both⸗
schaffters
Abschieds
Rede.
Des
Reichs
Vice-
Cantzlers
Antwort.
105
Theil seiner Suite durch den Trabanten= und Ritter=Saal / allwo gleichfalls
die Kayserlichen Gardes en haye rangiret standen / und weiter durch beyde
Antichambren nach der Rath=Stube. Er wurde / wie bey der ersten Au⸗
dientz / von niemand der Kayserlichen Ministrorum empfangen / sondern nur
durch vorermeldten Commissarium introduciret / gleichwie es denn auch sonst
in allen übrigen stücken / als jenesmahl / gehalten wurde.
So bald der Bothschaffter seine 3. Reverentzen gemachet / trat Er auf
die Bühne / küssete Ihrer Kayserlichen Majestät oben bey der Brust den Man⸗
tel / und nachdem Er sich wieder an vorigen Ort gestellet / hielte Er gegen Ih⸗
re Kayserliche Majestät seine Abschieds=Rede / welche der Ober=Dollmetscher
so gleich darauf in Teutscher Sprache folgender Gestalt interpretirte:
NAchdem ich von dem Durchleuchtigsten / Unüberwindlich⸗
sten und Großmächtigsien Ottomanischen Kayser / meinem
Allergnädigsten Herrn / an Seine Majestät den Durchleuchtig⸗
sten / Unüberwindlichsten und Großmächtigsten Römischen Kay⸗
ser zu complirung dessen / so die neue Freundschafft erfodert / mit dem
Caracter eines Groß=Bothschaffters bin abgeordnet worden; habe
ich von neun Monathen her allhie in der Kayserlichen Residentz=
Stadt vielfältige Ehr= und Gnaden=Bezeigungen erfahren. Was
nun aber anitzo aus Allergnädigstem Belieben beyder Großmächtig⸗
sten Kaysere die Bothschafft / GOtt sey Lob! ihr gewünschetes Ende
erreichet; Als ist mein gehorsamstes Ersuchen / daß Ew. Kayserl. Maj.
das jenige / so ich / als ein gegen beyden Reichen wolgesinneter Die⸗
ner aus Unbedachtsamkeit oder Vergessenheit möchte verwürcket
haben / Allergnädigst perdoniren / und allen Fehler mit dem Man⸗
tel Dero angebohrnen Kayserlichen Clementz bedecken wollen; durch
welches ich höchst beglückseliget und erfreuet / durch Hülffe Gottes
des Allmächtigen / nach abgelegter Groß=Bothschafft nach der
Porten des Ottomannischen Kaysers / meines Allergnädigsten
Herrn / zuürck aufbrechen zu können um die Kayserliche Licentz ge⸗
horsamst anhalte / und mich zu immerwehrenden hohen Kayserli⸗
chen Gnaden in aller Unterthänigkeit empfehle rc.
Ihre Kayserliche Majestät wincketen darauf dem Reichs=Vice-Cantzler /
und gaben demselben auf / in Ihrem Nahmen die Antwort zu thun / welche Er
dann also fürbrachte:
DIe Römische Kayserliche / auch zu Ungarn und Böheim König⸗
liche Majestät / Unser Allergnädigster Kayser und Herr /
haben gerne vernommen / daß der hier anwesende Bassa und Groß=
Bothschaffter der Ottomannischen Pforten die aus Dero Allergnä⸗
digstem Befehl empfangene Ehren=Bezeigungen und Tractament
anrühmet. Gleichwie nun Allerhöchstgedachter Kayserlichen Ma=
jestät
D d
- 138 -
106
jestät keine Klagen über Ihn zukommen seyn / folglich Sie Ursach
haben / mit seinem comportement allerdings zu frieden zu seyn; also
wäre Ihnen auch lieb gewesen / wann es beyder Reiche Convenientz
gelitten hätte / Ihn noch länger an dero Hoffe zu sehen. Welchem
nach Ihre Kayserliche Majestät Ihm / Bassen und Groß=Both⸗
schaffter Allergnädigst erlauben / seine Rück=Reise anzutreten /
und werden Sie Ihm die behörige Recreditiven ertheilen. Worbey
Sie demselben mit Kayserlichen Gnaden wol gewogen verbleiben.
Wie der Ober=Dollmetscher solche Antwort dem Bothschaffter auf Tür⸗
ckisch bedeutet hatte / überreichte der Reichs=Vice=Cantzler demselben auch das
Kayserliche Recreditiv an den Sultan. Es war Lateinisch auf Pergamen ge⸗
schrieben / in zimlich groß quadrater Form zusammen gefaltet / mit dem grossen
Kayserlichen Siegel verschlossen / und in einem Futter von drap d’or verwah⸗
ret. Der Bothschaffter weigerte sich nicht / dasselbe von dem Reichs=Vice-
Cantzler anzunehmen / wie Anno 1665. der damahlige Türckische Bothschaff⸗
ter gethan / welcher das Recreditiv aus Ihrer Kayserlichen Majestät eigenen
Händen zu empfangen / wiewol vergebens / praetendiret hat; sondern küssete
es / dem Türckischen Gebrauch nach / und berührte damit die Stirn. Hernach
trat Er wieder auf die Bühne / küssete Seiner Kayserlichen Majestät zum Uhr⸗
laub nochmahls den Uberschlag vom Mantel / und stellete nach dem das Recre⸗
ditiv dem Effendi zu.
Endlich / wie noch einige der vornehmsten Türckischen Bedienten die Gna⸗
de gehabt / Ihrer Kayserlichen Majestät den Mantel / jedoch nur unten / zu
küssen / die übrige Türcken aber sich für der Bühne tieff geneiget / nahm der
Bothschaffter mit einer sehr vergnügten Mine und nach wiederholten dreyen
Reverentzen rückwerts seinen Abtritt / und wurde von dem Kayserlichen Com⸗
missario und Ober=Dollmetscher in voriger Ordnung wieder nach Hause be⸗
gleitet.
Den 21. gegen Mitag verfügte sich der Türckische Bothschaffter fast
mit gleichem Gefolge / wie bey der Kayserlichen Audientz / auch zu des Herrn
Kriegs=Praesidenten / Graffen von Stahrenberg Excellentz / um sich von Dem⸗
selben zu beuhrlauben. Er kam / wie alle vorige mahle / in des Praesidenten Ca⸗
rosse mit 6. Pferden bespannet / und von dessen Heyducken und Laqueyen beglei⸗
tet / gefahren / den Ober=Dollmetscher / so gegen Ihm über saß / bey sich ha⸗
bend. Es wurde mit der Empfahung in allen / wie bey der ersten Visite, ge⸗
halten / und Er / ausser des Praesidenten Hauß=Officiren / von niemand weder
angenommen / noch introduciret. Alle Vorgemächer waren / wegen einer
des Graffen habenden Trauer / schwartz bezogen / und sahe man in denen letztern
die jenige kostbahre Praesente exponiret / welche Ihre Kayserliche Majestät
der Türckischen Gesandschafft wolten überreichen lassen. Mitten in dem Au⸗
dientz=Zimmer stand ein mit schwartzem Tuche bedeckter runder Tisch / bey wel⸗
chem oben der Kriegs=Praesideht, Herr Graff von Stahrenberg / in einem lan⸗
gen Trauer=Mantel / den Degen an der Seite und einen langen Flor auf dem
Hut habend / saß. So bald die vornehmste Türcken / welche den Bothschaff⸗
ter ortegireten / in die Thür traten / stand der Praesidente auf / und stellete
sich
Des
Both⸗
schaffters
Ab⸗
schieds-
Visite ber
dem
Kriegs-
Praesi⸗
denten.
- 139 -
107
sich vor den Tisch / und als die Türckische Bediente sich für Ihm neigeten / rüh⸗
rete Er den Hut ein wenig / nahm ihn aber nicht ab. Dem Bothschaffter selbst
ging Er vier Schritt entgegen / und als Sie einander / ein jeder nach seiner
Art / gegrüsset hatten / setzten Sie sich beyde oben an den Tisch gegen einander
über / auf zwey gleiche Arm=Sessel nieder / so daß der Praesident dem Both⸗
schaffter zur rechten Hand saß; der Dollmetscher blieb zwischen Ihnen beyden
stehen. Hinter dem Praesidenten stunden unterschiedliche Kayserliche Gene⸗
rals und andere vornehme Kriegs=Officiers / und hinter dem Bothschaffter sei⸗
ne vornehmste Bediente / und war sonst das Zimmer von der Noblesse ange⸗
füllet.
Der Bothschaffter fing darauf an / auf Türckisch sich in folgenden Termi⸗
nis zu expliciren:
Nachdem Er vorigen Tages bey dem Römischen Kayser seine
Abschieds=Audientz gehabt / so wäre nichts mehr übrig / als daß Er
sich auch von Ihm / dem Kriegs=Praesidenten / beuhrlaubete. Er
schätzte sich glücklich / daß Er zum Instrument wäre gebrauchet wor⸗
den / den zu Carlowitz zwischen beyden grossen Kaysern geschlosse⸗
nen Frieden zu bestätigen / hätte auch Befehl / so wol von dem Sul⸗
tan / als dem Groß=Vezier, nochmahls zu versichern / daß Sie in
allen Puncten und Clausuln über solchem Frieden fest und unverbrü⸗
chig halten wolten; wie Sie dann hoffeten / daß derselbe nicht nur
biß zu dem gesetzten Termino dauren / sondern viel weiter prolongiret /
und / wo möglich / ewig würde erhalten werden. Seine Hohe Prin⸗
cipalen versähen sich also zu dem Kriegs=Praesidenten / und bäte Er /
der Bothschaffter / für Seine Persohn Ihn darumb / daß Er
gleichfalls nicht ermangeln wolte / zu obigem Zwecke nach Vermö⸗
gen zu contribuiren / und dafern sich etwa demnechst einige geringe
Streittigkeiten auf den Gräntzen wieder ereugen solten / solches ja
nicht so aus zu deuten / als wann der Sultan oder Groß=Vezier dar⸗
an Theil hätte / sondern alles zum besten zu kehren / damit das gu⸗
te Vernehme zwischen beyden Höchsten Reichen beständig conserviret
bliebe.
Wegen der noch nicht völlig ajoustirten Gränz=Scheidung und Auß⸗
wechselung der gefangenen Türcken überreichte der Bothschaffter dem Kriegs=
Praesidenten noch ein Memorial, und recommendirte dessen Inhalt aufs
beste.
Ferner bat Er / wann seine Leute sich nicht wol verhalten / und einige
desordres begangen hätten / Ihm solches nicht zuzuschreiben / massen es ohn sein
Vorwissen geschehen wäre / und bedanckte Er sich schließlich für alle Güte und
Gnaden / so Er bey seinem Anwesen von dem Kayserlichen Hoffe empfangen
hätte.
Der Kriegs=Praesidente antwortete mit wenigen / jedoch obligeanten / Ex⸗
pressionen auff alle Puncte dieses Vortrags / und versicherte / daß Ihro Kay=
D d 2
serliche
Ohnge⸗
fährlicher
Inhalt
von des
Both⸗
schaffters
Abschieds
Rede
an den
Kriegs-
Praesi⸗
denten.
- 140 -
108
serliche Majestät und Dero Ministerium eine gleichmässige Sorgfalt zu bestän⸗
diger Conservation des geschlossenen Friedens / mithin alles dessen / was zu
beyder Reiche guten Correspondentz und Vertrauen dienen könte / anwenden
würden.
Er stellete darauf dem Bothschaffter ein von Ihm gefertigtes Recreditif
an den Sultan zu / welches dieser mit beyden Händen annahm / und wie das Kay⸗
serliche verehrete; Er that daneben hinzu / wie daß Ihre Kayserliche Majestät
zu desto mehrer Bezeigung Dero Gnade befohlen hätten / Ihn und seine Suite
mit einigen Praesenten zu beehren. Hierauff überreichte der Kayserliche Com⸗
missarius, Herr Graff von Rappach, dem Bothschaffter zu erst eine dicke und
lange güldene Kette von Filigran-Arbeit / woran unten das Kayserliche Brust=
Bild hing. Derselbe stellete sich anfangs / als wann man dergleichen Ketten
bey Ihm nicht hätte / folglich Ihm der Gebrauch davon unbekant wäre; Wie
aber der Ober=Dollmetscher für sich zu erkennen gab / daß es schiene / als ob es
dem Bothschaffter umb die Ehre zu thun wäre / daß der Kriegs=Praesident Ihm
die Kette möchte einhängen / stund der Graff selbst auff / und hing berührte
Kette dem Bothschaffter / so auch auffgestanden war / über den Rock umb den
Halß / welcher sich dann für die Hohe Kayserliche Gnade bedanckte / und des⸗
wegen ein besonderes Vergnügen zu haben bezeigte; Dann als Er einige Da⸗
men / so hinter den Tapeten zuschaueten / erblickte / grüssete Er dieselbe / und
zeigte Ihnen die am Halse habende goldene Kette / sagend: Es wäre unnö⸗
thig gewesen / Ihn mit einer solchen Kette zu beschencken und anzu⸗
binden / weil Er sich ohne dem schon von so vielen guten Freunden und
Freundinnen allhier der gestalt gebunden funde / daß Ihm schwer fie⸗
le / sich von Ihnen loß zu machen und dieselben zu verlassen.
Die übrige Prasente / welche in allerhand raren und kostbahren Silber=
Geschirren / wie auch feinen Englischen und Holländischen Tüchern bestunden /
wurden durch den Kayserlichen Hoff=Kriegs=Zahlmeister / Herrn von Barte⸗
lotti, und unter anhandgehung des Controlleur Schäffers / ausgetheilet / und
ein Türckischer Bedienter nach dem andern mit Nahmen zu empfahung seines
Geschencks laut aufgeruffen. Weilen mir nachhero eine exacte Specification
von solchen Praesenten zukommen / so wird dieselbe hie billig eingerücket.
SPECIFICATIO
Der jenigen Praesente / welche der Türckischen Ge⸗
sandschafft / wie Sie sich bey dem Kriegs=Praesidenten
beuhrlaubet / sind gegeben worden.
Die der
Türcki⸗
schen Ge=
-
EIne grosse goldene Kette von
Filigran, samt einem Gna⸗
den=Pfenninge. -
Eine grosse Taffel=Uhr von Schildkrö⸗
ten Arbeit und getriebenen Silber. - Eine silberne Scheiben=Uhr.
- Ein silberner Camin=Auffsatz.
- Ein weiß Godronirtes Gieß=Becken.
- Zween weisse Godronirte Kühl=Kessel.
-
Ein Rauchfaß von durchgebrochener
Arbeit. - Eine silberne Schale.
Vor den Groß=Bothschaffter
Ibrahim Bassa.
Ein - 141 -
109
-
Ein halb vergüldetes Gieß=Becken
und Kandel. -
Ein Paar Leuchter und 12. Ellen
Scharlach.
Vor den Chiaga Beeg, oder
Ober=Hoffmeister.
- Ein halb vergüldetes Gieß=Becken.
- Eine silberne Halß=Uhr / so schlägt.
- 5. Ellen Scharlach.
Divan Effendi, oder Lega⸗
tions-Secretarius.
- Eine silberne Schale.
- Eine Sack=Uhr.
- 6. Ellen Holländisch Tuch.
Raghib Effendi Muffti, oder
Interpres.
- Eine silberne Schale
- Eine silberne Sack=Uhr.
- 6. Ellen Holländisch Tuch.
Capigilar Chihaiasi, oder
Maestro di Camera.
- Eine Thée=Kanne.
- 6. Ellen Tuch.
Miriachor Aga, Ober=
Stallmeister.
- Ein Gieß=Becken.
- Eine Uhr
- 6. Ellen Tuch.
Selan Agasi, Ceremoniarius.
- Eine silberne Schale.
Hazi Ali Aga.
- Zwey silberne Blumen=Krüge.
Vekilchanzi, Kuchelmeister.
- Ein Gieß=Becken.
Turum Ibrahim Aga.
- Ein Gieß=Becken.
Hazi Achmet Aga.
E e
- Eine Schale.
Hassan Aga.
- Eine silberne Schale.
Duganti Mustaffa Aga, Fal⸗
ckenmeister.
- Ein silbernes Gieß=Becken.
Hazi Omer Aga.
- Ein silbernes Gieß=Becken.
Chiaus Bassi Aga, Commen⸗
dant über die Chiausen.
- Jedem 10. Ellen Holländisch Tuch.
Dessen unterhabenden 22. Chiau⸗
sen;
- Ein Caffé=Geschirr.
Tufekzi Bassi.
- Jedem 4. Ellen ordinair Tuch.
Dessen untergebenen 50. Janit⸗
scharen;
- Eine silberne Schale.
Arpa Emini Jacub Aga, Fut⸗
termeister.
- Eine silberne Schale.
Ismael Aga.
- Eine Thée=Kanne.
Masraz Catibi Effendi.
- Eine Thée=Kanne.
Capigilar Boluk Bassisi.
- Jedem 8. Ellen Englisch Tuch.
Dessen 2. Unter=Thür=Hüter;
- Ein silbern Becher.
-
Sechs und ein halbe Ellen Hollän⸗
disch Tuch.
Constantin, Dollmetscher.
- Ein silbern Korb.
Hassander Aga.
- Ein halb vergüldetes Thée-Geschirr.
Iman Effendi.
- Eine silberne Schale.
Silikdar Aga.
Zoadar
sandschafft
gegebene
Kayserl.
Praesete. - 142 -
110
- Ein silbern Schreibzeug.
Zoadar Aga, Cammer=
Diener.
- Ein silbern Leuchter.
Muchuardar Aga, Silber=
Verwahrer.
- Ein halb verguldetes Thèe=Geschirr.
Hahna Kiatibi Effendi,
Schatz=Schreiber.
- Ein silbernes Körbel.
Anachdar Agasi, Schlüssel=
Verwahrer.
- Ein Caffé-Geschirr.
Kaftanzi Bassi Aga, Caftan-
Verwahrer.
- Ein silbern Korb.
Tsamaschirzi Bassi, der die
Wäsche in Händen hat.
- Ein silbernes Körbel.
Beschgirzi Bassi, der das Tisch⸗
zeug in Verwahrung hat.
- Eine silberne Schale.
Caffizi Bassi, Ober Caffé-Koch
- Eine silberne Schale.
Killerzi Bassi, Confituren=
Verwahrer.
- Eine silberne Schale.
Kitabzi Cselebi, Bibliothe⸗
carius.
- Eine silberne Schale.
Safrazi Bassi, Taffel=Decker.
- Eine silberne Schale.
Ibrikdar Bassa Aga, der das
Hand=Wasser reicht.
- Eine silberne Schale / und
- Ein Korb.
Eenderum Chiausleri, zween
Cammer-Chiausen.
- Ein Caffé=Geschirr.
Eenderum Mechtar Bassisi,
Ober=Cammer=Tapezierer.
- Ein Caffé=Geschirr.
Bass Zohadar., Ober=Cam⸗
mer=Diener.
- Ein silbern Korb.
Mechter Bassi, Regent der
grossen Musique.
- Jedem 4. Ellen Englisch Tuch.
Dessen untergebenen 30. Musican⸗
ten;
- Eine Schale.
Degli Bassi, Rittmeister.
- Jedem 4. Ellen rothes Tuch.
Dessen untergebenen 30. Spahi;
- 10. Ellen Englisch Tuch.
Sanziakdar Aga, Ober=Fah⸗
nen=Träger.
- Jedem 4. Ellen Englisch Tuch.
Dessen untergebenen 4. Fahnen=
Trägern;
- Jedem 8. Ellen Englisch Tuch.
Cassacorli, vier auß dem Kay⸗
erl. Stall / so die 4. Praesent-
Pferde überbracht.
- 10. Ellen Englisch Tuch.
Matarazi Bassi, der dem
Bothschaffter in einem Ge⸗
schirr von Leder das Wasser
nachträget.
- 10. Ellen Englisch Tuch.
Satir Bassi, Ober=Laquey.
- Jedem 8. Ellen Englisch Tuch.
Dessen 6. Untergebenen;
Jedem - 143 - 111
- Jedem 8. Ellen Tuch.
Vier Alai Chiausleri.
- 10. Ellen Englisch Tuch.
Zadir Mechter Bassisi,
Zeltmeister.
- Jedem 8. Ellen Englisch Tuch.
Parsigler, Leoparden=War⸗
ter / deren viere;
- 8. Ellen Englisch Tuch.
Achor Chihaisi, Stall=
Hoffmeister.
- 7. Ellen Englisch Tuch.
Achor Boluk Bassisi, Der
Erste unter denen Unter=
Stall=Officieren;
- 7. Ellen Englisch Tuch.
Serass Bassi, Ober=Stall=
Knecht.
- 8. Ellen ordinair Tuch.
Sarban Balli, Camel=Trei⸗
ber Commendant.
- 8. Ellen Englisch Tuch.
Cormanda Bassi, Maul=E⸗
sel=Treiber Commendant.
- 8. Ellen Englisch Tuch.
Akkam Bassi, Zelt=Auffschla⸗
ger Commendant.
- Jedem 7. Ellen Englisch Tuch.
5. Cammer=Musicanten;
- 7. Ellen Englisch Tuch.
Aschzi Balsi, Ober=Koch.
- 7. Ellen Englisch Tuch.
Csasnigir Bassi, Ober=Cre⸗
denzierer.
Diese Praesente inclusive der güldenen
Kette sollen 18. biß 20000. fl. kosten.
Mitlerweile aber die Außtheilung solcher Geschencke geschahe / machte
der Bothschaffter ein höfflich Compliment über das andere gegen den Kriegs=
Praesidenten; v. g. Er wolte stets an Ihn gedencken / und so offt an
Ihn schreiben / daß Er endlich gar überdrüssig darüber werden solte:
Er hätte hie so lange Ungelegenheit gemachet / daß es kein Wunder
wäre / wann man von Ihm gar nichts mehr sehen noch hören möch⸗
te rc. rc. Dem Frauenzimmer ließ Er gleichfalls durch seinen Dollmet⸗
scher viele caressante Complimente hinterbringen / und machte Ihnen aller⸗
hand freundliche Minen zu.
Wie der Graf bey dem Bothschaffter vernehmen ließ / ob Ihm nicht noch
etwa eine Chocolade zu trincken beliebte / antwortete derselbe: Alles / was
von dem Praesidenten käme / wäre Ihm kostbahr / und würde Er vor
eine besondere Ehre achten / noch zuletzt etwas in seinem Hause zu
geniessen. Es wurde also Chocolade und einige andere Liqueurs dem Both⸗
schaffter zu erst / dann dem Kriegs=Praesidenten / und darauf auch an die vor⸗
nehmste Türckische Bediente praesentiret. Wie auch nach diesem des Praesi⸗
denten junges Fräulein kam / und dem Bothschaffter die Hand küssete / sag⸗
te Er / daß der Praesident wol glücklich wäre / eine so galante Tochter zu haben.
Er hätte keine Tochter / sondern lauter Söhne / doch wären zweene davon wol
versorget / dann einer wäre Aga; und der andere / Commendant zu Alexandria
in
E e 2
- 144 -
112
in Egypte / und erst 15. Jahr alt; den hätte Er seither dem 5. Jahre seines Alters
nicht gesehen. Der Graf von Stahrenberg dolirte hingegen darüber / daß
Er keinen Sohn mehr hätte; Er hätte einen gehabt / der auch ein Aga gewesen /
aber in dem Ungarischen Kriege geblieben wäre.[1] Der Bothschaffter wünschete
also dem Graffen noch einen Sohn / und der Graff dem Bothschaffter noch eine
Tochter. Dieser vermeinte / es wäre leichter zu hoffen / daß der Bothschaffter noch
eine Tochter bekäme / weil Er mehr als ein Weib haben dörffte / als daß Er / der
Graff / bey seinem zimlichen Alter noch einen Sohn bekommen solte; worauf
der Bothschaffter lachend antwortete: Es wäre auch das letztere nicht unmüg⸗
lich / und fünde sich noch immer etwas im zusammenkehren.
Sie redeten nach diesem noch von einigen andern Materien / und insonder⸗
heit von beyder Bothschaffter bevorstehenden beschwerlichen Zurück=Reise / da
Sie dann wünscheten / daß die Außwechselung auf denen Gräntzen glücklich
von statten gehen möchte.
Zuletzt recommendirte der Bothschaffter dem Kriegs=Praesidenten noch
ein und andere Persohnen / baht Ihn auch / daß man das Hauß / worin Er ge⸗
wohnet / mit der Quartier=Freyheit begnadigen wolte / und nachdem nun alle
Praesente ausgetheilet waren / sagte der Bothschaffter: Es müste doch einmahl
geschieden seyn / Er empfähle dem Kriegs=Praesidenten nochmahl die Sorge der
allgemeinen Ruhe / und bäte / Er möchte sein guter Freund verbleiben; Welches
der Praesident mit convenablen Complimenten und höfflichen Gegen=Ver⸗
sicherungen beantwortete. Sie stunden damit auf / und wie der Bothschaffter
im weggehen sich durch eine freundliche Neigung und Hand=Zeichen von dem
Frauen=Zimmer beuhrlaubet / mithin der Graff von Stahrenberg Ihn wieder
einige Schritte begleitet hatte / nahmen Sie von einander Abschied / da dann
der Bothschaffter den Praesidenten 2. mahl umarmete / und recht hertzlich auf bey⸗
de Backen küssete. Hierauf fasseten Ihn zweene seiner Bedienten unter die
Arme / und wurde Er von denen Stahrenbergischen Officieren wieder biß zu
dem Wagen cortegiret.
Wie der Bothschaffter auf die Gasse kam / warff Er eine Handvoll kleine
Türckische Müntze unter das Volck / und wurde der Rück=March dadurch
besonders distinguiret / daß der mehrere Theil der Türcken / so ritten / Ihre
Praesente für sich auf den Pferden führeten.
Des folgenden Tages schickete der Bothschaffter jemand seiner Leute auf
Constantinopel / um Seine nunmehro gehabte Abschieds=Audientzen zu notifi⸗
ciren / und daß / so bald man würde von des Graffen von Oettingen Abreise von
der Pforte benachrichtiget seyn / Er gleichfalls von Wien aufbrechen wolte.
Indessen wurden von seiten des Kayserlichen Hoffes alle Nothwendigkeiten so
wol zu Wien als in Ungarn dazu veranstaltet / und die Schiffe zu Abführung
der Bagage herbey geschaffet. Die Türcken kaufften allerhand Sachen ein; als
feine Englis. und Holländische Tücher / Gewehr / Peltzwerck und Leder / um
mit nach Hause zu nehmen. Der Bothschaffter aber continuirte noch von ein und
andern Bekanten / insonderheit von der Frau Gräffin von Oettingen / Uhrlaub
zu nehmen. Er that derselben viele Versicherungen / wie sehr Er Ihr für alle
in ihrem Hause empfangene Wolthaten verbunden wäre / und verlangte zu⸗
gleich zu wissen / ob Er nicht noch etwas in seinem Vermögen hätte / womit
Ihro
Der Tür⸗
ckische
Both⸗
schaffter
notifici⸗
ret seinen
genom⸗
menen
Abschied
nacher
Hoffe.
- 145 -
113
Ihro möchte gedienet seyn. Wie darauf ermeldte Frau Gräffin des Bothschaff⸗
ters Portrait zum Angedencken begehrte / war Er darzu / ohnerachtet die Tür⸗
cken sonst nicht leicht zu bewegen / daß Sie sich abmahlen lassen / gar willig / wie
Er Ihro dann nach dem solch Portrait zustellen ließ / und hingegen das von Ih⸗
rem Herrn / dem Kayserlichen Bothschaffter / wieder empfing.
Es wurde aber des Bothschaffters Abreise durch ein unvermuthliches In⸗
cidens aufgeschoben / indem man aus Ungarn die Nachricht erhielt / daß zu
Belgrad ein Tumult entstanden / und die Janitscharen den allda commendi⸗
renden Seraskier massacriret hätten. Die damahlige Ungarische Brieffe so
wol / als einige Kayserliche Officiers / so zu selbiger Zeit in Belgrad sich befun⸗
den / haben uns von solcher Rebellion folgende Umstände referiret.
Es war der Pöbel zu Belgrad schon seither geraumer Zeit dem Seraskier
deßwegen nicht gewogen / weilen Er sich mit des ehemaligen bekanten Groß=
Veziers / Kara Mustafa, Tochter verheyrahtet gehabt / und durch dessen Ap⸗
puy sein Glück gar zu geschwind befordert; daher Er dann nicht allein sehr hoch⸗
mühtig worden / sondern sich auch darauf den Geitz dahin verleiten lassen / daß
Er denen Janitscharen entweder öffters ihren Sold zurück behalten / oder ih⸗
nen / an statt des baaren Geldes / Victualien um einen höhern Preiß / als man
sie zu kauffe bekommen können / obtrudiren wollen. Zuletzt hat Er sich dadurch
sehr verhasset gemacht / daß er denen Inwohnern schwere Contributiones auf⸗
gebürdet / und eine grosse Quantität von allerhand Lebens=Mitteln für Men⸗
schen und Vieh unter dem Praetext von ihnen erpresset / daß solche zum Unterhalt
der von Constantinopel zurück kommenden Kayserlichen Ambassade müsten an⸗
gewendet werden; wozu annoch kommen / und seinen Ruin am meisten befördert
hat / daß da zu letzt die Pest zu Belgrad grassiret / Er scharffe Ordre gegeben /
keine Todten mehr nahe vor der Stadt / weniger mit denen sonst gewöhnlichen
Ceremonien zu begraben. Wie nun ein gewisser Iman oder Geistlicher / ohn⸗
erachtet solchen Befehls / sich unterstanden / einen Todten gleich an die Stadt=
Mauren zu begraben / und dabey die sonst gebräuchliche Solennität zu begehen /
hat ihn der Seraskier mit Prügeln übel tractiren lassen; worüber der Mula
oder Ertz=Bischoff so sehr erbittert worden / daß er die gantze Geistlichkeit zu⸗
sammen gefodert / und Ihro die Frage proponiret hat: Ob der jenige / welcher
nach denen Reguln des Mahometanischen Gesetzes zu leben verbiete / für ei⸗
nen rechten Muselman / und nicht vielmehr für einen Jaur, i. e. Ketzer zu hal⸗
ten / folglich nicht nach der Rigeur des Gesetzes abzustraffen seye? und wie jeder⸗
man solcher Meynung beygepflichtet / hat den 12. Octobris die Guarnison
sambt allen Inwohnern zu rebelliren angefangen. Der Seraskier hat zwar ver⸗
meinet / sich dadurch in Sicherheit zu setzen / daß er nebst dem Scepizi Aga und
einigen andern wehrhafften Männern sich in das Schloß retiriret; allein die
Janitscharen sind vor das Castel gerücket / und haben Ihn / Seraskier für das
Kayserliche Gericht herauß gefodert; welcher aber nicht allein kein Gehör ge⸗
geben / sondern auch durch seine Bediente auf die Rebellen schiessen und mit
Steinen werffen lassen. Worauf sich diese gegen die Wasser=Stadt zurück ge⸗
zogen; allda haben sie / weil kein Widerstand zu fürchten war / die Mauren
überstiegen / die Pulver=Thürne eröffnet / und / nachdem sie sich mit Munition
versehen / für das Schloß sich gelagert / und / mit Stücken die gantze Nacht da⸗
rauf canoniret. Der Seraskier ließ die Rebellen bedräuen / sie solten abwei⸗
chen/
F f
Der Ser⸗
raskier zu
Belgrad
wird mas⸗
sacriret.
- 146 -
Einige
getauffte
Türcken
intendire
mit des
Both⸗
schaffters
Suite wie⸗
der in
Türckey
zu gehen.
Curieuse
Relation
von des
Kayserl.
Both⸗
schaffters
Beuhr⸗
laubung
am Tür⸗
ckischen
Hoffe und
Abreise
von Con⸗
stantino⸗
pel.
114
chen / wiedrigen falls er das Pulver=Magazin auf dem Schlosse anzünden / und
sich sambt ihnen in die Lufft wolte sprengen lassen. Sie haben aber solche Bedro⸗
hungen nicht geachtet / sondern mit grosser Furie so lange auf das Castel loß ge⸗
stürmet / biß sie das Thor durchbrochen; da sie dann alles / was sich zur Wehr
gesetzet / niedergemachet haben. Der Seraskier selbst hatte sich in ein Faß ver⸗
stecket / wurde aber bald gefunden / und herausgezogen / dann umb die Stadt=
Maure durch den Koth geschleppet / und endlich in Stücken zerhauen. Worauf
man zu einem Freuden=Zeichen aus dreyen Canonen Salve, mithin des Seras⸗
kiers Baar= und Haabschafft dem Volcke preiß gegeben.
Eine andere nicht geringere Verdrießlichkeit entstand daher / daß man
in erfahren bracht / welcher Gestalt verschiedene getauffte Türcken Mann=
und Weibs=Persohnen / so bereits viele Jahre lang in denen Kayserlichen Erb⸗
landen angesessen gewesen / zu des Bothschaffters Suite übergangen / und theils
schon voran geschickt worden / in willens / unter desselben Schutz sich wieder nach
Türckey zu begeben. Weilen jedoch solches nicht allein wieder Ih. Kayserl. Maj.
ausdrücklichen Befehl / sondern auch des Bothschaffters selbst eigene deßfalls ge⸗
gebene schrifft= und mündliche Parole lieff / und Er sich nichts desto weniger zu
keiner Restitution verstehen wolte / so wurde an alle Gräntz=Commendanten
scharffe Ordre ertheilet / des Bothschaffters Schiffe und Wagen durchzusuchen /
und die wiederrechtlich=mitführende Leute hinweg zu nehmen.
Den 25. langete der junge Graf von Nostitz mit einem Kayserlichen Cou⸗
rier von Constantinopel an / mitbringend / daß nachdem der Herr Graff von Oet⸗
tingen bey dem Sultan und Groß=Vezier seine Abschieds=Audientzen gehabt /
Er darauf am 11. October mit der gantzen Kayserlichen Gesandschafft von dort
wieder abgereiset wäre. Damit der geneigte Leser die fernere Connexion von der
Sache haben / anbey sich desto besser imprimiren köne / mit was für Pomp und So⸗
lennität solche Beuhrlaubung und Abreise geschehen / lassen wir ein aus den
vornehmsten Relationen zusammen getragenes gar curieuses Journal allhier
platz finden.
JOURNAL
NAchdem den 13. Septembris der lang gewünschte Courier von Wien
ankommen / wobey Ihro Kayserliche Majestät dero Groß=Bothschafft
von Constantinopel avociret / entstund deswegen eine nicht geringe
Freude und Consolation unter uns allen / und praeparirte sich ein jeder zu der Ab⸗
reise.
Die Abschieds=Audientz bey dem Sultan wurde auf den 21. bestimmet /
an welchem Tage sie auch würcklich für sich gieng. Früh morgens umb 6. Uhr
nach angehörter Messe begaben sich Ihre Excellentz mit Dero gantzen Hoffstatt
zu Pferde nacher Dophana, und wurden allda mit Schiffen über den Canal ge⸗
führet. Beym debarquiren fanden wir die benöthigte Pferde parat stehen / und
ritten in gewöhnlicher Ordnung / begleitet von einer grossen Anzahl Janitscha⸗
ren mit ihren Officiren / dem Capizi Bassa, Chiaus Bassa und Zorbatzen / nach dem
Kayserlichen Seraglio, allwo alle Ceremonien des Divans, gleich wie bey der
ersten Audientz / geschahen; weswegen wir davon allhie nichts wiederholen. Zu
Ende der Audientz wurde Seiner Excellentz ein Recreditif=Schreiben von dem
Sultan
- 147 -
115
Sultan an den Römischen Kayser in einem Türckischen mit Gold und Silber
gestickten Beutel behändiget / Ihro auch abermahl ein kostbahrer Zobel=Peltz
geschencket / und denen Cavallieren und Edelleuten 72. Cafrans praesentiret.
Der Rück=March gieng mit gleichmässiger Solennität von statten / und trug
der Kayserliche Dollmetscher / Lackovvitz / (weilen der Legations=Secretarius
Macari unpaß war) das Recreditif mit beyden Händen in die Höhe haltend /
zwischen zween Bassen vor dem Kayserlichen Bothschaffter her reitend / biß ans
Wasser öffentlich vor. Wir kamen gegen Mittag wieder nach Hauß. Indessen
weilen bey dem Türckischen Hoffe der Gebrauch ist / daß ehe ein Bothschaffter
von da weggehet / Er von dem Groß=Vezier mit seiner gantzen Suite nochmahls
auf ein herrliches Banquet eingeladen wird / so hatte diese Ehre auch der Käy⸗
serliche den 25. dito, und fuhr früh=Morgens mit dem mehrern Theil des Comi⸗
tats in gewissen dazu bestellten Tscheiken über den Canal nach Ejup, einem allda
gelegenen lustigen Schloß oder Garten=Hause / welches vormahls dem Groß=
Vezier, Kara Mustapha, zur Sommer=Wohnung gedienet.
Der Fürst Mauro Cordato empfing Seine Excellentz am Ufer / und in⸗
troducirte Sie in ein Gemach / wo man auf eine angenehme Wiese und in einen
grossen Hoff sahe. So bald der Groß=Vezier mit dem Reis Effendi und seinem
Chiaja ankommen / setzten sie sich in ein Eck auf Polster=Bette / so daß der Kay⸗
serliche Bothschaffter dem Groß=Vezier zur lincken Hand saß.
Nach abgelegten Complimenten und einiger Unterredung wurde im Hof⸗
fe der Anfang zu denen Schau=Spielen gemachet / indem 50. Pagen und Aga
zu Pferd / in grün und rothen Kleidern / 2. und 2. fast eine stunde lang gegen
einander mit spitzigen Stäcken dardirten / und ob sie gleich eine ungemeine Ad⸗
dresse dabey bezeigten / hatten doch einige das Unglück / so gefährlich getroffen
zu werden / daß sie vom Pferde fielen und für Todt weggeschleppet wurden.
Hiernechst traten des Sultans eigene Ringer auf / nackend biß auf enge kurtze
Hosen / welche so wol als der gantze Leib mit Oel beschmieret / auch ihre Köpfe
meist geschoren waren / so daß keiner den andern leicht halten kunte; sie käm⸗
pfeten paar=weise mit einander / und nahm man eine verwunderungs=würdige
Stärcke dieser Leute wahr. Nach solcher Recreation hielten die Türcken ihr
drittes Gebet / und retirirte sich der Bothschaffter in den Garten / allwo Er so lange
mit des Mauro Cordato
Sohn spatzieren gieng / biß zur Mahlzeit angesaget
wurde. Ihre Excellentz speiseten mit dem Groß=Vezier in einem Zimmer allein /
und wurden von mehr als hundert Pagen bedienet. Die Cavalliers / Edelleute
und übrige Persohnen wurden in besondern Gemächern an dreyen Taffeln tra⸗
ctiret / und geschahe allen überaus viele Ehre und Höfflichkeiten.
Nach vollbrachter Mahlzeit hatte der Bothschaffter mit dem Groß=Ve⸗
zier noch verschiedene Staats=Discurse, welche der Fürst Mauro Cordato selbst
interpretirte / und erhielten Ihre Excellentz ein und andere besondere Gnaden
von der Pforte: als (1.) Die so lange sollicitirte Restitution des Patriarchen zu
Antiochia in sein voriges Ampt. (2.) Die Licentz / daß die Patres Dominicani
ihre dortige Kirche wieder aufbauen dörffen / mithin die Confirmation derer
vorhin von der Pforte denen Catholischen Geistlichen im Heiligen Lande ertheil⸗
ten Privilegiorum. (3.) Die Befreyung der im Bagno, einem so genanten har⸗
ten Carcer, gefangenen Sclaven / und Loßgebung eines alten Maltheser Haupt=
manns /
F f 2
- 148 -
116
manns / welches letztere man für eine Gnade ohne Exempel hielt. Endlich recom⸗
mendirten Ihre Excellentz dem Groß=Vezier noch die Türckische Officiers / wel⸗
che Sie Zeit Ihrer Anwesenheit bedienet hatten; und nachdem der Bothschaffter
noch mit einem schönen wol mundirten Schimmel beschencket worden / den Sie zu
Bezeigung Ihres Gefallens im Hoffe etwas herum geritten / sind wir wieder na⸗
cher Galata abgefahren.
Den 2. October hatte der Kayserliche Bothschaffter die Abschieds=Visite
bey dem Groß=Vezier. Sie und ihre Hoffstatt wurde zu Dophana über den Ca⸗
nal gesetzet; man bediente sich darauf der allda stehenden Pferde / und ritte in
Begleitung des Janitscharen Aga zu Belgrad, Capizi Bassa, Zorbassen und an⸗
dern Vornehmen / sambt einer Anzahl Janitscharen / nach des Groß=Veziers
Pallast / unter Zulauf einer grossen Menge Volcks auf den Gassen / wo wir
passirten. Es wurden eben die Ceremonien / wie bey der ersten Besuchung /
gebrauchet / und Seiner Excellentz nicht allein zwey Recreditif=Schreiben / ei⸗
nes an Ihro Kayserliche Majestät / und das andere an den Kriegs=Praesidenten /
in rothen seidenen Beuteln verwahret / sondern Ihro auch endlich das so lang
gesuchte Ferman oder Liberations-Patent der armen Sclaven aus obgedachtem
Bagno behändiget. Ihr Regal bestund / erstlich in einem schönen Zobel=Pel⸗
tze / und weilen auch an dem Türckischen Hoffe die Gewohnheit ist / daß wann
ein Kayserlicher Groß=Bothschaffter von dort wieder abreiset / der Sultan Ihm
gewisse Decrete oder Versicherungs=Brieffe auf considerable Pensionen /
Chiausen und andere dergleichen Hoff=Dienste schencket / deren jedes um 500.
Reichs=Thaler verkauffet werden kan / so bekamen des Herrn Graffen von Oet⸗
tingen Excellentz 30. solcher Brieffe / womit Sie zum Theil die Aga, Zorbassen
und diejenige Officiers, so bey Ihro die Bedienung gehabt / wieder er⸗
freueten. Denen Cavallieren wurden gegen 60. Cafftans ausgetheilet; worauf
der Bothschaffter und Groß=Vezier mit mutueller Contestirung des Vergnü⸗
gens von jederseitiger Conduite und respective Dancksagung wegen aller em⸗
pfangenen Höfflichkeiten von einander Abschied genommen / und sind wir in vo⸗
riger Ordnung und Begleitung nacher Pera revertiret.
Noch diesen Abend wurden die gemeldten Gefangenen loß gelassen / und
von dem Herrn Graffen Carl Ludwig von Sintzendorff angenommen; sie setzten
so gleich des folgenden Tages unter Führung M. Mozzi und etlicher Geistlichen
die Reise nach ihrem Vaterlande fort.
- 1. AUs dem Reich und andern frembden Orten... 30.
- 2. Aus Ungarn / Croatien / Siebenbürgen ... 54.
- 3. Aus Böhmen / Schlesien und Mähren ... 51.
- 4. Aus Nieder= und Ober=Oesterreich ... 35.
- 5. Aus Steyrmarck / Kärnthen / Crain ...12.
- Summa 182.
Die Anzahl derselben belief sich auf 182. Persohnen / als:
Den 4. und die drey folgende Täge waren Ihre Excellentz beschäfftiget / von
denen frembden Ministren Abschied zu nehmen / gleich wie diese wieder bey Ihro
thaten / und ist noch Anmerckens werth / daß höchstgedachte Ihre Excellentz bey
dem
- 149 -
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dem Holländischen zuerst / und hernach bey dem Venetianischen Bothschaff⸗
ter / sich beuhrlaubet; da Sie doch bey Ihrer Ankunfft diesen für jenem zu erst
visitiret hatten; welches vielleicht nur deßwegen geschehen / um zu zeigen / daß
solche Ordnung von ihrem Willen lediglich dependirte.
Den 8. erhielt der Bothschaffter die Permission, den nechstfolgenden
Montag abzureisen / und wurden dero Behuff die benöthigte Pferde und Wa⸗
gen angeschaffet. Sontags aber zuvor schickte der Sultan dem Bothschaffter
noch ein schönes schwartzbraunes Pferd / mit völliger Mundirung; als Sattel /
Zaum / Decken / Pallasch / Pusican rc. Alles mit kostkahren Orientalischen Stei⸗
nen reich besetzet / so daß das Pferd auf 3000. Reichs=Thaler aestimiret worden.
Indem aber gebräuchlich ist / daß wem der Sultan ein Pferd schencket / der⸗
selbe ihm etwas entgegen gehen muß / so begaben sich Ihro Excellentz mit et⸗
lichen Cavallieren in den Hoff / setzten sich auf das Pferd / und ritten ein wenig
herum / liessen auch an die Bediente / so das Pferd hergeführet / ein stattliches
Praesent reichen.
Nicht weniger verehrte der Capiri Bassa auf Befehl des Sultans einem
jeden von der Hoffstatt / so geritten / ein Pferd auf die Reise; den jenigen a⸗
ber / so gefahren / ließ er bedürffenden Vorspann geben.
Die Nacht vom 10. auf den 11. hatte man die schwere Bagage voran ge⸗
schicket / und / so bald der Tag anbrach / hörte man nichts als Freuden=Zei⸗
chen / wegen des bevorstehenden Aufbruchs / Paucken / Trompeten und
Hautbois. Nach in der Frühe verrichtetem letzten Gottes=Dienste / wobey man
das Itinerarium zu beten wieder angefangen / kamen die Englische / Hollän⸗
dische und Venetianische Ambassadeurs, sich nochmahls von des Herrn Graf⸗
fen von Oettingen Excellentz zu beuhrlauben / und Ihro Glück auf die Reise
zu wünschen. Die erstere beyde liessen Ihre Legations-Secretarien und vor⸗
nehmste Bedienten mit etlichen Hand=Pferden da / um der Ambassade biß aus⸗
serhalb der Stadt das Geleite zu geben. Worauf im Nahmen Gottes umb 12.
Uhr der Abzug von Constantinopel geschahe / allda wir 3. Monath und 2. Ta⸗
ge subsistiret / in bester Ordnung / wie beym Einzug / mit fliegenden Fahnen /
führenden Standarten / und klingender völligen Music / in Zusehung einer un⸗
glaublichen Menge Volcks. Die Capizi und Tornazi Bassa, die Zorbazi
Bassen / Chiausen / nebst vielen ihren Bedienten / gaben der Ambassade das
Geleite / und wünschten die gemeine Türcken auf den Gassen überall Seiner
Excellentz Glück auf den Weg. Dieselbe ritten das gestriges Tags von dem
Sultan geschenckt bekommene Pferd / und waren aufs prächtigste gekleidet /
hatten aber keinen Reyherbusch mehr auf der Haube.
Kaum hatten wir die Weinberge der Vorstadt Pera erreichet / begab
sichs / daß auch der Venetianische Legations=Secretarius mit einer Suite an⸗
kam / die Kayserliche Bothschafft zu escortiren / und weil ermeldter Legations-
Secretarius sahe / daß des Holländischen Bruder / Conte Alexander, unter de⸗
nen Cavallieren von der weissen Standarte ritte / praetendirte er auch allda sei⸗
nen Platz und für demselben die Praecedentz zu haben / welches aber dieser nicht
einwilligen wolte / weswegen der Fort=March bey einer Stunde lang aufge⸗
halten wurde; denn ob wol des Herrn Bothschaffters Excellentz sich sehr bemü⸗
heten / dieses different beyzulegen / so war doch alles vergebens / und gieng
der Venetianische Secretarius mit seiner Suite davon / welches dann der Kay⸗
serlichen
G g
- 150 -
118
serlichen Bothschafft um desto lieber zu seyn schiene / als Ihre Excellentz nach
angetretener Reise und auf freyem Felde an dieser beyder Republiquen Com⸗
petentz keinen Theil nehmen wolten. Sie bedancketen sich jedoch gegen ermeld⸗
ten Legations-Secretarium, daß er Sie in seines Principalen Nahmen hätte
so weit convoyren wollen.
An der Brücke traffen wir den Residenten von der Republique Ragusa
an / welcher Seine Excellentzen passant ein Moment sprach / und Ihro ei⸗
ne glückliche Reise wünschte.
Bald darauf sahen wir noch in einem Grunde den Töckely unter einem
Zelte in einem Arm=Sessel sitzen / ohngefehr 80. Persohnen bey sich habend /
deren einer Ihm mit einem Evantail die Fliegen abwehrete / und indem in der
Nähe dabey ein Brunne war / so trieb etliche von unserer Suite die Curiosität /
unter dem Praetext, ihre Pferde zu träncken / den Töckely etwas näher zu be⸗
trachten. Er schiene ein wolgemachter und noch zimlich vigoureuser Mann zu
seyn / und stellet man billig dahin / was Er für Absicht gehabt / sich an einen
Ort / den wir vorbey passiren musten / zu stellen.
Als wir an des Kara Mustafa Serail, Barod Bacha, kamen / befand sich der
Sultan selbst mit der Sultana Valida seiner Mutter allda / um unserm Ab=
March zu zuschauen. Die Englisch= und Holländische Convois verliessen uns
endlich allhie; der Bothschaffter / wie auch einige Cavalliers / setzten sich in ihre
Chaisen / und continuirten wir also unsern Weg in Friede / und kamen noch
selbigen Abends zu Montepicolo an / woselbst wir den andern Tag verblieben /
und Ihre Excellentz durch einen abgefertigten Expressen unsere / GOtt ge⸗
be glückliche! Abreise nacher Wien notificirten.
Auf der Rück=Reise / so die Kayserliche Groß=Bothschafft über Adria⸗
nopel, Philippopoli, Sophia und Nissa, auf Belgrad genommen / ist wenig
remarquables passiret / ausser daß der Graff von Oettingen / wie auf der
Her=Reise / wo Sie unterwegs gefangene Christen angetroffen / dieselbe
Macht gehabt zu eliberiren; doch haben die Türcken die meisten zuvor wegge⸗
bracht / auch bey der Abreise von Constantinopel gar genau observiren lassen /
daß kein Renegat heimlich wieder mit denen Christen durchgienge / zumahlen
daraus vor diesem viele Mißhelligkeiten und Tumult gegen der Bothschaffter
Privilegia entstanden.
Indessen hatten Ihro Kayserliche Majestät den Ritter Leopold Ma⸗
murca della Torre bevollmächtiget / als dero Resident vor erst bey der Pfor=
te zu verbleiben / in welcher Qualität er auch gerne / absonderlich von dem
Fürsten Mauro Cordato, seinem Verwandten / angenommen worden.
AUf erhaltene solche Nachricht wolte nun der Türckische Bothschaffter auch
nicht länger anstehen / sich auf seine Reise zu begeben / damit Er mit dem
Kayserlichen zu gleicher Zeit an dem Orte der Außwechselung anlangen möch⸗
te. Er nahm derowegen auch von dem Kayserlichen Commissario, Herrn
Graffen von Rappach / Abschied / bedanckte sich für die Seinentwegen gehabte
viele Mühewaltung / und beschenckte Ihn mit einem Pferde; imgleichen that
Er der für Seinem Quartiere gestandenen Wache noch einige / wiewol gerin⸗
ge / Verehrung; dem Herrn des Hauses aber / wo Er gewohnet / hat Er kei⸗
ne andere Erkäntlichkeit bezeiget / als daß Er in dem Zimmer / wo Er geschlaffen /
mit
- 151 -
119
mit eigener Hand des Sultans und dessen Vaters Nahmen in Türckischen
Caracteren an die Wand gemahlet / vermeinend dadurch das Hauß besonders
privilegiret und begnadiget zu haben.
Den 29. schickte endlich der Bothschaffter seine Equipage nebst dem meh⸗
rern Theil seiner Leute auf der Donau hinab / Seinen Quartier=Meister aber
ließ Er mit dem einen Roß=Schweiffe und denen auf der Reise benöhtigten
Zelten zu Lande voran gehen / dem Er selbst den 30. mit Seiner übrigen
Suite folgete. Der Abzug von Wien / allwo diese grosse Türckische Bothschafft
sich 9. Monathe aufgehalten / geschahe ohne sonderliche Solennität / jedoch in
guter Ordnung / unter klingender Türckischen Music / und mit fliegenden
Fahnen. Eine Compagnie Dragoner von dem Castellischen Regimente con⸗
voyrte die Ambassade; Sonst aber begleitete den Bothschaffter weiter niemand /
als der Kayserliche Ober=Dollmetscher / welcher Ihn biß zu denen Confinen
zu bedienen / und die jenige Cammer=Commissarien / so die Defrayr= und Be⸗
zahlung unterwegens zu thun hatten.
Was übrigens die Verpflegung belanget / welche die Löbliche Kayserliche
Hoff=Cammer der Türckischen Bothschafft zu Wien gegeben / so hat man da⸗
von anfangs nichts positives vernehmen können; Nachgehends aber ist man
versichert worden / daß ermeldte Hoff=Cammer erstlich auf des Bothschaffters
Person täglich 200. Gulden an bahrem Gelde zu allerhand / wie man es nen⸗
nete / schmeckenden oder wolriechenden Sachen / als Biesam / Ambra,
Scherbeth, Chocolata, Caffé &c. so wöchentlich ausgetragen 1400. Gul⸗
den / gezahlet; Zu Sein= und der Ambassade Unterhalt aber hat man die Vi⸗
ctualien in natura gereichet / so sich täglich auf 150. Gulden oder 100. Tha⸗
ler / die Woche 1050. Gulden / belauffen. Welches dann die ohngefährliche
Proportion gegen die jenige ist / welche der Kayserliche Groß=Bothschaffter
von der Pforte genossen. Deme annoch hinzu zuthun / daß man das nöthige
Futter für die Pferde und Camele à parte angeschaffet; Auch für den Bestand
des Wirths=Hauses / wo der Bothschaffter gewohnet / solche Zeit über 1200.
Gulden bezahlet worden / so daß diese Türckische Bothschafft sambt der Defray⸗
rung von und biß wieder zu den Gräntzen Ihro Kayserlichen Majestät höher
als auf 300000. Gulden zu stehen kommen ist.
Von Esseck wurde die Nachricht confirmiret / daß sich verschiedene ge⸗
tauffte Türcken bey des Bothschaffters Suite befünden / und lassen wir / was deß⸗
falls und sonst noch zuletzt vor der Außwechselung für schwere Mißhelligkei⸗
ten passiret / welche leicht zu Extremitäten ausschlagen können / particula⸗
riter hier einfliessen.
Umbständliche Erzehlung des jenigen / was so wol
vor=als bey Außwechselung der beyden Groß=Bothschaff⸗
ter des Römischen Kayserlichen und Türckischen / vorgegangen /
so den 4. Decembr. 1700. bey Salanckement geschehen.
ALs der Türckische Groß=Bothschaffter / Ibrahim Bassa, in Seiner Zu⸗
rück Reise von Wien den 23. November zu Darda angelanget war / schick⸗
te der General Feld=Zeugmeister / Herr Graff Guido von Stahrenberg / von
Esseck ihm den Obristen Kyba entgegen / nicht allein in seinem Nahmen Ihn
zu complimentiren und zu empfangen / sondern auch ihm mündlich zu hinter=
bringen
G g 2
Des Tür⸗
ckischen
Both⸗
schaffters
Equipa⸗
ge wird
zu Was⸗
ser voran
geschicket;
Er selbst
reiset zu
Lande ab.
Beyde
Both⸗
schaffter
bey Sa⸗
lanke⸗
ment a⸗
bermah⸗
lige Auß⸗
wechse⸗
lung.
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120
bringen / welchergestalt auf Ihrer Kayserlichen Majestät allergnädigsten
Befehl seine Bagage und Leute / wegen der mit weggenommenen und versteck⸗
ten Christen visitiret werden solten / ehe und bevor die Außwechselung vor sich
ginge; dannenhero dann der Herr General Stahrenberg Ihn / den Both⸗
schaffter / gantz freundlich ersuchte / daß Er selbst veranstalten möchte / damit
solche Christen / die bey Seiner Suite wären / zusammen geruffen und des
Nachts von dem Obristen Kyba auffgezeichnet würden / umb die würckliche
Durchsuchung zu vermeiden / und zu praecaviren / daß sein Respect nicht et⸗
wan durch einigen Auffstand / so leichtlich entstehen dörffte / darunter leiden
möchte.
Der Groß=Bothschaffter schien darzu gar geneigt zu seyn / und ver⸗
sprach nicht allein / solche Christen aufzeichnen zu lassen / wenn sich deren einige
bey seinem Gefolge finden solten / sondern auch ohne Renitentz / in Krafft sei⸗
ner schrifftlich gegebenen Versicherung / dergleichen Durchsuchung zu gestat⸗
ten / wo man sie auch verlangen würde.
Den 24. Brach der Groß=Bothschaffter von Darda auf / kam nach Es⸗
seck / und stieg auß seinem Wagen vor des General Stahrenbergs Quartier /
umb Ihm die Visite zu geben; Welcher Ihm / dem Bothschaffter / so wol
bey dem Ein=als Außzuge alle Ehre erwiese / indem die Guarnison im Ge⸗
wehr stund / und eine dreyfache Salve gegeben wurde / und Er Ihn mit allen
seinen Bedienten herrlich tractirete. Unter andern sagte der Groß=Both⸗
schaffter / daß der Groß=Vezier seine Zurück=Reise sehr pressirte; Er redete
auch von den Gräntz=Scheidungs=Affairen / und von der Erhaltung des Frie⸗
dens. Worauf Ihm der General Stahrenberg antwortete / daß Ihro Kay⸗
serliche Majestät das jenige jederzeit heilig hielten / und keines weges brächen /
was Sie einmahl versprochen und geschlossen hätten.
Wegen der Durchsuchung versicherte der Ambassadeur den Graffen
von Stahrenberg nochmahls / was Er dem Obristen Kyba gesagt hatte / und
zu Bestärckung dessen gab Er / als Er nach seinem Quartier gekommen war /
einen Christen=Knaben heraus; Jedoch wolte Er von denen andern / ob Er
gleich vorhin bekennet / daß deren noch sieben da wären / nichts weiter hören.
Noch denselben Abend spedirte der General Stahrenberg den General=
Wachtmeister von Creutz mit 300. Musquetirern nach Valkovar, mit Ordre,
sich an den Pass vor der Brücke zu postiren / und nichts von der Türckischen
Bagage passiren zu lassen / was nicht zuvor visitiret. Jedoch solte Er es zuvor
dem Groß=Bothschaffter zu wissen thun / damit derselbe auch einen von sei⸗
nen Ober=Officiers depurirte / um der Visitation mit beyzuwohnen / und zu
sehen / wie sie vollzogen würde.
Den 25. kam der Türckische Quartier=Meister mit dem ersten Roß=
Schweiffe / und einiger Bagage zu Valkovar an / und ob zwar der Lieutenant /
welcher vor der Brücke das Commando hatte / ihm sagte / daß Er Ordre hät⸗
te / die gebohrnen Christen zu arrestiren / die Er bey der Bagage finden wür⸗
de / so wiedersetzte sich doch der Türckische Quartier=Meister / unter dem
Vorwand / daß weder der Roß=Schweiff / noch das Gefolge darvon und die
Bagage, von jemand könnte angehalten oder visitiret werden; dem aber unge⸗
achtet / ließ man nichts passiren. Wie er hierauf mit 2. andern Türcken zu dem
General=
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General=Wachtmeister Creutz selbst gieng / und dieser Ihnen remon⸗
strirte / daß Sie nicht würden weiter fort marchiren dörffen / wann die Ba⸗
gage nicht zuvor durchsucht / consentirten Sie endlich in die Durchsuchung /
welche von denen Denuncianten / so von Wien gekommen waren / verrichtet
wurde; es fand sich aber dar kein Christ.
Den 26. kam der Capizilar Chihajasi von dem Groß=Bothschaffter mit
dem Obristen Kyba nach Valkovar, und bemühete sich / die Unsrigen zu per⸗
luadiren / daß man wegen der Gegenwart des Bothschaffters die Bagage ohne
Visitation solte passiren lassen. Als Ihm aber alle deren Ursachen vorgestellet
worden / willigte Er endlich im Nahmen des Bothschaffters in sothane
Durchsuchung der Bagage und des gantzen Comitats / jedoch mit dem Bedinge /
daß Er / der Capizilar, mit noch zween andern Türcken dürffte dabey seyn / und
also verhindern helffen / daß keine Disordre entstünde. Solchem nach ließ Er
in Gegenwart der Officierer / die hiezu commandiret waren / und der De⸗
nuncianten den meisten Theil der Bagage visitiren. Ob man nun wol glau⸗
bete / man würde mit solcher Durchsuchung / wie man angefangen / fortfah⸗
ren; so ergab sich doch bald das Wiederspiel / indem ein grosser Troup der vor⸗
nehmsten Türcken mit Camelen und Maulthieren den geraden Weg nach der
Brücke zu nahm / ohne von einer weitern Visitation hören zu wollen; sondern
sie drungen sich mit Gewalt durch die Wachen und über die Brücke.
Als man Ihnen wegen dieser ihrer grossen Insolentz Reprochen machte /
und sich dagegen setzte / kam der Bothschaffter selbst mit seiner Sui⸗
te in vollem Eyfer auf die Brücke zu / und verlangte mit dem General
Creutz zu sprechen / welcher Ihm dann auf seine zimblich ungestüme
Reden und Dräuungen wegen eines neuen Krieges gebührend ant⸗
wortete / Ihn seines eigenen schrifftlich und mündlich gethanen Versprechens
erinnerte / und nochmahls bedeutete / daß Er entweder die accordirte und an⸗
gefangene Visitation vollziehen zu lassen / oder gewärtig zu seyn hätte / daß
man Ihn die Brücke nicht passiren liesse. Nach solcher Remonstration und
Zureden kehrete der Ambassadeur, nachdem Er mit einigen Türcken sich dar⸗
über besprochen hatte / wiederum / campirete vor dem Paß und blieb allda
über Nacht.
Als Er aber den folgenden Morgen am 27. November sahe / daß Er von
denen Unsrigen keine andere Resolution erhalten konte / als daß man Ihn und
seine bey sich habende Suite allemahl mit gehöriger Willfährigkeit passiren
lassen / aber hingegen die gebohrnen Christen / so man kennen würde / absolu⸗
ment zurück halten wolte / enderte Er endlich seine Meynung / und resolvirte
sich / die Visitation zwischen unser und seiner Wachte in Praesentz des Obri⸗
sten Kyba und des Capizilar Chihajasi, jedoch dergestallt / vollstrecken zu las⸗
sen / daß man die erkanten Christen nicht so immediare in dem March weg⸗
nehme / sondern sie auffschriebe / und hernach von Ihm foderte / welches dann
auch also bey der gantzen Bagage, in Praesentz derer Denuncianten / ohne die
geringste desordre vollzogen wurde. Es funden sich aber nicht mehr / als 2.
gebohrne Christen / eine Manns= und eine Weibs=Person / beyde in Janitscha⸗
ren Kleidern / massen die Türcken / laut Außsage eines Christen / den man in
dem nahe angelegenen Morast gefunden / die vorige Nacht unterschiedene Per=
sohnen /
H h
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122
sohnen / theils in den Wald geschickt / theils auch von den untreuen Rätzen über
das Wasser transportiren lassen. Als nun solcher gestalt die Visitation ru⸗
hig verrichtet worden, passirte der Groß=Bothschaffter die Brücke / und
blieb zu gedachtem Valkovar über Nacht. Eben denselben Tag ließ der Gene⸗
ral Stahrenberg abermahlige Ordre an den Baron Fieger, Obristen Lieute⸗
nant bey dem Nehmischen Regiment / und lnterims-Commendanten zu Peter=
Wardein ergehen / auf dem andern Arm der Donau die Türckischen Bagage=
Schiffe anzuhalten und gnugsame Wachten zu bestellen / damit man dem Am⸗
bassadeur bey seiner Passage die Communication mit gedachten Schiffen ab⸗
schnitte / und also die Visitation nicht eludiret würde; Es gieng auch zu dem
Ende der General Stahrenberg in eigener Person nach Peterwardein. Als
Er den 28. allda ankommen / notificirte Er durch einen Expressen dem Groß=
Bothschaffter / Herrn Graffen von Oettingen / seine Ankunfft / und ließ Ihm
bedeuten / Er wäre deswegen in die Nähe kommen / um Ihm so wol bey Auß⸗
wechselung der Gefangenen / als auch in andern Vorfallenheiten an die Hand
zu stehen / und ein und andere nöthige Information zu geben. Was den Aus⸗
wechslungs Actum beträffe / so sey Er / der General Stahrenberg / einiger
importanten Motiven halber nicht willens / dabey als Principal Commissa⸗
rius in Person zu erscheinen / sondern wolle solche Function dem Kayserlichen
Obristen Kyba, Commendanten zu Brod / auftragen / als welcher ohne dem
den Bothschaffter biß zum Auswechslungs=Platze convoyren müste / und nur
etwan 3. oder 400. Mann bey Salankement die Parade machen lassen; Ver⸗
langte deswegen von dem Herrn Graffen von Oettingen beliebige Nachricht /
wen man Türckischer seits zum Principal-Commissario ernennet hätte /
weil weder der Commendante zu Belgrad / noch jemand anders mit dem O⸗
bristen Lieutenant Fieger wegen der Auswechselung tractiren wolte.
Worauf dann der Herr Graff von Oettingen antworten ließ / daß Er
den 1. Decemb. zu Salankement anzukommen vermeinte / und mit dem Herrn
General gantz einig wäre / daß Er die Auswechselung von einem seiner Subal⸗
ternen thun lassen solte / und zwar mit wenigerem Volcke / als vorm Jahre;
und daß Er so viel als möglich verhindern wolte / daß die Türcken einige Mann⸗
schafft aus Belgrad zögen / weilen die Pest daselbst starck grassirte. Wer als
Türckischer Principal-Commissarius bey der Auswechselung seyn würde /
wüste Er noch nicht.
Den 30. sandte ermeldter General Stahrenberg den Obristen Wacht⸗
meister von seinem Regiment / nebst dem Kayserlichen Gräntz=Dollmetscher
Michalowitz / mit denen zu Auswechselung der Gefangenen benöthigten schrifft⸗
lichen Documenten und vollkommener Information, zu dem Kayserlichen
Bothschaffter / welcher den Tag zuvor die Sau oberhalb Belgrad passiret
war. Er hatte Ordre bey Ihro Excellentz sich so lange aufzuhalten / biß die
Auswechselungs=affaire würde ajustiret seyn; und vornehmlich / daß der
Kayserliche Dollmetscher Michalowitz die nöthige Information wegen der
Gefangenen / welche sich auf den Gräntzen befünden / und von denen Er alle
Nachricht hätte / in specie wegen des Vergleichs zwischen dem Baron Nehm
und dem Achmet Effendi, ertheilen und remonstriren solte / wie des Herrn
General Stahrenbergs Gutachten dahin gienge / daß es zu Befreyung der
armen gefangenen Christen sehr dienlich seyn würde / wann die Türcken so wol
die
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die aus dem Bagno befreyete / als andere Gefangene / so sich zu Belgrad befün⸗
den / nach Salankement schickten / wohin auch der Herr General alle gefan⸗
gene Türcken wolte führen lassen / damit beyde Bothschaffter Sie alsobald aus⸗
wechseln lassen könten.
Indessen kam den 28. der Türckische Bothschaffter zu Czeringrad; den
29. zu Susek; und den 30. zu Czerowitz an; und als Er den 1. December ohn⸗
weit Peterwardein nach Carlowitz vorbey marchirte / bat Ihn der Obriste
Kyba im Nahmen des Herrn General Stahrenbergs abermahls / und ersuchte
Ihn mit aller Höfflichkeit / Er möchte sich doch gefallen lassen / jemand von
Seinen Officieren / zur Visitation der bey Peterwardein angehaltenen Schif⸗
fe / mitzuschicken; welches Er aber auf keinerley Weise bewilligen und von
der gantzen Visitation nichts hören wolte. Diesem ungeachtet wurden die
Schiffe gleichwol von einem Capitain / welcher als Major in der Vestung
Peterwardein lag; dem P. Superiore der Jesuiten / zween Kayserlichen Doll⸗
metschern / und denen Denuncianten in guter Ordnung besichtiget / und 15.
Persohnen zurück behalten / die theils getauffte Türcken waren und von sich
selbst wiederum zu Uns verlangten / theils auch gebohrne Christen von beyder⸗
ley Geschlecht: Worauf denen Schiffen verstattet wurde / weiter zu gehen und
nach Salankement hinab zu fahren.
Als eben denselben Tag von dem Kayserlichen Groß=Bothschaffter an
den General Stahrenberg Nachricht gekommen war / daß Er von den Tür⸗
cken versichert worden / Sie wolten alle gefangene Christen von Belgrad nach
Salankement bringen lassen / um daselbst Sie auszuwechseln / so wurden auch
die gefangene Türcken zu Peterwardein embarquiret / und mit einer starcken
Wachte nach gedachtem Salankement geschicket; den Tag darauf aber wi⸗
derum zurück beruffen / weil Nachricht einlieff / daß die Türcken / ohnerach⸗
tet Ihres gethanen Versprechens / nicht allein die gefangene Christen nicht zur
Auswechselung bringen wolten / sondern auch so gar Sie ins Gefängniß legen
lassen. Denselben Abend kam der Türckische Groß=Bothschaffter noch zu
Carlowitz an / allwo seine Leute ein Gerücht aussprengten / als wann Sie
eines und das andere von Ihren Sachen verlohren hätten / und deßwegen
unsere Husaren beschuldigten: worüber man unserseits fleissig nachforschete /
aber man hörte unter der Hand von Oste / allwo die Türcken über Nacht ge⸗
legen hatten / daß es nur ein falscher Lerm und nichts dran wäre.
Den 2. machte sich der Türckische Bothschaffter 2. Stunden vor Ta⸗
ge auf / und setzte seine Reise nach Salankement fort. Der Obriste Kyba war
voran gegangen / umb die Auswechselung zu veranstalten / und dem Kay⸗
serlichen Groß=Bothschaffter / welcher auch nicht weit von bemeldtem Salan⸗
kement war / solche Ankunfft zu notificiren. Wie ermeldter Obriste von dar zu
dem Türckischen Bothschaffter zurück kam / tractirte Ihn derselbe mit nicht
geringer Verachtung / und machte die Fenster in seinem Wagen zu; Wor⸗
auf der Obriste Kyba umkehrte und wieder fort gieng / hernach aber benach⸗
richtiget wurde / daß der Bothschaffter von seinem Capizilar Chiajasi die Vi⸗
sitation der Schiffe erfahren / und sich deswegen sehr zornig erwiesen hätte. Als
Er in seinem Quartier zu Salankement angelangt / verlangte der Obriste Ky⸗
ba abermahls mit Ihm zu sprechen; es wurde Ihm aber von dem Chiaja be=
H h 2
zeiget /
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124
zeiget / es wäre jetzo keine bequeme Zeit zu dem Bothschaffter zu kommen / wei⸗
len Er nicht allein etwas übel auf / sondern auch occupiret wäre / seinen Capi⸗
zilar Chihajasi nach dem Graffen von Oettingen zu schicken. Der Chiaja gab
auch zu verstehen / daß Ihr Bothschaffter nicht eher zur Auswechselung ko⸗
men würde / als biß die Persohnen / die man von den Schiffen weggenommen /
wieder restituiret wären. Worauf der Obriste Kyba replicirte; Der Both⸗
schaffter möchte sich so lange allda auffhalten / als Er wolte / hätte aber keine
Restitution zu hoffen. Indessen wurde der Capizilar Chiajasi nach dem Graf⸗
fen von Oettingen spediret / welchem der Kayserliche Dollmetscher Lackovvitz
fast auf dem halben Wege begegnete / der den Türckischen Bothschaffter
complimentiren gehen solte. Dieser wurde eben wenig vor Ihn gelassen / un⸗
ter dem Vorwand / daß unser Bothschaffter einen solchen Officier hätte schi⸗
cken sollen / der dem Capizilar Chiajasi im Character gleich wäre / und nicht
einen Dollmetscher. Und ob man gleich hiebey remonstrirte / daß der Lacko⸗
vvitz nicht allein ein blosser Dollmetscher / sondern auch noch etwas mehrers
sey; konte man doch damit anderst nichts ausrichten / als daß der Bothschaff⸗
ter endlich mit grossem Unmuth heraus brach: Er hätte Nasen und Ohren
schon so voller Complimenten / daß Er davon nichts mehr hören könte noch
wolte. Eben so betrug sich auch sein Capizilar, welcher sich so insolent in sei⸗
nem Reden bey unserm Bothschaffter bewieß / daß Derselbe auch genöthiget wur⸗
de / ihn weggehen zu heissen. Hierüber spedirte der Herr Graff von Oettingen
einen Expressen an den Herrn General Stahrenberg / und ließ Ihm der Tür⸗
cken insolentien=mithin wissen / daß der Türckische Bothschaffter die Leute /
die man aus seinen Schiffen genommen / nicht im Stiche lassen wolte / weil Er
praetendirte / daß Sie nicht Christen / sondern gebohrne Türcken wären / und
wann auch darunter einige Christen wären / so hätte man nach seinem Bedün⸗
cken / sie doch nicht so bald in Peterwardein behalten / sondern nach Salan=
kement chicken sollen / damit Sie dar wären examiniret worden. Worauf
der Herr General Stahrenberg antwortete: Es thäte Ihm leid / daß Er mit
den gebohrnen Christen nicht auch die getauffte Türcken von beyderley Ge⸗
schlecht zugleich hätte wegnehmen lassen / angesehen der Türckische Bothschaff⸗
ter bey der Restitution der würcklichen Christen sein schrifftliches Verspre⸗
chen so gar schlecht erfüllete / ja vielmehr das Wiederspiel bezeigte; und ob Er
schon in seiner von sich gestelleten Schrifft recusiret hätte / die getaufften Tür⸗
cken auffschreiben zu lassen / so könte Er doch mit keiner Gegen=Schrifft er⸗
weisen / daß wir nicht befugt / sie wegzunehmen; und gleichwie Er / der Gene⸗
ral Stahrenberg / nicht intentioniret seye / die Türcken vor seine Richter zu
erkennen / so wolte Er auch noch viel weniger mit dem Türckischen Bothschaff⸗
ter in ein gefährliches Compromissum sich einlassen: Er solte nicht gedencken /
daß man nach seinem Gefallen die weggenommenen Christen nach Salanke-
ment schicken würde; jedoch wäre Er nicht darwieder / daß ein verständiger
und desinteressirter Officier von Belgrad mit jemand von dem Bothschaffter
nach Peterwardein käme / die arrestirten Persohnen noch einmahl zu exami⸗
niren / damit die übel fundirte Praetension ihres Bothschaffters an den Tag
käme / und Er dadurch um desto mehr confundiret werden möchte. Es schie⸗
ne aber / als wann der Türckische Bothschaffter mit denen movirten Difficul⸗
täten nichts anders suchte / als denen Unsrigen ein und andere Sache abzu=
dringen /
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125
dringen / die sich nicht schickte / dannenhero müste man ihm nicht weichen / son⸗
dern in allem mit Gleichheit begegnen.
Da nun die Insolentzen der Türcken immer mehr und mehr zunahmen /
und Unser Bothschaffter von Ihnen weit genauer und sorgfältiger / als zuvor
geschehen / bewacht wurde / that endlich der Obriste Kyba deßgleichen / stellte
an die Linie der Gräntzen 400. Haiducken; an den Weg / der von dem Tür⸗
ckischen Territorio nach Salankement gehet / 50. Husaren / und ließ die
Teutschen Trouppen mit den übrigen Husaren rechter Hand oberhalb Salan⸗
kement, und befahl gute Wache zu halten: dannenhero niemand weder von
einer / noch von der andern Seite / durchpassiren konte / der nicht zu dem
Commendanten gebracht / und wegen seines Thuns examiniret wurde.
Des Morgens den 3. December kam ein Capizi Bassa mit dem Kayserli⸗
chen Dollmetscher Lackovvitz bey dem Türckischen Bothschaffter an / in der
Meinung / Ihn zu disponiren / damit Er in betracht der eingefallenen grossen
Kälte und Mangel so wol an Holtz / als anderen Nothwendigkeiten / aufbre⸗
chen / und die Außwechselung nicht länger aufhalten möchte / und da sonst gedach⸗
ter Ambassadeur des Morgens eher / als des Abends / zu persuadiren war / so
erhielten Sie doch in der That von Ihm nichts anders / als daß Er noch im⸗
mer der vorigen Meinung wegen Restitution der Christen insistirete / und
noch den Tag zu Salankement blieb.
Nachmittags zwischen 2. und 3. Uhr wurde man gewahr / daß zwo
Tschaicken von den Türckischen Schiffen / welche sich unterhalb Salankement
befunden / biß nach der Linie der Confinen hinauf fuhren / dannenhero Sie
von den Unsrigen angehalten und befragt wurden: Wo sie hin wolten? Wor⸗
auf Sie antworteten; Sie hätten dar zu thun / und dem Ambassadeur etwas
zu referiren. Aber eine Viertel-Stunde darnach fuhren sie diesseits der Linie
nahe nach den Türckischen Bagage=Schiffen zu; worüber der Obrist Kyba sich
alsobald bey dem Chiaja beschwerete / und wissen wolte / was das bedeuten
solte / daß Sie mit armirten Tschaicken sich unterstünden auf unsere Seite
zu kommen? Der Chiaja fragte: Ob sie nicht ihre Bagage und Gefangene mit
Gewalt hinweg nehmen könten? und was wir den mehr haben wolten / da Ihre
Schiffe nun schon gnugsahm visitiret wären / und man so wol Türcken / als
Christen / Ihnen weggenommen? Der Obriste Kyba unterließ nicht / Ihm ge⸗
höriger massen darauf zu antworten / und replicirte / daß / weil Ihr Both⸗
schaffter sein schrifftliches Versprechen nicht von sich selbsten erfüllet / man un⸗
ser seits solches adimpliren müssen. Indessen fuhren die Schiffe / von den bey⸗
den Tschaicken bedecket (ob gleich die Außwechselung noch nicht erfolget / und
auch von unsers Bothschaffters Bagage noch nichts herüber geführet war)
nach Belgrad zu.
Den 4. ließ der Türckische Groß=Bothschaffter den Obristen Kyba er⸗
suchen / nicht allein zu Ihm zu kommen / sondern auch einen Brief / welchen
der Kayserliche Ambassadeur Ihm addressiret / an den General Stahrenberg
zu senden / mit dem hinzuthun / Er wolte / ehe und bevor die Antwort darauf
nicht erfolget / noch die Restitution der Christen geschehen / nicht von dannen
aufbrechen. Worauf der Obriste Kyba replicirte / daß Er auf erhaltenen
höheren Befehl seine Trouppen in Ordnung gestellet / und dem Graffen von
Oettingen
J j
- 158 -
126
Oettingen schon notificiret hätte / daß man Ihm / wann es gefällig / also⸗
bald entgegen kommen / und auch ohne Außwechselung Ihn zu Uns bringen
könte; Ihm / dem Türckischen Bothschaffter aber stunde frey so lange zu
Salankement zu bleiben / als Er wolte. Hierauf nun resolvirte der Türckische
Bothschaffter sich geschwinde / und schickte seinen Capizilar Chiajasi zu dem
Ibrahim Seratli Bassa, welcher Commendant zu Sophia ist / und von dem
Türckischen Hoffe zu diesem Actu expresse nacher Belgrad zu gehen / beordert
worden / mit Befehl / die Stunde zur Außwechselung mit dem Kayserlichen
Bothschaffter abzureden. Bald hernach that der Graff von Oettingen dem
Obristen Kyba zu wissen / daß der hinc inde genommenen Abrede nach / die
Außwechselung um 11. Uhr vor sich gehen solte / und daß beyde Theile schon im
Anmarch wären. Der Obriste Kyba zog also seine Trouppen zusammen /
stellte auf beyde Seiten des Bothschaffters 2. Compagnien Dragoner / 300.
Haiducken und 200. Husaren / und marchirte man in solcher Ordnung nach
dem bestimten Platze / allwo die beyden Bothschaffter nebst denen Commissa⸗
rien abstiegen / und nahm der Obriste Kyba den Türckischen; der Seratli
Bassa aber den Kayserlichen Bothschaffter bey der Hand / und führete ein
jeder den Seinigen von der eussern zu der mitlern Säule. Beyde Both⸗
schaffter setzten sich allda auf 2. Feld=Stühle nieder / der Kayserliche auf
der Türckisch= und der Türckische auf der Kayserlichen Seite. Sie hies⸗
sen anfänglich einander freundlich willkommen / bald aber darauf hub der
Türckische Bothschaffter aus einem anderen Thone zu reden an / und be⸗
schwerete sich mit vieler Hefftigkeit über die zu Walkowar unternom⸗
mene Visitation. Er vermeinte / man hätte darunter so wol seinen Caracter
beleidiget / als den Kayserlichen Passeport nicht gebührend respectiret. Der
Herr Graff von Oettingen wolte obige Visitation, als wovon Ihm nicht alle
Umstände bekant / weder miß=noch billigen / sondern bemühete sich / diesen
Discurs, so viel möglich / abzubrechen. Als aber jener in seinem Eyfer immer
fortfuhr / gab der Herr Graff zu erkennen / daß dergleichen Beschwerungen
nicht an diesen Ort gehöreten / sonst Er vielleicht auch wol Ursache zu klagen
hätte. Er wäre zu frieden / daß man bey seinen Leuten eine gleichmässige Un⸗
tersuchung anstellete / auch wolte Er nicht ermangeln / die jenige Persohnen /
so man Ihm genommen / zu examiniren / und welche nicht von Geburt Chri⸗
sten weren / ihm zurück folgen zu lassen. Er könte also jemande seiner Bedien⸗
ten committiren / bey dem Examine zugegen zu seyn. Diese Erklärung gab je⸗
doch dem Türckischen Bothschaffter annoch nicht gnugsahme Satisfaction,
vielmehr gieng derselbe in eine weitläuftige Vorstellung darüber / daß der
Sultan dem Graffen von Oettingen eine so grosse Anzahl Christlicher Scla⸗
ven ohne Entgeld zu Constantinopel ausliefern lassen / dagegen man Ihm et⸗
liche wenige Persohnen von Wien mit wegzunehmen weigerte. Letzlich be⸗
schwerete er sich auch / daß man Kayserlicher seits die rückständige Separi⸗
rung der Gräntzen / welches ein Negotium von 2. Monathen were / so lange
trainirte. Und obwol der Herr Graff von Oettingen die Nothdurfft dage⸗
gen remonstrirte / wolte doch der Türckis. Bothschaffter keinen guten Ratio⸗
nen Platz geben. Indessen passirten beyder Ambassaden Suites über die Grän⸗
tzen; Sie / die Bothschaffter / stunden endlich auch auf / küsseten sich auf beyde
Backen / und nahmen damit von einander Abschied. Wie sie sich bereits geschie=
den
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127
den hatten / kam der Herr Graff von Oettingen wieder zurück / und küssete
den Türckischen Bothschaffter noch zum dritten mahl / sagend; Die zween ersten
Küsse hätte Er von Ihm / als Kayserlichen Bothschaffter empfangen / den letz⸗
tern Kuß aber gebe er Ihm für sich / als Graff von Oettingen und sein guter
Freund: Welche höffliche Bezeigung den Türckischen Bothschaffter lachen
machete / und zimlicher masse wieder besänfftigte. Die Türckische Gesandschafft
marchirte darauf nacher Belgrad / die Kayserliche aber gegen Salanke=
ment / und weiter auf Carlowitz / um die gewöhnliche Quarantaine zu halten.
Wie Sie allda anlangete / ließ der Kayserliche Commendante zu Peterwar=
dein / Baron de Nehm, den Herrn Grafen von Oettingen über seine An⸗
kunfft complimentiren / und schickte Ihm eine Wache / unter Commando
eines Lieutenants / welche hernach täglich mit neuer Mannschafft abgelöset
wurde.
Den 12. Decembris ließ der Herr Graff von Oettingen in der Ca⸗
pelle / Maria de Pace genant / und welche / wie schon anfangs gedacht / fürm
Jahre bey denen Friedens=Tractaten zum Conferentz=Hause gedienet / ein so⸗
lennes Danck=Fest / wegen der so weit glücklich vollbrachten Rückreise / hal⸗
ten / und das Te Deum laudamus unter Paucken und Trompeten=Schall ab⸗
singen.
Die Zeit der Quarantaine über / war offtgemeldten Herrn Graffens
vornehmste Application, wie die aus dem so genanten Bagno, oder Carcer zu
Constantinopel befreyete / zu Belgrad aber angehaltene Christliche Gefangene
möchten erlassen werden; und wurde endlich / nach gehabten vielen Conferen⸗
tzen zwischen vorermeldten Commendanten / Baron de Nehm, und des
Türckischen Bothschaffters abgeschickten Gevollmächtigten / geschlossen / daß
die Außwechselung der zurück gebliebenen Christlichen Sclaven gegen die diesseits
noch habende gefangene Türcken Kopf für Kopf geschehen / und was von die⸗
sen an der Zahl vor itzo abgehen würde / künfftig hin solte ersetzet werden; wie
man dann auch zu solchem Ende in denen Kayserlichen Erblanden die etwa
noch verhandene gefangene Türcken nochmahls zusammen suchen ließ. So
viel die zu Walkowar von des Bothschaffters Schiffen hinweg genommene 15.
getauffte Türcken / worunter eines Kayserlichen Hatschieren Frau sich mit
befand / betrifft / hat man sich Türckischer seits erkläret / daß falls dieselbe verlan⸗
geten / in Teutschland zu bleiben / und den Christlichen Glauben beyzubehal⸗
ten / wolte man von solcher Praetension abstehen. Wie nun der General de
Nehm diese Leute fürfodern ließ / und in Gegenwart des von Constantinopel
angelangten Königlichen Englischen Secretarij Schreyers befragte: Was Sie
zu thun gewillet weren? Bekenneten dieselbe insgesambt / daß Sie zu die⸗
ser Hinwegführung weren verleitet worden / versicherten aber / daß Sie von
dem Mahometanischen Glauben nichts wüsten / sondern in der Christlich=Ca⸗
tholischen Religion leben und sterben wolten; Welche Antwort ermeldter Se⸗
cretarius in einem Schreiben des General de Nehm an den Capizilar Chiajasi
nacher Belgrad überbrachte. Es ist dannenhero Türckischer seits dabey gelas⸗
sen / und nicht allein diese Schwerigkeit gäntzlich gehoben worden / sondern
auch die Dimittirung beyderseitiger Gefangenen nach und nach würcklich er⸗
folget; Wie dann zu des Herrn Graffen von Oettingen ewigen Nachruhm
gereichet / daß Er auf seiner Reise 8. biß 900. Christliche Gefangene theils mit
baarem
J j 2
Der
Graf von
Oetingen
hält ein
solennes
Danck=
Fest zu
Carlo=
witz.
- 160 -
Der Tür⸗
ckische
Both⸗
schaffter
wird Co⸗
mendant
zu Te⸗
meswar.
Des
Kayserl.
Both⸗
schaffters
Zurück⸗
kunfft
und so⸗
lenner
Einzug zu
Wien.
128
baarem Gelde ranzoniret / theils auf andere Weise / aus der Türckische Scla⸗
verey befreyet hat.
Den 5. Januarij 1701. brach die Kayserliche Bothschafft / wobey Gott
lob! nicht das geringste Zeichen einiger ansteckenden Kranckheit zu verspü⸗
ren war / von Carlowitz auf / und setzte die Zurückreise nacher Wien über Es⸗
seck und Ofen aufs schleunigste fort; Von dem Türckischen Bothschaffter
aber vernahm man bald hernach / daß Er zum Commendanten zu Temeswar
benennet / und dahin bereits abgereiset wäre. Welches einige als eine Disgra⸗
ce von der Pforte ansehen; andere aber deswegen für ein considerables Avan⸗
cement halten wolten / weil zugleich verlautete / ob were das Vezirat, so vor
dem letztern Kriege zu Ofen gewesen / nach gedachtem Temeswar mitverleget
worden / und daß von demselben künfftig so wol alle noch in Ungarn befindliche
Türckische Plätze / als viele andere benachbahrte Provintzen releviren solten;
worab dann bey dem Kayserlichen Hoffe die Furcht entstand / es möchte dieser
Bassa aus ressentiment wegen der letztern Streitigkeit denen dortigen Kayser⸗
lichen Gräntzen ein gefährlicher und incommoder Nachbahr seyn.
Nachdem nun der von der Ottomannischen Pforte zurück gekommene
Kayserliche Groß=Bothschaffter mit seiner Suite den 27. Januarij 1701. zur
Schwechet / 2. Meyle von Wien / glücklich arriviret / und Er solches Ihrer
Kayserlichen Majestät zu wissen gemacht / hat derselbe auf erhaltene Gnädigste
Ordre, mithin dem Ceremoniel des Kayserlichen Hoffes gemäß / den 29. dito
seinen öffentlichen Einzug in die Kayserliche Residentz und Burg gehalten.
Solcher Einzug geschahe Mittags nach 12. Uhren in das Stubenthor / mit
eben der Solennität / so fürm Jahre beym Abzuge vorgangen. Die Ordnung
war folgende: (1.) Ging ein Corporal mit ohngefähr 24. Mann von der
Stadt=Guarde. Darauf ritte (2.) der Stallmeister / dem des Bothschaffters
8. Türckische Hand=Pferde mit sehr reichen Schabaracken und Decken nach⸗
geführet wurden. (3.) Folgete eine Bande Hautbois, so sich stets hören ließ.
(4.) Wurden zwo grosse Fahnen getragen / deren eine gelb und schwartz / den
Kayserlichen Adler; die andere / so weiß / das Marienbild von Alten Oettin⸗
gen praesentirte. (5.) Kamen des Bothschaffters Pagen, Officiers, Cantzley=
und sämbtliche andere Bediente zu Pferde. (6.) Acht Trompeter nebst dem
Paucker / welche wechselsweise blusen. Hierauf ritten (7.) die Edelleute
vom geringern Rang, mit der rothen Standarte; Dann (8.) der Marechal,
dem die Cavalliers vom ersten Rang mit der weissen Standarte folgeten. Sie
hatten alle kostbahre Kleider an / und ritten mehrentheils auserlesene Türcki⸗
sche Pferde. Nach diesen kam (9.) der Kayserliche Dollmetscher Lackowitz /
nebst dem Legations=Secretario Macari, welcher des Sultans Recreditiv,
so sehr lang und breit / und in einem von Gold gestickten Futter verwahret war /
auf beyden Händen für sich trug. Hierauf ritte (10.) der Kayserliche Both⸗
schaffter selbst auf einem raren und nach Orientalischer Art köstlich außgezier⸗
tem Pferde / welches Ihm der Sultan verehret. Zu beyden Seiten gingen
seine Leib=Gardes mit ihren Partisanen beyher; und beschlossen endlich (11.)
den gantzen Train zwo des Bothschaffters Carossen mit 6. Pferden bespannet.
Als man in solcher Ordnung durch das Thor beym Hospital auf den Burg=
Platz kommen / rangirte der Marechal den Vortroup in zwo Linien. Die Offi⸗
ciers und Gentilshommes vom geringern Rang stiegen von ihren Pferden ab /
und
- 161 -
129
und giengen zu Fuß in den innern Hoff voran. Die Cavalliers aber ritten nebst
dem Bothschaffter alle hinein. Im hinaufgehen der Stiege fasseten den Both⸗
schaffter zweene seiner Edelleute unter die Arme / und zween Pagen trugen
Ihm den Peltz nach. Vor dem Ritter=Saal standen die Kayserliche Hat⸗
schiers und Trabanten im Gewehr. In der zweyten Antichambre entdeckte
sich der Bothschaffter / und wie Er eine kleine Weile allda gewartet / und von
der Noblesse die Complimente empfangen / wurde Er erst allein durch den
Obristen Cämmerer / Graffen von Wallenstein / in die Rath=Stube zur Au⸗
dientz bey Ihro Kayserlichen Majestät introduciret. Nach einer zimlich lan⸗
gen Unterredung kam der Herr Graff von Oettingen wieder herauß / nahm
das Recreditiv dem für der Thür wartenden Legations=Secretario ab / und
trug es Ihrer Kayserlichen Majestät hinein. Hernach wurden auch die Ca⸗
valliers und Edelleute hinein geruffen; da dann ein jeder / gleichwie beym
Abschiede / die Gnade hatte / Ihrer Kayserlichen Majestät die Hand zu küs⸗
sen. Von dem Kayser gieng man zu Ihrer Majestät der Kayserin allwo die
Audientz etwas solenner war / indem Dero Obrist=Hoffmeisterin und Dames
d’honneur mit zugegen waren. Der Bothschaffter wurde von der Kayserin
Obrist=Hoffmeister / Fürsten von Schwartzenberg / vor dem Audientz=Zim⸗
mer empfangen und hinein geführet. Nach diesem hatte der Bothschaffter bey
des Königes und der Königin Majestät Majestät / dann bey des Herrn=Ertz=
Hertzogs Durchleucht. und letzlich auch bey denen Ertz=Hertzoginnen Audientz /
und wurde es daselbst auf gleiche Weise gehalten / und die Edelleute zum
Hand=Kuß gelassen. Worauf der Bothschaffter in voriger Ordnung von
Hoffe durch die Stadt und zum rothen Thurn hinauß nach seinem Garten
in der Leopold=Stadt marchirte / und von dem sämbtlichen Gefolge dahin be⸗
gleitet wurde. Ermeldter Herr Graff von Oettingen hatte nachhero noch ei⸗
nige particulare Audientzen bey Ihro Kayserlichen Majestät / umb Derosel⸗
ben von seiner Verrichtung nähere allerunterthänigste Relation zu erstatten /
massen Er dann auch so lange / und biß Er in dem Reichs=Hoffrathe die Praesi⸗
denten Stelle wieder occupiret / den Türckischen Habit nicht abgeleget hat.
Von der gantzen Kayserlichen Ambassade seynd auf der hin= und her=Rei⸗
se nur 18. Persohnen gestorben / worunter gewaltsahmer weise umkom⸗
men / und 2. zu den Türcken übergeloffen.
Imgleichen sind die von Constantinopel nach Jerusalem gereisete Ca⸗
valliere (Siehe oben p. 86:) und welche in dem Heiligen Grabe Mense No⸗
vembri mit grosser Solennität zu Rittern des Heiligen Grabes von dem dor⸗
tigen Patre Superiori Franciscaner Ordens creiret worden / außgenommen
der Graf von Saur so zu Nazareth gestorben / nachhero zu Wien bey guter
Gesundheit wiederum angelanget.
Endlich ist auch im Monath Martio das biß daher rückständig gebliebene
Reglement der Gräntzen zu erwünschter Richtigkeit / mithin dadurch das
Carlowitzische Friedens=Instrument zu seiner völligen Execution gelanget /
wie denn darüber der Kayserliche Commissarius Graff Marsigli, in Ge⸗
genwart des Türckischen / folgendes Edict publiciren und öffentlich verlesen
lassen:
K k
Edictum
Die
Gräntz=
Schei⸗
dung
kombt
zur Rich⸗
tigkeit und
wird da⸗
rauf die völlige Execution des Friedens=Instrumenti publiciret.
130
Edictum pro plenaria Pacis Executione, nomi⸗
ne Augustissimi Romanorum Imperatoris ab Ejus⸗
dem Commissario sub Tentoriis suis publicatum, praesente Otto⸗
mannico Commissario, ejus Collegâ.
NOtum sit, quorum interest, omnibus; Postquam extinctis per De gratiam
cruenti illius ac immanis belli, inter Serenissimos atque Potentissimos Princi⸗
pes ac Dominos, Leopoldu l. Romanorum lmperatorem, & Turcarum Sulta⸗
nu Mustapha Han
Secundum, ejusque gloriosos Praedecessores, nuper gesti, motibus,
reductâque in ejus vicem almae Pacis tranquillitate, inter Serenissimos Principes
initae, inter alios Pacis hujus tractatus, altefatus Romanorum Imperator, ad con⸗
testandam amicitiae suae erga Sultanum sinceritatem, promiserat, se fulgidae Portae
restituturum, quidquid non tantum in Regno Bosnae, sed etiam in Banatu hoc Te⸗
mesvvariensi, per victricia sua arma acquisivit ultimo bello, ita ut conventa
utrinque loca hîc destruerentur, illic, excepto solo Vallo Brodensi, quod demo⸗
siendum erat, evacuarentur; id omne nunc demum rite, & ad justitiae normam
exactissime, vigore praesentium, adimpleri.
Nimirum cum in alma Pacis Instrumenti Articulo XVIII. expresse sit perscri⸗
ptum, ut absoluta designatione Limitum, statim subsequatur locorum demolitio
aut evacuatio: dictorum autem limitum universus tractus, praeter exiguum il⸗
lum Novensem, rite jam nunc sit absolutus, juxta Instrumentum universale,
inter nos ambos Commissarios erectum; hinc Suae Sacrae Caesareae Majestatis
Camerarius, Generalis Campi Vigiliarum Praefectus, Regiminis unius Pedestris
Colonellus, & ad distinguendos limites benignissime deputatus Commissarius,
Dominus Ludovicus Ferdinandus, Comes Marsigli, vigore suae Plenipoten⸗
tiae, nomine Augustissimi Romanorum Imperatoris, per praesens edictum cedit,
tradit, atque fulgidae Portae resignat, non tantum omnia loca Bosnae, cum suis
Territorijs, in ultimo bello à victricibus Caesaris armis acquisita, salvo tamen
Veteri Novi, ejusque Territorio, sed etiam omnem istam terram, Arci Temes⸗
vvar subjectam, & ab armis item Caesareis praeterito bello occupatam,
si tamen prius existentium in ea munitorum, aliorumque similium lo⸗
corum inceptae jam, & magnam partem confectae demolitiones totaliter
absolutae erunt, quod per proximos Commendantes, quibus id jam à Commissa⸗
rio Caesareo injunctum est, quantocius fore pollicetur. Notum sit igitur omni⸗
bus & singulis, qui per hanc Pacem fulgidae Portae facti sunt subditi, ut ex eo statim
tempore, quo edictum hoc promulgatur, Sultanum pro suo Domino imposterum
agnoscere, & cum summâ observantia semper colere debeant; quandoquidem
vicissim securi esse possunt de omnium, quas, durante ultimo bello, hostilitates
contra Imperium Ottomannicum fortè exercuerint, venia & perpetuâ oblivione,
à Sultano ipsis concedenda; praeter eos Rebelles, aut malecontentos Caesareos,
receptaculum aut fomentum in Ottomannica ditione quaerentes, qui vigore arti⸗
culi IX. Pacis Instrumenti nulla veniâ fruentur, nec in Imperio Ottomannico to⸗
lerabuntur; è contra vero, si deprehensi fuerint, merito supplicio afficientur,
sicuti idem planè ex parte Caesaris faciendum requiritur.
Si qui verò ex subditis Ottomannicis unam aut alteram praetensionem contra
Caesareos subditos se habere putent, ij, apertum semper justitiae Caesareae forum
se inventuros, absque dubio sibi persuadeant.
Sciant etiam ijdem, praecipuè autem Romano-Catholicae Religionis sectato⸗
res, quod fidei suae exercitium, vigore Articuli Instrumenti Pacis XIII. in suis
templis, cum suis sacerdotibus, liberè & sine aliquo ullo genere molestiae conti⸗
nuare, licitum illis sit, uti quidem de ea re inter Commissarium Caesareum, &
Seraskier Belgradiensem jam benè conventum est. Hoc itaque edicitur, & ad
diuturniorem rei memoriam, ter explodendo tormentum, pulsando tympana &
inflan-
- 163 -
Schluß.
131
inflando tubas, ante Tentoria Caesarea, & coram utriusque Imperij ambobus
Commissariis, expansis utrisque vexillis & Militiâ plenariâ, Pacis executio his⸗
ce publicatur ac in vulgus proclamatur, tam ad tollendam omnem ignorantiae ex⸗
cusationem, quam in aeternum testimonium, quod Majestas Sua Caesarea fidem
suam ac justitiam, universo orbi cognitam, constantem ac illibatam, etiam in hoc
tantae Pacis negotio, sanctè servaverit.
Et sic absoluta tandem Commissione Limitanea & Pacis executione, ambo
Commissarij ad suam uterque Aulam redituri Pacis hujus constantiam ab Omnipo⸗
tenti Deo, sibi autem felicia quaevis invicem apprecantur, libatoque Pacis oscu⸗
lo valedicunt. Actum in Castris Caesareis ad Pistram, Die quinta Martij 1701.
WIr wünschen zum Beschluß aus getreuem patriotischen Hertzen / daß /
gleichwie der Allgewaltige GOtt Unsers Grossen Kaysers Leopoldi I.
Waffen gegen Orient so glücklich gemachet / daß sie das Königreich Ungarn /
Fürstenthum Siebenbürgen / benebst andern angräntzenden Provintzen von
dem Ottomannischen Joch befreyet haben / Seine Güte dieselbe dergestalt
ferner segnen wolle / damit sie auch gegen Occident über die jenige vereinigte
Feinde / welche des Hochlöblichen Ertz=Hauses Oesterreich Gerechtsame aber⸗
mahl so empfindlich gekräncket / triumphiren / und dessen Gloire mit neuen
Conqueten vergrössern und verewigen mögen.
Eben itzo / da das Werck am Ende / kommt der bey der Ottomanni⸗
schen Pforte gewesene Königliche Englische Ambassadeur, Milord
Paget, den 4. Julij dieses jetztlauffenden 1702. Jahrs zu Wien
glücklich an / nachdem Ihre Kayserliche Majestät Ihn in Consideration
Seiner bey dem Friedens=Negotio geleisteten Mediation durch Ungarn
biß an Dero Residentz defrayren lassen / welches sonst keinem / als denen
ürckischen und Moscowitischen Bothschafftern / zu geschehen pfleget.
In der Audientz / so Er den 7.ten darauf bey Ihro Kayserlichen Majestät ge⸗
habt / haben Dieselbe Ihn gar gnädig empfangen und nicht ohne besondere Er⸗
käntlichkeit wieder von Sich gelassen. Auf der weitern Reise von Wien durch
die Kayserliche Erblande aber wird bemeldter Bothschaffter nicht defrayret.
Welches dem Curieusen Leser zur Nachricht noch hieher zu setzen dienlich er⸗
achtet.
Folgende drey Fehler wolle der Geneigte Leser ohnschwer zu än⸗
dern belieben / als:
Pag. 81. lin. 23. Deleantur verba: und bedeckten sich.
P. 84. Denen Worten unten am Rande: Der Kayserl. Hoff siehet das: muß
p. 85. in margine hinzugethan werden: grosse Türckische Zelt in dem Au⸗
Garten.
Nach p. 110. muß auf der ersten Seite folgenden Blats oben die
Numer 111. und auf der andern Seite 112. gesetzet werden.