<rdf:RDF xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:rdfs="http://www.w3.org/2000/01/rdf-schema#" xmlns:owl="http://www.w3.org/2002/07/owl#" xmlns:skos="https://gams.uni-graz.at/skos/scheme/o:oth/#" xmlns:t="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:dcterms="http://purl.org/dc/terms/" xmlns:gams="https://gams.uni-graz.at/o:gams-ontology#" xmlns:qhod="https://gams.uni-graz.at/o:qhod.ontology#"><qhod:Source rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17001210"><gams:isMemberOfCollection rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/context:owip" /><qhod:subProject xml:lang="de">Die Großbotschaften Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallersteins und Elçi İbrahim Paşas (1699–1701)</qhod:subProject><qhod:title xml:lang="de">Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein an Kaiser Leopold I., Karlowitz, 10. Dezember 1700</qhod:title><qhod:title xml:lang="en">Wolfgang IV zu Oettingen-Wallerstein to emperor Leopold I, Carlowitz, December 10, 1700</qhod:title><qhod:title xml:lang="tr" /><qhod:creator>Wolfgang IV. Oettingen-Wallerstein</qhod:creator><qhod:language>de</qhod:language><qhod:date>1700-12-10</qhod:date><qhod:type xml:lang="de">Brief</qhod:type><qhod:type xml:lang="en">letter</qhod:type></qhod:Source><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17001210#p.1"><gams:text>Alß ich Erchtag, den 16. Novembris fruhe von Nihsa abrayßen wollen, hatt sich ergeben, wie ich den tag zuvor in meinem an euer kay. May. allerunderthänigst abgelassenen besorget, daß die mir daselb- sten zur ablösung versprochene, undt nöthig gehabten fuhren noch nicht bey händten gewesen, sondern ich biß gegen 9 uhr daselbsten wartten müessen, ehe sie zusammen gebracht worden. Weillen nicht allein selbe statt sehr schlecht, sondern auch fast das gantze landt oedt, undt ohnbewohnet, wir dann derentwegen auch eine große anzahl deren wider mit genohmen werdten müessen, welche meine bagage von So- phia dahin geführet. Alß ich aber daselbsten weckh gerayßet, hatt mich nicht allein eine compagnie, oder fätzul der jenigen reutter, die mich bey meiner dahin khunfft vor der statt empfangen, in das nacht lager (woselbsten sie von andern abgelöset) undt so forth alle tag andere, biß in mein jedeß mahliges campement vor Belgrad (dann ich von dorth auß biß auff Salankement under denen zelten campiret, undt in kheinem dorff mehr logiret) begleithet, undt man mich bey denen jenigen palanken, worinnen einige stuckh gewesen, mit denen da- selbsten wenigen zu 1, 2 undt 3 mahl angeschossen, auch wo ich etwas späthers, undt schon bey tag abgerayßet, damit beurlaubet. Alß ich endtlich Donnerstag, den 25. eiusdem eine stundt von Belgrad angelanget, hatt mich daselbst deß dermahligen bahsa sein chihaia mit 4 compagnien reutter in mein campement, ohngefehr eine halbe stundt von der statt begeleithet. Daselbsten in nahmen ersagten bassa, mit entschuldtigung, daß er nicht in person khommen, weillen er sich nicht wohl befindte (so aber eine lauthere finta gewesen) solenniter empfangen, complementiret, undt mit öpffl, khesten, nuss, undt zuckher werckh nach ihren gebrauch, regaliret. Alß ich in erwehntes campement eingeritten, hatt man die stuckh ringß umb die statt drey mahl gelöset. Weillen man nuhn bey solcher meiner ankhunfft, in Belgrad nicht gewußt, wo sich der türckhische pott- schaffter auffgehalten, oder befundten, ich aber von dem graffen Quido von Stahrnberg schreiben von dem 22. bekhommen, daß er erst den 24. darauff zu ihm nacher Esseckh, undt vor den 7. December nicht nacher Salankement khommen werdte, alß hatt ge- melter bahsa nicht rathsamb befundten, daß ich vor erlangender nähe- rer nachricht davon, mich weither, undt über die Saw begebe, auß ursachen, daß, wann ich mich darüben auffhalten müeße, man mich daselbsten weith schwährer mit der erfordernden notturfft, alß jenseiths versehen khönnte, mich anbey versicherendt, daß an selber seithen (wie wahr) wegen der kranckhheith weith weniger ge- fahr, alß disseiths der Saw seye, deme mich dann bequemben müessen. Allein, weillen der orth, wo ich mich logiret, zimblich hoch undt ohngelegen, indeme er dem windt, undt ohngewitter sehr expo- niret, alldahr auch mangel am wasser gewesen, so habe ich mich an die Saw, oberhalb der statt gezogen, allwohin den dritten tag darnach bericht eingeloffen, daß der pottschaffter eben selbigen tag (so wahr den 29.) zu Carlowitz anlangen solle, darauff ich al- so baldt meine schwähre fuhren, undt mehrere wägen über ersagte Saw herüber marchiren lassen. Bin denenselben am Monn- tag nach Semblin gefolget, undt alldah hinder den berg, in mei- nen nen mithabenden, undt von denen Türckhen mir auß Constantinopel auch von Belgrad selbsten mit gegebenen zelten übernachtet, Erch- tag aber gahr fruhe auffgebrochen, undt nacher Panowiza marchiret, worbey zu berichten nicht underlassen, daß wie ich auß meinem campe- ment vor ersagten Belgrad auffgebrochen, undt mich deß bahsa chihaja mit 2 fähnlein reutter bey demselben abhohlen wollen, ich aber schon alle meine bagage abgeschickhet, undt lang auff ihn ge- warthet gehabt, undt ihn nicht erwartten khönnen, er mich doch gleich vor demselben rencontriret, undt durch die vorstatt, welche auff beyden seithen mit janitscharn in einer zimblichen anzahl in ge- wehr stehendt spaliret wahr, biß zum wasser vorahn, seine leuthe aber hinder meiner begleithet. Alldahr ich in eine tschaickhen gestiegen, undt gewarttet, biß nicht nur allein alle meine ross, undt leuthe, sondern auch die türckhische cavallerie, welche mich biß zu der außwechß- lung begleithet, auff großen platten, der chihaia aber mit einigen officieren in einer andern tschaickhen über die Saw gefahren, undt alldahr sich in ordnung gestellet. Nach welchen ich in ersagten tschaickhen, welcher 9 andere gefolget, undt mich biß in das lezte quar- tier vor Salankement begleithet, biß nach Semblin gefahren. Ne- ben meiner auff der linckhen seithen ist ersagter chihaia mit der reutterey ohngefehr von 400 mann zu landt marchiret, zu Sem- blin so dann, biß ich außgestiegen, undt wider zu pferdt gesessen, stehen geblieben, undt alß ich von dahr zu meinen zelten geritten, mit denen seinigen (aber allein biß an seine zelt, die ich vorbey reithen müessen) hinder mir marchiret. Alß oben angeführter massen ermelter chihaja mich bey meinen jenseiths der Saw ge- habten lager rencontriret, undt abgehohlet, hatt man angefangen, die stuckh abermahl umb die gantze statt los zu schießen. Sodann, wie ich auß der vorstatt an die überfuhr geritten, das andere- undt das dritte mahl, wie ich mit der tschaickhen abgefahren, alßo in allen 3 mahl, dergleichen auch auff der insel, so in der Donau über der statt liget, undt auff allen tschaickhen geschehen. Erchtag (so wahr der 30. Novembris) vor meiner abrayß von Semblin, alß ich eben mess lesen lassen, erhielte ich von dem graffen Quido von Stahrnberg nach- richt de dato 29., alßo den tag vorhehro, daß der pottschaffter seine rayß besser beschleunige, den 2. dieses zu Salankement sein nachtlager haben, undt alßo die außwechßlung der gesandtschafften den 3. darauff gahr zeitlich seyn khönne, welchemnach ich mit dem chihaja resolviret, den Mittwochen zu Paranowiza (weillen es ein gantz gesundter orth, undt daselbsten alle notturfft gelegen zu haben gewesen) zu verbleiben, undt Donnerstag den 2. eine hal- be stundt von Salankement zu übernachten, undt zu campiren, wie geschehen, von dahr ich abendts zwischen 4 undt 5 uhr (umb welche zeith der pottschaffter zu ersagten Salankement angelanget) den Lakowiz dahin geschickhet, denselben zu complementiren, die zeith, undt den modum der abwechßlung, auch wie man sich bey denen abwechßlungs saullen zusammen findten khönne, wie ich gleichen die angelegenheit der gefangenen zu praepariren, undt zu incammi- niren, den er pottschaffter aber (wie ich vernohmen, weillen er wegen der visitation seiner bagage, undt schiff zu Esseckh, undt Peterwaradein Peterwaradein gantz wildt wahre) dahmahlen nicht vorgelassen, aber eben umb die zeith, alß der Lakowiz dahin geritten, undt zu Salankement wahre, seinen chihaia mit einem complement zu mir geschickhet. Welcher ersagte visitation sehr hoch angezogen, undt geklaget, daß selbe mit großer ohngestümmigkheit, vehemenz, undt insolenz geschehen, ihm 14 Türckhen (wie er sie genennet) heraus genohmen, seine sachen, so gahr auch die kleyder under einander geworffen, selbe zu seinem spott außgebeuttelt, alß wann einige Christen darin- nen versteckhet seyen, undt selbe herauß fallen sollen, mit steckhen undt degen in die körbe, undt wägen gestochen wordten, auch vill an- dere dinge angeführet, welche wohl meritireten, daß alle dabey gewe- sene officiers, die den actum verrichtet, undt zugesehen, aydtlich exa- miniret würdten, damit man eigentlich wissen möge, ob dabey alßo exediret wordten, oder nicht? Undt darüber ein formal instrument auff- gerichtet werden khunnte. Er hatt auch in nahmen deß pottschaffters von mir begehret, ich solle die ihme entnohmene leuthe zu mir vor der außwechßlung bringen lassen, selbe selbsten examiniren, undt wann sie bekhennen, daß sie gebohrne Christen seindt, selbe behal- ten, undt wider zuruckh führen lassen, wo sie aber sich alß Türckhen erklähren, selbe ihme restituieren. Er pottschaffter wolle von mir die erkhanntnus darüber annehmen, meinem ausspruch nachleben, den gewaldt, schimpff, undt violationem legationis aber bey der Porten an- bringen, mit villen betrohungen.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17001210" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17001210#p.2"><gams:text>Deme ich nach praemittierung eines gebührenden gegen complement, undt meiner erfreuung über seine ankhunfft, gesundtheit, auch deß zu Wienn, undt biß nacher Esseckh empfangenen vergnüglichen tracte- ment nach seinen meriten, undt charactere (so er biß dahin sehr ge- rühmet) gesuchet, die geklagte violenz, undt excehs in modo visita- tionis seiner schiff, undt bagage auff das beste außzulegen, undt auß- zureden, undt anbey so wohl den commendanten zu Esseckh, alß Peterwaradein zu entschuldtigen, undt zu persuadiren, daß es wider ihren willen, undt ordres, undt allein auß übermuth von dem ge- meinen mann geschehen seyn müesse (wie dergleichen leuthe an allen orthen nicht solcher occasion praevaliren, undt mißbrauchen) nicht zweifflendt, wann solche excehs vorbey gangen, undt er selbe geklaget hette, ihme darüber alle satisfaction geschehen seyn, oder noch geschehen würdte.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17001210" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17001210#p.3"><gams:text>Was aber die hinweckhnehmung der leuth in specie betreffe, da hette ich khein aigentliche nachricht, doch von einiger zeith hehro verschidentlich gehöret, daß zu Wienn, undt auch under weegs solche dinge vorgenohmen wor- den, welche ich mir die gantze zeith hindurch, alß ich in den türckhischen reich gewesen, nicht einmahl einfallen lassen. Ich wollte aber nicht ermanglen, bey negster zusammenkhunfft mit beyden herrn commendanten mich darüber recht zu informiren. Auff das erste behauptete er, daß es auß special befelch, wider euer kay. May. ihme gegebenen sicherheiths brieff geschehen, derentwegen er auch die notturfft höherer orthen anbringen müeße, massen er mir solches nicht klage, cum intentione darüber ein remedium zu suchen, son- dern mir es nur ad notitium hinderbringe, damit ich wisse, wie es seinem herrn ergangen, undt derselbe despectiret, auch affcontiret worden wordten, dergleichen schimpff in seines kayßers landten ich nicht erlitten. Auff das andere aber, daß sein herr nichts gethan, was nicht denen arti- ulis pacis, undt denen mit euer kay. May. hoff gethanen ab- reden gemäs, alle leuthe, die er habe, undt wisse, seyen ihme ge- schenckhet, oder von ihm erkhaufft wordten. Alß ich nuhn auff dieses geandtworttet, undt gesaget, daß ich das wider spihl vernohmen, mas- sen ihme ein schreiben von dem herrn cardinal Kollonitz de dato 17. Octobris vorgewisen, darinnen seine eminenz under andern melden, daß er pottschaffter dahmahl mehr nicht, alß allein einen Türckhen, undt eine Türkhin gekhauffet, die andere alle aber gegen die versicherung, die er gethan, alle euer kay. May. underthanen, ohne geldt los zu machen, bekhommen, welches er auch dem churfürsten in Bayern schrifftlich versprochen. So hatt er solches alles zimblich teutsch, undt grob widersprochen, undt noch einmahl hoch contestiret, daß er alle ge- khaufft, oder ihme ohne einige bedingnus, oder gegen versprechen, geschenckht wordten. Massen man ein widriges nicht erweisen khönne, oder daß er sich dargegen verbundten (gestallten auch der Talmann sich sonsten kheines zu erinneren gewußt, ausser was mit wenigen under weegs geschehen, dessen handtschrifft derselbe bey händten) daß alßo zu er- barmen, daß dem mann so ville leuthe ohne einige gegen obligation oder versicherung, Christen darfür außzuwechßlen, gegeben, undt zu geben verstattet wordten. Er laugnete so gahr ab, daß ihme die bay- rische, oder sächsische mit einiger obligation abgefolget, undt be- hauptete, daß auch selbe ihme absque conditione geschenckhet wordten. Weillen mir nuhn den gefolgten tag der graff Quido von Stahrnberg das mit denen abgenohmenen leuthen vorgenohmene examen commu- niciret, undt begehret, denen Türckhen, wann sie dasselbe diffidi- ren wollten, zu offeriren, sich zu ihm zu begeben, undt deren auß- sag selbsten zu hören, sie aber darzu nicht zu vermögen gewesen, sondern mir obiges offertum gethan, mit anzeig, daß er pottschaffter eher sich kheinen tritt moviren, sondern biß es geschehe, zu Salanke- ment stehen bleiben wolle. So habe ihn graffen ich ersuchet, doch an- bey frey gestellet gelassen, ersagte leuthe wohl verwahrter na- cher Salankement zu schickhen, umb sie alldahr in einiger Tür- ckhen gegenwartt noch einmahl nach deß pottschaffters verlangen zu examiniren zu khönnen. Ich beklage diese begebnus umb so vill mehrer, alß der mehrere theill der abgenohmenen leuth so ärger- lich sich selbsten denen Türckhen ergeben, undt dahehro nichts besseres von ihnen zu hoffen. Undt gleichwohl denen armen gefangenen auß der bagno nicht weniger alß andern armen Christen darmit sehr ge- schadet, indeme dieser erledigung dardurch gantz gehindert. Jene aber zu Belgrad auff zuschreiben deß gesandten (undt daß man auch meine bagage anhalten, visitiren, undt mir meine frey gemachte ge- fangene zuruckh halten solle, darahn es auch gestandten, wann der chihaja nicht so discret gewesen währe) zuruckh behalten, undt nicht los gelassen, sondern anstatt, daß sie mir nachgefolget, wie verlauthen will, de novo in eyssen geschlagen, undt in die dem- nitz gelegt werdten seyn sollen, ohnerachtet sie bey meiner ab- rayß von Belgrad schon rayßferttig gestandten, undt zu wasser nachfahren sollen. Nach dieser deß chihaja der länge nach gethanen exaggeration exaggeration der vorgenohmenen schiff visitation, undt beschwährnus gegen die dabey vorgegebene, alß scandalose excehsen, undt violation deß iuris gentium et legationis, hatt selber vorgebracht, daß sein pottschaffter sich kheines weegs von dem obrist Kyba werdte außwex- len, noch selbe permutation vorgehen lassen, biß nicht ein anderer bestellet, sondern eher den gantzen winther zu Salankement stehen bleiben wolle. Welches insolenta verlangen ich ihme reprochiret, undt demselben remonstriret, daß der obrist Kyba in suo officio mehr, alß ein chihaja eines angesezten vesier (den man anfänglich, undt biß dahin vermeinet, daß er die außwechßlung verrichten werdte). Dieses seye nur eines kay. dieners diener, der Kyba aber im- mediate eines kayßers officier. Zudem, so seye khein anderer vorhandten, wann auch nöthig währe, eine verenderung vorzuneh- men. Es wollte aber selben abendt so wenig bey diesen chihaia, alß den andern tag bey seinem pottschaffter verfangen, undt dieser umb khein ding auffbrechen, oder die außwechßlung vorgehen lassen, biß nicht die ihme abgenohmene leuthe mir gestellet, von mir exa- miniret, undt außgesprochen, ob sie Christen, oder Türckhen seyen, undt sie von ihm, oder von wehm weckh genohmen wordten. Gestallten er auch den dritten tag darauff beharret, alßo daß ich mich nicht entbre- chen khönnen, ihme einige satisfaction zu geben, obgemelter massen an den graff Guido zu schreiben, der schon gewußt, was er zu thuen, oder zu lassen gehabt. Es hatt aber Gott in der nacht ein mittel geschickhet, indeme in selber sich ein so großer windt er- hoben, undt kälte eingefallen, es auch biß in den gefolgten tag geschnyhen, daß nicht nur allein mir, undt dem belgradischen chihaja, sondern auch ihme pottschaffter selbsten ohnmöglich gefallen, länger under den zelten zu stehen, sondern necehsitiret wordten, die außwechßlung ohne einiges weither melden von dem obrist Ky- ba vorgehen zu lassen, undt auffzubrechen. Welche auch auff diese weiß, wie vergangen jahr, undt nach der bißhehrigen observanz geschehen, wie dann auch der obrist Kyba den türckhischen pottschaffter, undt der Seradli Mehemed bahsa zu Kiostendil 12 stundt von Sophia gegen Albanien, mich außgewechßlet, deme ich zur danckh- sagung eine kleine von dem cahsier bekhommene sackhuhr verehret. Vor der außwechßlung hatt deß vesier chihaja mir offeriret, eine zelt auffzuschlagen, undt uns pottschafftern einen cave zu geben, worfür ich mich bedanckhet. Weillen mich nicht gedunckhet, geräumbet zu seyn, dergleichen anzunehmen, nachdeme ich zumahlen nie gehöret, oder gelesen, daß vor diesem jemahlen dergleichen geschehen, undt ich so wenig vor, alß nach der außwechßlung auff jene, alß der pottschaffter auff meine seithen hette tretten khönnen. Sondern wir haben unß bey- de, gleich alß wir zur mitteren säullen zusammen gekhommen, auff unßere sessel gesetzet, woselbsten das complement weder gros gewesen, noch lang gewehret, sondern der pottschaffter alßo baldt auff seine klagten, undt beschwährnus wegen vorgegebener violenter visitation seiner bagage undt schiff, wie auch abnehmung der leuthe gefallen, wie oben gemelter massen von dessen chihaja geschehen, deme ich auff gleiche weiß geandtworttet, undt vorgehalten, daß er selbe selbsten accordiret. Er erhitzete sich aber darüber so sehr sehr, undt redete so hitzig, undt grob, zumahlen wider euer kay. May. hoff, undt die von deroselben ergehende verordtnungen, daß ich zu thuen genug gehabt, zu verhindern, daß darauß nicht ein offentliches wortt gezanckh wordten, sondern möglichst davon abge- brochen. Wie er dann, alß ihme das mir nacher Constantinopel ge- schickhte instrument zustellen, er selbes auff kheine weiß annehmen wollen, mit vermelden, es währen deren mehr gemachet, undt kheines gehalten wordten, was er damit machen solle? Ließe auch das origi- nal hervorbringen deß jenigen, welches vor 2 jahren mit dem graff Schlickh, undt general de Nehm gemachet wordten, sagendt, selbes seye schon 2 jahr gemachet, undt dato nicht einmahl exequiret, oder vollzogen wordten. Neben villen andern hartten reden, die ich nicht underlassen habe, kürtzlich zu beandtwortten, undt under andern zu sagen, daß ausser diesen (so doch nuhnmehr in fieri seye, undt man derentwegen zusammen gekhommen) ex parte Portae kheinem nachgelebet wordten, an euer kay. May. seithen aber nie nichts ermanglet. Alß ich nuhn wegen der gefangenen auß der bagno, undt wegen erfüllung deß vorgezeigten schlickhschen tractat reden, hatt er nichts anhören wollen, mit anzeig, er habe, undt wolle nichts mehr mit denen gefangenen zu thuen haben, sie mögen gefangen bleiben so lang sie wollen, ist alßo dieß der effect mehr berührter visitation, so ich vorgesehen, daß die übrige arme leuthe alle in das höchste elendt dardurch gesezet wordten, undt daraus der praetext genohmen werdten wirdt, sie, wo nicht ewig, doch noch lang genug, in demselben zu behalten. Er klagte endtlichen auch wider den graffen Marsigli, undt bathe, daß in einem von dem vesier nacher Wienn geschickhten schreiben enthaltene begehren zu secundiren. Undt alß ich fragte, weillen ich seith meiner abrayß von Constantinopel nichts von seiner commihsion gehöret, in was terminis selbe stehe, andt- worttete er, undt publice böshaft, nemblichen der eine sitze in einem, der andere an dem andern orth, euer kay. May. müeßen dem Marsigli geldt, undt die bauren die lebens mittel geben, dabey werdte er reich, undt befindte sich besser, alß wann er bey seinem regiment, oder in quartier allein bleibe. Derselbe habe khein ver- langen, die grenetz scheidtung außzumachen, weillen ihme dardurch diese mittel entgingen. Schmählete in übrigen sehr wider ihn. Ich gabe ihm zur andtwortt, daß es eine ordinari sach seye, daß, wann ein minister eines potentaten nicht thuen, oder ein willigen khönne, was der andere verlange, man selben für suspect, undt zuwider halte, undt gegen ihn excipiret werdte. Die frag seye aber dieß orths, welcher recht, oder ohnrecht habe, welches wir dahmahlen nicht auß- machen wollten, bey welchen umbständten. Undt alß erschiene, daß wegen der gefangenen nichts mehr zu richten, sondern alle hoff- nung verlohren, diese, undt andere arme leuthe alßo vor langer zeith, oder wohl gahr nicht mehr zu erlösen, sondern das werckh besorglich de novo bey der Porten incamminiret, auch neue or- dres, undt befelch an den commendanten zu Belgrad außge- bracht werdten müessen, darüber mit dem commendanten zu Peterwaradein derer angelegenheit abhandtlen zu khönnen, herent- gegen man leicht in eine solche wortt wechßlung außbrechen khönnen khönnen, welche auch in andern mehr schaden, alß nutzen bringen dorffen. Weillen der mann zimblich grob, undt für wahr sehr starckh herauß gegangen, alß habe ich abgebrochen, abschiedt genohmen, undt seindt wir, noch ohne beyderseiths zu verhalten, in fridten auffge- standten, gegen einander außgewechßlet wordten, undt von sammen gegangen. Wornach mich nacher Salankement begeben, undt daselbst in der thatt erfahren, was dem pottschaffter (damit ich nicht besser, alß er gehalten werdte, undt zwischen unß kheine weithere competenz oder jalousie entstehe) vergangen jahr zu Gruschenthall begegnet, undt er mir bey der außwechßlung under andern offentlich vorgesaget, wie es geschehen. Daß ich nemblichen weder meine bagage forth zu brin- gen, noch zu meiner verpflegung eine genugsame anstallt findten werdte, undt beydes, wie ein prophet errathen, massen dann meine leuthe (deren theills mit einem halb dutzet frembden geistlichen, so sich bey mir zugeschlagen, von dahr biß hiehehro in schnee, undt windt zu fues gehen müesen) undt bagage biß in den 4. tag zuruckh geblieben, daß so gahr euer kay. May. cahsa allhier eher nicht ankhommen. Indeme kheine genugsambe fuhren, noch vorspann vorhandten, undt was von viech vorhandten, alßo abgemattet gewesen, daß selbes nicht mehr gehen, die wägen auch alßo zugerichtet, daß sie das wenig darauff gelegte nicht mehr ertragen khönnen. Wie dann under andern auch mir ein wagen mit einem theill meines ziehrgadten auff der strassen zerbrochen, daselbst liegen blieben, die bauern in der nacht mit denen ochßen davon gangen, undt die ladung von gewürtz, specerey, undt zugemües, welche ich zu Constantinopel, undt under weegs mit mehr, alß ein hundert thaler erkhaufft, auff der strassen hinweckh genohmen wor- den.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17001210" /></qhod:Text><qhod:Text rdf:about="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17001210#p.4"><gams:text>Was anbelanget meine allhiesige verpflegung, da ist zwahr die not- thurfft an fleisch, undt trunckh in natura, wie auch die füetterung für die ross, darumben ich allerunderthänigsten danckh sage, zimblich außlänglich angeschaffet. Ausserhalb, daß mir umb ein centner rindtfleisch, undt ein paar aymer wein täglich zu wenig angewisen, ohne dessen ich aber wegen menge der leuthe ohnmöglich bestehen khan. In übrigen (alß an butter, schmaltz, saltz, gewürtz, zugemüess, undt andern dergleichen notturfften, das angewisene kochen, zurichten, undt geniesen zu khönnen, welches ich täglich vermög der dem graffen Volckhara überschickhten lista, brauche, undt worfür mir die Türckhen das geldt gegeben) das geringste nicht angeordtnet wordten. Derentwegen ich ihn ersuchet, mir selbes gleichmässig in natura, oder an geldt, was es zu Peterwaradein khostet, undt wie ich es bißhehro bezahlen müessen, zu ersetzen. Weillen euer kay. May. allergnädigster will, undt mei- nung nicht ist, daß ich, nachdeme zumahlen, Gott lob! mit all denen meinigen annoch in vollkhommener gesundtheit lebe, undt kheine verdächtige, oder kranckhe persohn nicht bey mir habe, mit meiner mehrern beschwährnus, undt größern aigenen ohnkhosten, wie es mir auch nicht möglich währe, allhier zehren, undt mich in ein undt andern verkhösten solle. Bitte derohalber gantz un- derthänigst, auch dißfalls den abgang realiter allergnädigst zu zu verschaffen, gestallten mir ohne der würckhlichkheit, undt mit alleinigen befehlen nicht geholffen seyn würdte, wie ich dann all- schon in der thatt erfahre, daß mir auch das allhier offerirte, nicht ordentlich gegeben wirdt, indeme meine pferdte anderthalb tag nicht genugsamb heu bekhommen, undt was an diesen sachen, heu, holtz undt andern, wie ingleichen an fuhren, diensten, undt sonsten gegeben werdten solle, undt nöthig ist, mehrern theill hiesigen armen leu- then allein auff gebürdtet werdten will, wordurch sie nothwendig zu grundt gehen müessen. Der größte mangel aber scheinet zu seyn, daß niemandt sich deß werckhs recht annimmet, oder genugsambe macht hatt, ein undt anderes zu befehlen, undt zusammen zu treiben, oder zu exequiren. Ich verhoffe jedoch, nachdehme der dreyssiger sich noch zimblich umbthuet, es solle alle tag besser, undt alles nicht gahr lang, damit euer kay. May. auß allen diesen khosten gesezet, undt ich allhier, allwoh ich noch zimblich für meine per- sohn accommodiret, baldt erlediget werdten. Der ich mich zu kay. huldten undt gnaden underthänigst gehorsambst empfehle. Eure rom. kay. May.</gams:text><qhod:isPartOf rdf:resource="https://gams.uni-graz.at/o:owip.l.hbg.17001210" /></qhod:Text></rdf:RDF>