Allerdurchleuchtigst großmäch-
tigst undt unüberwindlichster römischer
kayßer×, auch zu Hungarn× undt Böheimb×
könig.
Allergnädigster herr.
1
Demnach gestern abendt zwischen 7 undt 8 uhr überbringer
dieses, den 17. Septembris von Wienn× aus euer kay. May.×
allergnädigsten befelch von graffen Schlickh×, undt mir an
die türckhische Pfortten expedirte courrier, bey dem dorff Ma-
rosch gegen Vizegrad× über bey mir angelanget. Undt von
den beyden zu Carlowitz× gewesten plenipotentiariis, auch denen
zweyen daselbst befindtlichen mediatoribus, die andtwortt auff
unsere an dieselbe ins gesambt, nicht weniger alß meine abge-
lassene particular schreiben zuruckh gebracht, so habe nicht
ermanglen sollen, euer kay. May.× hiermit davon copias
alßobaldt allerunderthänigst beyzuschließen, darüber in ein
undt andere dero allergnädigsten kay. befelch erwarttendt.
Ich hette nicht underlassen, auch copias von deme, so die gränitz
scheidung betrifft, graffen Marsigli× zu seiner direction zu
communiciren. Weillen ich aber nicht gewußt, wo er sich auffhalte,
undt welchen weeg ihme meine schreiben anderst, undt näher, alß
über Peterwaradein× zubringen solle, aber berichtet worden,
daß ein courrier von hier eher auff Wienn×, als dahin, undt
ein anderer eher von dahr, alß über gesagtes Peterwaradein×
denselben erreichen, mithin auch ein ohngewiß anwendendes post
[38v]
ohnkhosten erspahret werdten khönnen, so habe es underlassen,
nicht zweifflendt, euer kay. May.× die allergnädigste vor-
sorg verfügen werdten, damit ihme graffen× die berührte nach-
richt davon zu seiner direction zu khommen möge.
2
Euer kay.
May.× werdten under anderem allergnädigst ersehen,
was der Mauro Cordato× in particulari wegen seiner
praetension
an Sibenbürgen× undt Debreczin×
auff das jenige andtworttet,
so an denselben ich aus Wienn× abgelassen, undt bey
euer kay.
May.×
kriegs cantzley befindtlich. Von Debreczin× habe zwahr
die hoffnung vor meiner abreys erhalten, daß
selbe guette leu-
the das noch ruckhständtige capital
abzutragen nicht ohngeneiget,
zu dem, undt zwahr sehr großen interehse,
aber haben sie sich
nicht verstehen wollen, sondern selbe gahr
beweglich depreciert,
undt ihre ohnmöglichkheit dargegen
vorgestellet. Aus Siben-
bürgen× habe ich in 6 monath, undt so
lang ich von Carlowitz×
wider
nacher Wienn× zuruckhkhommen, mehrere andtwortt oder
nachricht
nicht erhalten khönnen, alß daß man solches
gesuch, bey jüngst ge-
haltenen landttag vorbringen wolle. Daß ich
also weither nicht
weiß, was ich bey meiner ankhunft zu Constantinopel× ihme wei-
thers sagen, oder inmittelst andtwortten
solle. Will alßo auch in
[49r]
underthänigkheit erwartten, was euer kay. May.× auff sein
dermahliges ansuchen allergnädigst erkhennen,
oder mir allergnädigst be-
fehlen werdten.
3
Anbelangendt deß türckhischen gubernator× zu Belgrad× schreiben,
darauß erscheinet, der Porten gleich
anfänglich allzu vill ein-
geraumbet worden zu seyn, daß von dahr zu
wissen begehret
wordten, wehme dieselbe zu außwechslung der
gesandtschafft ver-
ordtnen werdte, undt daß besser gewesen seyn
dörffte, wan
man ex parte euer kay. May.× ihme zugeschriben hette, von was
conditionen sie eine persohn brauchen wollen,
umb sich nicht nach
derselben zu reguliren, sondern sie vill mehr
nach euer kay.
May.× convenienz anzuweisen. So vill
khommet gleichwohl auß
seiner andtwortt, undt gahr klahr herauß, daß
der gubernator×
die permutation zu thuen nicht gesinnet,
indeme er meldet, aller-
handt subiecta under seinem gewaldt zu einer
abordtnung zu haben,
wie er dann von einer zeith hehro weith höher
promoviret wordten,
alß er vorhehro gewesen, daß ich alßo noch
einmahl ohnvorgreiff-
lich darfür hielte, es würdte euer kay. May.× am aller repu-
tierlichsten seyn, wan sie ihres hohen orths
alßogleich jemandt darzu
benambseten, undt beorderten, undt es dahin
notificiren ließen.
4
Schließlichen erinneren sich euer kay. May.× allergnädigst
[49v]
daß der reis effendi
schon öffters sehr angelegentlich wegen eines ge-
wissen gefangenen
nachsuchung gethan, der sich under deß general Castel-
li regiment zu Pruckh an der Leitha× befindten solle. Derentwegen, ob
zwahr von euer kay. May.× löbl. hoff
kriegs rath auch schon vor
mehr als 2 monath an dasselbe geschriben
wordten, doch gleichwohlen
dato einige andtwortt, so vill mir wissendt,
weniger einige nachricht
erfolget. Weillen ich nuhn versichert bin, daß
er bey meiner ankhunfft
in Constantinopel× wider darnach fragen, undt ich schlecht bestehen
werdte,
wan ihme nicht einmahl werdte sagen khönnen,
was für eine andtwortt
oder nachricht darauff eingelassen, alß
understehe mich auch dißfalls aller-
underthänigst zu bitten, allergnädigst zu
befehlen, daß ich benachrichtet wer-
den möge, was es mit selben gefangenen für eine beschaffenheit
habe, ob er vorhandten oder nicht? Damit doch
wenigst gezeiget werden
khönne, daß man sich in dergleichen sachen,
welche sie Türckhen so
hoch recommendiren, bemühe, undt dieselbe
sich in etwas angelegen
seyn lassen. Mich anbey zu beharrlichen
huldten undt gnaden aller-
underthänigst gehorsambst empfehlendt.
Euer kay. May.×
allerunderthenigst gehor-
sambster
Wolff g. z. Öttingen×
manu propria
Ofen×, den 27.
Octobris 1699 .
PS. Was dem vehsir× zu Belgradt× wegen des commihsarii hier
auf dupliciren zu antwortten, weillen es an der zeith, bitte allerunderthenigst
mit disen curier ohnverlangt allergnädigst zu berichten, zu mahlen
ich in 8 tag zu Belgradt× zu sein verhoffe.