Porträt des Abtes von Neresheim Simpert Niggl

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© Stadtarchiv München

Objekttyp Druckgraphik
TechnikKupferstich
MaterialSchwarze Tinte, Papier
Heutiger Standort Stadtarchiv München
InventarnummerDE-1992-HV-BS-A-29-69
Künstler/WerkstattRaphael Simon (gest. 1720) und Jeremias Kilian (1665-1730)
VerlegerUnbekannt
HerstellungsortAugsburg
Datierung1705
BeschreibungDer Kupferstich zeigt den Abt und Reisebuchautor Simpert Niggl vor dem Hintergrund des Klosters Neresheim. Der Stich des Jeremias Kilian (1665-1730) beruht auf einer zeichnerischen Vorlage des Malers Raphael Simeon (gest. 1720).[...]
Maße286 x 187mm (Blatt)
DokumentationRaphael SIMON / Jeremias KILIAN, Abt Simpert Niggl, Augsburg 1705.
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitiervorschlagPorträt des Abtes von Neresheim Simpert Niggl, bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallersteins und Elçi İbrahim Paşas (1699–1701), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 7), Wien 2025
Online unter: https://qhod.net/o:owip.img.hbg.6
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Über das Werk

Von Laila Dandachi

Der Kupferstich zeigt das ganzfigurige Porträt des Abts Simpert Niggl aus Schwangau in Bayern (1654–1711),[1] der sich mit seinem türkischen Kaftan und seiner landesüblichen Bärenfellmütze vor der Kulisse des barocken Klosters Neresheim darstellen lässt.[2] Der festliche Charakter der Szene wird durch das mit Straußenfedern bekrönte Festzelt betont, aus welchem der Abt würdevoll hervortritt. Er weist mit der rechten Hand auf das Kloster Neresheim, da in seiner Regierungszeit (1682–1706) nicht nur die Barockisierung der Schaufassade der romanischen Kirche neben dem Turm, sondern auch der Neubau des Konventgebäudes mit imposantem Treppenaufgang in der Mitte sowie die Neugestaltung des vorgelagerten Ökonomiehofes fielen. Trotz der Unterbrechung der Bauarbeiten aufgrund des Spanischen Erbfolgekrieges zwischen 1702 und 1704 konnte er seine Bauprojekte bis zum Ende seiner Amtszeit 1706 großteils vollenden.[3] Der Kupferstich, der von dem wenig bekannten Vorarlberger Maler Raphael Simon (gest. 1720) gezeichnet wurde („Raphael Simon delineavit“), zeigt vermutlich eine Ansicht der Klosteranlage vom letzten Amtsjahr des Abtes.[4] Das Kloster wird hier in einer großzügig konzipierten Vogelschau dargestellt, wobei die einzelnen Bauelemente in der Landschaft kartographisch ausgebreitet werden. Die gesamte Klosteranlage ist mit ihren architektonischen Details in der Westansicht als bevorzugte Schauseite detailliert erkennbar.

Raphael Simon bezieht die natürliche Umgebung in der Darstellung des Klosters Neresheim kaum ein und rückt stattdessen – wie im 17. und 18. Jahrhundert üblich – die herrschaftliche Repräsentation des Klosters in den Mittelpunkt.[5] Die restlichen Umbauten wurden 1711 abgeschlossen, und der barocke Urzustand der Klosteranlage wurde 1719 in dem Stuckrelief von Dominikus Zimmermann im Festsaal des Klosters dargestellt. Aufgrund der monumental ausgebauten Westfassade der Kirche und des vierflügeligen Konventgebäudes erhielt die Abtei den Charakter eines hochherrschaftlichen Schlosses. Somit kam der hohe Anspruch als reichunmittelbarer Landesherr zumindest architektonisch zur Geltung.[6]

Auf den Ruhm Simpert Niggls als bedeutender barocker Bauherr bzw. Landesherr verweist nicht nur die Ansicht der damaligen Klosteranlage, sondern auch das von Putten getragene, große bischöfliche Wappen mit einem silbernen Greif, der ein Dreiblatt in seiner Pranke hält. Darüber befindet sich das Schriftband des Wappens mit dem Anagramm „SIMPERTUS EST PRIMUS“: Der Vorname dient hier zur Erfindung eines neuen Wortes, das den Abt ehrt. Je komplexer die Umformulierungen gestaltet wurden, desto größer war die Ehrerbietung.[7] Außerdem verweisen sein Kaftan-Kostüm[8] und seine erhabene Position vor dem Festzelt auf seine Teilnahme an der kaiserlichen Großbotschaft (1699–1701) ins Osmanische Reich nach Konstantinopel. Somit stellt sich Simpert Niggl als Mitglied einer bedeutenden diplomatischen Friedensmission dar, die von dem Großbotschafter Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein angeführt wurde (vgl. Porträt des kaiserlichen Großbotschafters Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein; Porträt des kaiserlichen Großbotschafters Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein mit allegorischer Friedensdarstellung). In seiner linken Hand hält er vermutlich sein Reisetagebuch, in dem er bedeutende Ereignisse auf der Mission ausführlich beschrieb.[9]

Der Porträtstich des Abtes wurde von dem kaum bekannten Kupferstecher Jeremias Kilian (1665–1730) aus Augsburg angefertigt („Jeremias Kilian sculpsit“),[10] der auf einer gemalten Porträtbüste des Abtes in Schloss Wallerstein beruht. Wie auch im Fall der Gemälde der Großbotschafter Oettingen-Wallerstein und Ibrahim Pascha (vgl. Porträt des kaiserlichen Großbotschafters Wolfgang IV. zu Oettingen–Wallerstein, Porträt des osmanischen Großbotschafters Ibrahim Pascha) wurde auch das Gemälde des Abtes von Frans von Stampart erst nach der Rückkehr der Großbotschaft aus Konstantinopel 1701 hergestellt.[11]