Porträt des kaiserlichen Großbotschafters Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein mit allegorischer Friedensdarstellung

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© Österreichische Nationalbibliothek

Objekttyp Druckgraphik
TechnikRadierung
MaterialSchwarze Tinte, Papier
Heutiger Standort ÖNB Wien
InventarnummerPORT_00064132_01
Künstler/WerkstattEngelhard Nunzer (1661-1733)
VerlegerJohann Jonathan Felsecker (1683-1729)
HerstellungsortNürnberg
Datierung1699-1700
BeschreibungDer Kupferstich von Engelhard Nunzer (1661-1733) zeigt hier ein Porträt des kaischerlichen Großbotschafters Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein. Diese Darstellung zeichnet sich durch die Einfügung von Friedenssymbolik (Allegorie, Embleme) aus.[...]
Maße340 x 214mm (Blatt)
DokumentationEngelhard NUNZER, Der Großbotschafter Graf Wolfgang IV. von Oettingen-Wallerstein, Nürnberg 1699–1700.
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitiervorschlagPorträt des kaiserlichen Großbotschafters Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein mit allegorischer Friedensdarstellung, bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallersteins und Elçi İbrahim Paşas (1699–1701), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 7), Wien 2025
Online unter: https://qhod.net/o:owip.img.hbg.5
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Über das Werk

Von Laila Dandachi

Der Kupferstich des Engelhard Nunzer in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien[1] weicht durch die Einfügung von Friedenssymbolik von der originalen Porträtdarstellung des Frans von Stampart ab. Die Bildlegende wiederholt die Angaben über Funktionen und Aufgaben des Großbotschafters, die auch im Kupferstich Pfeffels dokumentiert sind (vgl. Porträt des Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein). Darüber hinaus werden noch das Nürnberger Verlagshaus von Felsecker („Joh. Jonathan Felsecker Sel. Erben Excudebat Norimberg“)[2] und Nunzer als Stecher aus Nürnberg angegeben („E. Nunzer Sculp. Norib.“).

Der kaiserliche Großbotschafter erscheint hier zwar in derselben Kostümierung (ungarische Fellmütze und Kleidung, Säbel und Streitkolben), findet sich aber in einer durch Säulen gestützten Architektur wieder, die nur den Blick auf eine Landschaft mit Bäumen freigibt. Auf der linken Seite fügte der Künstler außerdem noch einen kleinen Tisch hinzu, auf dem sich ein Teppich und die durch ein Kissen erhöhten kaiserlichen Kredenzschreiben befinden. Dieses Bildformular beruht offensichtlich auf der Darstellung des kaiserlichen Großbotschafters Johann Rudolf Schmid von Schwarzenhorn, der sich sowohl auf dem Gemälde bzw. Kupferstich als auch dem Trinkbecher mit den auf einen Tisch platzierten kaiserlichen Schreiben porträtieren ließ.[3]

Während auf dem Trinkbecher die Übergabeszene der kaiserlichen Kredentialien von Inschriften umrahmt werden, die u.a. auf den friedensstiftenden Zweck der diplomatischen Mission des Großbotschafters hinweisen, bestätigt die eingefügte politische Allegorie mit lateinischen Zitaten die friedenspolitische Botschaft auf Nunzers Porträtstich: Oberhalb des Hauptes des Großbotschafters befindet sich auf der linken Seite die Personifikation der Justitia („Gerechtigkeit“) mit Schwert und Waage, die auf der rechten Seite jener von Pax („Friede“) gegenübergestellt wird. Letztere reicht mit ihrer rechten Hand der Justitia einen Palmzweig, während sie mit ihrer linken eine Karte hält, die die nach 1683 wiedereroberten, ungarischen Gebiete zeigt. In der Mitte erscheint noch der kaiserliche Adler, der auf dem Palmzweig der Pax sitzt. In der griechisch-römischen Antike wurde die Personifikation des Friedens mit einem Palmenzweig als Symbol des Friedens oder mit dem Füllhorn als Zeichen des Wohlstands dargestellt. Erst Anfang des 15. Jahrhunderts nahmen italienische Künstler diese wieder in ihrer Bildprogrammatik auf, die sie zusammen mit anderen Personifikationen in Allegorien zeigen: Auf dem Porträtstich des Engelhard Nunzer geht Pax ihre wichtigste Verbindung mit der Justitia ein. Seit dem Mittelalter galt die Gerechtigkeit als Voraussetzung von Frieden und Wohlstand, und im Laufe des 16. Jahrhunderts wurden diese Personifikationen in einer politischen Allegorie gezeigt, die die Einheit von Frieden und Gerechtigkeit als höchstes politisches Ideal hervorheben.[4]

Die lateinischen Inschriften der römischen Dichter Vergil und Horaz kommentieren nicht nur die Bilder der Personifikationen und des kaiserlichen Adlers, sondern auch die unterhalb der Allegorie befindlichen Embleme (auf der linken Bildhälfte von oben nach unten: Sonnenuhr, Magnet mit Goldring, Perseus und Andromeda; auf der rechten Bildhälfte von oben nach unten: Taube mit Ölzweig, fliegender Adler, Scheibe mit Pfeil) die die Gerechtigkeit, Unbestechlichkeit, Loyalität gegenüber Schutzbefohlenen, Friedfertigkeit, Kaisertreue und Zielstrebigkeit des Großbotschafters veranschaulichen. Zusätzlich untermauern die lateinischen Zitate des römischen Dichters Ovid in der Bildlegende auch seinen Beitrag für den Erfolg der Mission.[5] Die Embleme galten in den dekorativen Kunst des 17. Jahrhunderts als Argumentationsform, in der die Synthese von Bild und Wort visualisiert ist. Somit fallen in einem Emblem die Abbildung, Auslegung, Erörterung und Unterweisung zusammen, wobei zusätzlich noch der Adressat in die Mitteilung aufgenommen wird. In einem festen Programmthema wie der Friedenspolitik werden die Embleme kontextualisiert, wodurch deren Symbolsinn präzisiert wird, der dem Betrachter die Schlussfolgerung ermöglicht. Die Bedeutungen der Embleme lassen sich daher nur in Verbindung zum Gesamtprogramm des Kupferstichs – der Visualisierung der friedenspolitischen Mission des Großbotschafters – erklären.[6]