Über das Werk
Von Laila Dandachi
Der Kupferstich des Engelhard Nunzer in der Österreichischen Nationalbibliothek in
Wien[1] weicht durch die Einfügung von Friedenssymbolik von der
originalen Porträtdarstellung des Frans von Stampart ab. Die Bildlegende wiederholt
die Angaben über Funktionen und Aufgaben des Großbotschafters, die auch im
Kupferstich Pfeffels dokumentiert sind (vgl. Porträt
des Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein). Darüber hinaus werden noch
das Nürnberger Verlagshaus von Felsecker („Joh. Jonathan Felsecker Sel. Erben
Excudebat Norimberg“)[2] und Nunzer als Stecher aus Nürnberg angegeben („E.
Nunzer Sculp. Norib.“).
Der kaiserliche Großbotschafter erscheint hier zwar in derselben Kostümierung
(ungarische Fellmütze und Kleidung, Säbel und Streitkolben), findet sich aber in
einer durch Säulen gestützten Architektur wieder, die nur den Blick auf eine
Landschaft mit Bäumen freigibt. Auf der linken Seite fügte der Künstler außerdem
noch einen kleinen Tisch hinzu, auf dem sich ein Teppich und die durch ein Kissen
erhöhten kaiserlichen Kredenzschreiben befinden. Dieses Bildformular beruht
offensichtlich auf der Darstellung des kaiserlichen Großbotschafters Johann Rudolf
Schmid von Schwarzenhorn, der sich sowohl auf dem Gemälde bzw. Kupferstich als auch
dem Trinkbecher mit den auf einen Tisch platzierten kaiserlichen Schreiben
porträtieren ließ.[3]
Während auf dem Trinkbecher die Übergabeszene der kaiserlichen Kredentialien von
Inschriften umrahmt werden, die u.a. auf den friedensstiftenden Zweck der
diplomatischen Mission des Großbotschafters hinweisen, bestätigt die eingefügte
politische Allegorie mit lateinischen Zitaten die friedenspolitische Botschaft auf
Nunzers Porträtstich: Oberhalb des Hauptes des Großbotschafters befindet sich auf
der linken Seite die Personifikation der Justitia („Gerechtigkeit“) mit Schwert und
Waage, die auf der rechten Seite jener von Pax („Friede“) gegenübergestellt wird.
Letztere reicht mit ihrer rechten Hand der Justitia einen Palmzweig, während sie mit
ihrer linken eine Karte hält, die die nach 1683 wiedereroberten, ungarischen Gebiete
zeigt. In der Mitte erscheint noch der kaiserliche Adler, der auf dem Palmzweig der
Pax sitzt. In der griechisch-römischen Antike wurde die Personifikation des Friedens
mit einem Palmenzweig als Symbol des Friedens oder mit dem Füllhorn als Zeichen des
Wohlstands dargestellt. Erst Anfang des 15. Jahrhunderts nahmen italienische
Künstler diese wieder in ihrer Bildprogrammatik auf, die sie zusammen mit anderen
Personifikationen in Allegorien zeigen: Auf dem Porträtstich des Engelhard Nunzer
geht Pax ihre wichtigste Verbindung mit der Justitia ein. Seit dem Mittelalter galt
die Gerechtigkeit als Voraussetzung von Frieden und Wohlstand, und im Laufe des 16.
Jahrhunderts wurden diese Personifikationen in einer politischen Allegorie gezeigt,
die die Einheit von Frieden und Gerechtigkeit als höchstes politisches Ideal
hervorheben.[4]
Die lateinischen Inschriften der römischen Dichter Vergil und Horaz kommentieren
nicht nur die Bilder der Personifikationen und des kaiserlichen Adlers, sondern auch
die unterhalb der Allegorie befindlichen Embleme (auf der linken Bildhälfte von oben
nach unten: Sonnenuhr, Magnet mit Goldring, Perseus und Andromeda; auf der rechten
Bildhälfte von oben nach unten: Taube mit Ölzweig, fliegender Adler, Scheibe mit
Pfeil) die die Gerechtigkeit, Unbestechlichkeit, Loyalität gegenüber
Schutzbefohlenen, Friedfertigkeit, Kaisertreue und Zielstrebigkeit des
Großbotschafters veranschaulichen. Zusätzlich untermauern die lateinischen Zitate
des römischen Dichters Ovid in der Bildlegende auch seinen Beitrag für den Erfolg
der Mission.[5] Die Embleme galten in den
dekorativen Kunst des 17. Jahrhunderts als Argumentationsform, in der die Synthese
von Bild und Wort visualisiert ist. Somit fallen in einem Emblem die Abbildung,
Auslegung, Erörterung und Unterweisung zusammen, wobei zusätzlich noch der Adressat
in die Mitteilung aufgenommen wird. In einem festen Programmthema wie der
Friedenspolitik werden die Embleme kontextualisiert, wodurch deren Symbolsinn
präzisiert wird, der dem Betrachter die Schlussfolgerung ermöglicht. Die Bedeutungen
der Embleme lassen sich daher nur in Verbindung zum Gesamtprogramm des Kupferstichs
– der Visualisierung der friedenspolitischen Mission des Großbotschafters –
erklären.[6]