Die kaiserliche Großbotschaft Oettingen-Wallerstein und ihr prächtiger Einzug in Konstantinopel

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© Rijksmuseum Amsterdam

Objekttyp Druckgraphik
TechnikKupferstich
MaterialSchwarze Tinte, Papier
Heutiger Standort Rijksmuseum Amsterdam
InventarnummerRP-P-1896-A-19368-1994
Künstler/WerkstattCaspar Luyken (1672-1708)
VerlegerChristoph Weigel (1654-1725)
HerstellungsortNürnberg
Datierung1700-1708
BeschreibungDer von Christoph Weigel (1654-1725) herausgegebene und von Caspar Luyken (1672-1708) gestochene Einblattdruck zeigt die kaiserliche Großbotschaft Oettingen-Wallerstein, die, während ihres Einzuges in Istanbul in orientalisierenden Kostümen auftreten.[...]
Maße384 x 458 mm (Blatt)
DokumentationCaspar LUYKEN / Christoph WEIGL, Historische Denckwürdigkeiten des 1700stern Jahres, Nürnberg 1700-1708
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitiervorschlagDie kaiserliche Großbotschaft Oettingen-Wallerstein und ihr prächtiger Einzug in Konstantinopel, bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallersteins und Elçi İbrahim Paşas (1699–1701), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 7), Wien 2025
Online unter: https://qhod.net/o:owip.img.hbg.17
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Über das Werk

Von Laila Dandachi

Der Einblattdruck Historische Denckwürdigkeiten des 1700sten Jahrs, der von dem Kupferstecher und Verleger Christoph Weigel (1654–1725) in Nürnberg herausgegeben wurde, zeigt die kaiserliche Großbotschaft bei ihrem opulenten Einzug in Konstantinopel (Bild II, oberstes Register).[1] Christoph Weigel begann zunächst eine Goldschmiedelehre, bevor er in den Jahren 1673–78 in Augsburg eine Ausbildung zum Kupferstecher erhielt. Es folgten Aufenthalte in verschiedenen Städten, u.a. in Wien und Nürnberg. Nachdem er in Nürnberg um 1700 einen eigenen Verlag gegründet hatte, spezialisierte er sich vorwiegend auf Schab- und Linienmanier. Die Kupferstiche in seinen verlegten Büchern wurden hingegen zum großen Teil von verschiedenen Mitarbeitern angefertigt.[2] Darunter befand sich auch der niederländische Kupferstecher Caspar Luyken (1672–1708), dem die Anfertigung der Darstellung des Einzuges der kaiserlichen Großbotschaft Oettingen-Wallerstein auf dem Einblattdruck Weigels zugeschrieben wird. Caspar Luyken erhielt seine Ausbildung von seinem Vater Jan Luyken (1649–1712) und arbeitete mit ihm zeitlebens eng zusammen.[3]

Johann Baptist Schönwetter erwähnt in seinem Bericht, dass die kaiserliche Großbotschaft am 8. Februar 1700 in Begleitung von osmanischen Hofbeamten und von mit Gewehren bewaffneten Janitscharen beim Adrianopolitanischen Tor die Stadt Konstantinopel betrat. Der Einzug, der mit Militärmusik und Fahnen stattfinden durfte, vollzog sich vor einer großen Anzahl von schaulustigen Stadtbewohnern.[4] Auf der Graphik Luykens erkennt man den Großbotschafter Wolfgang zu Oettingen-Wallerstein auf einem Pferd sitzend, der gerade mit seinen Hofdienern und Kavalieren das Tor passiert. Wie im Bericht Schönwetters erwähnt, sind auch hier Fahnenträger und Militärmusiker dargestellt. Besondere Aufmerksamkeit legte der Künstler in seinem Kupferstich jedoch auf die Einkleidung der kaiserlichen Großbotschaft mit den vor der Abreise angefertigten orientalisierenden Kostümen, die die Missionsteilnehmer auch bei ihrem Auszug aus Wien und bei der Abschiedsaudienz bei Kaiser Leopold I. trugen (s. Paradeauszug des kaiserlichen Großbotschafters Wolfgang zu Oettingen-Wallerstein vor den Stadttoren Wiens).[5]

Die Darstellung des Großbotschafters auf dem Kupferstich von Caspar Luyken orientiert sich an der Abbildung des Einzugs von Sultan Mustafa II. in Konstantinopel auf einem Kupferstich, der von Jan Luyken angefertigt wurde.[6] Das Motiv der osmanischen Herrscher- oder Botschaftereinzüge beruht auf den Darstellungsprinzipien des europäischen Hofzeremoniells, in dem unterschiedliche Kleidungsmoden integriert und kontextualisiert werden konnten.[7] Somit erscheinen auf beiden Kupferstichen sowohl der Sultan als auch der Großbotschafter in derselben Haltung auf ihrem reichgeschmückten Pferd sitzend, wobei sie sich vor allem in der Kleidung, Kopfbedeckung und Bewaffnung ähneln. Auch die Aufteilung der militärischen und höfischen Gefolgschaft vor oder nach ihren Repräsentanten weist auf beiden Stichen enge Parallelen auf. Außerdem betten beide Künstler das Ereignis in eine urbane Architekturkulisse ein, die entweder im Hintergrund noch durch schaulustige Stadtbewohner oder im Vordergrund durch Staffagefiguren belebt wird.

Die Darstellung des kaiserlichen Großbotschafters auf dem Kupferstich Caspar Luykens als „Sultan“ ist der Tatsache geschuldet, dass er während seiner Mission als Stellvertreter des Kaisers fungiert: Der gezielte Einsatz der orientalisierenden Kostüme gleicht daher nicht nur kulturelle Unterschiede aus, sondern vermittelt auch die aus der politischen Gleichstellung resultierende Friedenssicherung. Daher ist hier die Einkleidung der Großbotschaft mit orientalisierenden Kostümen im Sinne einer Erinnerungskultur des Friedens zu verstehen.[8]