Paradeeinzug des osmanischen Großbotschafters Ibrahim Pascha in Wien

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© Wien Museum

Objekttyp Druckgraphik
TechnikKupferstich
MaterialSchwarze Tinte, Papier
Heutiger Standort Wien Museum
Inventarnummer198952
Künstler/WerkstattUnbekannt
VerlegerAdam Jonathan Felsecker (1683-1729)
HerstellungsortNürnberg
Datierung1700
BeschreibungDieser Kupferstich zeigt den prunkvollen Einzug der osmanischen Großbotschaft Ibrahim Pascha in Wien, der zusätzlich durch eine allegorische Friedenssymbolik geschmückt wird.[...]
Maße390 x 305 mm (Seite)
DokumentationAdam Jonathan FELSECKER, Denkwürdiger Einzug und prächtige Einbekleidung des Türkischen Groß=Bottschafters Ibrahim Bassa […], Nürnberg 1700
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitiervorschlagParadeeinzug des osmanischen Großbotschafters Ibrahim Pascha in Wien, bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallersteins und Elçi İbrahim Paşas (1699–1701), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 7), Wien 2025
Online unter: https://qhod.net/o:owip.img.hbg.16
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Über das Werk

Von Laila Dandachi

Der Einzug des osmanischen Großbotschafters Ibrahim Pascha in Wien auf dem Einblattdruck des Verlegers Adam Jonathan Felsecker aus Nürnberg[1] ähnelt in seiner schematischen Darstellungsweise mit nummerierter Bildlegende dem Paradeauszug des kaiserlichen Großbotschafters Wolfgang zu Oettingen-Wallerstein vor den Stadttoren Wiens. Auch hier erstreckt sich die mäandrierende Prozession Ibrahim Paschas, die sich in Richtung der Stadtmauern Wiens bewegt, über das gesamte Blatt. Auffällig sind wieder die Länge und Größe des Zuges, während die Kennzeichen der Regimenter, Personen und Kutschen kaum erkennbar sind und daher nur aufgrund ihrer Nummerierung mit anschließender Beschreibung in der Bildlegende identifiziert werden können. Der Großbotschafter befindet sich auch hier in der Mitte des Zuges auf einem Pferd reitend und repräsentiert daher mit seinem Gefolge gemäß seinem hohen Rang das Zentrum des Zuges. Im Bericht Schönwetters wird der Einzug des osmanischen Großbotschafters Ibrahim Pascha in Wien visuell vereinfacht dargestellt. Sowohl der Bericht als auch die Beschreibung in der Bildlegende erwähnen den Empfang des osmanischen Großbotschafters durch die kaiserlichen Kommissare am 30. Jänner 1700. Der Einzug erfolgte in Begleitung kaiserlicher Offiziere und Hofbeamter und bestand daher aus osmanischen und kaiserlichen Regimentern, Fahnenträgern sowie Geschenk- und Gepäckwägen.[2]

Im Gegensatz zu den vereinfachten Darstellungen im Bericht Schönwetters sticht der Einblattdruck Lerchers außerdem durch seine politische Ikonographie hervor: Die Personifikation der Pax (Friede) und der Justitia (Gerechtigkeit) sitzen vereinigt auf einem Steinsockel, wobei die mit ihren Attributen –Schwert und Waage– gekennzeichnete Justitia von der Pax mit einem Kranz bekrönt wird. Außerdem hält sie noch den von der Pax überreichten Ölzweig in ihrer Schwerthand. In der frühneuzeitlichen Kunst steht die Personifikation der Pax selten allein und ihr Bedeutungszusammenhang erschließt sich erst mit weiteren Personifikationen wie der Abundantia (Überfluss), der Concordia (Eintracht) oder eben, wie auf der Grafik abgebildet, mit der Justitia. Die Verbindung von Pax und Justitia stellt dabei die häufigste Variante dar, da laut alttestamentarischer Auffassung es keinen Frieden ohne Gerechtigkeit geben kann (Buch Jesaja 32,17: „Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein […].“). Außerdem beschreibt auch der spätantike Kirchenvater Augustinus (354–430 n.Chr.) den gerechten Frieden als den Idealzustand, wodurch Wohlstand und Grundrechte gesichert werden könnten.[3]

Auf einem weiteren, qualitätvolleren Einblattdruck im Wienmuseum,[4] der offensichtlich denselben Einzug des osmanischen Großbotschafters zeigt, sind Pax und Justitia mit weiteren Friedenskonnotationen umgeben: Die Hinzufügung sämtlicher Embleme mit abgekürzten lateinischen Inschriften entlang der Bildränder veranschaulichen die Auswirkung des gerechten Friedens auf die Landarbeit und den daraus entstehenden Wohlstand. Im Kontext der kriegerischen Auseinandersetzungen vor dem Frieden von Karlowitz 1699 stehen wohl auch der in einem Bärenfell gekleidete, schlafende Barbar sowie der mit einem abgebrochenen Schwert dargestellte gepanzerte Krieger, die beide scheinbar die besiegten Osmanen verkörpern. Die Porträtbüsten des Kaisers Leopold I. und des Sultans Mustafa II. erscheinen auf beiden Graphiken, wobei die Inschrift in der kaiserliche Büste auf den militärischen Sieg der Habsburger über die Osmanen verweist. Auf dem Sockel von Pax und Justitia verweist noch die angefügte lateinische Inschrift auf die Gerechtigkeit bzw. Notwendigkeit des Krieges, wodurch ein „goldener“ Friede erst ermöglicht werden kann („Justitia Belli tandem Pax Aurea parta est.“). Daher deuten alle Motive (Personifikationen, Embleme, Porträtbüsten) auf den beiden Einblattdrucken darauf hin, dass der Krieg vorbei ist und dem Habsburgerreich eine Zeit des Friedens bevorsteht.