Paradeauszug des kaiserlichen Großbotschafters Wolfgang zu Oettingen-Wallerstein vor den Stadttoren Wiens

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© Wien Museum

Objekttyp Druckgraphik
TechnikKupferstich
MaterialSchwarze Tinte, Papier
Heutiger Standort Wien Museum
Inventarnummer19765
Künstler/WerkstattUnbekannt
VerlegerChristoph Lercher (1643-1713)
HerstellungsortWien
Datierung1699
BeschreibungAuf diesem Kupferstich, der von Christoph Lercher (1643-1713) herausgegeben wurde, wurde der Auszug der kaiserlichen Großbotschaft Oettingen-Wallerstein in Wien nach dem Vorbild kaiserlicher Triumphzüge dargestellt.[...]
Maße373 x 285 mm (Seite)
DokumentationChristoph LERCHER, Kavalkade des kaiserlichen Botschafters bei den Osmanen anlässlich der Abschieds-Audienz in Wien am 26. September 1699, Wien 1699
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitiervorschlagParadeauszug des kaiserlichen Großbotschafters Wolfgang zu Oettingen-Wallerstein vor den Stadttoren Wiens, bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallersteins und Elçi İbrahim Paşas (1699–1701), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 7), Wien 2025
Online unter: https://qhod.net/o:owip.img.hbg.15
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Über das Werk

Von Laila Dandachi

Der Einblattdruck, der von dem Wiener Buchdrucker Christoph Lercher (1643–1713)[1] herausgegeben wurde, stellt die wichtigste graphische Darstellung des Auszugs der Großbotschaft Oettingen-Wallerstein mit dem Gefolge in Wien 1699 dar. Auf der linken unteren Bildseite setzt sich der lange prächtige Zug des kaiserlichen Großbotschafters vom Stadttor aus in Bewegung und schlängelt sich mäandrierend in Richtung des oberen Bildrandes. Nachdem der Großbotschafter am 26. September 1699 seine Abschiedsaudienz bei Kaiser Leopold I. abgehalten hatte, veranstaltete er seinen Auszug aus der kaiserlichen Residenzstadt in Form einer triumphalen Prozession. Aufgrund der schematischen Darstellungsweise werden die wichtigsten Teilnehmer nummeriert und in der Bildlegende erwähnt. Diese Dokumentation folgt der Ikonographie der kaiserlichen Triumphzüge seit dem Ende des 15. Jahrhunderts: Der feierliche Einzug eines Herrschers in die Stadt veranschaulicht eine Sonderform der „Processio“, des festlichen Auf- und Umzuges, der in der Frühen Neuzeit ein wichtiges Element der städtischen und höfischen Festkultur darstellte.[2]

Die ersten Einzeldarstellungen von diplomatischen Aus- oder Einzügen kamen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf. In dieser Zeit erfuhr der Gesandte eine politische Aufwertung, da er als Repräsentant des Kaisers bei diplomatischen Ereignissen fungierte. Darüber hinaus spielten auch der Rang und Umfang der Abordnung sowie der Ort der Abhaltung vor oder in der Stadt eine große Rolle.[3] Daher heben sich die Darstellungen dieser Ereignisse weniger durch ihre künstlerische Originalität hervor, sondern sie gewinnen durch den räumlichen Abstand der gestaffelten Ranggruppen zum Zentrum an Wiedererkennungswert und Lesbarkeit.[4]

Auf dem Kupferstich Christoph Lerchers wird der prächtige Botschafterzug vor dem Stadttor Wiens gezeigt, der von Hofmusikern (Trompeter und Pauker) sowie Hof- und Militärbeamten auf der Bildoberseite angeführt wird. In der Mitte des Zuges erscheint der kaiserliche Großbotschafter auf seinem Pferd reitend, der von zahlreichen Dienstleuten (Lakaien und Trabanten) umgeben ist. Während die in der Bildlegende genannten adeligen Kavaliere zu je drei Personen auf ihren Pferden vor dem Botschafter reiten, gruppieren sich dahinter der Wagenmeister mit seinem Personal, die unbesetzte Prunkkarosse des Großbotschafters, die dessen Status visualisiert, sowie die weiteren Lastwägen und das niederrangige Hofpersonal.[5] Auffällig bei der Darstellung sind nicht nur der Umfang und die prachtvolle Ausstattung der Kutschen und Pferde, sondern auch die orientalischen Kostüme der namentlich genannten Kavaliere und anderer hochrangiger Hofbeamter. Vor allem die gemusterten, orientalisch anmutenden Roben und die mit Reiherbüschen ausgestatteten Mützen der aristokratischen Teilnehmer waren eine bewusste Wahl der kaiserlichen Großbotschaft, um sich von der Reise nach Konstantinopel ein erinnerungswürdiges Denkmal zu setzten.[6]

Deutlich schlichtere Versionen der Ein- und Auszüge der kaiserlichen Großbotschaft wurden in dem Bericht Schönwetters abgebildet: Der Auszug der kaiserlichen Großbotschaft Oettingen–Wallerstein aus Wien ähnelt im Aufbau des Zuges sowie in der Darstellungsweise der Teilnehmer mit orientalisierenden Kostümen dem Botschafterzug auf dem Kupferstich Christoph Lerchers. Als Vorbilder für diese schematisierten bzw. typisierten Botschafterzüge dienen kaiserliche Einzüge vom Ende des 17. Jahrhunderts: Beispielsweise akzentuiert der Einblattdruck des Radierers Hans Ulrich Franck und des Zeichners Johann Weidner in besonderem Maße sowohl den großen Aufwand als auch die Länge und Diversität des kaiserlichen Zuges. Materielle und topographische Bildelemente fehlen vollständig oder treten weitgehend in den Hintergrund.[7] Das dargestellte Thema der Einzüge auf den besprochenen Einblattdrucken wird daher wie für Flugblätter typisch berichtend-informativ und vereinfacht dargestellt, um deren Inhalte medienwirksam zu verbreiten.[8]