Porträt des kaiserlichen Großbotschafters Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein

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© SLUB Dresden

Objekttyp Druckgraphik
TechnikKupferstich
MaterialSchwarze Tinte, Papier
Heutiger Standort Sächsiche Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)
InventarnummerHist.Turc.50
Künstler/WerkstattJohann Andreas Pfeffel (1674-1748) und Frans von Stampart (1675-1750)
VerlegerJohann Andreas Pfeffel (1674-1748)
HerstellungsortWien
Datierung1702
BeschreibungAuf diesem Kupferstich ist der kaiserliche Großbotschafter Wolfgang IV. zu Oettingen- Wallerstein als Friedensstifter dargestellt. Als Vorlage für diesen Stich diente ein Gemälde des Malers Frans von Stampart (1675-1750), das sich heute in Schloss Wallerstein befindet.[...]
Maßeca. 265 x 180mm (Platte)
DokumentationFrans STAMPART / Johann Andreas PFEFFEL, Des Herrn Graffen von Oettingen Portrait, in: Johann Baptist Schönwetter, Gründ- und umständlicher Bericht […], Wien 1702, 34.
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitiervorschlagPorträt des kaiserlichen Großbotschafters Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallerstein, bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallersteins und Elçi İbrahim Paşas (1699–1701), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 7), Wien 2025
Online unter: https://qhod.net/o:owip.img.hbg.1
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Über das Werk

Von Laila Dandachi

Die Bildlegende des Porträtbildes auf dem Kupferstich im Bericht des Johann Baptist Schönwetter nennt nicht nur Oettingen-Wallersteins Funktion als kaiserliche Großbotschafter, sondern auch seine Aufgabe als Friedensstifter bei den Verhandlungen zum Frieden von Karlowitz 1699:

„Ihr Excellenz, Herr Wolffgang deß H.[eiligen] Röm.[ischen] Reichs Graff von Oettingen Kaiserl.[icher] Majestät geheimbder Raht Camerer, und Reichs hoff Rahts=Praesident auch dero bey denen Anno 1699, im Monath Ianuario zu Carlowitz mit denen Türcken geschlossne Fridens=Tractaten gewesener Plenipontentiari primari, und jezo an die Ottomanische Pfort nach Constantinopel abgeschickter Großbottschaffter.“ [1]

Außerdem wird unter dem Bild noch vermerkt, dass der Kupferstich von Johann Andreas Pfeffel („J. A. Pfeffel fecit Vien.“)[2] in Wien hergestellt und nach dem Vorbild des Gemäldeporträts von Frans Stampart in Schloss Wallerstein angefertigt wurde („F. Stampart ad vivum pinx. et del.“).[3] Daher ist davon auszugehen, dass das gemalte Bild von Stampart bereits vor dem Antritt der diplomatischen Botschaftsreise nach Konstantinopel im Jahr 1699 entstand.[4]

Der kaiserliche Großbotschafter lässt sich in seinem Kostüm vor dem Hintergrund einer repräsentativen Architekturkulisse darstellen: Er trägt eine schwarze, ungarische Fellmütze,[5] die mit einem juwelenverzierten Reiherbusch dekoriert ist, eine golddurchwirkte Robe, einen Stoffgürtel sowie einen ärmellosen, pelzverbrämten Mantel. Sein Säbel, dessen Griff in Form eines Vogelkopfes gestaltet ist, steckt in einer Scheide mit Lederschnur.[6] Darüber hinaus hält er einen Streitkolben in der rechten Hand, der sowohl in der europäischen als auch osmanischen Kultur als Autoritätssymbol galt.[7] Europäische Aristokraten ließen sich daher vor allem seit dem 16. Jahrhundert in Gemälden und Kupferstichen sowie auf Grabdenkmälern mit verschiedenen Typen von Streitkolben darstellen: Beispielsweise erscheinen schematisch dargestellte Streitkolben („Pusikane“) mit fast runden Schlagköpfen,[8] die in mehrere Segmente unterteilt sind, im Turnierbuch des Erzherzogs Ferdinand II. (1529–1595) als Bestandteil des husarischen Kostüms von Repräsentanten des Habsburgerreichs: Wie auf dem Kupferstichporträt des Großbotschafters trägt Friedrich von Kittlitz eine ungarische Fellmütze mit Reiherfedern und einen Säbel mit Griff in Form eines Vogelkopfes („Karabela“). Im 16. Jahrhundert verwendeten habsburgische Herrscher und Adelige das an die militärische Ausstattung der Osmanen angepasste husarische Kostüm in Turnieren, um sich als erfolgreiche Türkenbezwinger zu präsentieren. Osmanen und Husaren waren in der Frühen Neuzeit aufgrund ihrer Kleidung kaum zu unterscheiden. Daher wurde auch das husarische Kostüm des Großbotschafters nicht als fremdartig angesehen.[9]

Die ungarische Einkleidung des Großbotschafters lässt sich zwar mit dem kriegerischen Ideal des Türkenkampfes verknüpfen, verweist jedoch im Kontext der diplomatischen Verhandlungen mit dem Osmanischen Reich auch auf die Forderung von ungarischen Territorien:[10] Der dynastische Anspruch der Habsburger auf das einst vereinigte, mittelalterliche Ungarn geht auf das frühe 16. Jahrhundert zurück. Im 17. Jahrhundert zeigten sich diejenigen Erzherzöge der Habsburger zunehmend im ungarischen Kostüm, die als Nachfolger im Kaisertum vorgesehen waren. Somit symbolisierte die Darstellung des Repräsentanten auch den Anspruch auf den ungarischen Königstitel, der als höchster Rang unter den Erzherzögen galt. Obwohl der Sultan im Erscheinen des kaiserlichen Großbotschafters die untergeordnete Rolle des habsburgischen Kaisers als ungarischer König wahrnahm, konnte der Kaiser direkte Rangstreitigkeiten mit dem Sultan vermeiden und gleichzeitig seine Gebietsansprüche gegenüber der zerstrittenen ungarischen und transilvanischen Aristokratie legitimieren.[11]

Was die Hintergrundgestaltung auf dem Kupferstich betrifft, erregt hier noch im Gegensatz zum Porträt des osmanischen Großbotschafters Ibrahim Pascha Eğribozlu die detaillierte Darstellung der Architekturkulisse besondere Aufmerksamkeit. Das europäisch anmutende Gartenpalais weist zwei Stöcke und ein Flachdach auf. Vor der Treppe zum Eingang stehen zwei türkische Staffagefiguren, die sich einander die Hände reichen. Zusätzlich ist das Palais noch von einer Gartenanlage umgeben. In seiner Mitte befindet sich ein Springbrunnen und an den Seiten jeweils eine Zypressenallee, die in eine mit Vasen skulptierte Pforte mündet. Da für diese landschaftliche Architekturszene mit türkischen Staffagefiguren noch keine plausible Identifizierung existiert,[12] wären Prospektdarstellungen des Bosporus vor Konstantinopel oder von anderen Städten in Südosteuropa eine mögliche Inspirationsquelle. Der Künstler Frans von Stampart ließ sich wahrscheinlich von Zeichnungen französischer, niederländischer oder auch deutscher Maler inspirieren, die die Diplomaten auf ihrer Reise nach Konstantinopel begleiteten.[13]