Über das Werk
Von Laila Dandachi
Die Bildlegende des Porträtbildes auf dem Kupferstich im Bericht des Johann Baptist
Schönwetter nennt nicht nur Oettingen-Wallersteins Funktion als kaiserliche
Großbotschafter, sondern auch seine Aufgabe als Friedensstifter bei den
Verhandlungen zum Frieden von Karlowitz 1699:
„Ihr Excellenz, Herr Wolffgang deß H.[eiligen] Röm.[ischen]
Reichs Graff von Oettingen Kaiserl.[icher] Majestät geheimbder Raht Camerer, und
Reichs hoff Rahts=Praesident auch dero bey denen Anno 1699, im Monath Ianuario
zu Carlowitz mit denen Türcken geschlossne Fridens=Tractaten gewesener
Plenipontentiari primari, und jezo an die Ottomanische Pfort nach Constantinopel
abgeschickter Großbottschaffter.“
[1]
Außerdem wird unter dem Bild noch vermerkt, dass der Kupferstich von Johann Andreas
Pfeffel („J. A. Pfeffel fecit Vien.“)[2] in Wien hergestellt und nach dem Vorbild des Gemäldeporträts
von Frans Stampart in Schloss Wallerstein angefertigt wurde („F. Stampart ad vivum
pinx. et del.“).[3] Daher ist davon auszugehen, dass das gemalte Bild
von Stampart bereits vor dem Antritt der diplomatischen Botschaftsreise nach
Konstantinopel im Jahr 1699 entstand.[4]
Der kaiserliche Großbotschafter lässt sich in seinem Kostüm vor dem Hintergrund einer
repräsentativen Architekturkulisse darstellen: Er trägt eine schwarze, ungarische
Fellmütze,[5] die mit einem
juwelenverzierten Reiherbusch dekoriert ist, eine golddurchwirkte Robe, einen
Stoffgürtel sowie einen ärmellosen, pelzverbrämten Mantel. Sein Säbel, dessen Griff
in Form eines Vogelkopfes gestaltet ist, steckt in einer Scheide mit
Lederschnur.[6] Darüber hinaus hält er
einen Streitkolben in der rechten Hand, der sowohl in der europäischen als auch
osmanischen Kultur als Autoritätssymbol galt.[7] Europäische
Aristokraten ließen sich daher vor allem seit dem 16. Jahrhundert in Gemälden und
Kupferstichen sowie auf Grabdenkmälern mit verschiedenen Typen von Streitkolben
darstellen: Beispielsweise erscheinen schematisch dargestellte Streitkolben
(„Pusikane“) mit fast runden Schlagköpfen,[8] die in mehrere Segmente unterteilt sind, im Turnierbuch des
Erzherzogs Ferdinand II. (1529–1595) als Bestandteil des husarischen Kostüms von
Repräsentanten des Habsburgerreichs: Wie auf dem Kupferstichporträt des
Großbotschafters trägt Friedrich von Kittlitz eine ungarische Fellmütze mit
Reiherfedern und einen Säbel mit Griff in Form eines Vogelkopfes („Karabela“). Im
16. Jahrhundert verwendeten habsburgische Herrscher und Adelige das an die
militärische Ausstattung der Osmanen angepasste husarische Kostüm in Turnieren, um
sich als erfolgreiche Türkenbezwinger zu präsentieren. Osmanen und Husaren waren in
der Frühen Neuzeit aufgrund ihrer Kleidung kaum zu unterscheiden. Daher wurde auch
das husarische Kostüm des Großbotschafters nicht als fremdartig angesehen.[9]
Die ungarische Einkleidung des Großbotschafters lässt sich zwar mit dem kriegerischen
Ideal des Türkenkampfes verknüpfen, verweist jedoch im Kontext der diplomatischen
Verhandlungen mit dem Osmanischen Reich auch auf die Forderung von ungarischen
Territorien:[10] Der
dynastische Anspruch der Habsburger auf das einst vereinigte, mittelalterliche
Ungarn geht auf das frühe 16. Jahrhundert zurück. Im 17. Jahrhundert zeigten sich
diejenigen Erzherzöge der Habsburger zunehmend im ungarischen Kostüm, die als
Nachfolger im Kaisertum vorgesehen waren. Somit symbolisierte die Darstellung des
Repräsentanten auch den Anspruch auf den ungarischen Königstitel, der als höchster
Rang unter den Erzherzögen galt. Obwohl der Sultan im Erscheinen des kaiserlichen
Großbotschafters die untergeordnete Rolle des habsburgischen Kaisers als ungarischer
König wahrnahm, konnte der Kaiser direkte Rangstreitigkeiten mit dem Sultan
vermeiden und gleichzeitig seine Gebietsansprüche gegenüber der zerstrittenen
ungarischen und transilvanischen Aristokratie legitimieren.[11]
Was die Hintergrundgestaltung auf dem Kupferstich betrifft, erregt hier noch im
Gegensatz zum Porträt des osmanischen
Großbotschafters Ibrahim Pascha Eğribozlu die detaillierte Darstellung der
Architekturkulisse besondere Aufmerksamkeit. Das europäisch anmutende Gartenpalais
weist zwei Stöcke und ein Flachdach auf. Vor der Treppe zum Eingang stehen zwei
türkische Staffagefiguren, die sich einander die Hände reichen. Zusätzlich ist das
Palais noch von einer Gartenanlage umgeben. In seiner Mitte befindet sich ein
Springbrunnen und an den Seiten jeweils eine Zypressenallee, die in eine mit Vasen
skulptierte Pforte mündet. Da für diese landschaftliche Architekturszene mit
türkischen Staffagefiguren noch keine plausible Identifizierung existiert,[12] wären Prospektdarstellungen des
Bosporus vor Konstantinopel oder von anderen Städten in Südosteuropa eine mögliche
Inspirationsquelle. Der Künstler Frans von Stampart ließ sich wahrscheinlich von
Zeichnungen französischer, niederländischer oder auch deutscher Maler inspirieren,
die die Diplomaten auf ihrer Reise nach Konstantinopel begleiteten.[13]