© Fotohaus Hirsch
| Objekttyp | Waffe |
| Material | Eisen, Elfenbein, Silber, Holz |
| Heutiger Standort | Sammlung Carl–Eugen Prinz zu Oettingen–Wallerstein |
| Inventarnummer | Unbekannt |
| Künstler/Werkstatt | Osmanisch |
| Herstellungsort | Balkanhalbinsel |
| Datierung | 1675-1800 |
| Beschreibung | Obwohl sich die beiden Jatagane in der Sammlung Carl–Eugen Prinz zu Oettingen–Wallerstein (DETHLEFS, Geschenke, 119–120, Nr. 119–120) grundsätzlich ähneln, lassen Unterschiede in Form und Dekor eine jeweils andere Datierung vermuten: Der Jatagan mit den größeren Griffschalen („Ohren“) weist nicht nur eine barocke Filigranverzierung am Klingenansatz auf, sondern lässt auch auf seiner Klinge eine fortlaufende Blüten– bzw. Blattornamentik erkennen, die auf Jataganen des 18. Jahrhunderts vorkommen, wie z.B. auf einer Jataganklinge im Wienmuseum (Inv. Nr. 127391, um 1770). Der zweite Jatagan in der Sammlung Carl–Eugen Prinz zu Oettingen–Wallerstein besitzt wesentlich kleinere Griffschalen sowie eine ornamentlose, breitere Klinge. Daher kann dieser Jatagan aufgrund eines Vergleichs mit einem Jatagan im Landesmuseum in Karlsruhe (Inv. Nr. G 177, um 1700), dessen Griffschalen auch etwas kleiner gestaltet sind, in das späte 17. Jahrhundert datiert werden (PETRASCH, Türkenbeute, 195–196, Kat. Nr. 140). Der in einem Gürtel oder in einer Schärpe getragene Jatagan ist durch eine zweifach gekrümmte, einschneidige und konkave Klinge mit breitem Rücken gekennzeichnet, die so ausgeschliffen ist, dass sie zur Spitze hin am breitesten ist. Mit einer durchschnittlichen Länge von 60 cm konnte man einen Hieb mit großer Wucht ausführen (PETRASCH, Türkenbeute, 180). Die frühesten erhaltenen Jatagane stammen aus dem beginnenden 16. Jahrhundert, die sich jedoch in Form und Dekor von den späteren Jataganen erheblich unterschieden. Diese Jatagane wurden vor allem ausgewählten Kriegskommandanten für herausragende militärische Leistungen im Dienst des Sultans überreicht (vgl. Jatagan im Metropolitan Museum of Art, New York, Inv. Nr. 1993.14, ALEXANDER, Arms, 152–154). Im Osmanischen Reich wurden die Jatagane von den Janitscharen getragen, die sie aber nicht nur im Krieg einsetzen, sondern sie neben ihren Säbeln, Bögen oder Pistolen zum Bestandteil ihres zeremoniellen Kostüms machten. Der Jatagan wurde aber auch unter den islamisierten Würdenträgern des Balkanraumes beliebt, da er dort als ein Symbol für Ehre und Männlichkeit galt. Die christlichen Bewohner übernahmen die Jatagane ebenfalls als Kostümgegenstand und verbreiteten diese auch außerhalb des Osmanischen Reiches ins venezianische Dalmatien und in die balkanischen Grenzregionen des Habsburgerreichs (BOŠKOVIĆ, Weapons, 255). |
| Verwendungskontext | Krieg und Kampf, Zeremonie |
| Maße | Länge (Klinge): 70,5 cm. Breite (Schneide): 5,5 cm |
| Zustand | Während der Jatagan aus dem 18. Jahrhundert gut erhalten ist, weist der ältere Jatagan Fehlstellen am Griffansatz sowie Risse und Gebrauchsspuren an den Griffschalen auf. |
| Provenienz | In dem Reisebericht von Simpert Niggl wird erwähnt, dass der kaiserliche Großbotschafter Wolfgang zu Oettingen–Wallerstein ein Pferd mit Reitzeug und Zubehör vom Bostancı Pascha, dem Kommandeur der Palastwache (Bostancı), die zu den Janitscharen gerechnet wurde, erhielt (NIGGL, Diarium, 301). Möglicherweise befand sich auch der ältere Jatagan in der Sammlung Oettingen–Wallerstein unter den Geschenken des Bostancı Pascha. |
| Siehe auch | Dora BOŠKOVIĆ: Weapons of the Military Frontier, in: David Davidson u.a., Hg., Croatia at the Crossroads, Oxford 2016, 249–271. Alexander DAVID, Islamic Arms and Armour in the Metropolitan Museum of New York, New York 2015. Gerd DETHLEFS, Geschenke der Großbotschaft 1700, in: Hermann Arnold, Hg., Wege zum Frieden, Dresden 2018, 179-180. Simpert NIGGL, Diarium, Oder: Außführliche curiose Reiß=Beschreibung/ Von Wien nach Constantinopel und von dar wider zuruck in Teutschland/: auch was sich hin= und wider merckwürdiges dabey zugetragen. Deß Hochgebohrnen Grafen und Herrn/ Herrn Wolffgang, Grafens zu Oettingen etc. der Röm. Kayserl. Majest. etc. Geheimen Rath/ Cammerern/ und Reichs=Hof=Raths Praesidenten, &c. Welche Seine Hoch=Gräfl. Excell. Als Jhro Röm. Kayserl. Majest. Groß=Bottschaffter den 20. Octob. An 1699. angetretten/ und An. 1701. den 29. Jan. glücklichen vollendet, Augsburg 1701. Ernst PETRASCH, u.a., Hg., Die Karlsruher Türkenbeute, München 1991. |
| Datenerfassung | Dandachi, Laila |
| Lizenz auf diesen Datensatz | Creative Commons BY 4.0 |
| Zitiervorschlag | Jatagan, bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung:
Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallersteins und Elçi İbrahim Paşas (1699–1701), hg. von
Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition
von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie
1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 7), Wien
2025 Online unter: https://qhod.net/o:owip.art.osm.4 Permalink/Handle: |