© Laila Dandachi 2021
| Objekttyp | Kissenhülle |
| Material | Seide, Atlas, Silber– und Goldstickerei |
| Heutiger Standort | Wagenburg, Kunsthistorisches Museum Wien |
| Inventarnummer | S 228, S 229 |
| Künstler/Werkstatt | Osmanisch |
| Herstellungsort | Chios |
| Datierung | 1690–1700 |
| Beschreibung | Die Polsterüberzüge (yastiks) wurden aus Kemḫā–Stoff, einem hoch qualitativen Seidenstoff (vgl. dazu den Wandteppich S 230 in der Wagenburg) gefertigt und zeigen ein zentrales Rosettenmedaillon in der Mitte, das von einem Nelken- und Tulpenkranz umgeben ist. In den vier Eckmedaillons befindet sich jeweils eine Blumenvase. Die Bordüre des Zentralbildes weist eine fortlaufende Blüten- und Blattranke auf, während die äußeren Bordüren einzelne Blumensträuße unter einer Nische zeigen. Blumenvasen und Nischenarchitektur finden sich sowohl auf dem Prunkzelt (S 220) als auch auf dem Wandteppich (S 230). Daher ist es wahrscheinlich, dass die Polsterüberzüge und der Wandteppich zur Ausstattung des Zelts in der Wagenburg (S 220) gehören (ATASOY, Tent, 275, Nr. 138). Das Design der Polsterüberzüge wurzelt einerseits in den Bildvorlagen des 17. Jahrhunderts (Bordürengestaltung und Form der Blumenvasen), weist aber andererseits auch neue Einflüsse aus dem frühen 18. Jahrhundert auf, beispielsweise sind die Blumen des Zentralbildes plastischer gestaltet und daher mit den Blumensträußen auf einer osmanischen Kissenhülle im Königlichen Museum in Brüssel vergleichbar (Inv. Nr. V2. 21, Bursa, um 1700?, vgl. DE JONGHE, Silk, 91). Auf noch späteren Kissenhüllen häufen sich einerseits die Blumenbouquets in den Eckmedaillons, andererseits aber ersetzt die aus der französischen Kunst abgeleitete einzelne Blumenvase („imperiale frittilaria“) das traditionelle Bildschema mit zentraler Rosette (PHILLIPS, Sea, 208–213). Da osmanisches Mobiliar bis zum 18. Jahrhundert kaum vorhanden war, spielten Textilien wie Vorhänge, Teppiche und Polsterüberzüge eine große Rolle bei der Inszenierung von Wohlstand und sozialem Rang. Vor allem die osmanische Buchmalerei des frühen 18. Jahrhunderts veranschaulicht die osmanische Elite bei ihren Freizeitaktivitäten: Eine Miniatur zeigt beispielsweise einen osmanischen Würdenträger, der in einem mit Blumenmedaillons geschmückten Zelt auf einem Teppich vor zwei Polsterkissen sitzt. Die bläulichen Polsterüberzüge weisen ein Blumenmuster in Goldstickerei auf und sind den Polsterüberzügen in der Wagenburg nicht unähnlich (Topkapı Museum, Bibliothek, Inv. Nr. H.2148, fol. 8a, vgl. PHILLIPS, Culture, 158–159). |
| Verwendungskontext | Alltag und Fest |
| Maße | Länge: ca. 95cm, Breite: ca. 45cm |
| Zustand | Die beiden Polsterüberzüge sind sehr gut erhalten. |
| Provenienz | Die beiden Polsterüberzüge gelangten wahrscheinlich wie das Prunkzelt (S 220) und der Wandteppich (S 230) in der Wagenburg als Geschenk des osmanischen Großbotschafters Ibrahim Pascha im Jahr 1699/1700 an den kaiserlichen Hof in Wien. Diese waren vor allem bei höfischen Festen in Verwendung. |
| Siehe auch | Nurhan ATASOY, The Ottoman Imperial Tent Complex, Istanbul 2000. Daniel DE JONGHE, u.a., Hg., The Ottoman Silk Textiles of the Royal Museums of Art and History in Brussels, Brepols 2004. Amanda PHILLIPS, Sea Change. Ottoman Textiles Between Mediterranean and the Indian Ocean, Los Angeles 2021. Amanda PHILLIPS, A material Culture: Ottoman Velvets and Their Owners, 1600–1750, in: Muqarnas 31 (2014), 151–172. |
| Datenerfassung | Dandachi, Laila |
| Lizenz auf diesen Datensatz | Creative Commons BY 4.0 |
| Zitiervorschlag | Polsterüberzug, bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung:
Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallersteins und Elçi İbrahim Paşas (1699–1701), hg. von
Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition
von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie
1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 7), Wien
2025 Online unter: https://qhod.net/o:owip.art.osm.2 Permalink/Handle: |