Anhängeruhr

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© Fotohaus Hirsch

Objekttyp Uhr
MaterialSilber, Messing
Heutiger Standort Sammlung Carl–Eugen Prinz zu Oettingen–Wallerstein
InventarnummerUnbekannt
Künstler/WerkstattMitteleuropäisch
HerstellungsortUnbekannt
Datierung~1650
BeschreibungDiese ovale „Satteluhr“ wurde entweder als pektorale Anhängeruhr oder als Taschenuhr bei Reisen mitgeführt. Das Ziffernblatt weist eine durchbrochene, arabeskenförmige Blattornamentik auf, in deren Mitte sich der Stundenzeiger mit halbmondförmigem Abschluss befindet. Anstatt der römischen Nummerierung werden hier die für das Osmanische Reich üblichen Ziffern verwendet. Eine weitere ovale Anhängeruhr mit osmanischer Stunden- und Datumsanzeige sowie durchbrochenem Arabeskenmuster befindet sich beispielsweise im Landesmuseum Baden-Württemberg (Inv. Nr. WLM 1968-195), die aufgrund des Vergleichs mit ähnlichen Exemplaren in die Mitte des 17. Jahrhunderts datiert wurde (YAGOU, Puzzle, 24). Für eine genaue zeitliche und geographische Einordnung der Anhängeruhr in der Sammlung des Carl–Eugen Prinz zu Oettingen–Wallerstein wäre eine Untersuchung der inneren Bestandteile (u.a. Spindelkolben und Bügel) oder die Auffindung einer Meistersignatur erforderlich (ABELER, Ullstein, 244–245). In der frühen Neuzeit wurden in Europa Taschen- bzw. Anhängeruhren angefertigt, die als diplomatische Geschenke an osmanische Würdenträger gelangten. Diese Uhren dienten als Schmuckgegenstände, die je nach Art des Materials und Dekors den sozialen Status ihres Besitzers anzeigten: Man kann daher davon ausgehen, dass die Anhängeruhr aus der Sammlung des Carl–Eugen Prinz zu Oettingen–Wallerstein aufgrund ihres Materials (Silber und Messing) nur für einen osmanischen Würdenträger von niedrigem Rang vorgesehen war (SCHÖNWETTER, Bericht, 108–109, vgl. YAGOU, Puzzle, 25; DETHLEFS, Geschenke, 180).
VerwendungskontextZeitmessung, Religion und Glaube
MaßeLänge.: 6,8 cm; Breite.: 6,3 cm
ZustandDie Anhängeruhr ist bis auf geringe Gebrauchsspuren sehr gut erhalten
ProvenienzDiese Anhängeruhr, die ursprünglich als diplomatisches Geschenk vorgesehen war, wurde vermutlich aufgrund ihrer geringen Qualität und ihres hohen Alters (Mitte 17. Jahrhundert) nicht verwendet. Der kaiserliche Großbotschafter Wolfgang zu Oettingen–Wallerstein berichtet in seinen Briefen an Kaiser Leopold I. (r. 1658–1705) immer wieder von untauglichen und alten Uhren, die zurückgeschickt und durch neue und schönere Exemplare ersetzt werden sollten (BIDLINGMAIER, Großbotschaft, 89–94). Offensichtlich verblieb diese Uhr bis heute in der Sammlung des Carl–Eugen Prinz zu Oettingen–Wallerstein.
Siehe auchJürgen ABELER, Ullstein Uhrenbuch. Eine Kulturgeschichte der Zeitmessung, Frankfurt am Main u.a. 1975.

Tobias Jakob BIDLINGMAIER, Die Großbotschaft des Grafen Wolfgang IV. von Oettingen- Wallerstein nach Konstantinopel. Die Korrespondenzen zwischen Kaiser Leopold I. und dem Großbotschafter, Masterarbeit, Universität Salzburg 2024.

Gerd DETHLEFS, Geschenke der Großbotschaft 1700, in: Hermann Arnold, Hg., Wege zum Frieden, Dresden 2018, 179-180.

Johann Baptist SCHÖNWETTER, Gründ- und umständlicher Bericht von denen römisch-kayserlichen wie auch ottomannischen Groß-Bothschafften: wodurch der Friede oder Stillstand zwischen dem aller-durchleuchtigst-großmächtigst- und unüberwindlichstem römischen Kayser Leopoldo Primo und dem Sultan Mustafa Han III. den 26. Januarii 1699. Zu Carlowiz in Sirmien auf 25. Jahre geschlossen und darauff auch denen respective Höffen zu Wienn und Constantinopel bestätiget worden, Wien 1702.

Artemis YAGOU, A multifaceted Puzzle. An Early Modern Portable Clock With Islamic Calendar, in: Bulletin of the Scientific Instrument Society 155 (2022), 24–27.
DatenerfassungDandachi, Laila
Lizenz auf diesen DatensatzCreative Commons BY 4.0
ZitiervorschlagAnhängeruhr, bearb. von Laila Dandachi, Datenmodellierung: Jakob Sonnberger, in: Die Großbotschaften Wolfgang IV. zu Oettingen-Wallersteins und Elçi İbrahim Paşas (1699–1701), hg. von Arno Strohmeyer und Stephan Kurz (Digitale Edition von Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie 1500-1918, hg. von Arno Strohmeyer, Projekt 7), Wien 2025
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