.Translation des Mehmet Bassa× schreibens
.an ir Mt×. etc.
.Löblicher und geehrter under den grossen cristlichen herrn, erwölter der hohen und
.mechtigen, in dem cristlichen gesez corrector und regierer, deren handlungen und
5 wesens der ganzen nazarenischen nation, bekhlaidt mit dem glanz der herrschafft,
.und ehren, herr der zaichen der ehr und lobs, khönig zu Wienn×, und römischer khaiser,
.
khunig Maximilian etc.× deß end sey mit glickhseligkhait und allem guettem.
1
.Nachdem e. Mt. etc. unnsere grieß, welche sich e. Mt. etc. khaiserlichen person gezimen
.und e. Mt. etc. auch der ehrlichen, wolgeachten freundtschafft und nachtparschafft,
10 so zwischen uns ist, wierdig, presentiert und angebotten sein, sey e. Mt. freundt-
.lich zuwissen, waßmassen e. Mt. etc. in irem freundtlichen
.schreiben, so unns dise täg zuekhomen, uns bericht und zuversteen geben hatt,
.das e. Mt. etc. nichts, so wider den willen dises glickhseligen khaisers× der vier
.thaill der welt wär, thuen oder fürnemben, auch nichts dem zwischen unns
15 bestätten friden und rueh widerwärttiges erweckhen oder ursachen, noch
.ainich khriegshör wider Sibenbürgen× und Polln× anziehen lassen woltten, sonder
.e. Mt. etc. hetten wol in acht, den gueten frid und rueh, wie sich gebiret, zuehren
.und zuerhalten, so wolten e. Mt. etc. auch in khürz die versprochen verehrung
.der freundtschafft herein schickhen.
2
In warhait so hat man sich zu eur
20 ksl. Mt. niemallß so etwas dergleichen widerwärttiges versehen und
.ist eur ksl. Mt. wol bewist, das das land Sibenbürgen×, welliches mit dem
.gewalt und macht der vorfordern unnsers glickhseligen khaisers× ist erobert
.worden, also auch die völckher des raichs Polln× noch bisheer under seinem schatten
.und schuz in rueh und vor iren feinden, sicher sein, und darumben, das sy so wol
25 versehen und bewahrt sein, ist das land wol bewont, auch die fürnemben und edlen
.desselben sein an der Porten dises unnsers khaisers× der welt in dem ansehen
.wie die andern seine undergebne beegen und herrn. Derwegen ist es gewiß, das sein hoch-
.hait ubl zufriden ist, wan solliches land von aussen beschwört, und belestiget
.wierdet. So haben e. Mt. etc. auch in irem schreiben vermeldt, das auf eur
30 Mt. etc. thaill niemalls ainiche inconvenienz oder khriegs entfürung gewest.
.Was ist aber die ursach, das an den gränizen seiner hochait gebietts volckh
.ist versamblet worden, hierauf wellen e. Mt. etc. wissen, nach-
.dem unns fürbracht worden, das das teütsch hör sich erhöbt, so hatt man
[1v]
.aus zweifl, das es nit etwo Sübenbürgen× uberzüge und darein fielle, zuver-
.hiettung und fürkhumung deren schäden, so hierauß ervolgen möchten, und
.zubeschüzung des lanndts gleichsfalls ein hör zuversamblen bevelchen gehabt.
.Wie wir aber hernach glaubwirdigen bericht empfangen, das von e. Mt. etc.
5 thaill sichs nichts unfridliches erzaige, ehe das von e. Mt. etc. schreiben khomen,
.so ist dem wezier Mustapha Bassa×, verweser zu Ofen×,
.dem beegler beeg von Temeschwar
× und dem Ferhad Sansiak Beeg×
.in Bossen×, auch allen andern beegen an derselben gräniz bevolchen worden,
.ir versamblet volckh wider von einander zu trenen und abziehen zu lassen,
10 sein auch zu mererm grundt des gueten fridens und rueh und beständiger
.der freundtschafft erhaltung ernstlich erindert, verwarnt, inen auch ab-
.sonderliche außdrückhliche ksl. bevelch zuegeschickht und aufferlegt worden,
.alleweil von des römischen khaisers× thaill nichts fridwiderwerttiges sich zue-
.trage oder erwaxe, das sy sich gleichsfalls, wie sich gebürt, hietten,
15 sollen, damit hergegen ires thaills auch nichts dem frid zuwider beschehe.
3
.Derwegen so lang von e. Mt. etc. thaill die conditionen und articl des fridens
.und verhaissung volzogen, so sollen sy auch von unnserm thaill (das ist
.crefftig und gewiß) mit allem vleiß und sorg gehaltten werden.
.Nichts destoweniger aber, so wierdt von eurer seiten die maiste zeit wider
20 den fridts pact gehandlt. Under andren die khriegs leüth des casstells
.
Zeng×, welliches an der gräniz Clissa× gelegen ist, bleiben nie mit frid,
.die ublthäter, so dort herumb sein, khomen hin geen Zeng× und finden aldort
.underschlaiffung, alß dan ziehen sy auß, verwiesten und verderben alles,
.fahrn und fieren weckh die underthonen aus den dörffern, die in unsers
25
khaisers× gebiett an der gräniz zu Clissa× sein. Sonderlich aber etliche aus
.unnsers khaisers× underthonen, wellicher der Venediger gefangne auf dem Möhr
.gewest, nachdem sy ir schäzung erlegt, von iren herrn ledig ge-
.lassen worden sein, auch von Venedig× weckh und widerumb zu wasser
.und landt in unnser gebiett ziehen wollen, sein alspald von denen von
30 denen von Zeng×, wie sy nahend zum castell khomen, widerumben ge-
.fangen und sy, die sich erst erledigt gehabt, daselbst von neuem geschäzt worden.
4
.Dergleichen sclaven nun sein on zall, die da khomen sein und sich sollicher unbild und muettwillen, so die von Zeng× inen bewisen,
.bekhlagt haben. Wie dan auch erst diser zeit ein sollicher
[2r]
.Musulman in den khayserlichen divan khomen ist, wellicher alls er bey Zeng× für¬
.übergeschüfft, hat e. Mt. etc. haubtman aldort ir etlich hinauß geschickht, die den-
.selben Musulman gefangen und hernach in ein ander e. Mt. etc. casstell,
.
Canissa× genant, verschickht haben. Alls im aber alda ein grosse schazung
5 aufgelegt worden, hat er gesagt, zu Venedig× wären türckhische khauffleüth,
.die in kheneten und die schazung an seiner stat erlegen wurden. Darüber
.ist er geen Venedig× gefiert worden und alls er hin khomen, hat er den herzogen
.alda bericht, wie in die von Zeng× auf dem möhr gefangen hetten, darauf in
.der herzog frey und ledig ziechen lassen. Lestlich ist er hieheer geen Con-
stantinopl×, und in den divan khomen, und nachdem er sich alda beschwärt
.und den ganzen handl erzelt gehabt, ist er zu e. Mt. etc. podtschafft,
.welliche hie residiert, geschickht worden und sy ausfierlich aller der händl,
.die e. Mt. etc. haubtman desselben casstells Zeng× wider den friden
.treibt, verstendigen lassen, darauf die podtschafft geantwort, wie sy
15 solliches e. Mt. etc. zueschreiben wolte.
5
Die schäden und ubl, auch
.muetwillen, so derselb e. Mt. haubtman zu Zeng× wider den friden
.den musulmanischen underthonen zuefüegt und thuet, sein zuvil und uber
.die maß, welliches man nun hinfüran in khainen weeg mer leiden
.khan. Das ist von nötten, im fall e. Mt. etc. anderst khrefftigen
20 bestendigen frid und rueh begern, das aintweder dasselb castell
.
Zeng× zerstört, oder diser ubertretter, so iezt haubtman darin ist, ge-
.strafft werde, und das e. Mt. etc. sollich casstell ainer aufrichtigen
.getreuen person, wellche des fridts und guetter rueh wol wahr neme,
.eingeben, sonst werden sy die von Zeng×, des fridens und sicherhait ver-
25 wirrung, auch entlich, des casstells Zeng gewisser zerstörung die ersten
.ursacher sein.
6
Derwegen so thue e. Mt. etc. das, was e. Mt. etc. selbs
.auch guettem frid und rueh gezimblich und wierdig ist, verlieren auch
.die wenigiste zeit nit, die articl des fridts und sicherhait zuhalten, zuehren
.und die versprochen verehrung zu rechter zeit herein zuschickhen.
30 den 15. tag des monats Seffer, das ist der 11. Maii, im jar des Muhamets
.984. etc.
.In der residenz der stat Constantinopl×,
.Gott behiett sy vor aller gefahr.
7
.
1576. 11 Mai
.Deutsche translation des
.
Mehmed Pascha× schreibens
.an ir Mt.×
Translation starts here
[1r]Translation of Mehmet Pasha’s× letter to His Majesty×.
8 Having presented and offered to your majesty our greetings, which are becoming of your majesty’s imperial person and worthy of your majesty as well as of the honest, well-respected friendship and neighborliness that exists between us, let it be kindly known to your majesty that, just as your majesty has reported to us and let us understand in your friendly letter – which reached us recently – that your majesty would not do or undertake anything contrary to the will of this blessed emperor× of a quarter of the world, nor inspire or provoke anything contrary to the peace and tranquility confirmed between us, nor allow any army to march against Transylvania× and Poland×, but that your majesty would take care to honor and preserve the good peace and tranquility, as is proper, your majesty also should before long send in the promised tribute of friendship.
9 In truth, your imperial majesty has never been treated to anything so repugnant, and your imperial majesty is well aware that the land of Transylvania×, which has been conquered by the force and power of our blessed emperor’s× forefathers and thus also the peoples of the kingdom of Poland×, are in peace and safe from their enemies under his shadow and protection. And because they are so well provided for and preserved, the country is well inhabited and its distinguished men and nobles are at the Porte of this our emperor× of the world in the same standing as the other beys and lords. It is therefore certain that his highness is unhappy when such a country is burdened and harassed from outside. Your majesty has also stated in your letter that there has never been any inconvenience or warfare on your majesty’s part. But as to the cause of the gathering of people on the borders of his highness’s territory, your majesty may know that after it was brought to our attention that the German army was rising – [1v] out of concern that it might overrun and invade Transylvania× – it was ordered that an army should also be assembled in order to prevent and forestall any damage that might result from this and to protect the country. However, as we have subsequently – before the arrival of your majesty’s letter – received a credible report that nothing unpeaceful has emerged on your majesty’s part, the Vizier Mustafa Pasha×, governor of Buda×, the beylerbey of Timișoara × and Ferhad Sanjak Bey× in Bosnia×, as well as all other beys on the same border, have been ordered to separate their assembled people from each other again and to let them depart. Furthermore, they have been seriously reminded and warned on a variety of grounds, for the sake of good peace and tranquility and the preservation of lasting friendship, that special explicit imperial orders have also been sent and imposed on them to the effect that as long as nothing contrary to peace occurs or arises on the side of the Roman emperor× they should likewise beware, as is proper, that nothing contrary to peace occurs on their part.
10 Therefore, if the terms and articles of peace and promise are carried out on your majesty’s part, they shall also be kept on our part (this is firm and certain) with all diligence and care. Nevertheless, most of the time the peace treaty is violated from your side. Among other things the soldiers of the castle of Senj, which is situated on the border of Klis×, never remain peaceful. The evildoers who are around there come to Senj and find shelter there, then they set out, devastate and destroy everything, drive and lead away the subjects from the villages that are in our emperor’s× territory on the border of Klis×. In particular, many of our emperor’s× subjects who had been prisoners of the Venetians at sea and who, after paying their ransom, had been released by their masters and were about to leave Venice× and return to our territory by land and by sea, were immediately recaptured by those of Senj as they approached the castle, and those who had just freed themselves were again held there for ransom.
11 Such slaves are now without number who have come and complained of such indignities and ill will as those of Zeug have shown them. Just recently such a [2r] Muslim came to the Imperial Council. When he sailed past Senj, your majesty’s captain sent many men out, who caught this Muslim and then sent him to another of your majesty’s castles, called Nagykanizsa×. When a large ransom was imposed on him, though, he said that there were Turkish merchants in Venice× who knew him and would pay the ransom in his place. So he was taken to Venice× and when he got there he told the duke how those of Senj had captured him at sea, whereupon the duke let him go free and unshackled. Finally he came here to Constantinople× and to the council, and after he had complained there and relayed the whole quarrel, he was sent to your majesty’s embassy, which resides here, and had it informed in detail of all the mischief that your majesty’s captain of this castle of Senj is doing against peace to which the embassy replied that it would write this to your majesty.
12 The harms and evils, also wantonness, which your majesty’s captain of Senj is inflicting and doing to the Muslim subjects against the peace are too much and beyond the measure, which from now on can no longer be suffered in any way. It is necessary, if your majesty desires strong and lasting peace and tranquility, that either the castle of Senj itself be destroyed or that this transgressor, who is now captain therein, be punished and that your majesty hand over such castle to a sincere and faithful person who will take good care of peace and good tranquility, otherwise you will be the first originator of the disarray of those of Senj, of peace and security, finally, of the castle of Zeug’s certain destruction. Therefore, your majesty do that which is seemly and worthy of your majesty himself, even of good peace and tranquility, do not lose even the least time to keep the articles of peace and security, to honor them, and to send in the promised tribute at the right time.
. 1576. 11 May
.German translation of
. Mehmed Pasha’s× letter
.to his majesty×